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Aleida Montijn

Aleida Montijn (geb.)

* 7. August 1908 in Mannheim.
† 30. August 1989 in Bad Homburg.



„Ich habe lange geglaubt, die Menschen seien gut. Heute weiß ich, dass sie eine Fehlprogrammierung sind. Die hätten oben auf den Bäumen bleiben sollen. Na ja, einige wie Johann Sebastian Bach und so vielleicht nicht. Es hätte ja sonst nie Kunst gegeben. Und für die Kunst zu leben, ist wunderschön! Mein Leben ist die Kunst.“

(Aleida Montijn im Gespräch mit dem Chansonier und Regisseur Joe van Nelsen, Frankfurt, 7. August 1989; e-mail von Joe van Nelsen an die Autorin, 10. November 2008)
Notenbeispiel Schriftprobe
Mediennachweis

Bild:
Mit freundlicher Genehmigung des Archivs Frau und Musik, Frankfurt.

Noten:
Mit freundlicher Genehmigung des Archivs Frau und Musik, Frankfurt.

Schrift:
Mit freundlicher Genehmigung des Archivs Frau und Musik, Frankfurt.

Tätigkeitsfelder
Komponistin, Pianistin, Musikpädagogin

Orte und Länder
Aleida Montijn wirkte als Komponistin, Pianistin und Musikpädagogin in erster Linie in Deutschland. Nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik in Mannheim und ihrer Tätigkeit als Pianistin an der „Mary-Wigman-Zweigschule“ in Hamburg und in Dresden floh sie im Zweiten Weltkrieg nach Frankfurt am Main, wo sie mehr als zwanzig Jahre lang als Hauskomponistin der Städtischen Bühnen fungierte.

Profil
Aleida Montijn ist mit ihrer außergewöhnlichen Biografie eine der wenigen Komponistinnen, deren Schaffensschwerpunkt
auf dem Gebiet der Bühnenmusik liegt. Ihr umfangreiches Werk besteht größtenteils aus Musikstücken für das Theater. 1908 in Mannheim geboren, wo sie später ein Musikstudium im Fach Klavier absolvierte, zeigte sie schon früh Begabung für die Improvisation. Insbesondere der Jazz weckte ihr großes Interesse. Regelmäßig spielte Aleida Montijn an Tanzschulen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen und schrieb zahlreiche Chansons. Ihre mehrjährige enge Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreografin Mary Wigman, die 1938 begann und sie nach Hamburg und Dresden führte, hatte großen Einfluss auf ihre Arbeit als Komponistin. Nach der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg flüchtete sie zu Fuß nach Frankfurt am Main, wo sie sich niederließ und 1950 begann, Bühnenmusiken für die dortigen Städtischen Bühnen zu schreiben. Bis 1973 komponierte Aleida Montijn weit über hundert Werke für das Frankfurter Theater – fast alle als Hauskomponistin. An ihrer Anti-Kriegs-Oper „Die Lederköpfe“ arbeitete sie zwanzig Jahre lang (Montijn: S. 241).

Biografie

Aleida Montijn wurde am 7. August 1908 in Mannheim geboren. Ihre Mutter spielte hervorragend Klavier und ihr holländischer Vater war ein passionierter Hobby-Sänger. Schon früh begann sie, „mit Tönen zu spielen“. Die kleinen Floskeln aus Tönen, die sie am Klavier spielte und viele Male wiederholte, nannte sie „Tröster“ und begleiteten sie in allen schwierigen Phasen ihres Lebens (Montijn: S.12). Aufgrund ihres großen musikalischen Talents wurde sie bald von ihrer Umwelt als „Mannemer Wunderkind“ bezeichnet.
Vom Vater zur Malerin und Bildhauerin bestimmt, beschloss Aleida Montijn im Alter von 18 Jahren, sich für ein Studium an der Hochschule für Musik in Mannheim anzumelden. Nachdem sie dem Hochschuldirektor auswendig und fehlerlos eine Etüde aus Carl Czernys „Gradus ad Parnassum“ vorgespielt, diese allerdings vor Aufregung unwissentlich in eine andere Tonart transponiert hatte, war dies für den Direktor Talentbeweis genug. Er ließ sie das Studium sofort antreten.

