Herzlich Willkommen bei MUGI

  • Deutsch
  • Lexikographie, Gender und Musikgeschichtsschreibung

    Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
    Vergangenheit / Gegenwart / Visionen. Präsentation der Plattform MUGI

    Vortrag von Beatrix Borchard und Nina Noeske (Hamburg)
    27.5.2016 10:00-10:30, Fanny Hensel-Saal

    Abstract

    Erster Abschnitt - Beatrix Borchard


    Lexika, Enzyklopädien, Handbücher, Musikgeschichtsdarstellungen strukturieren Wissen. Herausgeberteams oder Einzelautor*innen entscheiden über Auswahl und Darstellungsweisen. Die Forschungsplattform Musik(vermittlung) und Gender(forschung) im Internet wurde hingegen als offener Wissensraum konzipiert. Eine Vorauswahl im Sinne von „die 100 wichtigsten Musikerinnen“ wurde bewusst nicht getroffen, weil Auswahl hierarchisiert und Kriterien voraussetzt, die im Forschungs- und Vernetzungsprozess erst entwickelt werden sollten. Ein Akzent lag konzeptionell – im Gegensatz zu herkömmlichen Lexika – auf dem Lückenschreiben, hier gemeint als Markieren von Forschungslücken. Ziel war es, zu einer Musikgeschichtsschreibung beizutragen, in der nicht „Autoren“ und „Werke“ im Zentrum stehen, sondern das musikbezogene kulturelle Handeln von Frauen und Männern in seiner ganzen Vielfalt sowie die Rekonstruktion historischer und aktueller Lebens- und Klangwelten. Musik wird in diesem Kontext vor allem als an die Zeit gebundenes Beziehungsereignis mit vielen Beteiligten verstanden. Seit Gründung von MUGI wurde zunächst das vielfältige Wirken von Frauen im Bereich der europäischen Kunstmusik ins Blickfeld gerückt. Inzwischen sind auch erste Artikel über männliche Musiker speziell unter Gendergesichtspunkten entstanden. Ergänzt wird die lexikalische Darstellung durch speziell für das Medium Internet konzipierte multimediale Präsentationen über Leben und Werk von Komponistinnen und Musikerinnen oder Sachthemen wie „Musik und Körper“. Ein wichtiger Gedanke dabei war (und ist) es, neben traditionellen Werkformen von vornherein auch Arbeiten ins Blickfeld zu rücken, die einen erweiterten Werkbegriff voraussetzen, wie Performances, elektronische Musik, Klangkunst und andere zeitgenössische Musikformen.


    Der Vortrag zieht ein fragendes Resümee aus den Erfahrungen beim Aufbau der Forschungsplattform.


    Zweiter Abschnitt - Nina Noeske

    Musik(vermittlung) und Gender(forschung) im Internet - ausgehend von der 2003 von Beatrix Borchard gegründeten Plattform MUGI entwickelt dieser Teil des Vortrags mögliche Perspektiven: In welche Richtung entwickelt sich die Präsentation und Verbreitung von Wissen im digitalen Zeitalter, und wie kann man der hiermit einhergehenden lexikographischen Herausforderung begegnen? Welche Chancen und Risiken ergeben sich dabei speziell für die Genderforschung und Musikgeschichtsschreibung, wo steckt unausgeschöpftes Potential? Und welche Rolle spielt die (Musik-)Wissenschaft, wenn Wissen zunehmend jenseits der großen Institutionen generiert wird und selbst Wissenschaftler*innen immer häufiger guten Gewissens auf Wikipedia & Co. zurückgreifen? Dass die Entwicklung hin zu digitalen Formaten sich nicht mehr aufhalten lässt, steht fest; wie Lehren, Lernen, Forschen und Vermitteln in Zukunft aussehen könnten, gilt es zu diskutieren.

    Materialien (Deutsch)

    Videomitschnitt

    Präsentation

    Lizenz

    Creative Commons Lizenzvertrag

    Sie dürfen die hier bereitgestellten Materialien

    Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
    Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.

    Unter folgenden Bedingungen:

    Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber (Beatrix Borchard und Nina Noeske) unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
    Weitergabe unter gleichen Bedingungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder anderweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie Ihre Beiträge nur unter derselben Lizenz wie das Original verbreiten.

    Vita

    Beatrix Borchard, Prof. Dr. phil. habil., Musikwissenschaftlerin und Musikpublizistin, Gründerin der Forschungsplattform Musik(vermittlung) und Gender(forschung) im Internet (MUGI). Studium: Musikwissenschaften, Germanistik und Geschichte in Bonn und Berlin, Promotion: Clara Wieck und Robert Schumann, Bedingungen künstlerischer Arbeit in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts (1983, 2 Kassel 1992), Habilitation: Stimme und Geige. Amalie und Joseph Joachim. Biographie und Interpretationsgeschichte, Wien 2002 (22007). 2002-2016 Professorin für Musikwissenschaften mit Schwerpunkt Gender an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Aktuelle Buchveröffentlichung: Pauline Viardot-Garcia. Fülle des Lebens, Köln. Weimar. Wien 2016.

    Mehr zu Beatrix Borchard: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Borchard


    Nina Noeske, geboren in Bonn. Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Musikpraxis (Schwerpunktfach Klavier) u.a. in Bonn, Weimar und Jena, Promotion 2005 in Weimar-Jena über Neue Instrumentalmusik in der DDR, Habilitation 2014 in Hannover mit einer Diskursanalyse der „Faust-Symphonie" von Franz Liszt. 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Die Neudeutsche Schule" (Hochschule für Musik Weimar), 2007-2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungszentrum Musik und Gender (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover), 2012 Vertretungsprofessuren in Hannover (HMTM) und Hamburg (HfMT), 2012-2014 Assistenzprofessorin für Musikwissenschaft an der Universität Salzburg. Seit Oktober 2014 Professorin für Musikwissenschaft an der HfMT Hamburg.

    Mehr zu Nina Noeske: http://ninanoeske.de