Die Komponistin

Die Komponistin

Friederike Sophie Wilhelmine Markgräfin von Bayreuth, geb. Prinzessin von Preußen (1709 - 1758) war das älteste von zehn Kindern des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. und der Königin Sophie Dorothea aus dem Hause Hannover. So kann man es nachlesen. Aber was bedeutete diese Herkunft? Z.B.: Kaum war sie am 3.7.1709 geboren, schon wurde darüber nachgedacht, wen sie dereinst heiraten sollte. Die Mutter wollte die Verbindung mit England. Also wurde Wilhelmine bereits mit acht Jahren mit dem Herzog von Gloucester verlobt. Tatsächlich jedoch heiratete sie 1731 auf Wunsch des Vaters den Erbprinzen von Bayreuth, den späteren Markgrafen Friedrich. Da war sie 22 Jahre alt. Zwischen Verlobung mit dem einen und der Hochzeit mit dem anderen liegen Jahre, in denen sie zum Spielball zwischen den unterschiedlichen Interessen der Eltern war. Ihre Erinnerungen berichten ausführlich von der menschenfeindlichen höfischen Heiratspolitik.
(Eine preußische Königstochter. Glanz und Elend am Hofe des Soldatenkönigs in den Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, aus dem Französischen übersetzt und 1910 herausgegeben von Annette Kolb; neu hg. Von Ingeborg Weber-Kellermann, Frankfurt 1981.)

Wer schon einmal in Berlin war, kennt - zumindest von Namen her - das Charlottenburger Schloß. Das war das Schloß der Großmutter, der Königin Sophie Charlotte. Wilhelmine lernte vor allem Cembalo und Laute. Schon als Sechsjährige entzückte sie mit ihrem Klavierspiel die Hofgesellschaft, heißt es in den Chroniken. 1728 wird der Lautenist der Dresdener Hofkapelle Sylvius Leopold Weiß ihr Lautenlehrer. Kompositionsunterricht bekam sie wahrscheinlich erst in Bayreuth, also nach 1731. Komponierende Prinzessinnen und Fürstinnen waren kein Ausnahme im 18. Jahrhundert. Musik gehört zum selbstverständlichen Teil des Lebens vor allem der Frauen am Hofe.

In Bayreuth hat Wilhelmine freie Hand, sie läßt das markgräfliche Theater bauen (1745-1748), musiziert, inszeniert, schreibt Textbücher und komponiert. Anläße für prunkvolle Aufführungen sind Geburtstage der verschiedenen Mitglieder des Fürstenhauses oder hoher Besuch, schließlich der Karneval. Die Bibliothek Wilhelmine von Bayreuths ist erhalten. Dort findet man eine große Sammlung mit Operntextbüchern der Zeit, vor allem natürlich sämtliche Werke Pietro Metastasios, des wichtigsten Librettisten der deutsche Hofopern. In kürzester Zeit baut die Markgräfin in der kleinen Residenzstadt einen regelrechten Musenhof auf. Johann Adolf Scheibe nennt 1754 Bayreuth in einem Atemzug mit Dresden und Berlin: "wenn die Opern auf so vortreffliche und anständige Art eingerichtet werden wie insbesondere in Dresden. Berlin und Bayreuth."

Von einer zehnmonatigen Italienreise im Jahre 1754/5 kehrt das Markgrafenpaar voller Pläne zurück und gründete im Jahr darauf eine Akademie der freien Künste und Wissenschaften. Zu den "freien Künsten", deren Leitung Wilhelmine übernahm, gehörten Musik und Poesie. Oper im Geiste der griechischen Antike als Verbindung aller Künste, das war ein Ziel, das sie nicht mehr verwirklichen konnte. Denn Wilhelmine von Bayreuth starb bereits am 14.10.1758. Von ihren künstlerischen Ideen zeugen noch heute das markgräfliche Theater in Bayreuth, Schlösser und Gärten, von ihrer Suche nach Wahrheit und Schönheit des Ausdrucks die wenigen erhaltenen Kompositionen: die Oper "Argenore" und 2 Cavatinen.

Nachträgliche Anmerkung (6.4.2009): "Bis vor kurzem galt Wilhelmine als Komponistin eines Cembalokonzertes, einer Flötensonate, der Oper Argenore und zweier Arien für die Festa teatrale L’Uomo. Das Cembalokonzert hat sich inzwischen als ein Werk J. G. Jänichens erwiesen, und auch die beiden Arien für L’Uomo, die 1908 publiziert wurden, werfen Zweifel an der Autoschaft auf. Hinzu kommt, dass Wilhelmine in ihren Briefen und Lebenserinnerungen stets nur vage über eigene Kompositionen berichtet. Argenore allerdings darf als Werk Wilhelmines angesehen werden." Ruth Müller-Lindenberg, siehe auch MUGI Grundseite zu Wilhelmine von Bayreuth.


Beatrix Borchard