n der neueren Mittelalterforschung hat sich ein Erkenntnisansatz - die "Mittelalter-Bilder" - besonders stark durchgesetzt, bei dem historische Forschung als eigene Spielart und Ausdruck von Rezeption betrachtet wird (vgl. Kreutziger-Herr, Redepenning 2000). Untersucht wird die Aktualisierung mittelalterlicher Phänomene und deren Popularisierung in der Kunst, die im 18. und 19. Jahrhundert begann und bis in unsere Zeit reicht. Was für die geistliche Musik und die überragend prominente Gestalt der Hildegard von Bingen gilt – hier existiert ein mittlerweile praktisch unüberschaubarer Fundus von musikalischen Interpretationen, nicht zu reden von der Menge an Literatur sowohl wissenschaftlicher als auch belletristischer Art - ist für den Bereich der meist nicht namentlich bekannten, sondern anonym in den Quellen auftretenden Spielfrau nicht gegeben. Es scheint, dass sich die Jahrhunderte alte • Nicht-Achtung bis Geringschätzung erfolgreich bis in die Gegenwart hinein gehalten hat. Insbesondere die angenommene • Nähe der Spielfrauen zur Prostitution ist immer noch wirksam und sorgt für Projektionen und Verdrängungen. Spielfrauen bzw. Frauen in der Sphäre der Spielleute werden besonders gern als Beispiele eines extrem gelebten Lebens dargestellt.

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Geringschätzung
Prostitution