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Eugenie Stoltz-Premyslav

Geburtsname: Eugenie Stoltz, Sonstige Namen: Eugenie Stoltz, Eugenie Stolz, Eugenie Premyslav, Eugenie Premislav, Eugenie Premyslaw, Eugenie Premislaw


Die Lebensdaten der Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav sind bislang unbekannt. Sie wurde vermutlich in den 1880er Jahren geboren und wirkte zwischen 1900 und 1928 als Solistin und Kammermusikerin überwiegend im deutschen, besonders im Berliner Musikleben.

„Bei dieser ausgezeichneten Cellistin sind Technik und Vortrag so schön gebildet, daß man jede Kritik vergißt und sich allein dem künstlerischen Eindruck hingibt.“

(Georg Schünemann in der „Allgemeinen Musikzeitung“ vom 10. April 1914, S. 515)
Tätigkeitsfelder
Violoncellistin

Orte und Länder
Die Herkunft der Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav ist bislang ungeklärt. Von 1900 bis 1903 studierte sie als eingeschriebene Studentin an der Hochschule für Musik Berlin und konnte sich anschließend im Berliner Musikleben als Cellistin und besonders als Kammermusikerin etablieren. Sie lebte bis Mitte der 1920er Jahre in Berlin und zog anschließend vermutlich mit ihrem Mann, dem Geiger Leopold Premyslav, nach Königsberg (heute: Kaliningrad, Russland). Während der NS-Zeit wurde ihr Mann aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt; das Ehepaar floh in den 1930er Jahren nach Südafrika. Über den weiteren Lebensweg von Eugenie Stoltz-Premyslav ist bislang nichts bekannt.

Konzertreisen führten Eugenie Stoltz-Premyslav u. a. nach Australien, Java, Indien, China und Japan.


Profil
Die Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav studierte von 1900 bis 1903 an der Hochschule für Musik in Berlin Violoncello bei Robert Hausmann. Nach ihrem Studium konnte sie sich innerhalb kürzester Zeit im Berliner Musikleben etablieren und galt zwischen 1905 und dem Ende der 1920er Jahre als eine der erstrangigen Berliner Cellistinnen, die sich als Kammermusikerin wie als Solistin unter ihren männlichen Kollegen behaupten konnte. Sie musizierte und konzertierte in zahlreichen Kammermusikensembles, u. a. im „Wietrowetz-Quartett“ der Geigerin Gabriele Wietrowetz (Grundseite zu Gabriele Wietrowetz: http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=wiet1866), in einem Klaviertrio gemeinsam mit der Pianistin Ella Jonas-Stockhausen und der Geigerin Edith von Voigtländer, sowie später im Premyslav-Quartett, das sie gemeinsam mit ihrem Mann gegründet hatte. Bereits während ihrer Studienzeit widmete sie sich dabei sowohl dem klassisch-romantischen Repertoire als auch zeitgenössischen Werken. Besonders das Premyslav-Quartett arbeitete mit zahlreichen zeitgenössischen Komponisten zusammen.

Biografie

Obwohl Eugenie Stoltz-Premyslav, geb. Stoltz, in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Berliner Cellistinnen und Cellisten zählte, ist über ihre Herkunft, ihr Geburtsdatum und ihren Geburtsort bislang nichts bekannt.

Von 1900 bis 1903 studierte Eugenie Stoltz-Premyslav als eingeschriebene Studentin Violoncello bei Robert Hausmann an der Hochschule für Musik in Berlin. Dabei trat sie regelmäßig in Hochschulkonzerten als Kammermusikerin und Solistin auf: Am 3. November 1900 spielte sie die Sonate F-Dur von Benedetto Marcello sowie ein Adagio von Pietro Locatelli und am 21. Juni 1902 zwei Sätze aus der Sonate A-Dur von Luigi Boccherini. Am 2. Mai 1903 interpretierte sie im Konzertsaal der Hochschule die Komposition einer Kommilitonin, die Ballade für Violoncello mit Orchester von Elisabeth Kuyper (Grundseite zu Elisabeth Kuyper: http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=kuyp1877) und übernahm am 31. Mai 1905 die erste Violine im Streichquartett D-Dur op. 64 von Joseph Haydn (vgl. Jahresberichte 1900 bis 1905, Archiv der Universität der Künste Berlin). Mindestens ein Konzert mit Orchester ist in dieser Zeit auch außerhalb der Hochschule zu belegen: am 14. August 1901 konzertierte Eugenie Stoltz-Premyslav in Riga in einem so genannten Elitekonzert mit dem finnischen Helsingfors-Orchester unter der Leitung von Georg Schneevoigt anlässlich der 700 Jahr-Feiern der Stadt (vgl. http://www.acadlib.lv/riga700/riga700v.htm; 2. März 2008).
In den Jahren 1904 und 1905 bewarb sich Eugenie Stoltz-Premyslav um den staatlichen Mendelssohn-Preis und erhielt im ersten Jahr eine lobende Erwähnung, im zweiten Jahr eine Zuwendung von 300 Mark (vgl. Jahresberichte 1900 bis 1905, Archiv der Universität der Künste Berlin).
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Würdigung

