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Nina Pavlovna Koshetz

Нина Павловна Кошиц, geb. Nina Pavlovna Poray-Koshetz, Нина Павловна Порай-Кошиц, Andere Schreibweise: Koshits Кошец

* 18. Dezember 1894 in Kirilowka, bei Kiew (oder in Kiew), Russisches Kaiserreich (heute: Ukraine).
† 14. Mai 1965 in Santa Ana, Kalifornien, USA.



"Она обладала лирико-драматическим сопрано совершенно необыкновенного, волнующего, горячего тембра. [...] Ее называли Шаляпиным в юбке. Крупная, с выразительным подвижным лицом, она достигала своих вершин в «Кларе Милич» Кастальского, в Татьяне, Дездемоне".

"Sie [Nina Koshetz] besaß einen lyrisch-dramatischen Sopran mit einem höchst außergewöhnlichen, aufregenden, leidenschaftlichen Timbre. [...] Man nannte sie ,Schaljapin im Rock‘. Von großer Statur und mit einem ausdruckvollen, lebhaften Gesicht errang sie Triumphe in Kastalskis ,Klara Militsch‘ und als Tatiana [in Tschaikowskis „Ewgeni Onegin“] und Desdemona [in Verdis „Otello“].“

(Pawel Alexandrowitsch Markow. Kniga vospominanij [Erinnerungsbuch]. Moskau 1983, S. 340.)
Mediennachweis
Tätigkeitsfelder
Russisch-amerikanische Opern- und Konzertsängerin, lyrisch-dramatischer Sopran, Filmschauspielerin

Profil
Nina Koshetz war eine legendäre Sängerin, die zahlreiche russische Werke uraufführte. Besonders erwähnenswert sind ihre Konzertauftritte mit Rachmaninows Romanzen, darunter die ihr gewidmeten Romanzen op. 38 (1916), sowie ihre Mitwirkung bei der Uraufführung von Prokofjews Oper "Die Liebe zu den drei Orangen". Zudem trat Nina Koshetz in mehreren Filmen auf und wirkte als Gesangpädagogin. Sie galt als Kultfigur der russischen Emigration.

