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  • Emma Hartmann

    von Lisbeth Ahlgren Jensen
    Emma Sophie Amalia Hartmann, Litographie von J. W. Tegner
    Namen:
    Emma Hartmann
    Geburtsname: Emma Sophie Amalie Zinn
    Lebensdaten:
    geb. in Kopenhagen, Dänemark
    gest. in Kopenhagen, Dänemark
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin

    Profil

    Emma Hartmann gehört zusammen mit Ida d’Fonseca zu der ersten Generation von Komponistinnen in Dänemark. Ihr musikalisches Schaffen von hauptsächlich Liedern wurde nicht umfangreich, da sie erst wenige Jahre vor ihrem allzu frühen Tod begann, sich selbst als Komponistin anzuerkennen. Außer den Liedern, die sie unter dem Pseudonym Frederik Palmer herausgab, hat sie eine Reihe Tänze für Klavier hinterlassen, von denen einige in einer modernen textkritischen Ausgabe gedruckt vorliegen.

    Orte und Länder

    Emma Hartmann wurde in Kopenhagen geboren und verbrachte fast ihr ganzes Leben in dieser Stadt. Während ihrer Kindheit machte sie mehrmals Urlaub auf einem Familiengut auf Fünen. Vermutlich war eine Reise nach Hamburg, wo sie im Sommer 1841 mit ihrem Mann zusammen einem Musikfest beiwohnte, das einzige Mal, dass sie außerhalb der Grenzen Dänemarks war.

    Biografie

    Emma Hartmann wurde am 22. August 1807 als die Älteste mehrerer Kinder geboren, unter denen es nur einen Jungen gab, den um zwei Jahre jüngeren Bruder Ludvig Maximillian Zinn. Ihr Vater war der wohlhabende Großhändler Johann Friederich Zinn (1779-1838), der deutscher Herkunft war, während ihre Mutter, Eva Sophie Juliane von Oldeland (1779-1812), aus einer alten dänischen Adelsfamilie stammte. Die Mutter starb, als Emma nur fünf Jahre alt war, und ihr Verhältnis zu der zweiten Frau ihres Vaters, einer Schwester seiner verstorbenen Frau, wurde nie besonders herzlich. Das Elternhaus war ein großer Kaufmannshof im Zentrum Kopenhagens, von wo aus man die hauseigenen Handelsschiffe beobachten konnte, die mit Waren aus vielen Teilen der Welt ankamen. Die Vertreter der internationalen Geschäftsverbindungen, die bei Zinns verkehrten, prägten das gesellige Leben der Familie, und außer Deutsch lernte Emma Hartmann sowohl Französisch als auch Englisch fließend zu beherrschen. Die letztere Sprache lernte sie zudem in einem englischen Institut für Mädchen in Kopenhagen, wo sie mit einigen gleichaltrigen Cousinen die Schule besuchte. Ihr Elternhaus war weithin für seine lebhaften Zusammenkünfte bekannt, bei denen nicht nur herzhaft gegessen und getrunken, sondern auch musikalische Unterhaltung geboten wurde. Zu den regelmäßigen Gästen gehörten z. B. der klassisch orientierte Komponist Christoph Ernst Friedrich Weyse und der romantisch beeinflusste Friederich Kuhlau.


    Als Kind erhielt Emma Hartmann Gesangs- und Klavierunterricht, aber abgesehen vom Namen eines deutschstämmigen Gesangslehrers, Friederich Goetze, der sie eine Zeit lang unterrichtete, ist kein detailliertes Wissen über ihren musikalischen Bildungsweg vorhanden. Es ist aber nachweisbar, dass ihr der Komponist Andreas Peter Berggreen Klavierunterricht gegeben hat, und da aus ihrer Kindheit einige Kompositionsentwürfe vorliegen, ist es möglich, dass Berggreen, der später als Theorielehrer sehr gefragt war, sie auch in elementarer Harmonielehre unterrichtete.

    Im Alter von 22 Jahren heiratete sie am 2. Dezember 1829 den Organisten und Juristen Johannes Peter Emilius Hartmann (1805-1900), den sie an einem Musikabend bei ihrer Tante kennengelernt hatte. Einige Jahre waren sie heimlich verlobt. Nachdem Hartmann sein juristisches Examen bestanden hatte, erhielt er eine Anstellung, die es ihm ermöglichte, eine Familie zu ernähren. Dem jungen Paar wurde eine Wohnung im geräumigen Elternhaus Emma Hartmanns, Kvæsthusgade 3 in Kopenhagen, eingerichtet. Dort kamen während der nächsten 20 Jahre zehn Kinder auf die Welt.

