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Pálma von Pászthory

Geburtsname: Pálma von Pászthory, Sonstige Namen: Pálma von Pásztory-Erdmann, Pálma de Pászthory, Páalma Erdmann, Palma von Pasthory, Palma von Pazthory

* 23. Mai 1884 in Budapest, Ungarn.
† 1958 in Weilheim/Oberbayern, Deutschland.

Das Sterbedatum von Pálma Pászthory ist bislang nicht bekannt.

„Ein hervorragendes Talent. Hat viel gelernt und besitzt Feuer und geistiges Leben. Die Kadenzen mit Virtuosität.“

(Joseph Joachim über Pálma von Pászthory. Archiv der Universität der Künste, Berlin, Specialia Nr. 1518, zit. n. Prante 1999, S. 74)
Mediennachweis

© Universitätsbibliothek Frankfurt a.M., Sammlung Manskopf, Sign. S36_F09479

Tätigkeitsfelder
Violinistin, Violinpädagogin

Orte und Länder
Das Leben der Violinistin Pálma von Pászthory war von zahlreichen Ortswechseln geprägt: 1884 in Budapest geboren, lebte sie ab 1891 mit ihrer Familie in Wien, ab 1893 in Nürnberg. Von 1897 bis 1899 studierte Pálma von Pászthory am Hochschen Konservatorium in Frankfurt am Main und setzte von 1899 bis 1903 ihr Studium an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin fort. Anschließend ließ sie sich in Linz nieder, wo sie bis 1908 an der Schule des Linzer Musikvereins unterrichtete. Zwischen 1908 und 1916 lebte Pálma von Pászthory teils in Leipzig, teils in Berlin; sie zog im Jahr 1916 nach München um und lebte nach ihrer Heirat 1918 mit ihrem Mann Hugo Erdmann in Tutzing. Ein weiterer zweijähriger Aufenthalt als Lehrerin und Konzertmeisterin in Linz (1923-1925) schloss sich an. Pálma von Pászthory kehrte nach Tutzing zurück und arbeitete als Musikpädagogin dort und in München. Nach dem Tod ihres Mannes 1942 ließ sie sich in Weilheim/Oberbayern nieder.

Profil
Pálma von Pászthory war über ein halbes Jahrhundert lang im öffentlichen Musikleben Deutschlands und Österreichs präsent. Sie konzertierte als Solistin und Kammermusikerin in ganz Deutschland und gründete an ihren jeweiligen Wohnorten meist eigene Ensembles. Dabei interpretierte sie sowohl ältere Musik, z. B. von Johann Sebastian Bach oder Heinrich Ignaz Franz von Biber, als auch das klassisch-romantische Repertoire von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Peter I. Tschaikowsky. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit lag auf der Interpretation der Violinwerke von Max Reger, mit dem sie mehrfach gemeinsam auftrat. Als Musikpädagogin suchte sie die institutionelle Anbindung und war u. a. am Ochs-Eichelberg-Konservatorium in Berlin, an der Schule des Musikvereins in Linz an der Donau sowie an der Volkshochschule München angestellt.
Pálma von Pászthory bearbeitete mehrere Klavier- und Orgelkompositionen für Violine solo bzw. Streichquartett und schrieb u. a. eine Biographie über ihren Stiefvater, den Pianisten, Musikschulleiter und Musikwissenschaftler August Göllerich, die 1927 in Linz anonym erschien.

Biografie

Pálma von Pászthory wurde am 23. Mai 1884 in Budapest geboren. Der Vater, Johann von Pászthory-Rózsa, war Rechtsanwalt, die Mutter, Gisela von Pászthory (geb. Voigt von Leitersberg, wiederverehelichte Göllerich) war Pianistin. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Pálma von Pászthory von der Mutter am Klavier, begann jedoch im Alter von sieben Jahren Violine zu spielen und wurde zunächst in Wien von August Duesburg unterrichtet. Nach der Wiederverheiratung der Mutter mit dem Pianisten, Musikwissenschaftler und Musikschulleiter August Göllerich zog die Familie 1893 nach Nürnberg, wo Julius Blankensee, ein Schüler Joseph Joachims, den Violinunterricht übernahm.

