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Ilonka von Ravasz

Geburtsname: Ilonka von Ravasz, Sonstige Namen: Ilona von Ravasz, Ilonka von Korbay, Ilona von Korbay, Ilonka de Ravasz, Ilona de Ravasz, Ilonka Korbay, Ilona Korbay, Ilonka de Korbay, Ilona de Korbay

* 1851 in Adony, Ungarn.
† 1922 in Preßburg, Tschechoslowakei (heute: Bratislava, Slowakei).

Geburts- und Sterbedatum von Ilonka von Ravasz sind bislang nicht bekannt

„I [...] wish the excellent artiste Ilona de Ravasz the greatest success there and everywhere.“

(Franz Liszt an Ilonka von Ravasz, Brief o. D.; zit. n. Liszt/Prahács 1966, S. 437)
Tätigkeitsfelder
Pianistin, Klavierpädagogin, Klavierbegleiterin, Konzertveranstalterin

Orte und Länder
Ilonka von Ravasz wurde in Adony (Ungarn) geboren und erhielt bereits als Kind eine musikalische Ausbildung in Pest bzw. Budapest. Sie wurde dort u. a. von Franz Liszt unterrichtet und verbrachte die Sommermonate der Jahre 1878, 1880 und 1882 in Weimar. Nach Beendigung ihres Studiums ging sie nach New York, wo sie 1884 den ungarischen Sänger, Komponisten und Dirigenten Franz von Korbay heiratete. Als ihr Mann 1894 einen Ruf als Gesangslehrer an die Royal Academy of Music in London erhielt, folgte sie ihm nach England. Nach seinem Tod 1913 kehrte Ilonka von Ravasz nach Ungarn zurück und starb 1922 in Bratislava (heute Slowakei).

Profil
Ilonka von Ravasz zählte zum engeren Schülerkreis von Franz Liszt, der die Pianistin in Budapest und Weimar intensiv förderte. Nach Beendigung ihres Studiums begann sie eine Karriere als Pianistin in den USA, wandte sich nach ihrer Heirat jedoch verstärkt dem pädagogischen Bereich zu.

Biografie

Ilonka von Ravasz wurde 1851 in Adony als Tochter eines Gutsverwalters, Ignác Ravasz, geboren. Als junges Mädchen kam sie nach Budapest, um dort am privaten Konservatorium des Pianisten und Klavierpädagogen Antal Siposs (1839-1923) Klavier zu studieren.

Mitte der 1870er Jahre wurde Ilonka von Ravasz an der Königlich-ungarischen Musik-Akademie Budapest aufgenommen und dort von Franz Liszt als eine seiner ersten Budapester Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Sie trat häufig in Konzerten der Akademie auf und erhielt in den Jahren 1877 bis 1879 das Stipendium, das die Stadt Budapest zur Förderung talentierter ungarischer Musiker Franz Liszt zur Verfügung stellte. An Kornél von Ábrányi, Generalsekretär der Musik-Akademie Budapest, schrieb Franz Liszt am 11. Dezember 1878: „An dem mich so beehrenden ‚Jubiläums Stipendium‘ der Stadt Budapest […] scheint es mir besser dieses Jahr keine Änderung zu treffen: folglich in 3 Theilen, jeder von 200 Gulden zu belassen. Meine Candidaten sind: Juhász Aladár, Almássy und Fräulein Ravasz Ilonka.“ (Liszt/Prahács 1966, S. 209). In den Sommermonaten der Jahre 1878, 1880 und 1882 folgte Ilonka Ravasz Franz Liszt nach Weimar und gehörte dort bald zum engeren Weimarer Kreis. Ernst von Wolzogen hat in seinem Musikerroman („Der Kraft-Mayr“) über den Liszt-Kreis in Weimar Ilonka von Ravasz in der Figur von Ilonka Badics literarisch portraitiert.