Biografie

Nina Pawlowna Poray-Koshetz wurde am 18. (30). Dezember 1894 (oder 1891) oder am 17. (29.) Januar 1892 im Dorf Kirilowka bei Kiew (oder in Kiew) in die Familie von Pawel Alexejewitsch und Tamara Leonidowna Poray-Koshetz hineingeboren. Die Poray-Koshetz (polnisch: Poraj-Koszycowie) gehörten zu einem alten polnischen Adels- und Militärgeschlecht. Nina Koshetz‘ Großvater, Alexei Grigorjewitsch Poray-Koshetz (1832-?), war russisch-orthodoxer Priester im Dorf Kirilowka bei Kiew. Sein Sohn, Pavel Alexejewitsch Poray-Koshetz (1863-1904), war ein berühmter Opernsänger (Tenor), der zusammen mit Fjodor Schaljapin und Leonid Sobinow auftrat; Pawel Poray-Koshetz galt als ausgezeichneter Interpret der Romanzen von Peter I. Tschaikowski. Nachdem er seine Stimme verloren hatte, wurde er aus dem Moskauer Bolschoi Theater entlassen; seine Verzweiflung und eine zunehmende geistige Verwirrung führten schließlich zu seinem Selbstmord (Iwan Koshetz. "Rod Košicev: lica odnoj peterburgskoj sem’i" [Das Koshetz-Geschlecht: Personen einer Petersburger Familie]. http://www.times248.ru/TIMES/times/times-023/pages-23/003-pages-tron.htm).
Im Alter von vier Jahren begann Nina Koshetz Klavier zu spielen. Von 1908 bis 1913 studierte sie am Moskauer Konservatorium Klavier bei Konstantin Nikolajewitsch Igumnow (1873-1948) und bei Nikolai Jegorowitsch Schischkin (1857-1918) sowie Gesang bei Umberto Masetti (1869-1919), der die bedeutenden russischen SängerInnen Antonina Neshdanowa, Nadeshda Obuchowa, Waleria Barsowa u.a. im Belcanto ausgebildet hatte. Später setzte Nina Koshetz ihre Ausbildung bei der berühmten Wagner-Sängerin Félia Litvinne (1860-1936) in Paris fort.
Nach dem erfolgreichen Konservatoriums-Abschluss fand 1913 Koshetz‘ Debüt am Moskauer Operntheater des berühmten Kaufmanns, Mäzens, Amateursängers und Musik- und Theaterliebhabers Sergei Iwanowitsch Simin (1875-1942) statt. Ihre Interpretation der Rolle der Tatiana in Tschaikowskis "Ewgeni Onegin" machte die junge Sängerin blitzartig berühmt und sehr gefragt. Charakteristisch war die folgende Einschätzung ihrer Begabung:
"Превосходна Н. П. Кошиц. Это удивительно талантливая артистка. В ней счастливым образом сочетались исключительный голос, очень большой сценический талант и врожденная музыкальность".
("N. P. Koshetz ist hervorragend. Sie ist eine unglaublich talentierte Schauspielerin. In ihr vereinen sich auf besonders glückliche Weise eine außerordentliche Stimme, ein sehr großes darstellerisches Talent und eine natürliche Musikalität". Pawel Alexandrowitsch Markow. Kniga vospominanij [Erinnerungsbuch]. Moskau 1983, S. 531).
In den Jahren 1917 und 1918 trat Nina Koshetz am Petrograder Marien-Theater auf.
Von 1915 an unterhielt Nina Koshetz eine intensive Konzerttätigkeit, sie gastierte in Kiew, Baku, Batumi, Tiflis, Kislowodsk und anderen Städten des russischen Kaiserreichs. Als schicksalshaft erwies sich die Begegnung der jungen Sängerin mit Sergei Rachmaninow. Laut Natalia Iljinitschna Satz (1903-1993), die in der Sowjetunion das erste Kindermusiktheater gründete, ereignete sich dieses Treffen 1911 in Moskau, im Haus ihres Vaters, des Komponisten und Dirigenten Ilia Alexandrowitsch Satz (1875-1912), der die Musikabteilung des MChT (des Moskauer Künstlerischen Theaters) leitete:
"Еще на улице, подходя к дому, Рахманинов услышал вступительные аккорды, а затем и мелодию своего романса "В молчаньи ночи тайной". Сергей Васильевич сразу обратил внимание на прекрасный голос, но прежде всего его внимание сосредоточилось на аккомпанементе – так играть мог только высокий профессионал. Заинтригованный Рахманинов с порога попросил хозяина представить ему исполнителей. Навстречу вышла миловидная молодая девушка. Как же удивлен был Рахманинов, не обнаружив пианиста и узнав, что она аккомпанировала себе сама! В этот вечер они были заняты исключительно друг другом: обсуждали его произведения, спорили о разных трактовках; он показывал Нине Кошиц новые сочинения, она напевала ему свои любимые романсы".
("Noch auf der Straße, vor dem Haus, hörte Rachmaninow die ersten Akkorde und dann die Melodie seiner Romanze ,In der Stille einer heimlichen Nacht‘. Sergei Wassiljewitsch bemerkte sofort die schöne Stimme; dann aber konzentrierte er seine Aufmerksamkeit auf die Klavierbegleitung: so konnte nur ein Künstler höchsten Ranges spielen. Rachmaninow war sehr gespannt und bat den Gastgeber, ihm die beiden Interpreten vorzustellen. Er sah ein hübsch aussehendes junges Mädchen vor sich. Wie groß war Rachmaninows Erstaunen, als er keinen Pianisten vorfand und erfuhr, dass sich das Mädchen selbst begleitete! An diesem Abend waren die beiden ausschließlich miteinander beschäftigt: sie sprachen über seine Werke, diskutierten verschiedene Interpretationen; er zeigte Nina Koshetz seine neuen Werke, und sie sang ihm ihre Lieblingsromanzen vor.“ Natalia Satz. Novelly moej žizni [Novellen meines Lebens], Bd. 1. Moskau 1985, S. 55.)
