Vor- und Nachtänze

or- und Nachtänze sind oftmals lediglich verschiedene Interpretationen ein- und desselben musikalischen Modells. Dabei wiederholen die Nachtänze in verknappter Form das Material des vorhergehenden Tanzes und verändern es rhythmisch. Häufig bewirkt dies eine Beschleunigung: Beim Vortanz spricht man von Schreittanz, beim Nachtanz vom Springtanz. Bestimmte Vorzüge der Mensuralnotation (dem Notationssytem, in dem mehrstimmige Musik von 1250 an bis ca. 1600 notiert wurde) machten es überflüssig, den Nachtanz überhaupt zu notieren: Je nachdem welches "Mensurzeichen" (eine Proportionsangabe, die in späteren Jahrhunderten durch die Taktangabe ersetzt wurde) am Beginn des Stückes erschien, konnte eine Note jeweils zwei oder drei Zählzeiten umfassen. Dasselbe musikalische Grundmodell konnte in unterschiedlichem Rhythmus und Tempo vorgetragen werden, wurde aber lediglich einmal notiert. So sparte man Platz auf dem wertvollen Pergament oder Papier und konnte einen Tanz in einer Art Kurzform notieren.

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