o sie in der künstlerischen Rezeption späterer Jahrhunderte auftauchen, sind Spielfrauen aufgrund ihrer vermeintlich schillernden Existenz Vertreterinnen eines individuell besonderen Lebensstils. Dies gilt beispielsweise für neueste Unterhaltungsliteratur wie den Roman "Die Braut des Spielmanns" von Ingrid Ganß (2002), in dem eine "überemanzipierte" Fürstentochter jeden standesgemäßen Bewerber so lange ablehnt, bis der ungehaltene Vater sie im Zorn an einen Spielmann verheiratet. Der väterliche Plan, die "Bockige" auf diese Weise zur Raison zu bringen, um sie anschließend (des Spielmannes gedachte man sich kurzerhand durch Totschlag zu entledigen) doch noch an einen der favorisierten Grafen zu geben, misslingt. Romanhaft ausgemalt schlägt das Vorhaben vor allem fehl, weil die hochgeborene Heldin eine charakterliche Entwicklung vollzieht, die sie von Arroganz und Ignoranz gegenüber den niederen Ständen gründlich befreit, und sie an eine Trennung von ihrem unfreiwillig angenommenen Gatten schließlich nicht mehr denken lässt. Zudem gibt es den besonderen Clou, dass der vermeintlich "zufällig" zur passenden Zeit erschienene Spielmann sich als Erbe eines kleinen Königtums herausstellt, der in einer Art "König Drosselbart-Manier" die Standhaftigkeit und den charakterlichen "Wert" seiner Gemahlin überprüfen wollte. Diese hat dann auch allerlei durchzumachen, etwa auf dem Markt Keramik zu versteigern, ungeschützt unter freiem Himmel zu nächtigen und sich nach langem innerem Kampf auch als Prostituierte zu versuchen (wozu es letztendlich doch nicht kommt – ein Vollzug wäre wohl selbst der Leserschaft unserer Tage bei der positiv gesehenen Hauptfigur nicht zuzumuten?). Ein wirklich überzeugendes Ende für das Buch ist schwer zu finden, da die simple Rückkehr in den Königspalast der Autorin dann offensichtlich doch zu märchenhaft anmutete. Die Spielmannsfrau verlässt ihren (geliebten) Mann, um ihm die Selbstfindung zu erleichtern und entschwindet an einen Ort, von dem sie glaubt, dass er sie dort gewiss finden werde – wenn er seine Entscheidung (für oder gegen ein Verbleiben im Palast) getroffen hat.

| weiter mit Irmtraut Morgner