Im Jahr 1897 bestand Pálma von Pászthory die Aufnahmeprüfung am Hochschen Konservatorium in Frankfurt am Main. Sie begann ein Violinstudium bei Fritz Bassermann und wurde zugleich von Iwan Knorr in Musiktheorie unterrichtet. Zwei Jahre später wechselte sie an die Königliche Hochschule für Musik in Berlin, setzte dort ihr Studium bei Andreas Moser und Joseph Joachim fort und legte im Wintersemester 1902/03 die Reifeprüfung ab. Zu den Regularien der Reifeprüfung heißt es in den Jahresberichten der Königlichen Hochschule für Musik Berlin: „Wenn die Schüler und Schülerinnen einen Grad der musikalischen Ausbildung erreicht zu haben glauben, dass sie fremder Leitung zu entrathen und ihre Weiterbildung selbst in die Hand zu nehmen im Stande sind, so können sie sich um ein Zeugniss der Reife bewerben. Zur Erlangung desselben ist eine Prüfung in allen Unterrichts-Gegenständen vor dem gesammten Lehrer-Collegium nothwendig.“ (Jahresberichte ab 1876/77, zit. n. Prante 1999, S. 39)
Bereits während ihres Studiums, 1902, bewarb sich Pálma von Pászthory mit dem Violinkonzert D-Dur, op. 77, von Johannes Brahms erstmals um den Mendelssohn-Preis und erhielt eine lobende Erwähnung. Joseph Joachim notierte: „Ein bedeutendes Talent zeigt sich im ganzen Spiel. Auch technisch schon weit entwickelt, fehlt es nur noch an einer gewissen Abrundung.“ (Archiv der Universität der Künste, Berlin, Specialia Nr. 1516, zit. n. Prante 1999, S. 74) Nach ihrer zweiten Bewerbung 1904 wurde ihr dann der mit 1500 Mark dotierte Preis zugesprochen. Pálma von Pàszthory spielte das Violinkonzert D-Dur, op. 61, von Ludwig van Beethoven, und Joseph Joachim kommentierte ihr Spiel mit den Worten: „Ein hervorragendes Talent. Hat viel gelernt und besitzt Feuer und geistiges Leben. Die Kadenzen mit Virtuosität.“ (Archiv der Universität der Künste, Berlin, Specialia Nr. 1518, zit. n. Prante 1999, S. 74)
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Würdigung

Pálma von Pászthory war eine äußerst vielseitige Musikerin, die ihr gesamtes Leben lang sowohl als Solistin wie auch als Kammermusikerin musizierte und konzertierte, selbst etliche Kammermusik-Ensembles gründete, als Musikpädagogin an zahlreichen Orten unterrichtete, als Musikschriftstellerin tätig war und zudem institutionell eingebunden war. Dennoch gibt es über Musikkritiken hinaus kaum Äußerungen über ihre Tätigkeiten.
Eine angemessene Würdigung Pálma von Pászthorys, die der Vielseitigkeit ihrer Aktivitäten gerecht wird, kann daher erst nach weiteren Forschungen erstellt werden.
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Rezeption

Eine heutige Rezeption der Tätigkeiten von Pálma von Pászthory findet bislang nur in Zusammenhang mit Forschungen über Max Reger statt. Darüber hinaus hat bislang lediglich Inka Prante in ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen von Joseph Joachim von 1999 die Quellen des Archivs der Universität der Künste Berlin ausgewertet und einen ersten Überblick über die Biografie der Violinistin gegeben (Prante 1999, S. 73-78).
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Werkverzeichnis

Bearbeitungen und Transkriptionen
(vermutlich unveröffentlicht; Quelle: Müller 1929 und 1954; dort ohne weitere Präzisierungen)

Bach, Johann Sebastian: Orgelpräludien für Violine solo
Bach, Johann Sebastian: Chromatische Fantasie für Violine solo
Bach, Johann Sebastian: Orgelfantasie in g-Moll für Streichquartett
Bach, Johann Sebastian: Wohltemperiertes Klavier für Streichquartett

Chopin, Frédéric: Nocturne b-Moll
Chopin, Frédéric: Nocturne in cis-Moll
Chopin, Frédéric: Mazurka in As-Dur
Chopin, Frédéric: Polonaise in cis-Moll
Tschaikowsky, Peter I.: Nocturne in cis-Moll


Schriften

August Göllerich – ein Gedenkblatt [Zeitungsartikel]. Österreichische Nationalbibliothek. Signatur: F28.Göllerich.286mus (ohne weitere Quellenangaben).

