Ich denke, dass es noch immer auffällt, wenn fünf Frauen auf der Bühne stehen. Wenn es jetzt fünf Männer wären und es nicht „Männerensemble“ heißen würde, würde es keinem Menschen auffallen. Aber in dem Moment, wo eine Gruppe von Frauen auf der Bühne steht, fällt es immer noch auf. Insofern hat es, denke ich, eine Berechtigung, sich als Frau so zu positionieren, weil es weniger Frauen im Musikbetrieb gibt als Männer, gerade Komponistinnen. Interpretinnen gibt es ja viele.
Was war dein erster Gedanke, als Ana Maria Rodriguez dich gefragt hat, ob du bei einem Frauenprojekt mitmachen möchtest?Ich habe mich gefreut, auch weil ich in Berlin in verschiedenen Szenen arbeite. Ich improvisiere nicht ausschließlich, ich interpretiere nicht ausschließlich, ich mache nicht ausschließlich Klangkunst, meine Arbeit ist sehr verzweigt. Und ich fand es spannend, weil wir alle unterschiedlich arbeiten. Ich dachte, es ist toll, wenn es eine Gruppe geben könnte, in der ich alle Fäden zusammenziehen kann und für diese vielen verschiedenen Ideen, die aus meiner Arbeit mit der Stimme entstehen, eine Plattform finde. Speziell interessant fand ich, dass es eben kein reines Musikerinnenensemble ist, sondern ein Künstlerinnen-
ensemble mit vielen unabhängigen Ideen, die wir aber gemeinsam realisieren.
Ich war auch ein bisschen skeptisch, weil ich über die Sparten hinweg schon viel mit Künstlern oder mit Schriftstellern zusammengearbeitet habe. Ich weiß, wie schwierig das sein kann, gerade in der Zusammenarbeit die Grenzen einzuhalten und gleichzeitig offen zu sein und Ideen zu entwickeln, also das Gemeinsame und das Eigene zu trennen oder eben auch bewusst zu vermischen. Deshalb war ich auch zunächst ein bisschen skeptisch, aber das hat sich nicht bewahrheitet.
Wie fügt sich die Arbeit in der Künstlerinnengruppe in deine
eigene Arbeit? Welche Fäden sind es, die du hier zusammenziehst?
Ich habe in Hamburg ein Studium für bildende Kunst abgeschlossen und zu der Zeit sehr viel mit Fluxuskünstlern studiert und mit Komponisten, die mit bildenden Künstlern gearbeitet haben, oder mit bildenden Künstlern, die mit Klang arbeiten. In Hamburg habe ich – auch nach meinem Studium – eher Klanginstallationen für spezielle Orte gemacht, zum Beispiel für den Lichtschacht einer Galerie [Vorsetzen in St. Pauli]. Dann habe ich für meine Stimme Klangobjekte und Klangkleider aus Lautsprechern und Metallfolien ent-












