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Regina Strinasacchi

Regina Schlick, Catarina Strinasacchi

* 28. Februar 1761 in Ostiglia (bei Mantua), Italien.
† 11. Juni 1839 in Dresden, Deutschland.

Das Geburtsjahr wird in der Sekundärliteratur auch mit 1764 oder 1762 angegeben, was auf die Praxis schließen lässt, „Wunderkinder“ jünger erscheinen zu lassen.

„Es ist unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und gutem Anstand das Mädchen (sie ist ohngefähr 18 Jahr alt und sehr gut gebildet) dies an sich schwere Instrument zu behandeln weis. Der Ton, den sie aus ihrer cremonesischen Geige herauszieht, ist feiner abgeschliffener Silberton.“ (Cramers Magazin der Musik. 2. Jg., Erste Hälfte 1784, S. 346)
Mediennachweis

Regina Strinasacchi.
Auf Porzellan getuschte Silhouette, 1795

Tätigkeitsfelder
Geigerin, Gitarristin, Komponistin, wahrscheinlich auch Dirigentin

Orte und Länder
Geboren in Ostiglia bei Mantua kam sie zur Ausbildung nach Venedig und ging von dort aus auf ausgedehnte Tourneen durch Italien, Deutschland und Frankreich, wobei hier nur einzelne Städte bislang nachweisbar sind, u.a. Hamburg, Frankfurt/M., Paris, Wien. Nach ihrer Abreise aus Wien machte sie nachweislich in Salzburg Station. Sie ließ sich zusammen mit ihrem Mann in Gotha nieder, ging mit ihm zeitweise von dort aus auch weiterhin auf ausgedehnte Konzertreisen und siedelte nach dessen Tod nach Dresden über.

Profil
Im historischen Gedächtnis blieb sie vor allem als Auftraggeberin einer Violinsonate bei Wolfgang Amadeus Mozart sowie als eine ausgezeichnete Violinistin, wie sie Vater Leopold Mozart in Briefen an seine Tochter beschrieb. Dass dies nur ein kleiner Ausschnitt der langen musikalischen Karriere von Regina Strinasacchi darstellt, ist weniger bekannt.
Sie war als reisende Virtuosin außerordentlich geschätzt, ebenso in ihrer Funktion als Hofmusikerin am Gothaischen Hof, wo sie offenbar auch als Gitarristin, Komponistin und womöglich auch als Dirigentin auftrat.

Biografie

Regina Strinasacchi wurde 1761 in Ostiglia bei Mantua geboren. Sie erhielt ihre musikalische Ausbildung am Conservatorio della Pietà in Venedig. Sie trat als Wunderkind auf, u.a. ist 1777 ein Auftritt in Frankfurt am Main dokumentiert. 1780-83 folgten ausgedehnte Konzertreisen durch Frankreich, Deutschland und Italien. Im Jahr 1784 hielt sie sich in Wien auf und gab dort die Komposition einer Violinsonate bei Wolfgang Amadeus Mozart in Auftrag (Sonate für Klavier und Violine B-Dur KV 454). Diese Sonate wurde von Strinasacchi und Mozart gemeinsam am 29. April 1784 uraufgeführt.
Am 10. Oktober 1785 heiratete sie Johann Conrad Schlick (Archivio di Stato di Mantova/mit freundlichem Hinweis von Giuseppe Schivardi), der als Cellist in Gothaischen Diensten stand, und ging mit ihm weiterhin auf Konzertreisen. Im Dezember 1785 hörte Leopold Mozart sie in einem Konzert in Salzburg.
Ab etwa 1786 war Strinasacchi Hofmusikerin in Gotha. Das Ehepaar Schlick-Strinasacchi gehört hier zu den herausragenden Solisten, wobei Regina Strinasacchi auch als Komponistin und Gitarristin, womöglich auch als Dirigentin auftrat. Zwischen 1795 und 1818 sind darüber hinaus auch Auftritte mit dem Gothaischen Schlick-Trio nachweisbar: Regina Strinasacchi (Violine), Johann Conrad Schlick (Cello), Caroline Schlick (Klavier). Letztere war die Tochter des Ehepaars Strinasacchi-Schlick (1786-?). 1801 kam der Sohn Johann Friedrich Wilhelm Schlick (gest. 1874) zur Welt, der später Cellist, vor allem aber ein renommierter Instrumentenbauer wurde.
Bis 1810 ging sie, zusammen mit ihrem Mann, neben ihrem Dienst in Gotha auf Konzertreisen. 1818 starb Johann Conrad Schlick. Regina Strinasacchi zog mit ihrem Sohn nach Dresden, wo sie am 11. Juni 1839 starb. Zuvor, im Jahr 1822, hatte sie ihr wertvolles Instrument, eine Stradivari-Geige, die heute von Miriam Fried gespielt wird, an Louis Spohr verkauft.
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Würdigung