    Neben seinem bürgerlichen Amt war J.P.E. Hartmann Organist, erst in der Garnisons Kirke, und ab 1842 in der Vor Frue Kirke in Kopenhagen. Ausserdem komponierte er. Mit 27 Jahren gelang ihm 1832 mit dem Melodram „Guldhornene“ („Die Goldhörner“) der Durchbruch in eine breitere Öffentlichkeit. Das wurde der Anfang einer bemerkenswert langen und schöpferischen Karriere als Komponist, in der er viele verschiedene Genres bediente, darunter Symphonien, Ouvertüren, Musikdramatisches, Ballettmusik, Kammer- und Klaviermusik sowie Lieder und Kirchenlieder. In der Wohnung der Hartmanns veranstaltete das Ehepaar wöchentliche Musikabende mit geladenen Gästen, und Emma Hartmanns musikalische Tätigkeit entfaltete sich hauptsächlich in diesem privaten Bereich. Sie beteiligte sich aber auch eine kurze Zeit als Chorsängerin im Chor des 1836 gegründeten Musikvereins, wo man bezweckte, Laiensänger zu schulen, damit sie bei den Konzerten des Musikvereins mitwirken könnten.

    J.P.E. Hartmann war viele Jahre Vorsitzender im Vorstand des Musikvereins „Musikforeningen“, einer hoch angesehenen Konzertinstitution Kopenhagens, und hatte entsprechend ausgedehnte Kontakte zu sowohl dänischen als auch ausländischen Musikern. Auf einer Studienreise nach Deutschland traf er z.B. 1836 Robert Schumann, und als Clara Schumann 1842 als Pianistin in Kopenhagen gastierte, traf sie sich auch mit Emma Hartmann, mit der sie danach korrespondiert haben soll (vgl. Brief von Emma Hartmann an Johann Peter Emilius Hartmann 11/10-1844. Det Kongelige Bibliotek, Signatur: Ny Kgl. Samling 2070). Ihr Briefwechsel scheint allerdings nicht erhalten zu sein.

    Emma Hartmann gebar insgesamt zehn Kinder, von denen mehrere während ihres ersten Lebensjahrs starben. Ihre Aufgaben als Frau eines bekannten Mannes und Mutter von sieben Kindern beanspruchten ihre Zeit vollständig. Dennoch steuerte sie Anfang der 1840er Jahre anonym einige Kompositionen für eine Sammlung von Tänzen bei (Dandse componerede for Ballet i Studenterforeningen Den 5te Februar 1841. C.C. Lose & Olsen. Kiøbenhavn; die Kompositionen waren „Wiener-Vals“ und „Gallopade“) und war zudem bekannt dafür, am Klavier zu improvisieren. Allerdings begann sie erst 1847 damit, Melodien aufzuzeichnen, wobei ihr ein Freund des Ehepaars behilflich war, der Jurist Ernst Weis (1807-1873), wie zahlreiche Briefe von Emma Hartmann an Ernst Weis zwischen April 1848 und September 1850 belegen (vgl. Det Kongelige Bibliotek, Signatur: Ny Kgl. Samling 2070).


    Ernst Weis war wie sie selbst ein Laie auf dem Gebiet der Musik. Seit seiner Kindheit spielte er Cello und Klavier und hatte überlegt, professioneller Musiker zu werden. Von entscheidender Bedeutung für ihre kompositorische Tätigkeit war also, dass Ernst Weis ihr Talent und ihr Ausdrucksbedürfnis ernst nahm, und dass er sie davon überzeugte, dass ihre Lieder es verdienten, publiziert zu werden. Obwohl ihr Ehemann ein bekannter und geachteter Komponist war, war es also nicht er, der zuerst ihre Kreativität erkannte und sie dazu ermunterte, sie zu realisieren. In einer engen Zusammenarbeit mit Ernst Weis vertonte Emma Hartmann in den folgenden Jahren eine Reihe an Gedichten, von denen fünf Hefte mit im ganzen 22 Liedern mit Klavierbegleitung während der Jahre 1848 bis 1853 herauskamen.