Nach Beendigung ihres Weimarer Studiums bei Franz Liszt, begann Ilonka von Ravasz öffentlich zu konzertieren und fand dabei ebenfalls die Unterstützung ihres Lehrers: „I agree with you in your idea of giving concerts, especially in Paris, and wish the excellent artiste Ilona de Ravasz the greatest success there and everywhere.“ (Brief o. D., nur in engl. Übersetzung verfügbar; zit. n. Liszt/Prahács 1966, S. 437). Ilonka von Ravasz wandte sich jedoch nicht – wie zunächst offenbar geplant – Frankreich zu, sondern schiffte sich am 15. Mai 1882 in Liverpool nach New York ein (vgl. „The New York Times” vom 15. Mai 1882).
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Würdigung

Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten von Ilonka von Ravasz lässt sich erst nach weiteren Forschungen erstellen.
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Rezeption

Ernst von Wolzogen hat in seinem Musikerroman über den Liszt-Kreis in Weimar („Der Kraft-Mayr“) Ilonka von Ravasz in der Figur von Ilonka Badics literarisch portraitiert (siehe Links).
Eine heutige Rezeption der Tätigkeiten von Ilonka von Ravasz findet bislang nicht statt.
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Werkverzeichnis

Von Ilonka von Ravasz sind keine Werke bekannt.
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Repertoire

Eine Repertoireliste von Ilonka von Ravasz lässt sich nach derzeitigem Forschungsstand nicht erstellen. Nachgewiesen sind Interpretationen von Werken Franz Liszts (eine der „Etudes de Concert“, die Klaviersonate h-Moll sowie die „Ungarische Phantasie für Klavier und Orchester“) und Camille Saint-Saëns’ (Klavierkonzert g-Moll op. 22 und „Danse macabre“ op. 40). Im Rahmen der vor ihr und ihrem Mann veranstalteten historischen Konzerte spielte sie Klavierwerke von Baldassare Galuppi, Jean-Phillipe Rameau und Domenico Scarlatti.
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Quellen

Literatur:

Liszt, Franz. Franz Liszt. Briefe aus ungarischen Sammlungen 1835-1886. Margit Prahács (Hg.). Kassel: Bärenreiter, 1966.

Wolzogen, Ernst von. Der Kraft-Mayr. Ein humoristischer Musikantenroman. Stuttgart: Engelhorn, 1897.


Konzertkritiken und Zeitungsartikel:

The New York Times vom 14. Januar 1883
The New York Times vom 12. März 1883.
The New York Times vom 26. März 1883.
The New York Times vom 15. April 1883.
The New York Times vom 11. Juni 1883.
The New York Times vom 3. Mai 1884.
The New York Times vom 29. Juni 1884.
The New York Times vom 4. Dezember 1889.
The New York Times vom 20. April 1894.

The Times London vom 11. März 1913, S. 11 (Nachruf auf Franz von Korbay).


Links:

www.nytimes.com
Die Konzertkritiken und Zeitungsartikel zu Ilonka von Ravasz sind online verfügbar.

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3160&kapitel=1#gb_found
Der Roman „Der Kraft-Mayr“ von Ernst von Wolzogen ist im „Projekt Gutenberg-De“ als Volltext verfügbar.
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Forschung

Ilonka von Ravasz ist heute kaum bekannt. Lediglich Margit Prahács hat in ihrer sorgfältigen Kommentierung der Briefe aus ungarischen Sammlungen von Franz Liszt auf die Musikerin hingewiesen (Liszt 1966). Von ihr stammt die Information, dass Ilonka von Ravasz nach dem Tod ihres Mannes 1913 zurück nach Ungarn gezogen und 1922 verstorben sei. Den Berichten der „New York Times“ nach zu urteilen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Ilonka von Ravasz ihren Mann nach England begleitet hat. Dennoch bleibt es erstaunlich, dass sie in den Berichten über Franz von Korbay in der „Times London“ kein einziges Mal erwähnt wird, auch nicht im ausführlichen Nachruf auf ihn, der 1913 erschien (vgl. „The Times London“ vom 11. März 1913, S. 11).
Franz von Korbay hat in der Regel seinen Namen der Sprache des jeweiligen Landes angeglichen. Im anglo-amerikanischen Raum nannte er sich daher häufig Francis Korbay, im ungarischen Raum Ferenc de Korbay.

Es wäre zu vermuten, dass ein wissenschaftlicher Zugang von Ungarn aus weitere Aufschlüsse über die Tätigkeiten von Ilonka von Ravasz geben könnte.
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Ilonka von Ravasz umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre künstlerisch-pädagogischen Tätigkeiten. Die Ergebnisse könnten auch weiteren Aufschluss geben über die berufliche Entwicklung der ungarischen Schülerinnen von Franz Liszt.
Autor/innen:
Silke Wenzel, 25. Februar 2008

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 14.04.2008