Eugenie Stoltz-Premyslav konnte sich mindestens drei Jahrzehnte lang als Violoncellistin hauptsächlich im Berliner Konzertleben behaupten, wobei der Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit auf der Kammermusik lag. Von Beginn an interessierte sie sich dabei auch für aktuelle Kompositionen und spielte in verschiedenen Besetzungen mehrere Uraufführungen, u. a. gemeinsam mit dem Premyslav-Quartett.
Über weitere Tätigkeiten von Eugenie Stoltz-Premyslav, z. B. als Musikpädagogin, ist bislang nichts bekannt. Sie können daher erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.
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Werkverzeichnis

Von Eugenie Stoltz-Premyslav sind keine Werke bekannt.
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Repertoire

Eine Repertoireliste von Eugenie Stoltz-Premyslav lässt sich aufgrund fehlender Forschungen z. Zt. nicht erstellen. Nachgewiesen sind die Aufführungen der folgenden Werke:

Albert, Eugène d’. Violoncellokonzert C-Dur, op. 20
Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio G-Dur, op. 1 Nr. 2
Beethoven, Ludwig van. Streichtrio c-Moll, op. 9 Nr. 3
Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio D-Dur, op. 70 Nr. 1
Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio Es-Dur, op. 70 Nr. 2
Beethoven, Ludwig van. Streichquartett Es-Dur, op. 74
Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur, op. 97
Boccherini, Luigi. Violoncellosonate A-Dur
Brahms, Johannes. Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll, op. 102
Brahms, Johannes. Klarinettenquintett h-Moll, op. 115
Brahms, Johannes. Klaviertrio C-Dur, op. 87
Brahms, Johannes. Klaviertrio H-Dur, op. 8
Brahms, Johannes. Streichquartett c-Moll, op. 51 Nr. 1
Brahms, Johannes. Streichquintett F-Dur, op. 88
Dohnányi, Ernst von. Streichquartett Des-Dur, op. 15
Faltis, Evelyn. Klaviertrio g-moll, op. 4
Haydn, Joseph. Streichquartett D-Dur, op. 64 Nr. 5
Haydn, Joseph. Violoncellokonzert C-Dur, Hob.VIIb:1
Henning, Max. Quintett für Violine, Viola, Violoncello, Flöte und Oboe Henning, Max. Nonett
Henning, Max. Streichquartett A-Dur
Henning, Max. Streichquartett d-Moll, op. 18
Kahn, Robert. Klaviertrio E-Dur, op. 19
Kuyper, Elisabeth. Ballade für Violoncello und Orchester
Locatelli, Pietro. Adagio (keine Präzisierung möglich)
Marcello, Benedetto. Violoncellosonate F-Dur
Mendelssohn Bartholdy, Felix. Streichquartett aus op. 44
Mozart, Wolfgang Amadeus. Streichquartett B-Dur (keine Präzisierung möglich)
Mozart, Wolfgang Amadeus. Streichquartett C-Dur, KV 465
Mozart, Wolfgang Amadeus. Klaviertrio G-Dur, KV 496
Saint-Saëns, Camille. Klaviertrio F-Dur, op. 18
Schnabel, Arthur. Streichquartett d-Moll
Schubert, Franz. Klaviertrio Es-Dur (keine Präzisierung möglich)
Smetana, Bedřich. Klaviertrio g-Moll, op. 15
Tschaikowsky, Peter I. Klaviertrio, op. 50
Wolf, Hugo. Streichquartett d-Moll „Entbehren sollst Du, sollst entbehren“ (o.op.)
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Quellen

Dokumente

Archiv der Universität der Künste Berlin. Jahresberichte der Königlichen Hochschule für Musik Berlin 1900-1905.