    Emma Hartmann starb am 13. März 1851, kurz nach der Geburt ihres zehnten Kindes, einer Totgeburt. Das abschließende fünfte Heft mit Liedern, das also posthum erschien, wurde von Ernst Weis redigiert und umfasst zwei Lieder zur selben Melodie. Der Text für das zweite Lied, Epilog, ist mehr oder weniger identisch mit einem Gedicht, das Ernst Weis über seine verstorbene Freundin schrieb und bei ihrer Beerdigung rezitierte. Das Lied wurde damit auch ein nicht intendierter Epilog über ihre gemeinsame enge und vertraute Arbeit an den Gedichten.


    Emma Hartmann gab ihre Lieder unter dem Pseudonym Frederik Palmer heraus. Das war der Name einer Gestalt in der Novelle „Extremerne“ („Die Extreme“) der dänischen Schriftstellerin Thomasine Gyllembourg geb. Buntzen (1773-1856), die ihre Arbeiten anonym veröffentlichte. Den konkreten Grund, weshalb Emma Hartmann vorzog, ihre Identität hinter einem Decknamen zu verbergen, kennt man nicht. Es gab kein Gesetz in Dänemark, das Frauen das Publizieren oder das Auftreten unter eigenem Namen verbot. Vielleicht wünschte sie keine öffentliche Aufmerksamkeit für sich selbst, denn es hätte vermutlich Aufsehen erregt, falls eine Frau der „besseren Gesellschaft“ als Komponistin hervor getreten wäre. Oder vielleicht wünschte sie nicht, dass ihre Lieder mit denen ihres Mannes verglichen werden. Unter allen Umständen ist es bemerkenswert, dass sie ihr Pseudonym von einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Gegenwart wählte, die selbst publizierte, ohne ihre Identität preiszugeben. Theoretisch gesehen wusste Emma Hartmann also nicht, dass sie dadurch ihr künstlerisches Schaffen mit den Werken einer anderen Pionierin verband. Möglicherweise hatten sie aber gemeinsame Bekannte, die davon wussten. Ein solcher gemeinsamer Bekannter war der bekannte Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875), der bei beiden Frauen ein- und ausging, und den Emma Hartmann wegen seiner Neugier neckte (vgl. Brief von Emma Hartmann an Ernst Weis, 17/4-1848. Det Kongelige Bibliotek, Signatur: Ny Kgl. Samling 2070). Implizit schloss sie sich also der Praxis an, dass Frauen gehobenen Bürgertums nicht unter eigenem Namen in der Öffentlichkeit als schaffende Künstlerinnen hervortraten. Aber gleichzeitig trug sie ebenso wie Thomasine Gyllembourg dazu bei, die Vorstellung ins Wanken zu bringen, dass die Tätigkeit der Frau an die Privatsphäre geknüpft war und darin bestand, sich um die Bedürfnisse der Familie und um das eigene Zuhause zu kümmern.

    Würdigung

    Seit ihrer Jugend war Emma Hartmann als eine charmante, musikalisch begabte und lebhafte Persönlichkeit bekannt, die das Zentrum eines hochkultivierten bürgerlichen Milieus war. In einem Beitrag des „Kvindernes Blad“ [Blatt der Frauen] von Golla Hammerich heißt es 1898: „Allerede hendes Ydre var fængslende. Et Øjenvidne […] beskriver hende saaledes: Hendes spinkle, slanke Skikkelse er snarere lille end høj, Bevægelserne livlige, men dog fulde af Ynde. […] Det uregelmæssige, sjælfulde Ansigt faaer sit afgørende Præg af de dejlige, nøddebrune Øjne. Udtrykket i disse Øjne er skiftende, som naar Solen og Skyer glider over et Landskab. Naar Emma er paa Nippet til at slippe et af sine kaade Indfald løs, straale de af Lune og Skjælmeri. Stadig følgende Sjælens vexlende Stemninger, snart dybe og alvorlige, snart fulde af følelsesfuldt Sværmeri, eje disse forunderlige Øjne en egen Tryllemagt.“ („Schon ihr Äusseres war fesselnd. Ein Augenzeuge […] beschreibt sie folgendermassen: Ihre schmächtige, schlanke Gestalt ist eher klein als gross. Die Bewegungen lebhaft, jedoch voller Anmut. […] Das unregelmässige, seelenvolle Gesicht wird von den schönen, nussbraunen Augen entscheidend geprägt. Der Ausdruck dieser Augen wechselt, wie wenn die Sonne und Wolken über eine Landschaft gleiten. Wenn Emma auf dem Sprung ist, einen ihrer ausgelassenen Einfälle loszulassen, strahlen sie von Humor und Verschmitzheit. Immer den Regungen der wechselhaften Stimmungen ihrer Seele folgend, bald tief und ernst, bald voll gefühlvoller Schwärmerei, besitzen diese wunderbaren Augen einen besonderen Zauber.“; Golla Hammerich, Emma Hartmann, geb. Zinn. Im „Kvindernes Blad“ [Blatt der Frauen]. Beilage der Zeitungen „Nationaltidende“, „Dagbladet“ und „Dagens Nyheder“, 30. Oktober 1898)