Nach ihrem Abschluss als staatlich geprüfte Klavierlehrerin 1929 musste Aleida Montijn den Weg zum Komponieren erst finden. Tag für Tag spielte sie für etwa 80 Pfennig die Stunde in Mannheimer Tanzschulen. Es folgten inspirierende, jedoch kaum lukrativere Jahre mit der Tänzerin und Tanzpädagogin Mary Wigman (1886-1973), die sie erst nach Hamburg an die Mary-Wigman-Zweigschule und später nach Dresden holte, wo sie für das Ballettstudio spielte und komponierte. Ihre Kompositionen schrieb Aleida Montijn jedoch anfangs nicht auf, erst 1940 fing sie damit an. In Dresden erhielt die talentierte Künstlerin ein Stipendium am Konservatorium und machte schließlich ihr Chormeister-, Dirigier- und Kompositionsexamen.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete sich Aleida Montijn aus Solidarität und Verbundenheit mit den ehemaligen SchülerInnen der Tanzschule, die zu Kriegsbeginn in die „Sarotti Fabrik“ abkommandiert worden waren, freiwillig für die Schlosser-Arbeit und wurde als Feinmechanikerin in einem Hochdruckprüffeld eingesetzt (Montijn: S.84). Schließlich veranlasste sie der Bombenangriff auf Dresden, zu Fuß nach Frankfurt zu flüchten. Dort fand sie Asyl bei der Familie des Frankfurter Internisten Prof. Franz Volhard, dessen Schwiegertochter Litschan Volhard sie in Thüringen über Mary Wigman kennengelernt hatte. Viele Jahre lang blieb dies ihr Zuhause.
Das Leben der Nachkriegsjahre war für Aleida Montijn kompliziert und anstrengend. Zwei Jahre lang arbeitete sie als Hauskomponistin im ersten deutschen Nachkriegskabarett, dem Frankfurter „Struwwelpeter“, und komponierte in dieser Zeit mehr als hundert Chansons (Montijn: S. 120). Zum Lebensunterhalt diente ihr auch das Klavierspiel in Bars, unter anderem in amerikanischen Kasernen.
1948 holte sie der Theaterregisseur und -intendant Harry Buckwitz als musikalische Assistentin des Choreographen Peter Lutz an die Städtischen Bühnen Frankfurt. Als Hauskomponistin für Schauspielmusik und als Dirigentin wirkte sie dort von 1951 an bis zur Spielzeit 1974/75. In dieser Epoche stattete sie ca. 150 sprechdramatische Werke musikalisch aus.1953 lernte sie dort den bekannten Regisseur Erwin Piscator kennen, der bis zu seinem Tod 1966 ihr Arbeits- und Lebensgefährte blieb.

Über zwanzig Jahre lang war Aleida Montijn als Komponistin für alle im Schauspiel benötigte Musik im „E“- und „U“-Bereich verantwortlich, darunter Jazz-Stücke oder besondere Stimmungskulissen. Die Mischung verschiedenster Gattungen und Stile war in ihrem umfangreichen Schaffen keine Besonderheit, und der Wille, sich sämtlichen musikalischen Richtungen anzunehmen, blieb zeit ihres Lebens ungebrochen. Neben ihrer Oper „Die Lederköpfe“ nach Georg Kaiser, politischen Chansons und Kompositionen für den Ausdruckstanz schrieb sie anspruchsvolle Unterhaltungsmusik und engagierte sich auch vereinzelt politisch. Im Mai 1958 wurde beim SPD-Bundesparteitag eine von ihr komponierte szenische Darstellung des Aufrufs der 18 bundesdeutschen Atomwissenschaftler gegen atomare Bewaffnung der Bundeswehr und Atomrüstung in der Welt uraufgeführt.