Literatur

Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis. Geschichte. Satzung, Wettbewerbsrichtlinien, Preisträger, Stipendiaten. Hg.: Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin. Berlin: Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2001

Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.

Rhodius, Hans. Schönheit und Reichtum des Lebens. Walter Spies. Maler und Musiker auf Bali. Den Haag 1964.

Stegmüller, Jürgen. Das Streichquartett. Eine internationale Dokumentation zur Geschichte der Streichquartett-Ensembles und Streichquartett-Kompositionen. Wilhelmshaven: Florian Noetzel Verlag, 2007.

Stengel, Theo; Gerigk, Herbert. Lexikon der Juden in der Musik. Mit einem Titelverzeichnis jüdischer Werke, zusammengest. und bearb. v. Theo Stengel und Herbert Gerigk, 2. Aufl., Berlin 1941 (antisemitische NS-Publikation).


Konzertkritiken und Zeitungsartikel

Allgemeine Musikzeitung vom 10. November 1905, S. 743.
Allgemeine Musikzeitung vom 4. Mai 1906, S. 310.
Allgemeine Musikzeitung vom 9. November 1906, S. 707.
Allgemeine Musikzeitung vom 28. Oktober 1910, S. 974.
Allgemeine Musikzeitung vom 9. Februar 1912, S. 153.
Allgemeine Musikzeitung vom 8. November 1912, S. 1178.
Allgemeine Musikzeitung vom 18. April 1913, S. 512.
Allgemeine Musikzeitung vom 10. April 1914, S. 515.
Allgemeine Musikzeitung vom 2. Oktober 1914, S. 1168.
Allgemeine Musikzeitung vom 29. Januar 1915, S. 55.
Allgemeine Musikzeitung vom 9. April 1915, S. 184.
Allgemeine Musikzeitung vom 10. März 1916, S. 127.
Allgemeine Musikzeitung vom 7. April 1916, S. 195.
Allgemeine Musikzeitung vom 6. April 1917, S. 235 [Werbeanzeige].

Signale für die musikalische Welt vom 4. Juni 1919, S. 372.
Signale für die musikalische Welt vom 5. November 1919, S. 732.
Signale für die musikalische Welt vom 19. Januar 1921, S. 44.


Links

http://www.gradx.net/bursaries/view/70/214/1/
Die Internetseite stellt eine Kurzbeschreibung des „Leopold Premyslav Scholarship Fund“ zur Verfügung.

http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=wiet1866
Über die Mitwirkung von Eugenie Stoltz-Premyslav im Wietrowetz-Quartett vgl. auch die Seite zu Gabriele Wietrowetz.
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Forschung

Eugenie Stoltz-Premyslav wird ebenso wie ihr Mann Leopold Premyslav in keinem der gängigen Musiklexika zwischen 1900 und 1930 erwähnt. Auch im „world biographical information system“ sind z. Zt. (März 2008) keine Artikel über das Ehepaar verfügbar. Lediglich Inka Prante erwähnt sie in ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen Joseph Joachims im Rahmen des Wietrowetz-Quartetts (Prante 1999).
Der „Leopold Premyslav Scholarship Fund“ in Johannesburg könnte möglicherweise Auskunft zu Eugenie Stoltz-Premyslav geben.

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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Eugenie Stoltz-Premyslav umfasst sowohl ihre Biografie, von der bislang nur ein Ausschnitt von ca. 25 Jahren im Ansatz bekannt ist, als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche. Unbekannt ist beispielsweise, ob Eugenie Stoltz-Premyslav unterrichtete, und wenn ja, wer ihre Schülerinnen und Schüler waren.
Darüber hinaus könnten Forschungen über Eugenie Stoltz-Premyslav auch Aufschlüsse darüber geben, ab wann sich Cellistinnen im deutschen Musikleben behaupten konnten, welche Faktoren dazu beitrugen und welche Bedeutung dabei speziell der Kammermusik zukam.
Für Hinweise zum Lebensweg des Ehepaares Eugenie Stoltz-Premyslav und Leopold Premyslav danke ich David Sandberg (Walter- & Leo-Spies-Archiv Berlin) sowie Sophie Fetthauer (Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit, Universität Hamburg).
Autor/innen:
Silke Wenzel, 10. April 2008

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 29.04.2008.
Zuletzt aktualisiert am 28.01.2009.