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Aloisia Lange

(Maria) Aloisia Lange, Maria Aloisia Louisa Antonia Weber (Taufname), Aloysia Lange, Louise Lange (Künstlername, verwendet um 1798)

* 1759 in Zell im Wiesental, Deutschland.
† 8. Juni 1839 in Salzburg, Österreich.

Geburtsdatum ist nicht gesichert. Aloisia Lange wurde zwischen 1759 und 1761 geboren.

„Wohl dem Kompositeur, dessen Werke sie vorzutragen hat! er wird überschwenglich dabei gewinnen. […] Wer schöpft solche Töne aus seinem Herzen, wie sie? und wessen Töne bemeistern sich unserer Herzen so unwiderstehlich, wie die ihrigen? Welche Klarheit des Tons, welches schwebende Wachsen und Verlöschen, welche Schattirung, welche schmelzende Uebergänge durch die Molltöne, welche perlierten Triolen und Läufe, welche reine Triller, vom entstehenden Piano bis zum stärksten Forte und wieder zurück zum sterbenden Piano, welches Rezitativ voll Nachdruck, Wärme, Wahrheit, lebendiger Aesthetik.“ (Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag 1786, S. 40)
Mediennachweis

gemeinfrei

Tätigkeitsfelder
Sängerin (Sopran), Gesangspädagogin

Orte und Länder
Aufgewachsen in Mannheim – und damit auch im Umfeld der Mannheimer Hofmusik – folgte sie zunächst dem pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor nach dessen Umzug nach München, ging aber bereits ein Jahr später nach Wien, wo sie als Hofsängerin große Erfolge feierte. Diverse Querelen veranlassten sie ab 1784 zu mehreren ausgedehnten Konzertreisen, u.a. nach München und Berlin. Ab 1796 war sie in Hamburg engagiert, ging von dort nach Amsterdam, es folgte ein kurzes Engagement in Paris, dann Frankfurt am Main. Von dort floh sie vor den Kämpfen der Napoleonischen Kriege nach Zürich. Sie kehrte 1818/1819 nach Wien zurück und übersiedelte 1831 nach Salzburg, wo bereits zwei ihrer Schwestern, Constanze Nissen, verw. Mozart, und Sophie Haibl lebten.

Profil
Aloisia Lange, geb. Weber, muss schon früh eine außergewöhnliche Stimme besessen haben. Sie war bereits 1778 als Hofsängerin in München (und damit Hauptverdienerin der sechsköpfigen Familie Weber), ein Jahr später in Wien. Sie stand dort in direkter Konkurrenz zu Catarina Cavalieri und hatte offenbar, mit ihr verglichen, den lyrischeren Sopran. Mozart, der sie bereits aus Mannheim kannte, schätze ihre Stimme außerordentlich, komponierte mehrfach für sie. Sie wiederum war eine der wichtigsten Interpretinnen seiner Werke (u.a. die Rolle der Constanze aus der „Entführung aus dem Serail“).