    Bis sie im Alter von ca. 40 Jahren begann, ihre Lieder auch herauszugeben, spielte und sang Emma Hartmann vorwiegend im privaten Bereich. Obwohl sie Mutter zahlreicher Kinder war und einem großen Haushalt vorstand, zeigen ihre Kompositionen, dass es Gefühle, Stimmungen und seelische Bedürfnisse gab, die sie nur durch die Musik ausdrücken konnte.

    Ihre kleinen Klaviersätze haben oft den Charakter von Tänzen, darunter Wiener Walzer, Tarantellas und Galoppaden. Sie sind höchstwahrscheinlich beim Improvisieren am Klavier entstanden und wurden von einem Familienmitglied oder einem Bekannten notdürftig notiert. Im Unterschied zu den später komponierten Liedern, wurden die Klaviersätze keineswegs gründlich durchgearbeitet und für eine Publikation vorbereitet (vgl. hierzu: Danse komponerede af Emma Hartmann født Zinn. 1807 22. August 1907. Trykst som Manuskript i Facsimile, København, 1907. Digitalisiert: http://img.kb.dk/ma/danklav/hartmann_emma-danse.pdf). Die Manuskripte von Emma Hartmanns Liedern sind sporadisch erhalten und spiegeln verschiedene Stadien der Entstehung eines Liedes wider, von frühem Entwurf und Kladde bis zur druckfertigen Reinschrift. Sie bezeugen nicht zuletzt, dass ihr das Komponieren bzw. Notieren vergleichsweise schwer fiel. Wären ihr Ernst Weis, J.P.E. Hartmann und der halb erwachsene Sohn Emil Hartmann (1836-1898), der später selbst als Komponist hervortrat, bei der Notation nicht behilflich gewesen, wären die Lieder wohl kaum an die Nachwelt überliefert worden. Sobald sie eine Melodie gestaltet und sie aufs Notenpapier gebracht hatte, arbeitete sie die Begleitung aus. Besonders in dieser Phase standen ihr männliche Helfer zur Seite, wie anhand der Manuskripte nachzuvollziehen ist. Trotz ihrer ungenügenden satztechnischen Fähigkeiten zeigen die vielen Vorarbeiten jedoch, dass die Lieder in allem Wesentlichen ihre Absichten ausdrücken, nicht die ihrer notenkundigeren Helfer. Sie nahm viele der Texte für ihre Lieder von lyrischen Gedichten führender dänischer Dichter wie Christian Winther und Fr. Paludan-Müller sowie des schwedisch-finnischen J.L. Runeberg. Einige wenige der Lieder sind in volksliedhaftem Ton komponiert. Eine Reihe der Lieder haben die Besonderheit, dass die Texte anonym sind. Sie können aber in der Praxis Ernst Weis zugeschrieben werden, der oft für Emma Hartmann ein Gedicht paraphrasierte, nachdem sie angefangen hatte, es in Musik zu setzen, und das sich dann als ungeeignet für ihre strophisch geformten Melodien erwies, weil es metrisch zu unregelmässig aufgebaut war. So wurde z. B. Christian Winthers Gedicht „Fortærende Længsel“ [Zehrende Sehnsucht] in „Natlige Tanker“ geändert, und die Ballade/volkstümliche Romanze „Herr Oluf und Ingeborg“ hatte ursprünglich „Liden Kirsten“ und „Sverkel“ als Titelfiguren (vgl.

