Anonym 13. Jh.: Toute seule, passerai

Christoph Murer, Singende Leierin und Sackpfeifer, 1606
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Lautenspielerin unter Kurtisanen
Gastmahl des verlorenen Sohnes,
Niederländisches Tafelbild, 16. Jh.
Bayerisches Nationalmuseum München,
Inv. R. 3559

Wenzel von Olmütz, Die Lautenschlägerin
um 1480, Kupferstich
Albertina Wien, Inv. DG1928/221
(Lehrs 66)
http://www.albertina.at


Anonym 13. Jh.: Li debonnaires Dieus
Ensemble Sinfonye, Stevie Wishart
CD The Sweet Look and the Loving Manner
Hyperion 1993, CDA 66625

http://www.hyperion-records.co.uk

 

Instrumentenreigen

Laute
wurde von Frauen gespielt

ie Laute hatte bereits eine Jahrhunderte währende Entwicklung hinter sich, ehe sie im 10. Jahrhundert über Spanien den Weg nach Europa nahm. Lauten hatten einen bauchigen Korpus und reich verzierte Rosette/n. Eine festgelegte Saitenzahl gab es über Jahrhunderte nicht, auch die Zahl der mitklingenden Saiten – die beim Spiel nicht extra gegriffen wurden – schwankte erheblich. Meist wurden die Saiten zu Paaren zusammengefasst. Die Laute erfreute sich aufgrund ihrer verschiedenen Einsatzmöglichkeiten als Begleit- oder Melodieinstrument außerordentlicher Beliebtheit und wurde von beiden Geschlechtern gespielt. Neben der Laute ist auch die Gitarre gelegentlich abgebildet, sie ist jedoch für den Zusammenhang des Musizierens von Spielleuten vernachlässigbar. Als Statussymbol ist die Laute kaum anzusehen, da sie (ähnlich wie die Harfe) im gesamten ständischen Spektrum der Musiker/innen auftaucht. Das Lautenspiel soll auch zu den Animierpraktiken im
• Frauenhaus (also im Bordell) gehört haben (Salmen, 1998: 52). In Abbildungen des 16. Jahrhunderts werden Kurtisanen häufig mit diesem Instrument gezeigt.

Die Laute war in den verschiedenen gesellschaftlichen Sphären gleichermaßen präsent: In seltenen Fällen kamen Lautenistinnen zu höchsten Ehren wie es für die Italienerin Marfisa di Gavardi verbürgt ist. Sie schaffte es Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Position einer Hoflautenistin bei Herzog Albrecht von Preußen. Der Herzog war so an dieser Musikerin interessiert, dass er ihr zusätzlich zu standesgemäßer Kleidung ein geradezu fürstliches Gehalt von 60 Mark im Jahr aussetzte und all ihre Schulden beglich. Urkundlich belegt ist auch, dass sie "zu tisch vnd sonstenn inn Vnnserm gemach / wann sie vonn vns gefordertt mitt der lauthenn vleissig vfwarten / sich auch sonsten / wie einem Weibesbilde getzimett / erbarlichem vnnd vnürweislichen Verhalten" befleissigten (20.04.1565, zit. nach Salmen 1998: 51).
Ein Beispiel aus der "niederen Spähre " ist die 1610 in Ingolstadt erschienene Schrift eines Mannes namens Hippolyt Guarinoni. Er hatte es insbesondere auf die Laute spielenden jungen Frauen, aber auch überhaupt auf den Berufsstand des Musikers, abgesehen, wenn er in Die Grewl der Verwüstung menschlichen Geschlechts schreibt:

"Die Mägdlein auf der Lauten schlagen oder auf der Zitter oder Instrument oder andern Seytenspiel lernen und alles den hohen und Adels, auch Fürsten Personen nachthun wollen ist solches ein lauterer, leichtsinniger, gefährlicher Fürwitz, dadurch sie sich selbst zur Eitelkeit, zu leichtsinnigen und unkeuschen Gedancken, zur Üppigkeit gegen den Buben und die Buben so ohne das gar willig, noch mehrers gegen ihn anzünden. Durch welches Zitter- und Instrumentenschlagen sie oft umb ihre Ehr geschlagen und gebracht werden, darumb auch die Eltern zu strafen, so nicht allein ob solchem leichtsinnigem Fürwitz ein sonders Gefallen, sonder auch die Instrumentisten und die Musicos in ihre Häuser zu den Töchtern kommen und bissweilen in abgesönderten besondern Zimmern sie lernen lassen..."

Im weiteren Fortgang malt der Verfasser aus, was alles zwischen den "noch ledigen" Musikern und Töchtern passieren könne, gibt ein angeblich verbürgtes Beispiel an und ermahnt die Eltern, ihr Geld nicht in "sollich[...] unnütz[es] Gaugelwerck" (das Erlernen eines an sich geachteten Musikinstrumentes!) zu stecken, das letztendlich dazu führen würde, dass aus den Töchtern • "Huren"  würden. Als Gegenmittel empfiehlt der religiöse Eiferer das "Betbuch", den "Rosenkrantz", "Rocken oder Spinrad", "Haussligkeit" und "Waschkessel" - in seinen Augen zweifelsohne einer Frau angemessenere Beschäftigungen als die Musik (Salmen, 1998: 53).

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