Biografie

Zwischen 1759 und 1761 in Zell (Wiesental) geboren, zog sie mit ihrer Familie bereits 1763 (oder 1765) nach Mannheim. Dort lernte Wolfgang A. Mozart sie, die in Mannheim bereits als vielversprechende Sängerin galt, im Herbst 1777 kennen; er unterrichtete sie, musizierte mit ihr und verliebte sich in sie. Während Mozarts Mannheim-Aufenthalt machten beide eine Konzertreise nach Kirchheimbolanden (Jan./Febr. 1778), gemeinsame Italien-Pläne scheiterten am Veto Leopold Mozarts.
Im September 1778 ging sie als Hofsängerin an den Münchner Hof und wurde damit Hauptverdienerin der Familie. Die Werbung Mozarts um ihre Hand schlug sie im Dezember 1778 aus und ging bereits im September 1779 als Hofsängerin nach Wien (deutsches Fach, ab 1787 italienisches Fach). Im Oktober 1780 heiratete sie den verwitweten Hofschauspieler Joseph Lange, bereits am 31. Mai 1781 wurde das erste Kind, Maria Anna Sabina, genannt Nanette, geboren. Diese wurde später ebenfalls Schauspielerin und Sängerin.
Am 23. September 1782 kam das zweite Kind zur Welt, Philippina Anna Thekla (gest. 19. Januar 1785). Aloisia Lange erkrankt im Wochenbett schwer und erbat einen sechsmonatigen Diensturlaub. Zwischen Januar und März 1783 sind mehrere Auftritte mit Wolfgang A. Mozart dokumentiert. Im September 1783 folgte die Geburt des dritten Kindes, August (gest. 23. Mai 1784). 1784 ging sie zusammen mit ihrem Mann auf Konzertreise (Dresden, Hamburg, Berlin, München). Im Sommer 1785 kam das vierte Kind zur Welt, Franz (gest. 13. Januar 1786).
1786 stand sie in der von Joseph II. in Auftrag gegebenen Produktion von „Der Schauspieldirektor“ (Musik: Wolfgang A. Mozart) als Madame Herz in Schönbrunn auf der Bühne. Am 2. Dezember 1786 folgte die Geburt des fünften Kindes, Rosina.
Im August 1788 wurde sie als Hofsängerin entlassen, wenige Tage danach kam ihr sechstes Kind zur Welt: am 2. September 1788 (Karl Jakob, später Schauspieler und Feldkriegskanzlist). Im Sommer des folgenden Jahres unternahm sie wiederum eine größere Konzertreise, im September kam ihr siebtes Kind zur Welt, das offenbar bald nach der Geburt starb.
1790 wurde Aloisia Lange an die italienische Oper in Wien reengagiert. Die Konzertreise mit ihrer Schwester Constanze (1795-96) nutzte sie, aus den schwierigen Wiener Verhältnissen (zerrüttete Ehe, Schulden und Liebschaften des Ehemannes) auszubrechen; sie kehrte vorläufig nicht wieder nach Wien zurück. Zwischen 1796 und 1801 hatte sie Engagements in Hamburg. Amsterdam und Paris. 1801 folgte sie einem Angebot nach Frankfurt/Main, wo sie auch zu unterrichten begann. Die Napoleonischen Kriege vertrieben sie aus Frankfurt, sie flüchtete 1813 Hals über Kopf nach Zürich, wo sie fünf Jahre lang als Pädagogin und Sängerin wirkte. Erst 1818/19 (genaues Datum unbekannt) kehrte sie nach Wien zurück.
Nach dem Tod ihres Ehemannes (1831) geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten, bei denen ihr ihre Schwester Constanze mehrfach aushalf. Es waren wohl auch finanzielle Gründe, die ihren Umzug nach Salzburg, wo Constanze Nissen, verw. Mozart lebte, notwendig machten. Am 8. Juni 1839 starb Aloisia Lange in Salzburg.
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Würdigung

Dass Wolfgang A. Mozart für sie die Rolle der „Madame Herz“ schrieb, ist in doppeltem Sinne bezeichnend. Einerseits war sie seine erste große Liebe, andererseits hatte sie offenbar einen ausgesprochen lyrischen, „seelenvollen“ Sopran. Dabei war ihre Stimme äußerst flexibel und leicht, brilliant in der Höhe. (Die Stimmcharakteristik basiert auf der Analyse jener Kompositionen, die Mozart für Aloisia Lange komponierte. Diese Methode, sich die Stimme einer Sängerin des 18. Jahrhunderts heute zu vergegenwärtigen, basiert auf der damals gängigen Kompositionspraxis, gerade die Opernpartien – oder einzelne Einlagearien – für die individuelle Stimme des Interpreten/der Interpretin zu komponieren. Mozart bemerkte in diesem Zusammenhang: „[…] ich liebe daß die aria einem sänger so accurat angemessen sey, wie ein gutgemachts kleid“, vgl. Mozart-Briefe, Bd. 2, S. 304, vgl. dazu auch Lewy Gidwitz 1991 u.a.).
Aloisia Lange machte sich (zusammen mit ihrer Schwester Constanze) nach Mozarts Tod besonders um dessen Werke verdient, galt lange als Idealbesetzung der Constanze („Entführung aus dem Serail“). Als Pädagogin wirkte sie auf die Sängergeneration der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein.
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Rezeption

