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Vera Timanova

Geburtsname: Vera Timanova, Sonstige Namen: Wera Timanova, Wera Timanoff, Wera Timanov, Wera Timanow, Wera Timanowa, Vera Timanoff, Vera Timanov, Vera Timanow, Vera Timanowa

* 18. Februar 1855 in Ufa, Russland (heute in der Republik Baschkortostan).
† 22. Februar 1942 in Leningrad (heute: St. Petersburg), Russland.



„Die Timanoff [...] öffnete Chopin’s Etuden, von denen sie die große A moll Winterwind-Etude [op. 25, Nr. 11] vortrefflich mit größtem Glanze und größter Verve spielte. Ich war völlig verblüfft über solche Fertigkeit bei solchem Kinde, und erwartete, daß Tausig in Bewunderung ausbrechen würde. Nicht so dieser Rhadamantus. Er hörte ohne Bemerkungen und Correcturen zu, und als die Timanoff geendet hatte, sagte er einfach, ruhig: 'So, haben Sie auch die nächste Etude genommen?' Als ob die große A moll nicht genug für eine Mahlzeit wäre!“

Die Kommilitonin Amy Fay über Vera Timanova in einem Brief vom 8. Februar 1870 (Fay 1882, S. 25)
Schriftprobe
Mediennachweis

Foto:
© Universitätsbibliothek Frankfurt a.M., Sammlung Manskopf, Sign. S36_F01993

Schriftprobe:
© mit freundlicher Genehmigung des Stadtgeschichtlichen Museums der Stadt Leipzig.

Tätigkeitsfelder
Pianistin, Solistin, Klavierbegleiterin, Musikpädagogin

Orte und Länder
Vera Timanova wurde in Ufa (in der heutigen Republik Baschkortostan) geboren. Sie studierte in St. Petersburg, Berlin und Weimar das Fach Klavier und verbrachte während ihrer Studienzeit vermutlich einige Zeit in Prag und Wien. Nach 1883 zog sie sich aus dem internationalen Konzertleben weitgehend zurück; ihr Aufenthaltsort der folgenden Jahre ist bislang unbekannt. Im Jahr 1907 ließ sie sich endgültig in St. Petersburg als Klavierpädagogin und Pianistin nieder.

Konzertreisen führten Vera Timanova durch Österreich-Ungarn, Russland, Deutschland, Frankreich, das Baltikum, die Niederlande und England.


Profil
Die Pianistin und Klavierpädagogin Vera Timanova studierte Klavier bei Anton Rubinstein in St. Petersburg, Carl Tausig in Berlin und Franz Liszt in Weimar. Bereits als Kind trat sie öffentlich auf und konnte sich ab Mitte der 1870er Jahre als Solistin und Kammermusikerin im internationalen Musikleben etablieren. Bereits wenige Jahre später zog sie sich jedoch zurück und wandte ihr Interesse vermutlich vorwiegend der russischen Musik zu. Im Jahr 1907 ließ sie sich endgültig in St. Petersburg als erfolgreiche Klavierpädagogin und Klavierbegleiterin nieder.

Biografie

Vera Timanova wurde am 18. Februar 1855 in Ufa (Russland) geboren. Über ihre Herkunft und ihre Eltern ist bislang nichts bekannt. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Vera Timanova bei L. Nowitzky in Ufa und trat bereits im Alter von neun Jahren erstmals öffentlich auf. In ihrer Autobiografie schrieb sie später: „The announcement of the concert made a splash in the city. Tickets were sold briskly and I earned my first thousand of roubles. I performed Mozart’s Concerto and several pieces. The success was complete.” („Die Ankündigung des Konzertes machte in der Stadt Furore. Die Eintrittskarten waren rasch verkauft und ich verdiente meine ersten 1000 Rubel. Ich spielte ein Mozart Klavierkonzert und mehrere Stücke. Es war ein voller Erfolg.“; zit. n. Uzikov 2006).

