Lexikalischer ArtikelMultimediale PräsentationMaterialsammlung Kommentierte Links

Isabella d'Este Gonzaga

Isabella d'Este (geb.)

* 17. März 1474 in Ferrara, Norditalien.
† 1539 in Mantua, Norditalien.



”la primadonna del mondo”.
Niccolò da Correggio, Hofmann, -dichter und Soldat in Ferrara und andere Hofmänner über Isabella d’Este Gonzaga. (Brief von Alessandro da Baesso an Isabella d’Este Gonzaga, 24. November 1494. Archivio di Stato Mantova, Fondo Gonzaga.)

”Her abilities, if contemporaneous accounts are to be believed, were outstanding not in the simple fact that she was a moderately proficient amateur musician, but rather in the degree of her accomplishments and in the central role music took in her life. Her own letters and those of others show plainly that music rapidly became for her an idée fixe, and, as she mastered the art, an essential part of her self-image.”
(William Prizer: ”Una ‘virtù molto conveniente a madonne’: Isabella d’Este as a musician”. In: The Journal of Musicology Vol. XVII 1, Winter 1999, S. 10-49, S. 12.)

”Wenn man zeitgenössischen Berichten Glauben schenkt, waren ihre Fähigkeiten außerordentlich, und zwar nicht, weil sie eine mäßig geschickte Amateurmusikerin war, sondern vielmehr wegen des Niveaus ihrer Leistungen und der zentralen Rolle, die Musik in ihrem Leben einnahm. Ihre eigenen Briefe und die anderer zeugen in umfassender Weise davon, dass Musik für sie bald zum zentralen Bezugspunkt ihres Lebens wurde. Da sie diese Kunst beherrschte, wurde Musik zudem zu einem wesentlichen Teil ihres Selbstbildes.”
(William F. Prizer: ”Una ‘virtù molto conveniente a madonne’: Isabella d’Este as a musician”. In: The Journal of Musicology Vol. XVII 1, Winter 1999, S. 10-49, S. 12. Übersetzung: Sabine Meine)
Mediennachweis

Bild:
Tiziano: Ritratto di Isabella d’Este.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie.
Mit freundlicher Genehmigung Kunsthistorisches Museum, Wien
http://www.khm.at/

Tätigkeitsfelder
Markgräfin, Mäzenin, Musikliebhaberin, Kunstsammlerin, Förderin.

Orte und Länder
Isabella d’Este Gonzaga ist in einer Zeit am Hof von Ferrara aufgewachsen, als dieser für seine anspruchsvolle Musikpflege bereits überregional bekannt war; sie hielt die Beziehungen dorthin aufrecht, als sie in Mantua wirkte und pflegte von dort aus Kontakte nach Rom, Neapel, Venedig, Mailand und zu weiteren umliegenden Höfen.

Profil
Als Tochter von Herzog Ercole d’Este wurde Isabella d’Este in Ferrara umfassend musikalisch ausgebildet und baute als Gattin von Francesco Gonzaga II. den Hof von Mantua zu einem Musik- und Kunstzentrum aus, in dem sie selbst die zentrale Rolle spielte. Über die Kontakte zu namhaften Dichtern, Hofmännern und –damen sowie (meist italienischsprachigen) Musikern förderte sie besonders die Gattung der Frottola, volkssprachige Strophenlieder, die meist zur Laute vorgetragen wurden. Die Popularität und Entwicklung der Gattung in der italienischen Hofkultur zwischen 1500 und 1520 wurde durch das damals neue musikalische Druckwesen begünstigt. Isabella d’Este Gonzagas Interesse an Petrarca und petrarkistischer Dichtung bewirkte, dass ein höherer Anspruch an Poesie und Dichtung herangetragen wurde.
Die Musikförderung Isabella d’Este Gonzagas ist paradigmatisch für eine Renaissancefürstin, die nicht über eine Kapelle, aber über einen eigenen Hofstab mit einzelnen, solistisch oder in kleinen Ensembles agierenden Musikern verfügte und selbst Musik ausübte. Ihr hoher Anspruch an Musik und deren zentrale Rolle in ihrer höfischen Selbstdarstellung überschritt das moderate Maß, dass von einer Hofdame ihrer Zeit erwartet wurde. Demnach sollte die Musikausübung möglichst tugendhaft und unauffällig bleiben; nur auf Aufforderung durfte sich eine Hofdame musikalisch präsentieren (Castiglione III, 8).