Auf diese Weise begann eine professionelle und intime Verbindung zwischen dem Komponisten und der jungen Sängerin. Die musikalische Zusammenarbeit manifestierte sich in triumphalen Erfolgen des Duetts; Höhepunkte waren die zahlreichen Konzerte von Koshetz und Rachmaninow der Jahre 1916/17, die in Moskau, Petrograd, Kiew, Kislowodsk u.a. stattfanden. Wie begeistert der Komponist von der Sängerin war, zeigt sein Opus 38, die "Sechs Romanzen" (1916), die Rachmaninow Nina Koshetz widmete.
Ende der 1910er Jahre wurde Koshetz auch von dem Pianisten Vladimir Horowitz (1903-1989) begleitet, der damals noch kaum bekannt war; seine Begabung wurde von der Sängerin rasch erkannt. Zu den anderen Klavierbegleitern von Nina Koshetz gehörten ferner die Komponisten und Pianisten Sergei Prokofjew, Nikolaj Medtner, Alexander Gretschaninow und Alexander Glasunow.
1920 verließ Nina Koshetz ihre russische Heimat und wanderte zusammen mit der Ukrainischen Chorkapella, die ihr Vetter Alexander Antonowitsch Koshetz (1875-1944) gegründet hatte, in die USA´aus. 1921 debütierte sie als Konzertsängerin in Detroit und unterzeichnete einen Vertrag mit der Chicago Opera Association. Als Mitglied dieses Ensembles nahm sie in der Rolle der Fata Morgana an der triumphalen Premiere von Sergei Prokofjews Oper "Die Liebe zu den Drei Orangen" teil (UA Chicago, 30. Dezember 1921). 1928 war Nina Koshetz an der Konzertaufführung etlicher Szenen aus Prokofjews Oper "Der feurige Engel" beteiligt, die in Paris unter der Leitung von Sergei Kussewitzki (Koussevitzky) stattfand; sie sang Renate.
Nina Koshetz‘ Karriere entwickelte sich in den 1920er Jahren sehr erfolgreich: Sie trat mit großem Erfolg auf den Opernbühnen von Philadelphia, Buenos Aires, New York, Los Angeles, Paris und anderen Städten auf. Als sehr produktiv erwies sich ihre Zusammenarbeit mit der Opéra Russe de Paris, die 1926 von zwei russischen Emigranten, dem Komponisten und Dirigenten Kirill Dmitrijewitsch Agrenew-Slawjanski (1882-1943) und dem Sänger Alexander Iljitsch Mozshuchin (Ivan Mosjoukine, 1878/79-1952) gegründet worden war. An der Opera Russe de Paris war auch der zweite Ehemann von Nina Koshetz, der Tenor G. F. Leonow, tätig (s. http://www.dommuseum.ru/index.php?m=dist&fl=%D0%9B&st=2).
Die große darstellerische Begabung verhalf Nina Koshetz auch dazu, erfolgreich als Filmschauspielerin aufzutreten. Der außerordentliche internationale Erfolg Nina Koshetz‘ verdankte sich nicht nur ihrem Talent als Schauspielerin und Sängerin, sondern auch ihrer enormen Lebensenergie, ihrer charismatischen, fast magischen Ausstrahlung und ihrem großem Charme und Geistreichtum. Eine ihrer Zeitgenossinnen erinnerte sich:
"Она была интересна, блестяща, очень остра на язык, а когда она начинала петь — было одно очарованье".
("Sie war sehr interessant, brillant, sehr scharfsinnig, und wenn sie zu singen begann, waren alle ganz verzaubert." Nina Alexejewna Kriwoscheina. Četyre treti našej żizni [Drei Viertel unseres Lebens]. Paris 1984, S. 61).
Offensichtlich hatte Nina Koshetz ein besonderes Talent für öffentlichkeitswirksames Auftreten, und sie konnte wichtige Kontakte knüpfen und entwickeln; sie benahm sie eher wie eine amerikanische Business-Woman als eine russische Künstlerin adliger Abstammung. Dies verursachte eine gewisse Abkühlung von Rachmaninows Zuneigung ihr gegenüber, was sich in seinem Brief vom 29. Juli 1929 an Nikolaj Karlowitsch Medtner (1880-1951) äußerte:
"Она довольно "грязная" в смысле рекламы, вернее саморекламы, -- но со всех сторон слышу, что поет до сих пор хорошо"
("Sie [Nina Koshetz] benimmt sich ziemlich ,schmutzig‘ in Bezug auf die Presse, genauer: ihre Selbstdarstellung, doch ich höre von allen Seiten, dass sie bis heute gut singt." S. Rachmaninov. Literaturnoe nasledie v 3 tomach [S. Rachmaninow. Literarischer Nachlass in 3 Bänden]. Hrsg. von Sarusch Apetowna Apetjan. Bd. 3. Moskau 1980, S. 262.)
Als ihre Stimme nachließ, kehrte Nina Koshetz 1940 der Opernbühne den Rücken und gründete in Hollywood ein eigenes Opernstudio. Zu ihren Schülerinnen zählten Ann Blyth, Marlene Dietrich und Claudette Colbert.
Nina Koshetz verstarb am 14. Mai 1965 in Santa Anna, Kalifornien/ USA.
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Würdigung

