Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
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Codex Manesse
Große Heidelberger Liederhandschrift, Zürich 1305 bis 1340
Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 848, fol. 13r

er sich eine mittelalterliche Prachthandschrift wie den Codex Manesse anschaut, wird vom Farbenreichtum und den teilweise bizarr anmutenden Kombinationen der Farben beeindruckt sein. In einer Zeit, in der es praktisch keine persönlichen Nachweise für Identität gab, kam den äußerlich sichtbaren Zeichen für die Angehörigkeit zu einem bestimmten Stand entscheidende Bedeutung zu. Selbstverständlich unterlag Kleidung auch Modeerscheinungen und drückte das Bestreben niederer oder aufstrebender Schichten aus, Kleidertrends höherer Schichten aufzugreifen und nachzuahmen.

Regelrechte Kleiderordnungen und Reglementierungen belegen, dass die Stände um strikte Abgrenzung voneinander bemüht waren – meist ein Versuch, die Trennlinie nach unten möglichst scharf zu ziehen. • Andererseits wird gerade an diesen Bestrebungen deutlich, dass eine Einhaltung der Kleiderordnungen – als Widerspiegelung einer fest gefügten und als vorgegeben aufgefassten sozialen Ordnung – in der Realität nicht unbedingt selbstverständlich war. Verschwendungssucht und Kleiderluxus wurden jedoch als sündhaft betrachtet und gaben Anlass zu Kritik, die z.B. in Predigten von der Kanzel verkündet und dadurch überliefert wurde. Kleiderordnungen hatten vor allem den Sinn, Unterschiede deutlich zu machen und das Streben nach als verkehrt (im Sinne der göttlichen Ordnung) angesehener "Gleichmacherei" zu unterbinden.

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