Biografie

Isabella d’Este Gonzaga wurde 1474 in Ferrara als Tochter von Ercole I., Herzog von Ferrara und Modena und Eleonora d’Aragona in eine der führenden Fürstenfamilien der italienischen Renaissance hineingeboren. Sie nahm bei Johannes Martini (auch Zoanne, Ioannes Martino), einem anerkannten Kantor der väterlichen Kapelle, Gesangsunterricht, den sie nach der Heirat ab 1490 in Mantua fortsetzte. Zudem spielte sie ein Tasteninstrument, Laute (bzw. vihuela da mano), lira da braccio und viola da gamba.
1490, mit 16 Jahren, wurden sie mit Francesco Gonzaga II. verheiratet und zog nach Mantua, wo sie als Markgräfin über fast vier Jahrzehnte das Ansehen des dortigen Hofes durch ein umfassendes Mäzenatentum in Musik, Kunst und Dichtung stärkte. In Mantua hatte Isabella d’Este Gonzaga einen eigenen Hofstab. Unter den Musikern war Bartolomeo Tromboncino der damals führende Frottolist, d.h. Sänger, Lautenist und Komponist; er diente ihr nach 1490 bis 1505 als persönlicher Musiker. Danach stand ihr Marchetto Cara, ein weiterer namhafter Frottolist, zur Verfügung, der auch am Hof ihres Gatten Francesco Gonzaga II. wirkte. Ebenso waren der Lautenist und Violaspieler Testagrossa (zwischen 1495 und 1503), ein Organist, ein Tastenspieler und ein anonymer Pfeifer und Trommler an ihrem Hof angestellt; zudem kam es zu Aufenthalten reisender Musiker.
Isabella d’Este Gonzagas Musikförderung und Selbstverständnis lebte von dem persönlichen Kontakt zu Literaten und Hofmännern, die in Mantua, in Ferrara oder mobil zwischen verschiedenen Höfen wirkten und oft zu ihren Ehren Poesie verfassten, so z.B. die Literaten Niccolò da Correggio, Giangiorgio Trissino, Antonio Tebaldeo, Galeotto del Carretto, die Humanisten Mario Equicola, eigentlich Caccialupi, und Pietro Bembo.
Mit der Heirat wurde Isabella d’Este Gonzaga in Mantua eine eigene Wohnung im Palazzo Ducale zugewiesen, in der sie gezielt ihre Kunstförderung ausbaute. Hier empfing sie Besucher zur Besichtigung ihrer Kunstsammlung, hier wurde Musik und Dichtung aufgeführt. Ganz bewusst erfolgte in diesen Räumen die Ausgestaltung mit musikbezogenen Wanddekorationen, Wappen, Emblemen und Gemälden.
Für die höfische Kulturpolitik spielten Feste eine bedeutende Rolle, u.a. der jährliche Karneval oder Hochzeiten, die Isabella d’Este Gonzaga für die musikalische Selbstinszenierung nutzte. Als Francesco Gonzaga II. 1519 starb, trat der erste Sohn aus der Ehe mit Isabella d’Este Gonzaga sein Erbe an, der als Federico Gonzaga II. (1500-1540) 1530 die Herzogswürde erlangte. Isabella d’Este Gonzaga hatte weitere fünf Kinder. Sie starb 1539.
nach oben

