Essay

„Klang“. Es gibt Antworten, die so kurz sind, dass sie lange nachhallen. Die leise, aber entschieden geäußerte Replik galt der Frage, was les femmes savantes miteinander verbinde, zu welcher Ästhetik, zu welchen Stilen, Themen und Arbeits­weisen sich das Berliner Künstlerinnenkollektiv bekennt. „Klang“ ist eine denkbar schlichte Antwort, diffus, lapidar und beinahe abweisend. Nur würde sich kaum eine treffendere Beschreibung finden lassen für das, was die „weisen Frauen“ zusammenhält, die sich nach der gleich­namigen Komödie von Molière benannt haben. Die Arbeiten der fünf Performerinnen und Komponistinnen handeln von der Konzentration auf das Hören, der Qualität des Augenblicks und der Öffnung für die Vielfalt der individuellen Klang­sprachen. Dass sich der fran­zösische Dramatiker in seiner zynischen Karikatur des „un­weib­lichen“ Bildungshungers, wie er die literarischen femmes savantes umtreibt, nicht gerade als Frauenfreund zu erkennen gibt, nehmen die Berliner Künstler­innen mit Gelassenheit. Sie selbst sind weit davon entfernt, Wissen oder gar Weisheit zu vermarkten. Das ironische Spiel mit der frühen Emanzipa­tions­kritik ist ein Indiz für die Leichtigkeit, mit der sich die 2005 gegründeten femmes savantes als weibliches Kollektiv inszenieren. Es existiert weder ein Gruppen-Manifest, noch haben sich die fünf Frauen feministische Ziele auf die Fahnen geschrieben oder verhan­deln ausschließlich Gender-Themen. Keine von ihnen hat den Ausschluss der maskulinen Welt herbeigesehnt oder sich ein besseres Kommunikationsklima unter Frauen erhofft. Wenn sich fünf Männer zusammen-

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schließen, um Kunst zu machen, würden sie nie auf ihr Ge­schlecht festgelegt, argumentiert die Vokalartistin Ute Wassermann – ein weibliches Ensemble hingegegen schon. les femmes savantes verstehen sich als Arbeitsgemeinschaft von Künstlerinnen aus unterschiedlichen Szenen der zeitgenös­sischen Musik, die im Kollektiv dem Prokrustesbett des institutionalisierten Konzert- und Proben­betriebs zu ent­fliehen versuchen.

Den Anstoß zur Gründung gab die Komponistin Ana Maria Rodriguez. Sie war der alltäglichen Isolation am Computer wie auch der zeitlich begrenzten Experimentiermöglichkeiten mit Interpreten überdrüssig und suchte gezielt nach Kollegen, die im Grenzbereich zwischen Komposition, Improvisation und Performance arbeiten. Es sollten Künstlerpersönlichkeiten sein, die sich über die Trennung zwischen Komposition und Interpretation hinwegsetzen. Dieser Wunsch brachte so unter­schiedliche Musikerinnen zusammen, wie die Trompeterin und Komponistin Sabine Ercklentz, die Klangkünstlerin Hanna Hartman, die Inside-Piano-Performerin Andrea Neumann und die Vokalartistin Ute Wassermann. les femmes savantes er­füllen damit weder die Funktion eines reinen Komponist­innen- oder Interpretinnenkollektivs. Die Produktionen entstehen gemeinsam, meist unter der Federführung einer Künstlerin. Und meist steht am Anfang die Suche nach dem Klangmaterial. Das geschieht nach der Vorstellung der jeweiligen Komponist­in, die das Material zwar mehr oder weniger stark definiert, aber immer auch Freiräume lässt, die künstlerische Spiel-