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Babette Ployer

Maria Anna Barbara Ployer, Barbara Ployer

* 2. September 1765 in Sarmingstein, Österreich.
† 1810 in Bresane, Kroatien.

Walter Senn (1978) gibt als Todesdatum „vor 1811“ an, Mario R. Mercado nennt 1811 als Todesjahr. Da ihr Mann im April 1811 sich wieder verheiratete, ist das Jahr 1811 als Sterbedatum unwahrscheinlich.

Entre ce livre et vous, combien de ressemblance!
Comme vous, il unit mille talens divers.
Il s’exprime avec elegance,
Ainsi que vous, en prose comme en vers,
En langue Italienn, Anglaise,
Latine, allemande et française;
On y voit de même qu’en vous,
La musique avec la peinture,
Imiter, par les sons et les traits le plus doux,
Les agrémens de la nature.
Enfin ce livre est tout, peintre, musicien,
Poëte, philosophe et bon grammarien;
Et, comme vous, il n’en sait rien.

[Wieviel Ähnlichkeit zwischen diesem Buch und Ihnen!
Wie Sie vereint es tausend verschiedene Talente.
Mit Eleganz weiß es sich auszudrücken,
Wie Sie, in Prosa und in Reimen,
Auf Italienisch, Englisch,
Lateinisch, Deutsch und Französisch;
Man entdeckt in ihm, wie an Ihnen,
Musik und Malerei,
Die Vorzüge der Natur in Noten und in den zartesten Pinselstrichen nachahmen.
Schließlich: dies Buch ist alles: Maler, Musiker,
Poet, Philosoph und guter Sprachlehrer;
Und weiß, wie Sie, nichts davon.]

(Aus dem Stammbuch der Babette Ployer, anonymer Eintrag, zit. nach: Adler Stern 1878, S. 106)
Tätigkeitsfelder
Pianistin

Orte und Länder
Eine künstlerische Tätigkeit von Babette Ployer ist nur für ihre Wiener Zeit nachweisbar. Hier gehörte sie zum zentralen Kreis der Musiker um Joseph Haydn, Maximilian Stadler, W. A. Mozart, Marianne Martines u.v.a. Da ihr Ziehvater und Förderer Gottfried Ignaz von Ployer ein Landhaus in Döbling besaß, sind Auftritte ihrerseits auch dort nachweisbar. Ob sie auch in Bresane, ihrem Lebensmittelpunkt nach der Heirat mit Cornelius Bujánovics von Agg-Tellek, künstlerisch tätig war, ist bislang nicht nachweisbar.

Profil
Ihrem Stammbuch nach zu urteilen galt Babette Ployer zu ihrer Zeit als eine der besten Pianistinnen in Wien; zugleich erhielt sie auch Kompositionsunterricht. Gleichwohl war ihre umfassende musikalische Ausbildung offenbar nicht als Einstieg in eine künstlerische berufliche Laufbahn gedacht. Da Dokumente über eine künstlerische Betätigung nach ihrer Heirat (um 1787) vollständig fehlen, lässt sich keine Aussage über ihre mögliche weitere künstlerische Betätigung machen. Das (seit 1945 verschollene und nur in Auszügen dokumentierte) Stammbuch von Babette Ployer gibt Aufschluss über ihre enge Verbundenheit mit der Wiener Musikkultur zwischen ca. 1779 und ca. 1787 und die hohe Wertschätzung, die sie u.a. durch Joseph Haydn, Johann Georg Albrechtsberger, Martines, Stadler und Mozart erfuhr. Auch dieses Umfeld scheint nach ihrer Verheiratung weggebrochen zu sein, da seit diesem Zeitpunkt keine Anzeichen von weiteren Kontakten mehr bestehen.