Würdigung

Die Musikpraxis der Isabella d’Este Gonzaga entsprach in der Vollständigkeit des für die weltliche Musik nötigen Instrumentariums geradezu modellhaft den höfischen Tugenden, die Baldessare Castigliones im ”Buch vom Hofmann” forderte (1528 gedruckt, aber bereits zwischen 1514-18 verfasst). Sie sang (nach Noten), spielte Laute, Streichinstrumente und erlernte zudem ein Tasteninstrument. Diese Praxis war in ein umfassendes Konzept höfischer Selbstinszenierung eingebunden, das Isabella d’Este Gonzagas Mäzenatentum vor anderen norditalienischen Höfen auszeichnete und somit von kulturpolitischem Interesse war: Musik, vermittelt durch Isabella d’Este Gonzaga gewidmete Dichtungen, Vertonungen, Räumlichkeiten und Ikonografien stärkte ein Image, das in Intensität und Charakter über das von Hofdamen erwartete moderate Maß hinaus ging. Vielmehr inszenierte sich Isabella d’Este Gonzaga der antiken Tradition folgend als Regentin, die sich in Zeiten der Muße durch Musik stärkte. Die Konkurrenz zu benachbarten Höfen, auch zu verwandtschaftlich nahen und befreundeten, war auch in diesem Bereich hoch; Kontakte wurden über Korrespondenzen, Berichterstatter, Besuche, Feste und nicht zuletzt den Austausch von Musikern intensiv gepflegt.
Der Grundstein für Isabella d’Este Gonzagas Musikförderung wurde in Ferrara gelegt, wo der Ausbildung der Fürstenkinder große Bedeutung zugemessen wurde. Als Patron der über einige Zeit größten Kapelle Italiens förderte Ercole d’Este Musik als zentrales Mittel der höfischen Repräsentation und Bildung. Nach der Heirat Isabella d’Este Gonzagas 1490 erwies sich die Nähe zwischen Mantua und Ferrara als günstig für den Ausbau ihres Hofes zu einem Musik- und Kunstzentrum. Musiker, Dichter und Künstler waren Isabella d’Este Gonzaga in Dienst- oder Auftragsverhältnissen verpflichtet oder aber über die höfische Strategie der Gunst (”favore”) verbunden.
Isabella d’Este Gonzagas Leidenschaft für die Musik und ihr Interesse an anspruchsvoller petrarkistischer Dichtung hatten Einfluss auf die Gattung der Frottola. In den elf Frottolenbüchern von Ottaviano Petrucci, die zwischen 1504 und 1514 (in Venedig) erschienen, bilden Vertonungen von Bartolomeo Tromboncino (1491 bis (spätestens) 1506 Hofmusiker Isabella d’Este Gonzagas), und Marchetto Cara (1494 bis 1525 Hofmusiker in Mantua) den Hauptanteil der Gattung. Wie sich die komplexeren Gedichtvorlagen konkret auf die Frottola-Entwicklung auswirken, kann über die zahlreichen Petrarca-Vertonungen im letzten Petrucci-Buch (Nr. 11 von 1514) hinaus auch an Bembo-Gedichten gezeigt werden, die ebenda und in Petruccis 7. Buch eingegangen sind.
Die von Isabella d’Este Gonzaga geförderte Gattung der Frottola ist die erste weltliche Gattung italienischer Sprache, die im Druck vorlag und sich durch ein Wechselspiel zwischen dichterischen und musikalischen Impulsen entwickelte. Ihre Musikförderung ist somit als wegweisend für die nachfolgende Gattung des Madrigals zu verstehen, die um 1530 in anderen Wirkungszentren (Florenz, Rom) entstand und von anderen Musikern vertreten wurde.
nach oben

Quellen

Archive, Bibliotheken (Auswahl)

Archivio di Stato Mantova, Fondo Gonzaga (ca. 40.000 Briefe zwischen 1491 und 1539; Inventarlisten des studiolo und der grotta).

Archivio di Stato Modena, Fondo D’Este (Korrespondenzen mit Ferrareser Höfen).

Bayrische Staatsbibliothek München (Frottolenbücher 1-11 (Nr. 10 ist verloren) von Ottaviano Petrucci im Original und in Kopie).

Biblioteca Comunale di Mantova (Ms. mit italienischen poesie musicale).

Biblioteca Estense Universitaria, Modena (Ms. von weltlichen Kompositionen; ikonografische Genealogie der Fürsten d’Este).

Ikonografische Quellen

Palazzo Ducale Mantova: sala imperiale, besonders Grotta, Studiolo und geheimer Garten der Isabella d’Este Gonzaga in der corte vecchia, (Musikbezogene Intarsien, Wappen und Symbole; samstags Besichtigung möglich).