Neben ihrer Tätigkeit als Komponistin von Schauspielmusiken und Chansons kannte man Aleida Montijn auch durch ihre Arbeit als Kinderbuch-Illustratorin und -Schreiberin und durch ihre Hörspielmusiken. Als wohl bekanntestes Werk in diesem Bereich gilt das Hörspiel „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ von Michael Ende, für das sie die Musik schrieb. Aleida Montijn war auch als Pädagogin tätig und dachte sich für Kinder beispielsweise den Märchenigel „Töni“ und seine Familie aus, die als Erfinder des Tonsystems fungieren. Durch ein multimediales Ineinanderwirken von Versen, Bildern und Liedern lernen SchülerInnen dabei musiktheoretische Grundlagen kennen.
Aleida Montijn führte ein sehr bewegtes und vielseitiges, aber auch arbeitsreiches Leben. „Ich habe mein Leben lang nur gearbeitet“, so die Komponistin kurz vor ihrem Ruhestand („Frankfurter Rundschau“, 6. August 1988). In einem Gespräch mit dem Frankfurter Chansonsänger und Regisseur Joe van Nelsen, mit dem sie ihre Chansons wieder zur Aufführung bringen wollte (leider kam es nicht mehr dazu), gab sie am 7. August 1989, ihrem 81. Geburtstag, eine Art Credo ab: „Ich habe lange geglaubt, die Menschen seien gut. Heute weiß ich, dass sie eine Fehlprogrammierung sind. Die hätten oben auf den Bäumen bleiben sollen. Na ja, einige wie Johann Sebastian Bach und so vielleicht nicht. Es hätte ja sonst nie Kunst gegeben. Und für die Kunst zu leben, ist wunderschön! Mein Leben ist die Kunst.“ (Aleida Montijn im Gespräch mit dem Chansonier und Regisseur Joe van Nelsen, Frankfurt, 7. August 1989; e-mail von Joe van Nelsen an die Autorin, 10. November 2008) Wenige Wochen später, am 30. August 1989, starb Aleida Montijn in einer Bad Homburger Klinik.
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Würdigung

Als Komponistin der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main schrieb Aleida Montijn über hundert Schauspielmusiken und prägte damit das Theater in der Zeit von 1950 bis 1974 wesentlich. Diese Musik betrachtete sie selbst als eine Art „Gebrauchsmusik“. Sich mit dem Beruf der Komponistin zu identifizieren, fiel Aleida Montijn von Anfang an schwer. Sie wehrte sich gegen jede Form von Eingrenzung. In einem Interview in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 1983, erläutert sie, wie schwer es ihr falle, sich als Komponistin zu bezeichnen, denn „ich schreibe Noten.“ Diese Tatsache unterscheidet sie jedoch nicht von anderen KomponistInnen ihrer und unserer Zeit. Sie ließ sich nicht beirren und verfolgte ihre Leidenschaft, auch wenn sie manchmal auf Unverständnis stieß: „Wären sie als Aleidus auf die Welt gekommen, dann wäre alles in Ordnung, auch die von Ihnen vermißte Schätzung unter Männern“, schrieb 1946 ihr Dresdner Kontrapunktlehrer Herbert Viecenz (Montijn: S. 115). Aleida Montijn war eine Kämpfernatur und wusste auch in schwierigen Zeiten, ihre Ziele durchzusetzen.
Die Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreografin Mary Wigman prägte sie stark und bestimmte ihre Kompositionsweise wesentlich mit. Der für Lola Rogge komponierte Tanzpsalm „Vita Nostra“ gehört zu den herausragenden Werken des deutschen Tanztheaters nach dem Krieg.
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Rezeption