    Lisbeth Ahlgren Jensen, Det kvindelige Spillerum. Kopenhagen, 2007, S. 47-48). Ernst Weis blieb dabei als Dichter in der Öffentlichkeit anonym; das Pseudonym Frederik Palmer bezeichnet daher auch ihre gemeinsamen Bestrebungen.

    Rezeption

    Da Emma Hartmanns Lieder mit Klavierbegleitung vor allem dafür bestimmt waren, im bürgerlich-geselligen Rahmen privat vorgetragen zu werden, lässt sich schwer dokumentieren, wie verbreitet sie waren. Mehrere Konzertsänger nahmen sie in ihr Repertoire auf und trugen sie in öffentlichen Konzerten vor, sogar noch lange nach dem ersten Erscheinen der Lieder, was darauf hindeutet, dass ihre Beliebtheit über Jahrzehnte nicht nachließ. So wurden z. B. bei einem Konzert des Musikvereins Euterpe im kleinen Saal des Casinos am 23. April 1867 „Lieder von Fr. Palmer“ gesungen; im Dezember 1871 wurden am selben Ort Lieder von „Mozart, Palmer und Kjærulf“ gesungen. Im Sommer 1876 sang Kammersänger Niels Juel Simonsen in einem Konzert in der mondänen Kurbadeanstalt in Klampenborg „einige bekannte ansprechende Romanzen“ von Fr. Palmer.

    Nur von dem fünften Heft der Romanzen, das 1853 erschien, ist es möglich gewesen, eine Rezension zu finden. Sie betont die hohe künstlerische Qualität der Lieder und das sehr kompetente, dichterisch mitgestaltende Akkompagnement, das als schwieriger als gewöhnlich in diesem Genre charakterisiert wird. Es wird hinzugefügt, dass noch immer gerätselt wird, wer der talentierte Komponist hinter den Liedern sei: „Hos Dhrr. Horneman & Erslev er udkommet et nyt Hefte Sange af Pseudonymen F. H. Palmer. Det synes bestandig at skulde forblive en Hemmelighed, hvem denne talentfulde Componist er, og de forskjellige Gisninger, som ere fremførte, indeholde næppe Sandheden, under alle Omstændigheder ere disse Sang-Compositioner et interessant Phænomen, da de udmærker sig ved dyb Følelse og en ualmindelig Dygtighed, som især viser sig ved Benyttelse af Accompagnementet for Pianoforte. Man kunde maaskee udsætte paa dem, at Accompagnementet er mere vanskeligt end det i Almindelighed er Tilfældet.“; „Beim Verlag Horneman & Erslev ist ein neues Heft mit Liedern von dem Pseudonym F. H. Palmer erschienen. Es scheint für immer ein Geheimnis zu bleiben, wer dieser talentierte Komponist ist, und die verschiedenen Vermutungen, die vorgebracht worden sind, enthalten wohl kaum die Wahrheit, unter allen Umständen sind diese Gesangskompositionen ein interessantes Phänomen, da sie sich durch tiefes Gefühl und ein ungewöhnliches Geschick auszeichnen, was sich besonders beim Spielen der Klavierbegleitung bemerkbar macht. Man könnte vielleicht daran aussetzen, dass die Begleitung schwieriger ist, als es gewöhnlich der Fall ist.“; Flyve-Posten No. 26. Tirsdag d. 1ste Februar 1853/Flyve-Posten Nr. 26, Dienstag d. 1. Februar 1853)


    Emma Hartmanns Pseudonym wurde erst 1882 enthüllt, als eine neue gesammelte Ausgabe der Lieder herauskam. Zu der Zeit war es nicht mehr eine Sensation, dass eine Frau als Komponistin unter eigenem Namen hervortrat. Einzelne der Lieder wurden denn auch aufgeführt und herausgegeben in Verbindung mit der 1895 in Kopenhagen veranstalteten „Kvindernes Udstilling“ („Ausstellung der Frauen“), die den Zweck hatte, Arbeiten skandinavischer Frauen innerhalb Kunst, Kunsthandwerk, Industrie und Hausarbeit zu zeigen. Einige der Lieder wurden ebenfalls in verschiedenen Liedersammlungen gedruckt. Der größte Teil der Klaviertänze wurde 1907 anlässlich ihres hundertjährigen Geburtstages in einer privaten Faksimileausgabe herausgegeben, deren Kosten von Emma Hartmanns Nachkommen getragen wurden. Sie sind später in einer modernen textkritischen Ausgabe erschienen. Heute werden ihre Werke wieder in Konzerten aufgeführt und eingespielt. So wurden die Lieder und Klavierstücke z. B. oft von dem Sopran Iben Vestergård und der Pianistin Cathrine Penderup bei Konzerten in ganz Dänemark vorgetragen, und eine Auswahl der Lieder wurde von der Sopranistin Signe Asmussen aufgeführt, bei einem Konzert im Dronningesalen in Kopenhagen am 28. April 2015 anlässlich des hundertsten Jahrestages des Frauenwahlrechts in Dänemark. Außerdem wurden mehrere der Lieder sowohl Ende des 19. Jahrhunderts als auch in unserer Zeit auf dem Gut Fuglsang auf Lolland gesungen worden, wo Bodil Neergaard, die als Tochter des Komponisten Emil Hartmann eine Enkelin von Emma Hartmann war, musikalische Salons veranstaltete. Eine Auswahl der Lieder wurde außerdem für gemischten Chor arrangiert.