Biografie

Babette Ployer wurde am 2. September 1765 in Sarmingstein (Oberösterreich) auf den Namen Maria Anna Barbara getauft. Um 1779 wurde sie – nach dem Tod der Mutter – zu Gottfried Ignaz Ployer, einem Cousin ihres Vaters, nach Wien gebracht, wo sie bis zu ihrer Heirat lebte. Hier erhielt sie auch ihre musikalische Ausbildung, u.a. bei Johann Georg Albrechtsberger und Wolfgang Amadeus Mozart (vermutlich ab 1782, vgl. dazu Tyson 1987 und Unseld 2005). Vom Kompositionsunterricht bei Mozart hat sich ein Studienbuch erhalten (s. Neue Mozart Ausgabe, Serie X Supplement Werkgruppe 30, Bd. 2). 1784 gab sie ein Klavierkonzert (Es-Dur KV 449) bei Mozart in Auftrag, das dieser im Februar 1784 komponierte; im April folgte ein weiterer Kompositionsauftrag (Klavierkonzert G-Dur KV 453). Im Juni desselben Jahres trat sie zusammen mit Mozart in einer Akademie auf. Sie verkehrte im regen Zirkel ihres Ziehvates und lernte dort zahlreiche Größen des Wiener Musiklebens kennen. Sie wurde als eine der besten Pianistinnen Wiens hoch geschätzt.
Um 1787 heiratete sie Cornelius Bujánovics von Agg-Tellek und zog mit ihm auf dessen Landgut in Bresane (Kroatien). Nach dem Tod ihres früheren Lehrers Mozart widmete ihr dessen Witwe Constanze ein Albumblatt zur Erinnerung. Vermutlich um 1810 starb sie auf dem Landgut in Bresane.
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Würdigung

Babette Ployer gehörte zu den besten Wiener Pianistinnen ihrer Zeit. Darüber hinaus war sie das (heimliche?) Zentrum jenes musisch-intellektuellen Zirkels, der im Haus ihres Ziehvater, dem Hofagenten Gottfried Ignaz Ployer verkehrte. Zwar war dieser Hofagent, Mann, Kunstförderer und wesentlich älter als Babette Ployer, aber es ist nicht auszuschließen, dass sich Personen wie Mozart zwar den Agenten Ployer „warm“ halten wollten, ein tatsächlicher künstlerischer Austausch aber mit Babette Ployer pflegten (s.a. Stammbucheintrag zu Beginn des vorliegenden Artikels).
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Rezeption

Barbara Ployer ist bislang nur als Mozart-Schülerin bekannt worden. Eine eigene Studie über sie steht bislang aus (s. a. unter Punkt 15).
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Werkverzeichnis

Obgleich davon auszugehen ist, dass sie – als Kompositionsschülerin Mozarts – komponiert hat (s. Stammbuch), sind keine eigenen Werke von ihr überliefert.
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Repertoire

Das Repertoire von Babette Ployer ist nur äußerst bruchstückhaft nachweisbar.

Sicher ist, dass sie mit folgenden Werken Wolfgang Amadeus Mozarts aufgetreten ist:

· Klavierkonzert KV 449
· Klavierkonzert G-Dur KV 453
· Sonate für zwei Klaviere KV 448

Da KomponistInnen wie Joseph Haydn, Joseph Weigl, Albrechtsberger, Marianne Martines u.a. zu ihrem Bekanntenkreis zählten, ist davon auszugehen, dass sie auch deren Werke kannte bzw. spielte. Daneben dürfte sie als Mozart-Schülerin auch weitere Werke ihres Lehrers aufgeführt haben.
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Quellen

Adler Stern, Simon. „An old-time Album“. In: The Penn Monthly 9. 1877/78. Philadelphia. Febr. 1878. Nr. 98. S. 104-109.

Deutsch, Otto Erich. Mozart und seine Welt in zeitgenössischen Bildern. Kassel u.a.: Bärenreiter 1962 (= NMA, Serie X, Supplement, Werkgruppe 32).

Grandjean, Wolfgang. „Sind die Ployer-Studien ‚unvollständig’?“. In: Mozart-Jahrbuch 2003/2004. Kassel u.a.: Bärenreiter 2005, S. 43-50.

Gruber, Gernot. Zu Wolfgang Amadeus Mozarts Lehre im ‚basso fondamentale’“. In: Gedenkschrift Hermann Beck. Hg. von Hermann Dechant und Wolfgang Sieber. Laaber: Laaber 1982, S. 127-131.

Lach, Robert. Mozart als Theoretiker. Wien, 1918.

Lauer, Erich. Mozart, wie ihn niemand kennt. Mozart als Lehrer im Kontrapunkt. Mozart als Schüler Bachs in der Fugentechnik. Ein anonymes Stammbuchblatt. Nach einem fast vergessenen Übungsheft. Frankfurt am Main: Hofmeister 1958.

Lester, Joel. Compositional theory in the eighteenth century, Cambridge, Mass.: Harvard University Press 1992.

Link, Dorothea. The National Court Theatre in Mozart’s Vienna. Oxford: Clarendon Press. 1998.

Lorenz, Michael. „Gottfried Ignaz von Ployers Haus in Döbling – eine vergessene Mozartstätte. Nebst biographischen Bemerkungen zu Babette Ployer“. In: Acta Mozartiana. 47. Jg. Heft 1/2. Juni 2000. S. 11-24.