Zu Aleida Montijns Lebzeiten wurden insbesondere ihre Werke für das Tanztheater regelmäßig inszeniert. Neben Mary Wigman, mit der sie über lange Zeit zusammenarbeitete, bezog auch die Tänzerin und Choreografin Lola Rogge, die unter anderem am 15. Mai 1950 das Stück „Vita Nostra“ im Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufführte, Montijns Stücke immer wieder in ihre pädagogische und künstlerische Arbeit ein. An der Lola-Rogge-Schule werden bis heute Montijns Werke zur Aufführung gebracht.
Die Aufnahmen von Michael Endes „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ von 1973 mit Musik von Aleida Montijn wurden 1999 auf CD eingespielt und sind noch heute bei Kindern beliebt.
Aber auch Künstler wie der Jazz-Musiker Manfred Kullmann wurden von Monitjns Musik inspiriert; er nahm 1986 eine Langspielplatte mit dem Titel „Inspiration Aleida Montijn“ auf.
Die Bühnenmusiken schrieb Montijn vorwiegend für den sofortigen Gebrauch im Theater; sie werden heute nicht mehr gespielt.
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Werkverzeichnis

(Das vorliegende Werkverzeichnis bezieht sich hauptsächlich auf die Angaben zu den in Aleida Montijns Autobiografie erwähnten Werken und bietet nur eine vorläufige Übersicht. Eine endgültige Darstellung kann erst nach einer gründlichen Sichtung des Nachlasses erfolgen, der sich zum großen Teil in der Stadt- und Universitätsbibliothek Franfurt am Main befindet.)