August Göllerich. Lebensbild eines tatkräftigen Idealisten. Linz 1927.

Erinnerungen an Max Reger. In: Zeitschrift für Musik 112 (1951), Heft 11, S. 596f.

Max Reger. Erinnerungen an den 11. Mai 1916. In: Rheinische Musik- und Theater-Zeitung 27 (1926), Heft 21/22, S. 223-224.

Max Reger. Zu seinem fünfzigsten Geburtstag. in: Münchner Neueste Nachrichten vom 17. März 1923, S. 3.

Max Reger. Ein Gedenkblatt. In: Jenaische Zeitung vom 24. Mai 1916.

Erinnerungen an Max Reger. In: Post (Berlin) vom 21. Mai 1916.

Erinnerungen an Max Reger. Mehrere, teils fragmentarisch erhaltene Texte im Archiv des Max-Reger-Instituts Karlsruhe. Zusammenfassend publiziert als: Palma von Pászthory: Erinnerungen an Max Reger. In: Mitteilungen der Internationalen Max Reger Gesellschaft 5 (2002), S. 10-13.


Aufnahmen

Der Artikel zu Pálma von Pászthory in „Kürschners Deutscher Musik-Kalender“ von 1954 (Müller von Asow 1954) verweist auf Einspielungen auf Voxplatten, deren Verbleib bislang unbekannt ist.
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Repertoire

Eine Repertoireliste lässt sich bislang aufgrund fehlender Quellen nicht erstellen. Nachgewiesen sind Aufführungen folgender Werke:

Bach, Johann Sebastian. Suite in E-Dur für Violine solo
Bach, Johann Sebastian. Partita d-Moll, BWV 1004
Beethoven, Ludwig van. Violinkonzert D-Dur, op. 61
Beethoven, Ludwig van. Romanze für Violine und Orchester G-Dur, op. 40
Beethoven, Ludwig van. Violinsonate G-Dur, op. 30 Nr. 3
Beethoven, Ludwig van. Violinsonate A-Dur, op. 47
Beethoven, Ludwig van. Trio G-Dur, op. 1 Nr. 2
Beethoven, Ludwig van. Trio Es-Dur, op. 70 Nr. 2
Biber, Heinrich Ignaz. Violinsonate c-Moll
Brahms, Johannes. Violinkonzert D-Dur, op. 77
Brahms, Johannes/Joachim, Joseph. Ungarische Tänze für Violine und Klavier
Brahms, Johannes. Klaviertrio C-Dur, op. 87
Brahms, Johannes. Violinsonate G-Dur, op. 78
Joachim, Joseph. Ungarisches Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 11
Mozart, Wolfgang Amadeus. Violinkonzert D-Dur (Präzisierung nicht möglich)
Reger, Max. Violinsonate d-Moll, op. 42 Nr. 1
Reger, Max. Sonate für Violine solo a-Moll, op. 91 Nr. 1
Reger, Max. Suite im alten Stil F-Dur, op. 93
Reger, Max. Violinkonzert A-Dur, op. 101
Reger, Max. Sonate B-Dur, op. 107 (Fassung für Violine und Klavier)
Reger, Max. Violinsonate c-Moll, op. 139
Saint-Saëns, Camille. Klaviertrio F-Dur, op. 18
Smetana, Bedřich. Klaviertrio g-Moll, op. 15
Tartini, Giuseppe. Violinsonate („Teufelstriller-Sonate“)
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Quellen

Dokumente

Archiv der Universität der Künste Berlin:
Bestand 1 Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung, Specialia Nr. 1516 (1902),
Bestand 1 Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung, Specialia Nr. 1518 (1904),
Jahresberichte der Königlichen Hochschule für Musik Berlin


Literatur

Artikel „Pászthory, Pálma“. In: Deutsches Musiker-Lexikon. Erich H. Müller (Hg.). 1929 [verfügbar in wbis – world biographical information system].

Artikel „Pászthory, Pálma“. In: Kürschners Deutscher Musik-Kalender. Hedwig und Erich Hermann Müller von Asow (Hg.). Berlin: de Gruyter, 1954.