In seinen Erinnerungen an Sergei Rachmaninow hat ein Schüler von Arthur Nikisch, der Dirigent Alexander Borissowitsch Hessin (1869-1955), sehr treffend die Bedeutung und Stellung Nina Koshetz‘ im russischen Musikleben beschrieben:

"Бывают особенно яркие художественные впечатления в жизни каждого человека, и к ним я отношу концерт, в котором пела Н. Кошиц и аккомпанировал Рахманинов. В ее исполнении была разлита исключительная теплота и задушевность, а в голосе было столько обаятельной красоты, столько нежности в тембре. Я редко встречал исполнителей со столь непосредственным ощущением композиторской мысли. В этом отношении исполнительское творчество Кошиц было до известной степени родственно Федору Ивановичу Шаляпину. Я бы сказал, что они артисты одной категории".

("Im Leben jedes Menschen gibt es besonders markante künstlerische Ereignisse; zu solchen zähle ich das Konzert, in dem N. Koshetz, begleitet von Rachmaninow, als Sängerin auftrat. Ihre Interpretation war von außergewöhnlicher Wärme und Herzlichkeit erfüllt, ihre Stimme war von ausnehmender Zärtlichkeit, von bezaubernder Schönheit und Feinheit des Timbres. Ich bin selten Interpreten mit solch unmittelbarem Gespür für die Intentionen des Komponisten begegnet. In dieser Hinsicht war Koshetz‘ Wirken als Interpretin allenfalls Fjodor Iwanowitsch Schaljapin vergleichbar. Ich würde sagen, sie waren Künstler gleichen Ranges." Alexander Borissowitsch Hessin. Iz moich vospominanij [Aus meinen Erinnerungen]. Moskau 1959, S. 170-171.)

Nina Koshetz wurden die "Sechs Romanzen" op. 38 (1916) von Sergei Rachmaninow gewidmet.
1. «Ночью в саду у меня» [„In der Nacht in meinem Garten“], nach dem Gedicht von Alexander Blok.
2. «К ней» [„An Sie“], nach dem Gedicht von Andrei Bely.
3. «Маргаритки» [„Gänseblümchen“], nach dem Gedicht von Igor Severjanin.
4. «Крысолов» [„Der Rattenfänger“], nach dem Gedicht von Waleri Brjussow.
5. «Сон» [„Der Traum“], nach dem Gedicht von Fjodor Sologub.
6. «Ау» [„Ahoi“], nach dem Gedicht von Konstantin Balmont.
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Rezeption

Nina Koshetz genoss zu ihren Lebzeiten größte Popularität in ihrer russischen Heimat sowie nach ihrer Emigration in den USA. Eine der wenigen kritischen Stimmen gehörte der sowjetischen Publizistin Marietta Sergejewna Schaginjan (1888-1982), die zutiefst davon getroffen war, dass Rachmaninow sein Opus 38 nicht ihr, sondern der ersten Interpretin Nina Koshetz gewidmet hatte. Schaginjan hatte nämlich den Anspruch erhoben, als literarische Beraterin Rachmaninows gewürdigt zu werden, da sie angeblich seine Aufmerksamkeit auf die Gedichte von Alexander Blok, Andrei Beli, Igor Sewerjanin, Waleri Brjusow, Fjodor Sologub und Konstantin Balmont, die in Opus 38 vertont worden waren, gelenkt habe. Dies erklärt Schaginjans extrem negative und ausufernde Einschätzung des künstlerischen Wirkens von Nina Koshetz:

"[...] в ее исполнении было что-то чувственное, цыгански-театральное и крайне однообразное." ("[...] es gab etwas Sinnliches, Zigeunerisch-Theatralisches und extrem Eintöniges in ihren Interpretationen." Vospominanija o Rachmaninove [Erinnerungen an Rachmaninow]. Hg. von Sarusch Apetowna Apetjan. Bd. 2. Мoskau 1974, S. 147.)
Schaginjan veröffentlichte darüber hinaus Darstellungen von führenden Vertretern des russischen Symbolismus wie Sinaida Gippius oder Dimitri Mereshkowski, die sie als Gegner des Bolschewismus karikierte; auch Rachmaninow wurde von ihr nicht verschont (ebd., S. 149).
Die Einschätzung Schaginjans wurde ihr zufolge von Nikolaj Medtners Ehefrau, Anna Michailowna, geteilt. Dies hinderte jedoch Nikolai Medtner offensichtlich nicht daran, als Klavierbegleiter Nina Koshetz‘ in zahlreichen Konzerten aufzutreten und ihre Erfolge zu teilen.
Nach ihrer Emigration wurde der Name Nina Koshetz‘ als Inbegriff des Antibolschewismus in ihrer russischen Heimat tabuisiert. Dies war kaum verwunderlich, da die "proletarischen Musiker" bis zu Beginn der 1930er Jahre nach Kräften alles zu unterdrücken versuchten, was mit dem "Weißgardisten" und "Faschisten" Rachmaninow zu tun hatte. Auch die "vulgäre" und "sinnliche" "Zigeunermusik" wurde zum Politikum gemacht. Sergei Rachmaninow und Sergei Prokofjew, die mit dem Koshetz sehr produktiv zusammenarbeiteten, galten als "Faschisten" und "Weißgardisten" (zu ideologischen Klischees wie "Faschist" oder "Weißgardist" und zur Verfolgung der russischen Emigranten Rachmaninow, Prokofjew und anderer "ideologisch feindlicher" Komponisten der Sowjetunion in den 1920er und -30er Jahren s. Marina Lobanova. "Nikolaj Roslawez. Biographie eines Künstlers – Legende, Lüge, Wahrheit". Visionen und Aufbrüche. Zur Krise der modernen Musik 1908-1933. Kassel 1994, S. 45-62; dies. Nikolaj Andreevič Roslavec’ Schaffen und die Kultur seiner Zeit. Mit einem Vorwort von György Ligeti. Deutsche Übersetzung der Verfasserin (1995). Fr./M. 1997; vollständige Erstfassung: Nikolaj Andreevič Roslavec i kul’tura ego vremeni. St. Petersburg 2011; dies. "Vulgär! Zur Verurteilung der "leichten Musik" im Sowjetrussland der 1920er und 30er Jahre". Das Orchester 5/2002, S. 22-27).

Mit der Perestroika und insbesondere mit den Verbreitungsmöglichkeiten des Internets wächst das Interesse an Nina Koshetz auch in Russland zunehmend.
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Repertoire

I. Bühnenwerke

Alexander Porfirjewitsch Borodin
"Fürst Igor": Jaroslawna

César Cui (Zesar Antonowitsch Kjui)
"Kapitanskaja dočka" [Eine Kapitänstochter]: Mascha

Alexander Sergejewitsch Dargomyschski
"Der steinerne Gast": Donna Anna

Alexei Stepanowitsch Gluchowzew
"Dni našej žizni" [Die Tage unseres Lebens]: Olga Nikolajewna

Jacques-François-Fromental-Élie Halévy
"La Juive": Rachel

Anatoli Isaakowitsch Kankarowitsch
"Syn Zemli" [Der Sohn der Erde]: Geliebte des Sohnes der Erde (Uraufführung)

Michail Michajlowitsch Ippolitow-Iwanow
"Ruf’" [Ruth]: Ruth

Alexander Dmitriejewitsch Kastalski
"Klara Militsch": Klara Militsch (Uraufführung)

Ruggero Leoncavallo
"Pagliacci": Nedda

Modest Petrowitsch Mussorgski
"Boris Godunow": Marina Mnischek

Alexander Alexejewitsch Olenin
"Kudejar": Nastja (Uraufführung)

Robert Planquette
“Les Cloches de Corneville”: Germaine

Sergei Sergejewitsch Prokofjew
"Die Liebe zu den Drei Orangen": Fata Morgana (Uraufführung)
"Der feurige Engel": Renate (Konzerturaufführung etlicher Szenen)

Giacomo Puccini
"La bohéme": Mimi
"La Tosca": Floria Tosca

Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow
"Schneeflöckchen": Kupawa

Sergei Iwanowitsch Tanejew
"Oresteia": Elekra

Pjotr Iljitsch Tschaikowski
"Eugeni Onegin": Tatiana
"Pique Dame": Lisa
"Die Zauberin": Nastassia "Kuma"

Giuseppe Verdi
"Otello": Desdemona


II. Kammermusikwerke

Romanzen und Lieder von A. Arenski, M. Balakirew, A. Borodin, C. Cui, A. Dargomyschski, M. Glinka, A. Gretschaninow, N. Medtner, M. Mussorgski, S. Prokofjew, S. Rachmaninow, N. Rimski-Korsakow, P. Tschaikowski, S. Wassilenko und mehrerer westeuropäischer Komponisten.