Schauspielmusiken

Ballade vom Eulenspiegel (Weiseborn), Regie: Dicks, Frankfurt 1950
Lysistrata (Aristophanes), R.: Koch, Frankfurt 1951
Egmont (Goethe), R.: Müthel, Frankfurt 1951
Turandot (Schiller), R.: Koch, Frankfurt 1952
Iphigenie in Delphi (Hauptmann), R.: Müthel, Frankfurt 1952
Der kleine Muck (Forster), R.: Troxbömker, Frankfurt 1952
Hamlet (Shakespeare), R.: Müthel, Frankfurt 1953
Wilhelmus, Prinz von Oranien (Unruh), R.: Buckwitz, Frankfurt 1953
Lanzelot und Sanderein (Hübner), R.: Weichert, Frankfurt 1953
Wir sind noch einmal davongekommen (Wilder), R.: Verhoeven, Frankfurt 1953
Wallensteins Tod (Schiller), R.: Müthel, Frankfurt 1953
Kätchen von Heilbronn (Kleist), R.: Legal, Frankfurt 1953
Im Räderwerk (Sartre), R.: Piscator, Frankfurt 1953
Aladin und die Wunderlampe (Court), R.: Landsittel, Frankfurt 1953
Pygmalion (Shaw), R.: Noelte, Frankfurt 1954
Faust I (Goethe), R.: Müthel, Frankfurt 1954
Hexenjagd (Miller), R.: Buckwitz, Frankfurt 1954
Dame Kobold (Caldéron), R.: Assmann, Frankfurt 1954
Bernarda Albas Haus (García Lorca), R.: Krilla/Wackernagel, Frankfurt 1954
Dantons Tod (Büchner), R.: Buckwitz, Frankfurt 1954
Das kleine Teehaus (Patrick), R.: Assmann, Frankfurt 1954
Der Hauptmann und sein Held (Ubalek), R.: Landsittel, Frankfurt 1954
Der Wald (Ostrowskij), R.: Jungbauer, Frankfurt 1955
Die Heiratsvermittlerin (Wilder), R.: Streibing, Frankfurt 1955
Musik (Wedekind), R.: Hering, Frankfurt 1955
Die Räuber (Schiller), R.: Buckwitz, Frankfurt 1956
Der Regenmacher (Nash), R.: Esser, Frankfurt 1956
Kolportage (Kaiser), R.: Assmann, Frankfurt 1956
Die Marko Millionen (O’Neill), R.: Lietzau, Frankfurt/Recklinghausen 1956
Troilus und Cressida (Shakespeare), R.: Koch, Frankfurt 1956
Die Journalisten (Freytag), R.: Landsittel, Frankfurt 1956
Blut auf dem Mond (Warren), R.: Buckwitz, Frankfurt 1956
Die Schöne und das Biest (Gray), R.: Leutner, Frankfurt 1956
Der Groß-Cophta (Goethe), R.: Koch, Frankfurt 1956
Die Räuber (Schiller), R.: Piscator, Mannheim 1957
Bürger Schippel (Sternheim), R.: Müthel, Frankfurt 1957
Amphitryon (Molière), R.: Koch, Frankfurt 1957
Wie Du mich willst (Pirandello), R.: Piscator, Tübingen 1957
Wie es euch gefällt (Shakespeare), R.: Koch, Frankfurt 1957
Die begnadete Angst (Bernados), R.: Hering, Frankfurt 1957
Die Alkestiade (Wilder), R.: Koch, Frankfurt 1957
Der Walzer der Toreros (Anouilh), R.: Assmann, Frankfurt 1957
Der gestiefelte Kater (Bacher), R.: Troxbömker, Frankfurt 1957
Undine (Giraudoux), R.: Buckwitz, Frankfurt 1957
Orpheus steigt herab (Williams), R.: Krilla, Frankfurt 1958
Die kahle Sängerin (Ionesco), R.: Koch, Frankfurt 1958
Göttinger Kantate (Weisenborn), R.: Piscator, Suttgart 1958
Das Ei (Marceau), R.: Hering, Frankfurt 1958
Othello (Shakespeare), R.: Koch, Frankfurt 1958
Die Stühle (Ionesco), R.: Düggelin, Frankfurt 1958
Die grünen Weiden (Connelly), R.: Mangum, Frankfurt 1958
Der Gouverneur (Warren), R.: Buckwitz, Recklinghausen/ Frankfurt 1958
Kain (Byron), R.: Koch, Frankfurt 1958
Gas (Kaiser), R.: Piscator, Frankfurt (Hessischer Rundfunk)1958
Biedermann und die Brandstifter (Frisch), R.: Buckwitz. Frankfurt 1958
Unsere kleine Stadt (Wilder), R.: Zeiser, Frankfurt 1959
Die Räuber (Schiller), R.: Piscator, Essen 1959
Maria Stuart (Schiller), R.: Koch, Frankfurt 1959
Die Zofen (Genet), R.: Krilla, Frankfurt 1959
Ein Mond für die Beladenen (O’Neill), R.: Koch, Frankfurt 1959
Der Kirschgarten (Tschechow), R.: Müthel, Frankfurt 1959
Picknick im Felde (Arrabal), R.: Koch/Ballhausen, Frankfurt 1959
Cyrano von Bergerac (Rostand), R.: Assmann, Frankfurt 1959
Die zwei edlen Herren von Verona (Shakespeare), R.: Besson, Frankfurt 1959
Don Carlos (Schiller), R.: Piscator, München 1959
Die Räuber (Schiller), R.: Buckwitz, Frankfurt 1959