Ehemalige Ausstattung des studiolo:

Costa, Lorenzo: Krönung der Isabella. Tempera und Öl auf Leinwand, 165x198 cm, Paris, Musée du Louvre, Départment des Peintures.

Ders: Das Reich des Comus, Tempera auf Leinwand, 152,2x238,5 cm, Paris, Musée du Louvre, Départment des Peintures.

Mantegna, Andrea: Minerva vertreibt die Laster aus dem Garten der Tugend. Tempera auf Leinwand 160x192 cm, Paris, Musée du Louvre, Départment des Peintures.

Ders.: Parnass. Tempera auf Leinwand 160x192 cm, Paris, Musée du Louvre, Départment des Peintures.

Perugino, Pietro: Kampf der Keuschheit gegen die Wollust. Tempera auf Leinwand 158x180 cm, Paris, Musée du Louvre, Départment des Peintures.

Porträts:

Anononymes Porträt der Isabella d’Este. Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie.

Da Vinci, Leonardo: Porträt der Isabella d’Este. Paris, Musée du Louvre.

Romano, Gian Christoforo (zugeschrieben): Büste der Isabella d’Este (sic),Terrakotta, Lugano, Sammlung Thyssen-Bornemisia.

Ders.: Medaille von Isabella d’Este, ca. 1505, Wien, Kunsthistorisches Museum, Münzkabinett.

Rubens, Peter Paul: Isabella in rot, 1605, Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie.

Tizian: Porträt der Isabella d’Este. Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie.

Literatur und Quellen

Moderne Notenausgaben (Auswahl, chronologisch)


Petrucci, Ottaviano. Frottole, Buch I und IV, hg. v. Rudolf Schwartz, Leipzig 1935 (Publikationen älterer Musik 8. Jhrg.)

Rubsamen, Walter: Literary sources of secular Music in Italy (ca. 1500). University of Califormia (Bibl. Im Music Vol. 1) Berkeley und L.A. 1943, Anh.

Petrucci, Ottaviano: Le Frottole, Vol. I (libri I, II, III), transkribiert v. Gaetano Cesari, hg. v. Raffaello Monterosso, Einleitung v. Benvenuto Disertori, Cremona 1954.

Canzoni sonetti strambotti et frottole libro tertio (1513). Faksimile Druck. Hg. v. Biblioteca musica Bononiensis, Ltg. Giuseppe Vecchi, Univ. Bologna (Abteilung IV, Nr. 51) 1970.

Luisi, Francesco: Frottole di B. Tromboncino e M. Cara ”per cantar et sonar col lauto”. Kritischer Essay und Transkriptionsauswahl. Istituto di Paleografia Musicale. Roma: Torre d’Orfeo 1987 (=Pubblicazioni del Corso Superiore di Paleografia e Semiografia musicale dall’ Umanesimo al Barocco: Studi e testi; 1)

Gallico, Claudio. Rimeria musicale italiana nel Rinascimento. Lucca 1996.

Petrucci, Ottaviano: Le frottole Petrucci. Le edizioni dal 1504 al 1514. Dipartimento di Storia delle Arti Visive e della Musica, Università di Padova: Cleup 1997 und 1998 (bisher erschienene Bände 11, 9 und 8)

Literarische Quellen/moderne Ausgaben

Equicola, Mario. De mulieribus. Ferrara 1501.

Trissino, Giangiorgio. I Ritratti. Rom 1524.

Calmeta, Vincenzo. Prose e lettere edite e inedite, a cura di Cecil Grayson, Bologna 1959.

Castiglione, Baldassare (1528). Il libro del Cortigiano. Hg. v. Walter Barberis, Torino: Einaudi 1998.

Castiglione, Baldassare (1528). Das Buch vom Hofmann, übersetzt und hg. v. Fritz Baumgart, München 1986.

Zambotti, Bernardino und anon. I Diari ferraresi. Hg. v. Ludovico Muratori. In: Rerum italicarum scriptores. Tomo XXII, parte VII. Bologna 1934-37.

Tissoni Benvenuti, Anna. Opere di Niccolò Correggio. Bari 1969.

Bembo, Pietro. Lettere. Edizione critica, Hg. v. Ernesto Travi (= Collezione di opere inedite o rare, pubblicate dalla Commissione per i testi di lingua, vol. 141), Vol. I (1492-1507), Bologna 1987.