III. Einspielungen von Nina Koshetz (Auswahl)

Nina Koshetz hat zahlreiche Plattenaufnahmen gemacht. Zu den bekanntesten Sammlungen gehören die folgenden:

The Nina Koshetz Edition – 1916-1941
Lieder von M. Mussorski, P. Tchaikowski, N. Rimski-Korsakow, A. Gretschaninow, A. Warlamow, S. Rachmaninoff, A. Arenski, M. Ravel, F. Chopin usw.; Arien aus "Sadko" von N. Rimski-Korsakow, "Der Dämon" von A. Rubinstein, "Dobrynia Nikititsch" von A. Gretschaninow, "Der Jahrmarkt von Sorotschinzy" von M. Mussorgski, "Pique Dame" von P. Tschaikowski und "Fürst Igor" von A. Borodin. 1993 (Opal/Pavilion Records, 9855)

Nina Koshetz – Complete Victor and Schirmer recordings 1928/29 and 1940 (and Odarka Trifonieva Sprishevskaya – Victor recordings)
Lieder und Arien von A. Borodin, N. Rimski-Korsakow, M. Ravel, F. Chopin, A. Gretschaninow, S. Rachmaninow, A. Arenski, P. Tchaikowski usw. (Nimbus Prima Voce CD NI 7935-36)


IV. Filme, in denen Nina Koshetz mitwirkte (Auswahl)

"Casanova" (1927, Regie: Alexandre Volkoff): Countess Vorontzoff

"Geheimnisse des Orients" (1928, Regie: Alexandre Volkoff): Fatme

"Algiers" (1938, Regie: John Cromwell): Tania

"The Chase" (1946, Regie: Arthur Ripley): Madame Chin

"It’s a Small World" (1950, Regie: William Castle): Rose Ferris

"Captain Pirate" (1952, Regie: Ralph Murphy): Madame Duval

"Hot Blood" (1956, Regie: Nicholas Ray): Nita Johnny
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Quellen

Literatur (Auswahl)

I. Über Nina Koshetz

Leonid Sabanejew. "Dygas, Damaev, Košic". "Teatral’naja gazeta" vom 01.02.1915, S. 5.

Juli Engel. "Večer Niny Košic" [Ein Abend der Nina Koshez]. "Russkie vedomosti" vom 16.01.1916

Alexander Borissowitsch Hessin. Iz moich vospominanij
[Aus meinen Erinnerungen]. Moskau 1959, S. 170-171

A. D. Kastal’skij. Stat’i, vospominanija, materialy [A. D. Kastalski.
Aufsätze, Erinnerungen, Materialien]. Hg. vom D. W. Shitomirski.
Moskau 1960

Galina Wischnewskaja. "Amerikanskie vpečatlenija" [Die
amerikanischen Eindrücke]. "Sovetskaja muzyka" 2/1962, S. 82—85

Aleksander Il’ič Ziloti. 1863-1945: Vospominanija i pis’ma [Alexander
Iljitsch Siloti. Erinnerungen und Briefe]. Leningrad 1963

Juli Dmitrijewitsch Engel. Glazami sovremennika. Izbrannye stat’i o
russkoj muzyke [Mit Augen eines Zeitgenossen. Ausgewählte Aufsätze
von der russischen Musik]. 1898—1918. Мoskau 1971, S. 433—435;

Jurij Wsewolodowitsch Keldysch. Rachmaninow i ego vremja
[Rachmaninow und seine Zeit]. Мoskau 1973

Vospominanija o Rachmaninove [Erinnerungen an Rachmaninow].
Hrsg. von Sarusch Apetowna Apetjan. Bd. 1-2. Мoskau 1974

S. Rachmaninov. Literaturnoe nasledie v 3 tomach [S. Rachmaninow. Literarischer Nachlass in 3 Bänden]. Hrsg. von Sarusch Apetowna Apetjan. Moskau 1980

Pawel Alexandrowitsch Markow. Kniga vospominanij
[Erinnerungsbuch]. Moskau 1983

Nina Alexejewna Kriwoscheina. Četyre treti našej žizni [Vier Drittel
unseres Lebens]. Paris 1984