Der Eismann kommt (O’Neill), R.: Koch, Frankfurt 1959
König Drosselbart (Glaser), R.: Ballhausen, Frankfurt 1959
Der entfesselte Wotan (Toller), R.: Koch, Frankfurt 1960
Die Nashörner (Ionesco), R.: Koch, Frankfurt 1960
Der Hauptmann von Köpenick (Zuckmayer), R.: Tannert, Frankfurt 1960
Die Eingeschlossenen (Sartre), R.: Piscator, Essen 1960
Der Belagerungszustand (Camus), R.: Buckwitz, Recklinghausen/Frankfurt 1960
Der Richter von Zalamea (Calderón), R.: Moszkowicz, Frankfurt 1960
Seltsames Zwischenspiel (O’Neill), R.: Koch, Frankfurt 1960
Aschenputtel (Kolander), R.: Ballhausen, Frankfurt 1960
Becket oder Die Ehre Gottes (Anouilh), Piscator, Essen 1961
Die Wildente (Ibsen), R.: Caninenberg, Frankfurt 1961
Der Sommernachtstraum (Shakespeare), R.: Koch, Frankfurt 1961
Der staubige Regenbogen (Jahn), R.: Piscator, Frankfurt 1961
Methusalem (Goll), R.: Koch/Ballhausen, Frankfurt 1961
Becket oder Die Ehre Gottes (Anouilh), Buckwitz, Frankfurt 1961
Woyzeck (Büchner), R.: Koch, Frankfurt 1961
1913 (Sternheim), R.: Piscator, Frankfurt 1961
Onkel Wanja (Tschechow), R.: Kreppel, Frankfurt 1961
Tod des Handlungsreisenden (Miller), R.: Piscator, Berlin 1961
Viel Lärm um Nichts (Shakespeare), R.: Kreppel, Frankfurt 1961
Pit und Pitti haben einen Stern (Raaf), R.: Ballhausen, Frankfurt 1961
Andorra (Frisch), R.: Buckwitz, Frankfurt 1962
Die Viadukte (Duras), R.: Ballhausen, Frankfurt 1962
Der Balkon (Genet), R.: Piscator, Frankfurt 1962
Stella (Goethe), R.: Ballhausen, Frankfurt 1962
Datterich (Niebergall), R.: Wagner, Frankfurt 1962
Schluck und Jau (Hauptmann), R.: Kreppel, Frankfurt1962
Die Schneekönigin (Schwarz), R.: Ballhausen, Frankfurt 1962
Tartuffe (Molière), R.: Koch, Frankfurt 1962
Die Atriden-Tetralogie (Hauptmann/Piscator), R.: Piscator, Berlin 1962
Oh Vater, armer Vater (Kopit), R.: Ballhausen, Frankfurt 1962
Der Nebbisch (Sternheim), R.: Kreppel, Frankfurt 1963
Willkommen in Altamont (Wolfe), R.: Buckwitz, Frankfurt 1963
Der Stellvertreter (Hochhuth), R.: Piscator, Berlin 1963
Der Marquis von Keith (Wedekind), R.: Reichert, Frankfurt 1963
Robespierre (Rolland/Piscator/Gasbarra), R.: Piscator, Berlin 1963
Heinrich der Vierte (Pirandello), R.: Dieterle, Frankfurt 1963
Der Stellvertreter (Hochhuth), R.: Moszkowicz, Frankfurt 1963
Die Sklavin ihres Geliebten (Lope de Vega), R.: Kreppel, Frankfurt 1963
Der Kaufmann von Venedig (Shakespeare), R.: Piscator, Berlin 1963
Die Veilchen (Schehadé), R.: Koch, Frankfurt 1964
Der Teufel und der liebe Gott (Sartre), R.: Piscator, Frankfurt 1964
Mohrenwäsche (Asmodi), R.: Piscator, Berlin 1964
Androklus und der Löwe (Shaw), R.: Piscator, Berlin 1964
Faust II (Goethe), R.: Koch, Frankfurt 1964
Don Juan (Molière), R.: Ponnelle, Frankfurt 1965
Liebestrank (Wedekind), R.: Hoffmann, Frankfurt 1965
Trauer muß Elektra tragen (O’Neill), R.: Jean-Pierre Ponnelle, Frankfurt 1965
Aufstand der Offiziere (Kirst), R.: Piscator, Berlin 1966
Wind in den Zweigen des Sassafras (Obaldia), R.: Wessely, Frankfurt 1966
Troilus und Cressida (Shakespeare), R.: Koch, Recklinghausen 1966
Marski (Lange), R.: Fontheim, Frankfurt 1966
Biografie (Frisch), R.: Buckwitz, Frankfurt 1968
Rosencrantz und Güldenstern (Stoppard), R.: Reible, Frankfurt 1968
Die Gräfin von Rathenow (Lange), R.: Moszkowicz, Frankfurt 1969
König Lear (Shakespeare), R.: Schalla, Frankfurt 1970
Ein Sommernachtstraum (Shakespeare), R.: Münch, Frankfurt 1970
Florian Geyer (Hauptmann), R.: Münch, Frankfurt 1971
Der Selbstmörder (Erdmann), R.: Beck/Erfurth, Frankfurt 1971
Peter Pan (Barrie/Kästner), R.: Kurr, Frankfurt 1971
Der Held der wesentlichen Welt (Synge), R.: Jeker, Frankfurt 1972
Der kleine dicke Ritter (Bolt), R.: Masuth, Frankfurt 1972
Leben und Traum des Prinzen Sigismund (Fernandes/Caldéron), R.: Fernandes, Frankfurt 1973