Aloisia Lange gehörte zu den großen Sängerinnen ihrer Zeit. Obgleich in Wien nicht unumstritten, feierte sie gerade auf ihren Reisen ungeheure Erfolge. Sie galt zeitlebens als eine der wichtigsten Mozart-Interpretinnen. Dass sie für die Nachwelt vor allem „Mozarts erste große Liebe“ und „Mozarts Schwägerin“ blieb, verkürzt den Blickwinkel auf ihre Sängerinnenkarriere.
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Repertoire

Das Repertoire von Aloisia Lange ist (bislang) nur unvollständig bekannt, wobei auch hier – wie in der Rezeption – v.a. der Schwerpunkt auf Mozart am besten dokumentiert ist.
In Wien war Aloisia Lange zunächst für das deutsche Fach engagiert, nach der Schließung des Deutschen Nationalsingspiels sang sie (ab 1787) im italienischen Fach.
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Quellen

Anm. zur Bibliographie: Wie bei allen Musikerinnen, die mit Wolfgang A. Mozart in Kontakt kamen, finden sich auch über Aloisia Lange Hinweise und div. mehr oder weniger aussagekräftige Informationen in der Mozart-Literatur. Da diese zu umfangreich ist, hier dokumentiert zu werden, sei lediglich auf diesen Umstand verwiesen, verbunden mit dem Hinweis, ggf. dort nachzuschlagen.

Angermüller, Rudolph. „Mozarts Arien für Aloisia Weber/Lange“. In: Mozart. Le Arie da Concerto. Kongreß-Bericht Rovereto 1998. Rudolph Angermüller, Giacomo Fornari (Hg.). Bad Honnef: Bock 2001. S. 41-49.


Angermüller, Rudolph. „Der Sperrsrelation der Schwägerin Mozarts, Aloisia Lange, geb. Weber“. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum. Vol. 35/1-4 (Juli 1987). S. 118-126.


Barak, Helmut. „Buff, Herz und Vogelsang. Die Theaterfamilien Stephanie, Lange und Adamberger im Wien Mozarts“. In: Wege zu Mozart. W. A. Mozart in Wien und Prag. Die großen Opern. Herbert Zeman (Hg.). Wien: Hölder-Pichler-Tempsky 1993. S. 92-109.


Belmonte, Carola. Die Frauen im Leben Mozarts. Augsburg/Berlin: Reichel 1905.


Blümmel, Emil Karl. Aus Mozarts Freundes- und Familienkreis. Wien: Strache 1923.


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Clive, Peter. Mozart and his Circle. A Biographical Dictionary. London: J. M. Dent 1993.


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Dorenfeld, Joanne Williamson. Ornamentation in Mozart’s concert arias for Aloysia Weber: the traditions of singing and embellishment, Diss. University of British Columbia 1976.


Eibl, Josef Heinz. „Wer hat das Engagement Aloisia Webers an die Wiener Oper vermittelt?“. In: Mozart-Jahrbuch 1962-63. S. 111-114.


Feldman, Martha. „Staging the virtuoso: Ritornello procedure in Mozart, from aria to concerto“. In: Mozart’s Piano Concertos: Text, context, interpretation. Zaslaw, Neal (Hg.). Ann Arbor: Univ. of Michigan Press 1996. S. 149-186.


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Hummel, Walter. W. A. Mozarts Söhne. Kassel, Basel: Bärenreiter 1956.


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Lewy Gidwitz, Patricia. „’Ich bin die erste Sängerin’: Vocal profiles of two Mozart sopranos“. In: Early Music. Vol. 19, Nr. 4 November 1991. S. 565-574.