Artikel „Pászthory-Erdmann, Palma von“. In: Lexikon der Frau. Bd. 2. Zürich 1954 [verfügbar in wbis – world biographical information system].

Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis. Geschichte. Satzung, Wettbewerbsrichtlinien, Preisträger, Stipendiaten. Hg.: Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin. Berlin: Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2001.

Jerger, Wilhelm. Franz Liszts Klavierunterricht von 1884-1886. Dargestellt an den Tagebuchaufzeichnungen von August Göllerich. Regensburg: Gustav Bosse, 1975.

Lauer, Hans Erhard. Palma von Pasthory. In: Mitteilungen des Max Reger-Instituts Bonn. 13. Heft (1962), S. 60f.

Pászthory, Pálma von. Erinnerungen an Max Reger. In: Mitteilungen der Internationalen Max Reger Gesellschaft 5 (2002), S. 10-13.

Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.

Reger, Elsa. Mein Leben mit und für Max Reger. Leipzig: Koehler & Amelang, 1930.

Reger, Max. Briefe zwischen der Arbeit. Neue Folge. Ottmar Schreiber (Hg.). Bonn: Dümmler, 1973.

Stegmüller, Jürgen. Das Streichquartett. Eine internationale Dokumentation zur Geschichte der Streichquartett-Ensembles und Streichquartett-Kompositionen. Wilhelmshaven: Florian Noetzel Verlag, 2007.

Stern, Richard. Was muß der Musikstudierende von Berlin wissen? VI. Jahrgang. Berlin 1914.

Wasielewski, Wilhelm Joseph von. Die Violine und ihre Meister. Leipzig: Breitkopf & Härtel. 8. verm. Aufl. 1927.


Konzertkritiken und Zeitungsartikel

Allgemeine Musikzeitung vom 29. November 1907, S. 811.
Allgemeine Musikzeitung vom 13. Mai 1910, S. 472.
Allgemeine Musikzeitung vom 11. November 1910, S. 1036.
Allgemeine Musikzeitung vom 25. November 1910, S. 1090.
Allgemeine Musikzeitung vom 9. Februar 1912, S. 153.
Allgemeine Musikzeitung vom 20. Dezember 1912, S. 1386.
Allgemeine Musikzeitung vom 21. Februar 1913, S. 252.
Allgemeine Musikzeitung vom 19. Dezember 1913, S. 1634.
Allgemeine Musikzeitung vom 21. Januar 1916, S. 32.
Allgemeine Musikzeitung vom 6. März 1914, S. 319.

Neue Zeitschrift für Musik 1910, S. 350.
Neue Zeitschrift für Musik 1910, S. 407f.

Vossische Zeitung vom 7. März 1903.
Vossische Zeitung vom 11. November 1905.


Links

http://www1.karlsruhe.de/Kultur/Max-Reger-Institut/de
Im Max-Reger-Institut Karlsruhe werden „Erinnerungen an Max Reger“ von Pálma von Pászthory aufbewahrt (vgl. Werke/Schriften),
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Forschung

Viele der künstlerischen Tätigkeiten von Pálma von Pászthory fanden im Umfeld ihrer Mutter Gisela von Pászthory und ihres Stiefvaters August Göllerich statt. Es wäre daher zu vermuten, dass die Teilnachlässe von August Göllerich in der Österreichischen Nationalbibliothek und der Anton-Bruckner-Universität in Linz näheren Aufschluss über die künstlerisch-pädagogischen Tätigkeiten und die Biografie der Violinistin geben könnten.
Der Verbundkatalog Autographe und Nachlässe „Kalliope“ verzeichnet einen Brief von Pálma von Pászthory an Wilhelm Mauke von 1919.
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Pálma von Pászthory umfasst sowohl ihre Biografie als auch ihre künstlerischen Tätigkeiten. Über ihre Schülerinnen und Schüler ist bislang nichts bekannt, ebensowenig über ihre musikorganisatorischen Aktivitäten, von der Organisation von Hausmusikkonzerten bis zur musikalischen Leitung der Münchner Volkshochschule. Die in Kürschners „Deutschem Musik-Kalender“ erwähnten Aufnahmen auf Voxplatten könnten – sofern sie aufzufinden sind – über ihre Interpretationen Aufschluss geben.
Autor/innen:
Silke Wenzel, 23. April 2008

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 28.04.2008