Vera Timanova studierte zunächst am Konservatorium in St. Petersburg bei Anton Rubinstein Klavier und setzte ab Ende der 1860er Jahre ihr Studium bei Carl Tausig in Berlin fort. Gefördert wurde sie dabei von einem Kaufmann aus Ufa namens Bezilevski, der ihr den Studienaufenthalt in Deutschland finanziell ermöglichte. Ihre US-amerikanische Kommilitonin Amy Fay, die regelmäßig Briefe über ihre Studienzeit in Deutschland nach Hause schickte und diese später veröffentlichte, beschrieb in einem Brief vom 8. Februar 1870 auch die Unterrichtsstunden von Vera Timanova bei Carl Tausig: „Die Timanoff [...] öffnete Chopin’s Etuden, von denen sie die große A moll Winterwind-Etude [op. 25, Nr. 11] vortrefflich mit größtem Glanze und größter Verve spielte. Ich war völlig verblüfft über solche Fertigkeit bei solchem Kinde, und erwartete, daß Tausig in Bewunderung ausbrechen würde. Nicht so dieser Rhadamantus. Er hörte ohne Bemerkungen und Correcturen zu, und als die Timanoff geendet hatte, sagte er einfach, ruhig: 'So, haben Sie auch die nächste Etude genommen?' Als ob die große A moll nicht genug für eine Mahlzeit wäre!“ (Fay 1882, S. 25; vgl. auch Fay [1993], S. 106) Einige Monate später, am 6. August 1870, berichtete Amy Fay: „Ich bin in die Klasse mit Frl. Timanoff gekommen, die so vorgeschritten ist, daß Tausig ihr sagte, er wolle ihr nicht mehr länger Stunde geben, da sie genug wisse, um allein fortzuschreiten.“ (Fay 1882, S. 48) Nach dem Tod Carl Tausigs 1871 hielt sich Vera Timanova vermutlich einige Zeit in Prag und Wien auf und begann im In- und Ausland zu konzertieren.
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Würdigung

Vera Timanova scheint eine herausragende Pianistin gewesen zu sein, die mit vielen zeitgenössischen Musikerinnen und Musikern in Kontakt stand. Ihre Lehrer Anton Rubinstein und Franz Liszt schätzten ihre Fähigkeiten hoch ein und blieben ihr auch über die Studienzeit hinaus verbunden, mit Aleksandre Borodin war sie befreundet, Peter I. Tschaikowsky widmete ihr 1873 das „Scherzo humoristique“ D-Dur aus seinen „Sechs Stücken für Klavier solo“ op. 19, 2, und Eduard Nápravník schrieb ihr 1881 seine „Fantaisie russe“ h-Moll op. 39 zu, deren Uraufführung Vera Timanova mit großem Erfolg spielte.
Eine angemessene Würdigung ihrer Tätigkeiten, die z. B. auch den musikpädagogischen Bereich mit umfasst, ist erst nach weiteren Forschungen möglich.
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Rezeption

Eine heutige Rezeption der Tätigkeiten von Vera Timanova findet bislang nur an wenigen Stellen statt. Im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum ist Vera Timanova als Liszt-Schülerin bekannt. In ihrer Heimatstadt Ufa war es die Musikerin und Wissenschaftlerin Galina Belskaya (gest. 2005), die sich in Zusammenhang mit Forschungen über Fjodor Schaljapin auch mit Vera Timanova beschäftigte und die Pianistin an zwei Abenden mit Gesprächskonzerten einem größeren Publikum in Ufa wieder bekannt machte (vgl. Bugaichuk 2005). Auch ihre Interpretationen, die auf Welte-Mignon-Rollen eingespielt wurden, werden bislang nicht zur Kenntnis genommen.
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Werkverzeichnis

Von Vera Timanova sind bislang keine Werke bekannt.

Aufnahmen

Alle Bespielungen von Welte-Mignon-Rollen fanden vermutlich am 8. und 21. März 1906 statt (vgl. Hagmann 2002, S. 218).

Glinka, Michail/Balakirew, Milij : L’Alouette (WM 1369)
Glasunow, Aleksander. Gavotte D-Dur, op. 49 Nr. 3 (WM 1371)
Cui, César. Causerie (Conversation) Etude, op. 40 Nr. 6 (WM 1372)
Ljapunow, Sergej. Berceuse Fis-Dur, op. 11 Nr. 1 (WM 1375)
Moszkowski, Moritz. Esquisse venetienne, op. 73 Nr. 1 (WM 1376)
Paderewski, Ignaz Jan. Thème et Variations A-Dur, op. 16 Nr. 3 (WM 1379)
Rubinstein, Anton. Tarantella, op. 82 Nr. 3 (WM 1380)
Rubinstein, Anton. Rêverie-Caprice g-Moll, op. 109 Nr. 6 (WM 1381)
Rubinstein, Anton. Sérénade espagnole g-Moll, op. 16 Nr. 3 (WM 1382)
Sapellnikow, Wassilij. Berceuse Es-Dur, op. 11 Nr. 3 (WM 1383)
Schlozer, Paul de. Etude de concert As-Dur, op. 1 Nr. 2 (WM 1384)
Liszt, Franz. Ungarische Rhapsodie Nr. 1 E-Dur (WM 1386)
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Repertoire