Mahling, Christoph-Hellmut. „’neu und ganz besonder und erstaunlich schwer…’: Bemerkungen zu der Arie der Giunia (Nr. 11) aus Lucio Silla KV 135 sowie zu den Arien KV 294 und KV 316“. In: Traditionen – Neuansätze: Für Anna Amalie Abert (1906-1996). Klaus Hortschansky. Tutzing: Schneider 1997. S. 399-409.


Mauthe, Ursula. „Briefe der ‚Weberin’ entdeckt“. In: Acta mozartiana. Vol. 29/4 (1982). S. 76-81.


Mauthe, Ursula. Mozarts “Weberin”. Aloysia Weber, verehelichte Lange, Augsburg: Dt. Mozart-Ges. 1980.


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Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, 7 Bde., Kassel u. a. 1962.


Mozart. Neue Ausgabe sämtlicher Werke, 20 Bde. Kassel u. a. 1955 ff.


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Schönfeld, Johann Ferdinand von. Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag. Wien 1796, Nachdr.: München: Katzbichler, 1976. Otto Biba (Hg.).


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Schuler, Heinz. „Miszellen zu Aloysia Lange geborene Weber. In: Acta mozartiana. Vol. 28/2 (1981). S. 32-35.


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Strebel, Harald. Mozarts Schwägerin Aloysia Lange und ihre Zürcher Aufenthalte von 1813 bis 1819. Zürich 2001.


Unger, Anette, Wosch, Thomas. “…das Erste Presste mir thränen des schmerzens aus“. In: Berliner Beiträge zur Musikwissenschaft: Beihefte zur Neuen Berlinischen Musikzeitung. Vol. 9. Nr. 1 1994. S. 24-39.


Unseld, Melanie. Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.


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Wagner, Dorothea. „Erwiderung auf Annett Unger und Thomas Wosch: „das Erste Presste mir thränen des schmerzens aus“, in: Berliner Beiträge zur Musikwissenschaft: Beihefte zur Neuen Berlinischen Musikzeitung Vol. 50, Nr. 1 1995. S. 51-54.


Werner, Richard Maria (Hg.). Aus dem Josephinischen Wien. Geblers und Nicolais Briefwechsel während der Jahre 1771-1786. Berlin: Hertz 1888.



Aktuelle Lexikon-Artikel:

„Weber, Aloysia“. In: Karl Josef Kutsch und Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. 3. erw. Aufl. Bern/München: K. G. Saur 1999. Bd. 5. S. 3668-3670.


„Weber, (Maria) Aloysia (Louise Antonia)“. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians. Hg. von Stanley Sadie, 2. Aufl. London: Macmillian Publishers 2001. Bd. 27. S. 133-135. [Patricia Lewy Gidwitz]


„Lange, (Maria) Aloisia, Aloysia, Louise“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Hg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 10. Sp. 1161-1162. [Christiane Schumann]



Links:
www.mozarteum.at

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Forschung

Es gibt kein Forschungsstelle, die gebündelt Quellenmaterial zu Aloisia Lange archiviert. Ein Nachlass der Musikerin ist nicht überliefert.
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Forschungsbedarf

Als „berühmte Schwägerin des berühmten Mozart“ sind Leben und Wirken der Aloisia Lange vergleichsweise gut erforscht. Gleichwohl ist vor allem für ihr Repertoire jenseits von Mozart noch großer Forschungsbedarf anzumerken, auch um die Breite ihres Repertoires zu vergegenwärtigen.
Interessant wären darüber hinaus Dokumentationen ihrer zahlreichen Konzertreisen.
Institutionsgeschichtlich kann sie als Schlüsselfigur der Wiener Bühnen der 1780er und 1790er Jahre gelten – eine Position, die es ermöglichen könnte, anhand ihrer Person und Funktion die dortige Situation genauer zu fassen.
Autor/innen:
Melanie Unseld

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann
Zuerst eingegeben am 07.03.2006