Oper

Die Lederköpfe, Oper in drei Akten nach Georg Kaiser, 1966-1986


Ballettmusiken

Tanzabend, Ch.: Walter, Zürich 1931
Tänze, Ch.: Dittler/B. Rogge/ Ziegler, Mannheim 1935
Suite für Solo und Gruppe, Ch.: Curth, Dresden 1940
Jeanne d’Arc, Ch.: Hoyer, Dresden 1940
Potiphars Weib, Ch.: Hoyer, Dresden 1940
Tanz der Brunhild, Ch.: Wigmann, Dresden 1942
Tanz der Niobe, Ch.: Wigmann, Dresden 1942
Abschied und Dank, Ch.: Wigman, Dresden 1942
Gestern und Heute (Montijn/Hindemit/Hessenberg), Ch.: Paudler, Göttingen 1947
Vita Nostra (Tanzpsalm), Ch.: Rogge, Hamburg 1950
Colombinade, Ch.: Jooss, Essen 1951
Weg im Nebel, Ch.: Jooss, Essen 1952
Hilan Delgado, Ch.: Wöbke, Heidelberg 1955
Parabel, Ch.: Krüger, Essen 1962
So rasch war meine Zeit, Ch.: Krüger, Essen 1963
Das Lebkuchenherz, Ch.: Paudler, Freiburg 1973


Kantaten und Orchestermusiken

Die Reiter-Kantate, Text: Montijn, Dresden 1944
Agfa-Isolette, Werbeschlager, Frankfurt 1950
Widmung, Festmusik zur Eröffnung des Frankfurter Schauspielhauses, Frankfurt 1963
Mahnung, Kantate, Text: Psalmtexte, Bad Homburg, 1983
Zuflucht, Kantate, Text: Psalmtexte, Bad Homburg, 1986
Daten, Posaunenkonzert, Bad Homburg, 1986


Klaviermusik

Leidenschaftliche Etüde, 1928
Quintenfoxtrott, 1929
Tanz der Boys, 1931
Kleiner Marsch, 1934
Etüde, 1939
Nächtliche Suite, 1946
Allegro energico, 1949
Blues M, 1950


Kammer- und Orgelmusik

Information. Sextett (Violinen, Viola, Violoncello, Flöte), 1967
Streichquartett, 1967
Variationen über die vielfältigen Formen des Entsagens (Orgel), 1976
Puschkins Abenteuer (Streicher und Cembalo), 1976
Etude Stereotypique (3 Klaviere), 1976
Zeichen im Wind (Streichquartett und Flöte), 1978
Musik für eine Gruppe (Streicher, Marimbaphon, Schlagzeug, Pauke), 1979
Musik für Orgel, 1982
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Repertoire

Als Interpretin war Aleida Montijn hauptsächlich als Korrepetitorin tätig. 1934 begleitete sie Willy Reichert auf einer „Bädertournee“. Unmittelbar nach dem Krieg war sie Komponistin des Kabaretts „Struwwelpeter“ in Frankfurt, wo sie auch selbst als Pianistin tätig war. Die pianistische Arbeit als Begleiterin war dabei stets auch mit ihrer Kompositionstätigkeit verbunden. Insbesondere ihre frühen Werke sind stark von der Improvisation beeinflusst. Die Zusammenarbeit mit Mary Wigman hat ihr Komponieren wesentlich mitbestimmt und erfolgte in erster Linie im Zusammenhang mit ihrem Klavierspiel.
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Quellen