Eine Repertoireliste von Vera Timanova kann zur Zeit aufgrund fehlender Dokumente nicht erstellt werden. Bekannt sind Interpretationen der folgenden Werke:

Brahms, Johannes. Rhapsodie (keine Präzisierung möglich)
Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll, op. 21.
Chopin, Frédéric. Etude a-Moll, op. 25, 11 (“Winterwind-Etude”)
Cui, César. Causerie (Conversation) Etude, op. 40, 6
Glinka, Michail/Balakirev, Milij: L’Alouette
Glasunow, Aleksander. Gavotte D-Dur, op. 49, 3
Ljapunow, Sergej. Berceuse Fis-Dur, op. 11, 1
Liszt, Franz. Ungarische Rhapsodie Nr. 1 E-Dur
Liszt, Franz. Fantasie über Beethovens „Ruinen von Athen“
Moszkowski, Moritz. Esquisse venetienne, op. 73, 1
Nápravník, Eduard. Fantaisie russe h-Moll, op. 39
Paderewski, Ignaz Jan. Thème et Variations A-Dur, op. 16, 3
Rubinstein, Anton. Klavierkonzert G-Dur, op. 45
Rubinstein, Anton. Sérénade espagnole g-Moll, op. 16, 3
Rubinstein, Anton. Tarantella, op. 82, 3
Rubinstein, Anton. Rêverie-Caprice, g-Moll op. 109, 6
Sapellnikow, Wassilij. Berceuse Es-Dur, op. 11, 3
Schlozer, Paul de. Etude de concert As-Dur, op. 1, 2
Tschaikowsky, Peter I. Scherzo humoristique D-Dur aus: Sechs Stücke für Klavier solo, op. 19, 2

Vera Timanova trat auch als Klavierbegleiterin von Sängerinnen und Sängern wie Aglaja Orgeny und Fjodor Schaljapin auf. Das Repertoire ist bislang nicht bekannt.
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Quellen

Literatur:

Artikel „Timanova, Frl. Wera“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon. Moritz Rudolph (Hg.). 1890 [vorh. in wbis, world biographical information system].

Bugaichuk, Alevtina. Indefatigable Belskaya. In: BASHvest – First electronic newspaper of the Republic of Bashkortostan. Beitrag vom 1. November 2005 (http://eng.bashvest.ru/showinf.php?id=879; Stand: 15. Februar 2008).

Elson, Arthur. Woman's work in music. Being an account of her influence on the arts, in ancient as well as modern times. A summary of her musical compositions, in the different countries of the civilized world. And an estimate of their rank in comparison with those of man. Boston: L. C. Page, 1903.

Fay, Amy. Musikstudien in Deutschland. Aus Briefen in die Heimath. Berlin: Robert Oppenheim, 1882.

Fay, Amy. Sie spielen wie ein Nußknacker. In: Monica Stegmann, Eva Rieger (Hg.). Frauen mit Flügel. Lebensberichte berühmter Pianistinnen von Clara Schumann bis Clara Haskil. Frankfurt a. M.: Insel-Verlag, 1996, S. 97-145.

Gervers, Hilda. Franz Liszt as Pedagogue. In: Journal of Research in Music Education 18 (1970), Nr. 4, S. 385-391.

Hagmann, Peter. Das Welte-Mignon-Klavier, die Welte-Philharmonie-Orgel und die Anfänge der Reproduktion von Musik. 2. Auflage, digitale Version. Freiburg im Breisgau: Universitätsbibliothek, 2002 (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/608/pdf/hagmann.pdf)

Legany, Dezö. Liszt and his Country 1874-1886. Budapest: Corvina K., 1992.

Liszt, Franz. Briefe. Gesammelt und herausgegeben von La Mara. 8 Bde. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1893-1905.