    Werkverzeichnis

    Romancer med Accompagnement af Pianoforte, København, Hornemann & Erslev, 1848.

    Darin:

    Jeg gik mig i Skoven, „Jeg gik mig i Skoven“. Text: Chr.Winther. Ynglingen, „Vind, som mig smekar“. Text: J. L. Runeberg. Romance af „Dandserinden“, „Ei er jeg eensom“. Text: Fr. Paludan-Müller.


    Romancer med Accompagnement af Pianoforte, København, Horneman & Erslev, 1849.

    Darin:

    Öfwer ett sofvande Barn, „Hur säll i vaggens famn“. Text: J.L. Runeberg.

    Min Skat, „Hun er sød, hun er blød“. Text: Chr. Winther.

    Ved Daggry, „Nu hver en Stjerne svinder“. Text: Chr. Winther.

    Den sjuttonåriga, „Jag vet ej vad jag hoppas“. Text: J.L. Runeberg.


    Danske Sange med Accompagnement af Pianoforte, København, Horneman & Erslev, 1850.

    Darin:

    Helleliden, „Stat nu op fra Leiet det bløde“. Text: Anonym [E.Weis].

    Sommervise, „Midsommertid nu bringer glade Dage“. Text: Anonym [E.Weis].

    Aftenvandring, „Lad os hvile her ved Brombærhækken“. Text: Anonym [E.Weis].

    Barcarole, „Nu glider Solen i Havet ned“. Text: Anonym [E.Weis].


    Danske Sange med Accompagnement af Pianoforte, København, Horneman & Erslev, 1851.

    Darin:

    Anine, „Hvor Gjerdet skiller Haven“. Text: Anonym [E. Weis]. Natlige Tanker, „Natten er rolig“. Text: Anonym [E. Weis]. Fortryllede Roser, „Kunde jeg Roser male“. Text: Chr. Winther. Hr. Oluf og Ingeborg, „Og hør du liden Ingeborg“. Text: Anonym [E. Weis].


    Romancer og Sange, København, Horneman & Erslev. 1853.

    Darin:

    Notturno, „Har Du alt længe sovet“. Text: Chr. Winther.

    Paa Skibet, „Vor Reisetid er endt“. Text: Anonym [E. Weis].

    Mismod, „I Skovens Høisale Falken graae“. Text: Chr. Winther.

    Vexelsang, „Søster lad os ile nu“. Text: Anonym [E. Weis].

    Blomsterne, „De see paa Dig med Øine milde“. Text: Chr. Winther.

    Serenade, „I Nattens venlige Drømme“. Text: Anonym [E. Weis]. Epilog, „Længe Du alt har sovet“. Text: Anonym [E. Weis].




    Gesamtausgabe:


    Fr. Palmer (Emma Hartmann, født Zinn), Romancer og Sange. Kjøbenhavn og Leipzig, Wilhelm Hansen Musik-Forlag, 1882.



    Für Klavier:


    Dandse komponerede af Emma Hartmann født Zinn, 1807-22. August – 1907. Gedruckt als Manuskript in Faksimile.



    Neuausgaben:


    Emma Hartmann: Klaverstykker. Hg. von Katarina Smitt Engberg. Dansk Center for Musikudgivelse, Kopenhagen, 2013.

