Il lamento di Tristano et la Rotta 14. Jh.

Tanz der Salome, Jean Le Noir, 1375
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Tanz der Salome
Stundenbuch, um 1375
Bibliothèque Nationale Paris,
ms. latin 18014, fol. 212v


Il lamento di Tristano et la Rotta 14. Jh. Musica Antiqua, Christian Mendoze
CD Danses et Ballets anciens
Arion 1985/1994, AR 030 PV 730006
www.arion-music.com

saltatrice/sauteresse/saltricula

n der Regel Frauen mit hohem tänzerischem Ausdrucksvermögen und einem überdurchschnittlich breiten Repertoire an Tänzen. Sie konnten zur Belustigung vor dem Publikum tanzen, aber auch als Vor-Tänzerinnen im eigentlichen Sinne fungieren, indem sie beispielsweise dem Reigen vorantanzten. Die Darbietung von Tänzerinnen wird in vielen Quellen relativ differenziert unterschieden: Springen als besondere Form des Tanzes oder das Reigentreten werden vom "allgemeinen Tanzen" abgesetzt (springerinne, hoppestre, pljasavica).

Häufig abgebildet, von kirchlicher Seite jedoch besonders heftig angefeindet, stellten die Tänzerinnen eine sehr wichtige Gruppe unter den Spielfrauen dar. Tänzerinnen wurden in eine Traditionslinie mit Salome, der Tochter des Königs Salomo, gestellt ("in modum filiae Herodiadis") und waren oft imstande, regelrechte Kunst- und Springstückchen vorzuführen oder mit akrobatischen Verrenkungen (Salti, Spagat, Brücken, weite Sprünge, Flic-Flac-Bewegungen, Handstand etc.) zu unterhalten. Springen "alse ein spilwib" war ein Synonym für diese als exhibitionistisch angesehene Kunst. Beim Tanz hat der Körper eine Schlüsselstellung inne, weshalb diese Frauen auch besonders schnell in den Verdacht der • Unkeuschheit gerieten. Neben einer möglichst bequemen Bekleidung, die den Körperformen folgte und in ausdrucksstarken • Farben leuchtete – verwendeten die Tänzerinnen oftmals Utensilien wie Bälle, Stäbe oder sehr scharfe Messer. Die damit verbundene Verletzungsgefahr dürfte beim Publikum für den berühmten voyeuristischen "Kick" gesorgt haben. Als Klangwerkzeuge verwendeten sie das • Tambourin, Klangstäbe und Glocken.

Von Tänzerinnen ist in der Regel nur in anonymer Form die Rede. Sie werden nicht selten unter dem Begriff spilwib subsumiert und erhielten nur geringe soziale Anerkennung. Ausnahmen bildeten lediglich einige Frauen, die sich Könige oder Fürsten gewogen machten. Aus England sind hierfür einige Beispiele überliefert (nach Southworth, 1989: 35, 62). So gelang es 1086 einer joculatrix namens • Adelinda durch die Gunst eines Verwandten von Wilhelm dem Eroberer, dem Earl Roger, zu Landbesitz zu kommen (einer wichtigen Voraussetzung für soziale Achtung). Die saltatrix • Matilda Makejoy fesselte den Kronprinzen und späteren König Edward II. in Ipswich mit ihren Darbietungen so sehr, dass er sie immer wieder bei Hofe beschäftigte, was mindestens für 1290-1311 belegt ist (für eine Tänzerin - zumal in dieser Epoche - sehr beachtliche Zeitspanne). Im Zusammenhang mit diesen Frauen ist von sexueller Gefügigkeit oder Dienstleistung interessanterweise nicht die Rede.

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Tanz der Salome, Jean Le Noir, 1375
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Tanz der Salome, Jean Le Noir, 1375
wer kennt sich da denn aus