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Sybil Westendorp

Lotte Orthmann (geb.)

* 4. Mai 1910 in Wuppertal, Deutschland.
† 1. November 1999 in Hamburg, Deutschland.



H�rbeispiel
Sybil Westendorp. „Landregen“ aus: Ringelnatz. Einspiel. 1981.
Notenbeispiel
Mediennachweis

Bild:
"Kompositionsort: Garage". Sybil-Westendorp-Matinee 17. März 2002. Hg. Beatrix Borchard / Jan Boecker. Sybil-Westendorp-Stiftung / Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna 2002. S. 15. Mit freundlicher Genehmigung.

Hörbeispiel:
Sybil Westendorp. „Landregen“ aus: Ringelnatz. Einspiel. 1981. Mit freundlicher Genehmigung Sybil-Westendorp-Stiftung Unna.

Notenbeispiel:
Sybil Westendorp. „Der Geiger“ aus den „Impressionen von Bildern von Marc Chagall“ für Klavier, Hamburg, 12.8.1982. Aus: "Kompositionsort: Garage". Sybil-Westendorp-Matinee 17. März 2002. Hg. Beatrix Borchard / Jan Boecker. Sybil-Westendorp-Stiftung / Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna 2002. S. 23. Mit freundlicher Genehmigung.

Tätigkeitsfelder
Komponistin, Pianistin, Organistin, Übersetzerin, Verwaltungsangestellte, Stifterin.

Orte und Länder
Künstlerische Ausbildung in Hamburg (Deutschland); Kompositionen und Konzerte ebd.

Profil
Nach einer professionellen Ausbildung als Pianistin und Komponistin sowie sechsjähriger Organistinnentätigkeit übte Sybil Westendorp musikalische Aktivitäten überwiegend im privaten Rahmen neben musikfernen Berufstätigkeiten aus. Erst im Alter widmete sie sich hauptsächlich der Komposition, erreichte aber keine öffentlichen Aufführungen mehr.

Biografie

Als Tochter einer Sängerin vom 8. Lebensjahr an Ausbildung am Vogt’schen Konservatorium in Hamburg bei Herrn Stahmer, Hans Ferdinand Schaub und Robert Müller-Hartmann (Komposition) sowie Prof. Moritz Violin (Klavier); zusätzlich Privatunterricht bei Paul Strecker; erster Auftritt in der Hamburger Musikhalle mit dem Italienischen Konzert von Bach im Alter von 11 Jahren; 1933-1939 Organistin bei den Hamburger Strafanstalten am Holstenglacis; Übersetzerin im Hamburger Ausländergefängnis; eigene Kompositionsabende mit Klavierkompositionen und Liedern in den 50er und 60er Jahren, u.a. im Steinway-Haus Hamburg; nach dem Krieg Sachbearbeiterin für Mutterschutzurlaub im Sozialamt Hamburg-Blankenese, nebenbei Kompositionen; nach der Pensionierung Mitte der 70er Jahre rege Kompositionstätigkeit in einer zu einem Studio umfunktionierten Hinterhofgarage in Blankenese; keine öffentlichen Konzerte mehr, aber regelmäßige Tonbandaufnahmen der eigenen Werke, die Freunden und Bekannten vorgespielt wurden.
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Würdigung

Obwohl Sybil Westendorp wenig Aufführungsmöglichkeiten zu Lebzeiten hatte, verstand sie sich primär als Komponistin. Dies erkennt man auch daran, dass sie den vorgezeichneten Weg einer pianistischen Karriere trotz ihrer diesbezüglichen Fähigkeiten nicht einschlug. Ihre Etablierung als Komponistin wurde jedoch nicht nur durch den Nationalsozialismus und die chauvinistische Einstellung mancher Kulturschaffender verhindert, sondern auch durch ihre ausgeprägte Traditionsverbundenheit. Dass sich ihr musikalisches Talent schon in so frühen Jahren entwickelte, stellte sich dabei letztlich als hinderlich heraus. Denn ihre Ausbildung in den 1920er Jahren führte zu einer stilistischen Prägung, welche die Einbeziehung der nach dem Zweiten Weltkrieg von Kulturschaffenden favorisierten Stile und Techniken fast unmöglich machte. Bedauerlich ist, dass Sybil Westendorp erst dann wieder ausreichend Zeit zum Komponieren hatte, als kaum mehr Aufführungsmöglichkeiten abzusehen waren. Schon früher hatte sie sich jedoch auf die Komposition kleiner Charakterstücke und Melodramen verlegt. Außer dem Vorteil, diese kurzen Stücke neben einer anderen Tätigkeit komponieren zu können, dürfte auch ein aufführungspraktischer Grund ausschlaggebend für diese Beschränkung gewesen sein. Die Komponistin war auf keine öffentlichen Aufführungen angewiesen, um ihre Werke hören zu können.
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Rezeption

Außer den von ihr selbst veranstalteten wenigen Konzerten in Hamburg sind zu Lebzeiten Westendorps keine Aufführungen bekannt; ihre Lebensgefährtin Eva Friedemann hatte sich erfolglos für Aufführungen bei etablierten Konzertveranstaltern eingesetzt. Sybil Westendorp gründete per Testament jedoch selbst eine Stiftung innerhalb der Internationalen Komponistinnen Bibliothek Unna als Voraussetzung für die weitere Rezeption ihrer Werke. Ebendort wurde am 17. März 2002 ein Konzert mit einer Auswahl ihrer Melodramen für Klavier und Sprechstimme veranstaltet.
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Werkverzeichnis

Insgesamt etwa 2800 Kompositionen, darunter zwei Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, sechs Märsche für großes Blasorchester und ein Klavierquartett sowie vor allem Kompositionen für Klavier solo sowie für Klavier mit Sprech- (seltener Sing)stimme. Alle Autographe befinden sich in der Internationalen Komponistinnen Bibliothek Unna.
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Repertoire

Als Pianistin u.a. das Italienische Konzert von Bach, ein Rondo von Mozart und Lieder von Schubert.
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Quellen

1. Literatur und Quellen

"Kompositionsort: Garage". Sybil-Westendorp-Matinee 17. März 2002. Hg. Beatrix Borchard / Jan Boecker. Sybil-Westendorp-Stiftung / Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna 2002.

Andrea Werbinsky (Bearbeiterin): Werkverzeichnis [Inventar] Sybil Westendorp. Typoskript Internationalen Komponistinnen Bibliothek Unna [2003] (55 S.).

2. Links

Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna (wird z. Zt. überarbeitet)
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Forschung

Sybil-Westendorp-Stiftung / Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna; Komponistinnen-Bibliothek@t-online.de; Telefon: 02303/205911
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Forschungsbedarf

Edition und nähere Analyse der Werke; nähere Recherche der frühen Biographie Westendorps; weitere Rezeptionsforschung.
Autor/innen:
Jörg Rothkamm, Die Grundseite wurde im Oktober 2003 verfasst.

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Sophie Fetthauer
Zuerst eingegeben am 26.05.2004.
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2004.