    Online: http://www.kb.dk/export/sites/kb_dk/da/nb/dcm/udgivelser/download/emma_hartmann/emma_hartmann_klaverstykker.pdf

    7 Korsatser af Emma Hartmann, für Chor a Cappella. Arrangiert und hg. von Ole Kongsted. Cappella Hafniensis Editions. Serie: Dania Cantans 6, 2014.

    Quellen

    Archivalien:


    Manuskripte und Briefe von Emma Hartmann in: Det Kongelige Bibliotek , København, Dänemark.

    Manuskripte von Emma Hartmann in: Musik Museum, Kopenhagen, Dänemark.



    Abbildungen:


    Gemälde: David Monies, Emma Hartmann, født Zinn. Musikmuseet, Kopenhagen, Dänemark; Wilhelm Marstrand, Emma Hartmann. Privatbesitz.

    Zeichnungen: N.Chr. Kierkegaard, Emma Hartmann. Privatbesitz.



    Zeitungen:


    Flyve-Posten, No. 26, 1.2.1853.

    Dagbladet, 20.5.1882.

    Berlingske Tidende (Tillægget), 20.5.1882.

    Udstillings-Tidende, No. 9 c, 20.9.1895.

    National Tidende, 6.9.1895.

    Hammerich, G.: „Emma Hartmann, født Zinn“. Kvindernes Blad. Tillæg til Nationaltidende, Dagbladet og Dagens Nyheder. 31. Oktober, 6. und 13. November 1898.

    [Ohne Signatur]: „Kvindelig Komponist, gamle Hartmanns Hustru“. Damernes Magasin, Politiken 10. Mai 1955.



    Bücher:


    Hammerich, A., J.P.E. Hartmann. Kopenhagen, 1916.


    Behrend, W., J.P.E. Hartmann. Kopenhagen, 1918.


    Erslev, A., Dansk Tonekunst (= Tonekunstens Mestre II). Kopenhagen, 1920.


    Hove, R., J.P.E. Hartmann, Kopenhagen, 1934.


    Ahlgren Jensen, L., Emma Hartmann. Kvinde og komponist i den borgerlige musikkultur. Ungedruckt [Magisterspeciale i Musikvidenskab ved Københavns Universitet], 1988.


    Ahlgren Jensen, L., „Emma Hartmann“, in: Saugmann, E. (Hg), Musikkens førstedamer. Kopenhagen, 1992.


    Sørensen, I. (Hg.), J.P.E. Hartmann og hans kreds. Bd. 1-3. Kopenhagen, 1999.


    Sørensen, I., Hartmann, et dansk komponistdynasti. Kopenhagen, 1999.


    Ahlgren Jensen, L., Det kvindelige spillerum – fem kvindelige komponister i Danmark i 1800-tallet. Kopenhagen, 2007.



    Lexikonartikel:


    Ahlgren Jensen, L., „Emma Hartmann“, in: Dansk Kvindebiografisk Leksikon. Bd. 2. Kopenhagen, 2000 (http://www.kvinfo.dk/side/170/)


    „Emma Hartmann, f. Zinn“, in: Lund, J., Frandsen, T., Löb, D. (Hgs.), Den Store Danske Encyklopædi, Danmarks Nationalleksikon. Bd. 8. Kopenhagen 1994-2002.



    Diskographie:


    CD: Iben Vestergård, soprano, Cathrine Penderup, piano, Hetna Regitze Bruun, soprano, Emma Hartmann: Complete Works (Songs, Romances and Dances). Classico, Kopenhagen.



    Digitale Ausgaben:


    http://img.kb.dk/ma/dansang/emmahart_dksang_1-2.pdf

    http://img.kb.dk/ma/dansang/emmahart_romsang.pdf

    http://www.kb.dk/export/sites/kb_dk/da/nb/komponentgalleri/mta/hartmann/hartmann/Pics/Hartm/02C-a.jpg

    Forschungsbedarf

    Dringend notwendig wäre eine neue kritische Edition der Lieder und Romanzen Emma Hartmanns, die auch die Textänderungen während des Kompositionsprozesses ausweist und zudem die bislang unveröffentlichten Lieder mit aufnimmt.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 150341647
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 1089763875

    Autor/innen

    Lisbeth Ahlgren Jensen

    Übersetzung: Kirsten Klitgaard


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 11.12.2018


    Empfohlene Zitierweise

    Lisbeth Ahlgren Jensen, Artikel „Emma Hartmann“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11.12.2018.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Emma_Hartmann