Mercado, Mario R. „Mozart through his piano students“. In: Eighteenth-Century Music in Theory and Practice. Essays in Honor of Alfred Mann. Mary Ann Parker (Hg.). Stuyvesant, NY: Pendragon Press 1994. S. 205-226.

Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch. 7 Bde. Kassel u.a.: Bärenreiter-Verlag 1962.

Mozart. Neue Ausgabe sämtlicher Werke. 20 Bde. Kassel u.a.: Bärenreiter-Verlag 1955 ff. Darin: Serie X: Supplement. Werkgruppe 30. Bd. 2: Barbara Ployers und Franz Jakob Freystädtlers Theorie- und Kompositionsstudien bei Mozart. Kassel u.a. 1989.

Park, Christopher. „Mozart’s harmonization exercises for Barbara Ployer. Ph.D. diss. City University of New York, 1999.

Schuler, Heinz. „Mozarts Akademie im Trattnersaal 1784. Ein Kommentar zum Mozart-Brief: Wien, 20. März 1784“. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 38. Salzburg: 1990. S. 1-47.

Senn, Walter. „Abbé Maximilian Stadler: Mozarts Nachlaß und das ‚Unterrichtsheft’ KV 453b“. In: Mozart-Jahrbuch 1980-83. Kassel u.a.: Bärenreiter 1983. S. 287-298.

Senn, Walter. „Barbara Ployer, Mozarts Klavierschülerin“. In: Österreichische Musikzeitschrift 33. 1978. S. 18-26.

Stadler, Abbé Maximilian. Seine Materialien zur Geschichte der Musik unter den österreichischen Regenten. Ein Beitrag zum musikalischen Historismus im vormärzlichen Wien. Hg. u. kommentiert von Karl Wagner. Salzburg o.J. (= Schriftenreihe der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg, Bd. 6).

Stadler, Abbé Maximilian. Vertheidigung der Echtheit des Mozartschen Requiem. Wien: Tendler und von Manstein 1826.

Tenschert, Roland. „Das Stammbuch der Babette Ployer“. In: 39. Jahresbericht der Internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg 1926. Salzburg: 1927.

Tenschert, Roland. Frauen um Haydn. Wien: Donau-Verlag 1947.

Tenschert, Roland. Mozart. Ein Künstlerleben in Bildern und Dokumenten. Leipzig: Meulenhoff 1930.

Tyson, Alan. Mozart. Studies of the Autograph Scores. Cambridge/Mass.: Harvard University Press, 1987.

Unseld, Melanie. Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.

Anm. zur Bibliographie: Wie bei allen Musikerinnen, die mit Wolfgang Amadeus Mozart in Kontakt kamen, finden sich auch über Babette Ployer Hinweise und diverse mehr oder weniger aussagekräftige Informationen in der Mozart-Literatur. Da diese zu umfangreich ist, hier dokumentiert zu werden, sei lediglich auf diesen Umstand verwiesen, verbunden mit dem Hinweis, ggf. dort nachzuschlagen.

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Forschung

Material zu den Gerichtsverfahren, die Babette Ployer, verh. Bujánovics, ab 1805 mehrfach anstrengte, sind bislang nur in Auszügen ausgewertet worden (s. Lorenz 2000). Sie befinden sich im Österreichischen Staatsarchiv.
Das Studienbuch der Babette Ployer liegt im Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek/Musikabteilung.
Das Stammbuch der Babette Ployer gilt seit 1945 als verschollen.
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Forschungsbedarf

Da man kann davon ausgehen, dass Babette Ployer als Kompositionsschülerin Mozart tatsächlich auch komponiert hat, und Werke von ihrer Hand – über das Studienbuch hinaus – bis heute nicht bekannt sind, wäre nach ihren Kompositionen zu suchen.
Unklar bleiben bislang auch die Angaben über Babette Ployer während der Zeit ihrer Ehe. Auch ihr Todesdatum ist unbekannt.
Zu hoffen ist, dass das seit 1945 verschollene Stammbuch der Babette Ployer wieder aufgefunden wird. Hieraus sind auch genauere Angaben über ihren künstlerischen Zirkel in Wien zu erwarten.
Michael Lorenz bemerkt in seinem Aufsatz über Ployer zu Recht: „Eine umfassende, auf allen Quellen basierende Studie zu Mozarts Schülerinnen bliebe noch zu schreiben.“ (Lorenz 2000, S. 24).
Autor/innen:
Melanie Unseld

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann
Zuerst eingegeben am 08.03.2006.
Zuletzt aktualisiert am 29.02.2008.