Sekundärliteratur

Prizer, William F. ”Tromboncino, Bartolomeo”. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2nd edition, Vol. 25, London 2001, S. 758-762.

Bertolotti, Antonino. Musica alla corte dei Gonzaga in Mantova dal secolo XV al XVIII, Milano 1890.

Bini, Daniele (Hg.): Isabella D’Este – La Primadonna del Rinascimento (Quaderno di Civiltà Mantovana, Ergänzung zu Nr. 112), Mantua Mai 2001.

Boujassy, Jeanne. Isabella d’Este. Grande Dame de la Renaissance. Paris 1960.

Bridgeman, Nanie. La Frottola et la transition de la Frottola au madrigal. In: Musique et poésie au XVIème siècle, Paris 1953.

Cartwright, Julia. Isabella d’Este. Marchioness of Mantua. 2 vols- London 1907.

Chiappini, Luciano. Gli Estensi, 2. Ausgabe, Varese 1967.

Chledowski, Casimir von. Der Hof von Ferrara. München 1934.

Cian, Vittorio. ”Pietro Bembo e Isabella d’Este Gonzaga”. In: Giornale Storico della Letteratura Italiana, IX, Torino 1899-1903.

Cian, Vittorio. Pietro Bembo e Isabella d’Este Gonzaga. Note e Documenti. Giornale Storico, IX (1887).

d’Arco, Carlo. ”Notizie di Isabella d’Este, moglie a Francesco Gonzaga.” Archivio storico italiano, Appendice II 1845, S. 300-310.

Einstein, Alfred. Das italienische Madrigal. 3 Bde. Princeton 1949 (mit zahlreichen Notenbeispielen).

Fahy, Conor. ”Three Early Renaissance Treatises on Women”. In: Italian Studies II, 1956.

Fenlon, Iain. ”Music and patronage in Mantua”. In: ders.: Music and patronage in sixteenth-century Mantua I, Cambridge Univ. Press 1980, S. 7-45.

Ferino-Pagden, Silvia. ”La Primadonna del mondo”. Isabella d’Este: Fürstin und Mäzenatin der Renaissance. Ausstellungskatalog Wien 1994.

Gallico, Claudio. ”Poesie musicali di Isabella d’Este (1962)”, in ders. Sopra li fondamenti della verità. Musica italiana fra XV e XVII secolo. Roma 2001, S. 39-45.

Ders. Un libro di Poesie per musica dell’epoca di Isabella d’Este. (= Quaderni del Bollettino Storico Mantovano IV) 1961.

Genovesi, Adalberto. ”Due imprese musicali di Isabella d’Este.” Atti e memorie dell’Accademia nazionale Virgiliana LXI (1993), S. 73-102.

Guerzoni, Guido. Le corti estensi e la devoluzione di Ferrara del 1598 (= Quaderni dell’Archivio storico, hg. v. Aldo Borsari, Modena 2000).

Hacke, Daniela. ”Isabella d’Este”. In: Irmgard Osols-Wehden (Hg.): Frauen der italienischen Renaissance. Dichterinnen – Malerinnen - Mäzeninnen. Darmstadt 1999, S. 211-227.

Hirdt, Willi. Gian Giorgio Trissinos Porträt der Isabella d’Este: Ein Beitrag zur Lukian-Rezeption in Italien. (= Studien zum Fortwirken der Antike 12) Heidelberg 1981.

Iotti, Roberta. ”Phenice unica, Virtuosa e pia. La corrispondenza culturale di Isabella”. In: Civiltà Mantovana Nr. 14-15, 1995, S. 113-126.

Lockwood, Lewis. Music in Renaissance Ferrara 1400-1505, Oxford 1984.

Luisi, Francesco. La musica vocale del Rinascimento, Turin 1977.

Luzio, Allessandro. I precettori d’Isabella d’Este. Nozze Renier-Campostrini, Ancona 1887.

Ders. ”La reggenza di Isabella d’Este durante la prigionia del marito”. Archivio storico Lombardo, anno XXXVII (= ser. 4, Vol. XIV), 1910, S. 5-104.

