Anonym: Clap, clap, par un matin s´en aloit Robin

Adelheit mit der Lute Holzschnitt von Thomas Murners
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Adelheit mit der Lute
Holzschnitt von Thomas Murners in „Von dem großen Lutherischen Narren“, Straßburg 1522


Anonym: Clap, clap, par un matin s´en aloit Robin
Ensemble Estampie
CD Under the Greenwood Tree
Naxos 1997, 8.553442, LC 537
www.naxos.com

ie Würdigung einzelner Frauen wie der • trobairitz Beatrix oder einiger besonders genannter joculatrices gewinnt vor dem Hintergrund der Nichtbeachtung und Herabsetzung der öffentlich musizierenden Frauen im allgemeinen eine besondere Bedeutung. Aufgrund ihres Geschlechts hatte die Frau generell zu so gut wie allen Zünften keinen "offiziellen", also gesellschaftlich anerkannten Zugang. Zudem wurde sie noch niedriger • entlohnt. als ihre männlichen Kollegen. So ist überliefert, dass in Ungarn um 1520 Spielfrauen lediglich die Hälfte des ansonsten üblichen Lohnes für gebotene Musik bekamen (Salmen, 1997: 31 und ff.). Für den • französischen Raum des 13. Jahrhunderts ist bekannt, dass Spielfrauen • Kleidung aus denselben rotbraunen Materialien trugen, wie dies für die Huren typisch war. Damit wurde jede Art der öffentlichen Betätigung von vornherein diskriminiert. Während es schon von den Spielmännern hieß, sie seien vom Teufel gedungen, galten die Spielfrauen als Verkörperung der Lasterhaftigkeit schlechthin. Sie bildeten offensichtlich eine geeignete Projektionsfläche für kollektive Ängste. Eine geistlich-musikalische Autorität wie Guido von Arezzo unterstellte ihnen rein instinkthaftes, irrationales Tun und rückte sie in die Nähe der Tiere, da sie nicht wüssten, was sie eigentlich täten (nach Salmen, 2000: 7).

Hinzu kommt, dass reine Instrumentalmusik bis in die Neuzeit aufgrund ihres weiten Interpretationsspielraumes ohne festlegende, erklärende oder dem Lobe Gottes verpflichtete Textierung oft generell verdächtig erschien. Das Verdikt, die Frau habe in der Kirche zu schweigen (also lediglich aufzunehmen, zu empfangen, sich durch Entgegennahme der Sakramente von der Erbsünde zu reinigen etc.), musste in besonderer Weise diejenigen treffen, die außerhalb der religiösen Öffentlichkeit tätig wurden. Als besonders wirkungsmächtig muss das Gebot des Hl. Augustinus gelten, eher allen anderen Armen Nahrung und Milde zukommen zu lassen als irgendeiner Person aus der Gruppe der Spielmänner und –frauen: Donare quippe res suas histrionibus vitium est immane non virtus (an Spielleute verteilte Gaben bedeuten ein Vergehen und sind kein Ausdruck von Tugend). (Migne, Patrolog. Lat. XXXV, col. 1891)

Es sind nur wenige Quellen bekannt, die Unterschiede hinsichtlich der Diskriminierung von Spielmännern und Spielfrauen formulieren. Einige davon stammen aus dem deutschsprachigen Raum, etwa die Statuten der "gemachten Gesellschaft" in Württemberg (in der sich Trompeter, Pfeifer und Lautenschläger organisierten) von 1458:
"keiner in der bruderschaft soll kein frouwen haben oder mit Im furre, die gelt ider narung mit sünden verdienet" (Monatshefte für Musikgeschichte 1, 1887: 4ff.).
Daneben werden ausdrücklich Verbote formuliert, die Spielmänner davon abhalten sollten, ihre Frauen oder sonstige weibliche Verwandte in den Broterwerb mit einzubeziehen.

Einige besonders restriktive Stadtordnungen sprachen sich explizit gegen Spielfrauen aus, wie es für Strasbourg um 1200 belegt ist. So durften (ausnahmsweise) bei Hochzeiten zwar bis zu vier Spielmänner engagiert werden, allerdings auf keinen Fall eine Frau (Vogeleis, 42, auch im Folgenden 11, 779). Allerdings scheint man im Elsass entweder besonders viele fahrende Frauen gehabt oder einfach eine äußerst strenge Moralpolitik betrieben zu haben, denn für das 14. Jahrhundert ist dort sogar eine Art "Besserungsanstalt" für wandernde Frauen verbürgt, wahrscheinlich immer unter der Annahme, es handele sich stets um Dirnen. Im 15. und 16. Jahrhundert wuchsen die Vorbehalte gegenüber bestimmten Instrumenten wie der • (Dreh-)Leier, wie es für den bayerischen Raum belegt ist. Die Feindschaft der geistlichen Autoren oder moralischen Autoritäten zu den Tänzerinnen, denen besonders attraktive Kunststückchen wie das Springen zeitweilig untersagt wurden, war regionsübergreifend.

Ein besonderes Beispiel einer Diskriminierung ist für die Zeit der Reformation zu erwähnen. Der Franziskanermönch Thomas Murner (1475-1537) veröffentlichte 1522 eine Satire, die sich vornehmlich gegen Martin Luther richtete. Unter vielen anderen Invektiven benutzt er das Bild einer "Adelheit mit der luten" (also einer "Lautenschlägerin"), die bei einer grotesken Hochzeit spielt, bei der Martin Luther als angeblicher "Schwiegervater" eingesetzt wird. In mehreren Versen hebt er die "Leistung" dieser Lautenistin hervor, während im beigefügten Holzschnitt eine Person gezeigt wird, die eine Laute mit nur einer Saite traktiert und überhaupt einen gänzlich "unmusikalischen" Eindruck hinterlässt. Es ist Walter Salmen sicherlich zu folgen, wenn er darin eine Desavouierung der Spielfrauen der Reformationszeit als "stümperhaft und anmaßend" sieht (Salmen, 2000: 12).

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