urch die zum größten Teil lediglich aus Texten bestehende und von religiöser Musik dominierte Überlieferung sind nur wenige musikalische Zeugnisse greifbar. Insofern die Musik nicht reine Instrumentalmusik war, sondern der Begleitung des Vortrags von Minnesängern, Trobadors etc. diente, bildete sie einen wesentlichen Beitrag zur Aufführungspraxis von mittelalterlichen Epen und "oral poetry".
Aspekte von Kommunikation und Raum erhalten immer mehr Gewicht. Für die meist öffentlich auftretenden, zugleich als ehr- und rechtlos geltenden Spielfrauen war die Frage zugänglicher Spiel- und Lebensräume überlebenswichtig. Kommunikation ist überhaupt ein Schlüsselthema der mediävistischen Forschung, da das Verhältnis von Mündlichkeit (Oralität) und Schriftlichkeit (Literalität) unter Laien (also Nicht-Geistlichen) einen uneinheitlichen schriftlichen Quellenbestand hervorgebracht hat. Die zunächst oral überlieferten Werke (z. B. Liedverse, Epen etc.) wurden zwar später teilweise niedergeschrieben (beispielsweise in Liederhandschriften), stellen aber mit Sicherheit nur einen Bruchteil dessen dar, was tatsächlich einmal existierte. Im Gegensatz dazu hat die Verschriftlichung rein geistlicher Texte, Predigten, Auslegungen, Bibelabschriften, Übersetzungen, Kommentare usw. selbstverständlich zu einem viel größeren Quellenbestand geführt (was sicherlich auch mit der Kanonisierung dieses Wissens in Verbindung steht). Aus dem zahlenmäßigen Missverhältnis ableiten zu wollen, dass es anteilig nur wenig weltliche Texte gegeben habe, würde jedoch in die Irre führen. Auch wenn Lese- und Schreibkenntnisse in der mittelalterlichen Gesellschaft ein Privileg der Geistlichkeit oder weniger Adlige waren, waren nicht sie allein ausschlaggebend für die Kommunikation von Ereignissen. Die praktisch alles "auffangende" und heterogene Gruppe der Fahrenden (unter ihnen die Spielleute) jedoch dürfte für die Verbreitung von Nachrichten und Trends eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben. Und unter diesen gab es möglicherweise mehr "Literati" als bisher angenommen.

Die Erschließung von Aussagen über Spielleute – insbesondere über die Frauen – innerhalb  von Dichtungen oder in zeitgenössischen Urkunden, Stadt- und Marktordnungen usw. bedarf spezieller Kenntnisse der Medieaevistik und Romanistik. Hier ist auch die Zuordnung von musikalischer Darbietung, Leistung und Begrifflichkeit zwischen den Angehörigen gehobenerer Stände (z. B. vielen Epensängern) und den vorgeblich rein ausführenden Musiker/innen – wie den joglars/jogleresses – nach wie vor klärungsbedürftig. • Spielleute am Hof. Es stellt sich die Frage, ob die Musiker/innen die von ihnen vorgetragenen Texte und Melodien lediglich wiedergaben oder ob bzw. inwieweit sie an deren Entstehung aktiv beteiligt waren, sie also möglicherweise selbst komponierten. • joglaresse, • Gesang im Alltag

Wie groß der weibliche Anteil an der Überlieferung überhaupt gewesen ist und wie signifikant (über den rein quantitativen Aspekt hinaus), ist nach wie vor eine offene Frage. • Spielmannsschulen, • Aufführungspraxis

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Spielleute am Hof
Spielfrauenreigen - joglaressa
Gesang im Alltag