Natalia SATZ. Novelly moej żizni [Novellen meines Lebens], Bd. 1.
Moskau 1985

P. N.: "Košic Nina Pavlovna", Russkoe Zarubež’e. Zolotaja kniga
ėmigracii. Pervaja tret’ XX veka. Ėnciklopedičeskij biografičeskij slovar’
[Das russische Ausland. Das goldene Buch der Emigration. Das erste
Drittel des 20. Jahrhunderts. Das enzyklopädisches biografisches
Lexikon]. Moskau 1997, S. 312-313;

N. F. Schirinski. "Nina Košic", "Moskovskij žurnal" vom 1.12.2003

John B. Steane, "Koshetz (Koshits), Nina (Pavlovna)"; The Grove Book of Opera Singers, ed. by Laura Williams Macy, Oxford University Press, 2008, p. 255


II. Zur Koshetz-Genealogie

Iwan Koshetz. "Rod Košicev: lica odnoj peterburgskoj sem’i" [Koshetz-Geschlecht: Personen einer Petersburger Familie]. http://www.times248.ru/TIMES/times/times-023/pages-23/003-pages-tron.htm


III. Über Marina Koshetz

Myrna Oliver: "Marina Koshetz; Opera and Movie Star". "Los Angeles Times", 09.01.2001


IV. Über die ideologische Verfolgung russischer Emigranten wie Rachmaninow, Prokofjew und anderen "ideologisch feindlichen" Komponisten in der Sowjetunion der 1920er und -30er Jahre

Marina Lobanova: "Nikolaj Roslawez. Biographie eines Künstlers -- Legende, Lüge, Wahrheit", Visionen und Aufbrüche. Zur Krise der modernen Musik 1908-1933. Kassel 1994, S. 45-62

Dieselbe: Nikolaj Andreevič Roslavec’ Schaffen und die Kultur seiner Zeit. Mit einem Vorwort von György Ligeti. Deutsche Übersetzung von der Verfasserin (1995). Frankfurt am Main 1997; vollständige Erstfassung: Nikolaj Andreevič Roslavec i kul’tura ego vremeni. St. Petersburg 2011

Dieselbe: "Vulgär! Zur Verurteilung der "leichten Musik" im Sowjetrussland der 1920er und 30er Jahre", Das Orchester 5/2002, S. 22-27).


Links

http://www.rachmaninoff.org/board/viewtopic.php?f=5&t=492)

http://rachmaninow.narod.ru/koshetz/koshetz.html

Nina Koshetz auf der Internet Movie Database: http://www.imdb.com/name/nm0462516/

Die Liste von Koshetzs Aufnahmen bei Nimbus Records:
http://www.musicweb-international.com/classrev/2006/Oct06/Nina_Koshetz_NI7935.htm
Nina Koshetz auf der Site von Cantabile-Subito: http://www.cantabile-subito.de/Sopranos/Koshetz__Nina/hauptteil_koshetz__nina.html

Etliche Aufnahmen befinden sich auf der Site:
http://vozmimp3.com/?string=%CD%E8%ED%E0+%CA%EE%F8%E8%F6
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Forschung

Das Leben und die Tätigkeit von Nina Koshetz sind so gut wie unerforscht. Die wenigen biografischen Darstellungen enthalten zudem widersprüchliche Angaben. Aufgrund der politisch-ideologischen Lage gab es mehrere Jahrzehnte lang eine Unvereinbarkeit der sowjetischen Kultur mit den Auswirkungen der russischen Emigration. Akribische Quellenforschung ist deshalb notwendig, um erfundene Angaben und Legendenbildung von der historischen Wahrheit unterscheiden zu können.

Eine Sammlung der Aufnahmen von Nina Koshetz befindet sich im Staatlichen zentralen M. I. Glinka Museum für Musikkultur: Russland, 125047, Moskau, Fadejew-Straße 4; Tel.: 007 495 7396226; Email: info@glinka.museum, Site: http://www.glinka.museum/
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Forschungsbedarf

Eine sorgfältige Rekonstruktion des Lebens und des Schaffens von Nina Koshetz, ihrer Rolle in der Musik- und Opernkultur des vorrevolutionären Russlands und der russischen Emigration in Frankreich und den USA steht noch aus.
Autor/innen:
Marina Lobanova

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 17.05.2013