Ders. Isabella d’Este e i Borgia. Milano 1915.

Ders. L’archivio Gonzaga, Ibid. 2, Verona 1921.

Ders. und Rodolfo Renier. Mantova e Urbino. Isabella d’Este ed Elisabetta Gonzaga nelle relazioni famigliari e nelle vicende politiche. Narrazione storica documentata, Roma 1893.

Dies. ”Niccolò da Correggio”. In: Giornale storico della letteratura italiana XXI, 1893, S. 205-64 und XXII, 1893, S. 65-119.

Dies. ”Coltura e relazioni letterarie d’Isabella d’Este”. Teil I in Giornale storico XXXIII (1899), S. 1-97. Teil II und Abdruck des Inventars der Bibliothek von Isabella D’Este in Giornale storico della letteratura italiana XLII (1903), S. 75-87.

Malacarne, Giancarlo. ”Il segno di Isabella. Stemmi, motti, imprese”. In: Bini (2001), S. 185-203.

Meine, Sabine. Die Frottola: musica cortigiana in der Entwicklung des kulturellen Diskurses in Italien 1500-1530 (in Arbeit).

Meyer, Edith P. First Lady of the Renaissance. Boston-Toronto 1970.

Osthoff, Wolfgang. Theatergesang und darstellende Musik in der italienischen Renaissance (15. und 16. Jahrhundert). Tutzing 1969.

Pirotta, Nino. Music and Theatre from Poliziano to Monteverdi, übersetzt v. Karen Eales, Cambrigde 1982.

Prizer, William F. ”Isabella d’Este and Lorenzo da Pavia, ‘Master Instrument Maker’.” In Early Music History II (1982), S. 82-127.

Ders. ”Isabella d’Este and Lucrezia Borgia as Patrons of Music: The Frottola at Mantua and Ferrara”. In: Journal of the American Musicological Society Vol.38 (Spring 1985), 1, S. 1-33.

Ders. ”Games of Venus: Secular Vocal Music in the Late Quattrocento and Early Cinquecento”. In: Journal of the American Musicological Society Vol. 9 (Winter 1991) 1, S. 3-56.

Ders.”Una ‚’virtù molto conveniente a madonne’: Isabella d’Este as a musician”. In: Journal of the American Musicological Society Vol. 17 (Winter 1999),1, S. 10-49.

Ders. Courtly Pastimes.The frottole of Marchetto Cara. Ann Arbor Mich. 1980 (Studies in Musicology 33).

Ders. Lutinists at the Court of Mantua in the late 15th and early 16th centuries. In: Journal of the Lute Society of America 13 (1980), 5-34.

Reese, Gustave. Music in the Renaissance. New York 1954, revidierte Auflage New York 1959.

Roccatagliati, Alessandro. ”Ferrara”. Art. MGG, 2. Ausgabe, Sachteil 3, Kassel 1995, Sp. 396-411.

Rubsamen, Walter. Literary sources of secular Music in Italy (ca. 1500). University of Califormia (Bibl. Im Music Vol. 1) Berkeley und L. A. 1943.

Schmidt, Lothar. ”Cara, Marchetto”. In MGG (2), Personenteil 4, Kassel 2000, Sp. 160.

Diskografie/Rundfunksendungen

The Cradle of the Renaissance: Italian Music from the time of Leonardo da Vinci (1452-1519). Works by Marchetto Cara, Alexander Agricola, Joan Cornago, Leonardo Giustiniani, Heinrich Isaac, Poliziano and others. Sirinu. Hyperion Records, London 1995, CDA66814.

Vergine bella, Italian Renaissance Music. Carolyn Sampson, Soprano, Clare Wilkinson, contralto, Julian Podger, Tenor, Robert Meunier, Lute/director, vocal ensemble, lute, Chaconne Digital, Chandos Records LTD Colchester 2002, Chan 0683.

Il Rinascimento – Il Primo Seicento. Renaissance and Baroque music in Lombardy. G. Zambon (countertenor) und Renaissancemusikensemble, Nuova Era Records, Milano 1991.