Liszt, Franz. The Letters of Franz Liszt to Olga von Meyendorff 1871-1886 in the Mildred Bliss Collection at Dumbarton Oaks. Herausgegeben von Edward Waters, übersetzt von William R. Tyler. Washington: Harvard University Press, 1979.

Uzikov, Yuri. She Dies of Hunger in Besieged Leningrad. In: BASHvest – First electronic newspaper of the Republic of Bashkortostan. Beitrag vom 22. Februar 2006 (http://eng.bashvest.ru/showinf.php?id=1554; Stand: 15. Februar 2008)


Konzertkritiken und Zeitungsartikel:

Allgemeine Musikalische Zeitung X (1875), Nr. 44 vom 3. November 1875, S. 702.

Caecilia. Algemeen-Muzikaal-Tijdschrift-van-Nederland 35 (1878), Nr. 8 vom 15. März 1878, S. 67-69.
Caecilia. Algemeen-Muzikaal-Tijdschrift-van-Nederland 35 (1878), Nr. 9 vom 1. April 1878, S. 79.

La Revue et Gazette Musicale de Paris 44 (1877), Nr. 13 vom 1. April 1877, S. 102.

The Musical Times London 21 (1880), Nr. 448 vom 1. Juni 1880, S. 287.
The Musical Times London 23 (1882), Nr. 472 vom 1. Juni 1882, S. 325.

Svensk-Musiktidning 1 (1881), Nr. 18 vom 15. September 1881, S. 144.


Links:

http://home.earthlink.net/~marnest/rolltiman.html
Die Internetseite stellt eine Rollografie der Bespielungen von Welte-Mignon-Rollen von Vera Timanova zur Verfügung.

http://eng.bashvest.ru/showinf.php?id=1554
Die Website der Online-Zeitung „BASHvest“ enthält auch eine Kurzbiografie von Vera Timanova.

www.kalliope-portal.de
Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen verzeichnet insgesamt acht Briefe von Vera Timanova (dort Timanoff).

http://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/goethe-und-schiller-archiv/bestaende.html
Die Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar verzeichnet mehrere Briefe von Vera Timanova (dort Timanoff).
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Forschung

Die bisherigen Forschungsergebnisse über Vera Timanova können nur eine „halbe Biografie“ bieten. Es ist zu vermuten, dass Vera Timanova nach ihrer Rückkehr nach Russland als Pianistin nicht weniger aktiv war als zuvor. Mit den mitteleuropäischen Forschungsinstrumenten und ohne Kenntnis der russischen Sprache ist dieser Teil ihrer künstlerischen Laufbahn jedoch bislang nicht zu rekonstruieren.

Zwei Artikel der regionalen Forschung in Ufa (Bugaichuk 2005; Uzinkov 2006) zeigen, dass von Vera Timanova eine Reihe von Dokumenten erhalten sind – darunter ein Teil ihrer Korrespondenz sowie eine Autobiografie –, die für den vorliegenden Artikel nicht eingesehen wurden und in Zusammenarbeit mit den dortigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszuwerten wären.

In Zusammenhang mit ihrem Studium bei Franz Liszt wird Vera Timanova mehrfach in Memoiren seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler genannt.

Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen „Kalliope-Portal“ verzeichnet insgesamt acht Briefe von Vera Timanova (dort: Timanoff), u. a. an Gustav Friedrich Kogel, Alban Förster und den Forschungsreisenden Gerhard Rohlfs, einen Freund Franz Liszts. Ebenso verzeichnet die Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar mehrere Briefe von Vera Timanova (dort: Timanoff), darunter Briefe an Marie Lipsius und Franz Liszt. (vgl. „Links“)
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Vera Timanova umfasst alle ihre Lebensbereiche. Ihre Biografie und ihre künstlerische Entwicklung sind bislang nur im Ansatz bekannt, ihre pädagogische Tätigkeit liegt vollständig im Dunkeln. Die von ihr bespielten Welte-Mignon-Rollen könnten näheren Aufschluss über ihre Interpretationsweise geben. Auch ihre Kontakte zu Musikerinnen und Musikern sind bislang unerforscht.
Um ein angemessenes Bild der Pianistin und Musikpädagogin zu erhalten, ist aller Voraussicht nach die Kenntnis der russischen Sprache sowie eine Zusammenarbeit mit der regionalen Forschung in Ufa notwendig.
Autor/innen:
Silke Wenzel, 1. April 2008

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 10.04.2008