Regina Strinasacchi betrat in mehrerlei Hinsicht Neuland: Sie trat nach einer frühen „Wunderkind“-Karriere weiterhin als Geigenvirtuosin auf – auch mit eigenen Kompositionen – und sie war festangestelltes Mitglied einer Hofkapelle, wo sie sich vermutlich auch als Dirigentin betätigte. Dass ihr Name heute vor allem im Kontext mit der für sie komponierten Mozart-Sonate bekannt ist, verdeckt zuweilen ihre lange und vielfältige Karriere.
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Rezeption

Während sie in den zeitgenössischen Zeitschriften (u.a. in Cramers „Magazin der Musik“) mehrfach erwähnt und ihre Konzerte besprochen wurden, geriet sie nach ihrer aktiven Laufbahn schnell in Vergessenheit. Heute wird ihr Name fast ausschließlich mit der der Auftraggeberin der Mozart’schen Violinsonate verbunden.
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Werkverzeichnis

Zwar finden sich mehrfach Erwähnungen, dass Regina Strinasacchi mit eigenen Kompositionen aufgetreten sei, Werke von ihr haben sich allerdings nicht erhalten, bzw. sind heute unbekannt. Es ist zu vermuten, dass sie – wie zahlreiche Virtuosen – vorwiegend für ihre eigenen Auftritte komponiert hat, also vor allem Violin-Literatur.
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Repertoire

Nachweislich hat Regina Strinasacchi die Uraufführung der von ihr in Auftrag gegebenen B-Dur-Violin-Sonate von Wolfgang A. Mozart gespielt. Das übrige, sowohl Solo- wie Kammermusikliteratur umfassende Repertoire von Regina Strinassachi ist bislang nicht erforscht. Definitiv genannt werden können bislang nur die Hinweise aus Cramers „Magazin der Musik“, wo es heißt, dass sie „Violinconcerte von Giarnowick, St. George, Borra, Cambini etc.“ gespielt habe.
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Quellen

Magazin der Musik. Hg. von Carl Friedrich Cramer, 1784


Sekundärliteratur:

Angermüller, Rudolph: „Io sto bene di salute e continuo di far musicha“. Ein unveröffentlichter Brief der Geigerin Regina Strinasacchi verh. Schlick, Gotha, 5.8.1824“. In: Festschrift Christoph-Hellmut Mahling zum 65. Geburtstag. Hg. von Axel Beer, Kristina Pfarr und Wolfgang Ruf. 2 Bde. Tutzing: Schneider 1997. Bd. 1. S. 47-55.
[Chiavegatti, Franco; Gilbertoni, Giacomo; Vicenzi, Giuliano:] Gli Strinasacchi. Illustri musicisti ostigliesi. Regina - Teresa - Albert. E Mozart - Paisiello. Revere (Mantova) 2005
Clive, Peter: Mozart and hist Circle. A Biographical Dictionary. London: J. M. Dent 1993.
Deutsch, Otto Erich: Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Kassel: Bärenreiter 1961.
Hoffmann, Freia: Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur. Frankfurt a. M.: Insel 1991.
Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, 7 Bde., Kassel u. a. 1962
Mozart. Neue Ausgabe sämtlicher Werke, 20 Bde. Kassel u. a. 1955 ff.
Nissen, Georg Nikolaus von: Biographie W. A. Mozart’s. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1828. Reprint hg. von Rudolph Angermüller. Hildesheim u.a.: Georg Olms 1991.
Schleuning, Peter: Das 18. Jahrhundert: Der Bürger erhebt sich. Reinbek: Rowohlt 1984.
Spohr, Louis: Selbstbiographie. 2 Bde. Kassel/Göttingen: [s.n.] 1860-1861. Reprint: 1968.
Unseld, Melanie: Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.
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Forschung

Das von Regina Strinasacchi gespielte Instrument, eine Stradivari von 1718, wurde 1822 von Louis Spohr angekauft und wird heute von Miriam Fried gespielt.
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Forschungsbedarf

Eine systematische Auswertung der zeitgenössischen Publikationen (Cramer u.a.) im Hinblick auf Rezensionen über Regina Strinasacchis Konzerte in Deutschland, Frankreich und Italien steht noch aus. Hieraus wäre evtl. auch ein Einblick in ihr Repertoire möglich.
Darüber hinaus ist zu erwarten, dass eine lokalgeschichtliche Forschung in Gotha weiteres Material zu Regina Strinasachi, ihr Wirken am Gothaer Hof und ihrer Familie zu Tage bringen könnte.
Bislang unbekannt sind ihre eigenen Kompositionen (wahrscheinlich vorwiegend für ihr eigenes Instrument) (s. Magazin der Musik. 2. Jg. Erste Hälfte. 1784. S. 346).
Autor/innen:
Melanie Unseld

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann, Regina Back, Ellen Freyberg
Zuerst eingegeben am 08.03.2006.
Zuletzt aktualisiert am 15.08.2012.