Literatur

Brand, Bettina. „Aleida Montijn und ihr Werk“. In: Komponistinnen in Berlin, 750 Jahre Berlin. Berlin: Musikfrauen e.V., 1987

Gerstmeyer, Antje; Weizel, Erika; Danner-Schmidt, Barbara (Hg.). (Kur-) Pfälzische Komponistinnen. Zweibrücken, 2002

Hoß, Andrea. „Aleida Montijn“. In: Klaviermusik von Komponistinnen des deutschsprachigen Raumes im 20. Jahrhundert (Examensarbeit). Münster, 1989.

Montijn, Aleida: Nachrichten an K.G. Erinnerungen einer Komponistin. Kassel: Bärenreiter, 1988.

Sonntag, Brunhilde. „Aleida Montijn“. In: Sonntag, Brunhilde und Matthei, Renate (Hg.): Annäherung an sieben Komponistinnen I, Kassel: Furore-Verlag, 1986.

Weissweiler, Eva. Zwischen Anpassung und Widerstand. Komponistinnen im Nationalsozialismus. Aleida Montijn. München: Fischer Taschenbuch Verlag, 1999.


Zeitungsartikel

Kohlhaas, Ellen. „Nur ich kann mein Leben erzählen“. Aleida Montijn wird achtzig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. August 1988.

Scherf, Günther. „Musikerin mit Neigung zur Literatur“. In: Frankfurter Rundschau, Regionalausgabe Bad Homburg, Seite IV, 16. August 1988, Nr. 188.

„Frankfurter Gesichter: Aleida Montijn“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Dezember 1970 (ohne Verfasser-Angabe).

„Die Musik für das Theater. Aleida Montijn ist Hauskomponistin der Städtischen Bühnen.“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 1956 (ohne Verfasser-Angabe).


Diskografie

Tonträger

„Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ - Folge 1 + 2, Hörspiel, Autor: Michael Ende, Musik: Aleida Montijn (Karussell, 1973), Musikkassette.

„Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ - Folge 1 + 2
Hörspiel, Autor: Michael Ende, Musik: Aleida Montijn (Karussell, 1999), CD

Inspiration Aleida Montijn (Art Work, 1986)
Aleida Montijn, Manfred Kullman-Peter Giger, Langspielplatte.


Videos

Beyer, Regina. Musik für Wigman und Piscator. Sendemitschnitt vom 17. November 1987, Süddeutscher Rundfunk, 1987 (vorhanden in: Archiv Frau und Musik, Frankfurt am Main) - DVD.

Tanzdokumentation, Tanzarchiv Leipzig e. V. (ohne Jahresangabe) Choreographie/Solistin: Mary Wigman, Musik: Aleida Montijn - Filmart: 35 mm.
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Forschung

Neben „Nachrichten an K. M.“, einer Autobiografie von Aleida Montijn, gibt es nur wenig Sekundärliteratur, die sich mit Leben und Werk der Komponistin beschäftigt.
Der Nachlass von Aleida Montijn befindet sich größtenteils in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. In den Beständen des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim findet sich zudem ein Manuskript zur Musik für die Neuinszenierung der „Räuber“ zur Eröffnung des Mannheimer Nationaltheaters 1957. Für weitere Forschungsarbeiten sind die Sammlungen der Berliner Akademie der Künste ergiebig, in denen sich Dokumente von und über Erwin Piscator befinden (u.a. ein „schwarzes Tagebuch“), die auch Informationen zu Aleida Montijn enthalten.
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Aleida Montijn umfasst alle ihre Tätigkeiten, darunter ihre Konzerte und Tourneen, ihre musikpädagogische Tätigkeiten, ihre Arbeit als Komponistin von Bühnenmusiken und für den Tanz.
Autor/innen:
Rebecca Berg, 5. Oktober 2009

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 08.10.2009