Music for Isabella. Konzert von Musica antiqua of London v. 15.11.2002, Tage alter Musik Herne, Aufzeichung des WDR.
nach oben

Forschung

Dass sich Ferrara und Mantua Ende des 15. Jahrhunderts zu neuen Zentren der höfischen Musik herausbildeten, wurde in der Fachliteratur schon früh auf den persönlichen Einfluss von Isabella Gonzaga d’ Este zurückgeführt. Bereits Walter Rubsamen wies auf ihre Nähe zu einzelnen Literaten und Humanisten und eine dadurch bedingte Nobilitierung der ”poesia per musica”, die im Kontext der Petrarca-Mode zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine Gattungsveränderung bewirkte und die Claudio Gallico 1995 summarisch für die Frottolensammlungen Petruccis aufzeigte. (Gallico hatte sich bereits Anfang der 1960er Jahre speziell Isabella d’Este Gonzagas Beziehung zur ”poesie per musica” gewidmet, dabei Einsteins Thesen zur Vertonung eines ihrer Gedichte korrigiert und eine Mantuaner Sammlung an zu vertonenden Gedichten kritisch kommentiert.) Sie alle konnten bereits auf den Pionierarbeiten von Luzio/Renier, den um 1900 maßgeblichen Spezialisten des Gonzaga-Hofs dieser Zeit und des Bembo-Forschers Vittorio Cian aufbauen, die das Archivio Gonzaga erstmalig umfangreich gesichtet hatten. William Prizer schließlich hat das musikalische Profil der Fürstin im Detail herausgearbeitet, ihre musikpraktische Ausbildung anhand der Quellen recherchiert und dabei v.a. deutlich gemacht, dass die von ihr geförderte oder selbst ausgeübte Praxis im umfassenden Sinn identitätsstiftend für die Fürstin war.
nach oben

Forschungsbedarf

Obwohl die Bedeutung des Musikmäzenatentums von Isabella d’Este Gonzaga bereits in den 1940er Jahren in der Musikforschung erkannt wurde, fehlen Einzeluntersuchungen im Zusammenhang mit folgenden Aspekten der Kulturgeschichte zwischen 1500 und 1530:
- der kompositorischen Entwicklung der weltlichen, italienischsprachigen Vokalmusik in den ersten Jahrzehnten des Druckwesens,
- der sprachpolitischen Entwicklung hin zur Normierung des Italienischen, wie sie etwa in Bembos ”Prose della volgar lingua” (1525) formuliert wird,
- der Rolle von Hofdamen bzw. Regentinnen für die Popularisierung weltlicher, volksprachlicher Musik (mangels Kapelle konzentrierten sich Fürstinnenhöfe auf die Pflege weltlicher, kleinbesetzter Musik),
- der Frage des Austauschs und der Konkurrenz zwischen vergleichbaren Mäzeninnen. Die Erforschung von weniger bekannten zeitgenössischen Musikmäzeninnen steht noch weitgehend aus, z.B. Eleonora d’Aragona Este (Isabellas Mutter), Beatrice d’Este Sforza/Mailand (Isabellas Schwester), Elisabetta Gonzaga/Urbino (Isabellas Schwägerin), Lucrezia Borgia/Ferrara (Isabellas Schwägerin), aber auch des Verhältnisses zwischen Fürstinnen- und Fürstenhof.
Der Vergleich mit anderen norditalienischen Höfen vereinfacht u.U. die Quellenlage: Zwar ist die Korrespondenz Isabella d’Este Gonzagas äußerst umfangreich, weitgehend gut erhalten und lesbar, es fehlt aber an Rechnungsbüchern, so dass die Struktur ihres Hofes nur bedingt zu erschließen ist. Umgekehrt sieht es etwa im Fall des Hofes von Lucrezia Borgia aus, wo Korrespondenzen relativ unergiebig, aber umfangreiche Rechnungsbücher für einige Jahre vorhanden sind. Isabella d’Este Gonzagas Wirken als Kunstsammlerin und –mäzenin ist durch die Kunst- und Literaturwissenschaften bereits weitgehend erschlossen.
Autor/innen:
Sabine Meine, Die Grundseite wurde im Januar 2004 verfasst.

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Sophie Fetthauer
Zuerst eingegeben am 26.05.2004.
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2004.