Gillebert de Berneville: De moi dleros vos chant

Psalterium, 13. Jh.
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Psalter, 13. Jh.
Bibliothèque Nationale Paris,
ms. latin 14284 fol. 63


Gillebert de Berneville (c.1250-1280): De moi dleros vos chant
Thomas Binkley mit dem Studio der Frühen Musik
CD Troubadours, Trouvères, Minstrels Teldec, Das Alte Werk 1995 (heute Warner), CD2, LC 6019
www.warnerclassics.com

ie Musik der Spielleute ist generell eine auf Improvisation beruhende Kunst. Selbst unter Berücksichtigung der seit dem 13. Jahrhundert existierenden musikalischen Quellen ist festzuhalten, dass hier schriftlich überlieferten Tanzmelodien und Bassgestalten stets lediglich Modelle für die musikalische Umsetzung darstellen. Die eigentliche Kunstfertigkeit der Spielleute bestand im virtuosen Ausschmücken dieser Melodien und Modelle aus dem Stegreif. Schriftliche Überlieferung war für viele Jahrhunderte die Domäne der Kirche. In den Codices, den prachtvollen Handschriften der einflussreichen Klöster, war für die Notation der weltlichen Melodien und Jahrmarktsmusik kein Platz. Dieses Überlieferungsmonopol wurde in Teilen durch das aufstrebende Bürgertum und durch Adelshöfe aufgebrochen, die der eigenen Hofhaltung durch Codices in Nachahmung der großen geistlichen Handschriften mehr Glanz verleihen wollten. Es handelt sich dabei jedoch lediglich um eine äußerst selektive und in keiner Weise für die Musik repräsentative Überlieferung. Dass hierbei Frauen nur als illustrative Figuren erscheinen, überrascht kaum. Desto erstaunlicher ist es, dass beispielsweise von der trobairitz Beatrice de Dia Lieder aufgezeichnet wurden.

Die musikalischen Leistungen der Spielleute setzten eine extrem gute Gedächtnisleistung der Künstler ebenso voraus wie eine hohe Flexibilität bei der Adaptierung neuer musikalischer Elemente, Tanzformen oder Inhalte. Je breiter das dichterische und musikalische Repertoire, desto wahrscheinlicher war es, auch dauerhaft eine Existenz als Musiker zu bestreiten. Unsere heutige Vorstellung von geistiger Urheberschaft darf nicht auf diese Zeit und Lebensumstände appliziert werden. Einerseits verbreitete sich eine Melodie insbesondere dadurch, dass Konkurrenten sie "aufschnappten" und weiter trugen, was letztendlich für den eigentlichen Urheber sprach. Andererseits wurden im beständigen "Uminterpretieren" und "Versingen" auch stets neue Stücke aus bereits bekanntem Material gewonnen. "Werkcharakter" haben diese Musikstücke daher selten. Eher gilt dies für ganze "Modellsammlungen", die innerfamiliär weitergegeben wurden (vom Vater an den Sohn, Lehrer an den Schüler - als Spezialfall kann hier der Meistersang gelten).

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Namenreigen - Beatrice de Dia
Formen und Funktionen