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Florence Hemmings


* ca. 1850, verm. England
† unbekannt, nach 1907

Die genauen Lebensdaten von Florence Hemmings sind nicht bekannt.

„The concert proved a grand succès, and every piece was applauded, and the performers recalled. The string quartet was Mozart’s in C, No. 6, and the other concerted work, Dvoráks fine pianoforte quintet in A, Op. 81. The artists were Miss E. Shinner (Leader), Miss L. H. Stone, Miss C. Gates, and Miss Florence Hemmings; the last named lady produced a full and rich tone from her violoncello [...]. Miss Fanny Davies, the pianist of the evening, conducted the quintet and played [...] with Miss Hemmings, Schumann’s Duet for pianoforte and violoncello ‚Stücke im Volkston,’ Nos. 2 and 4. [...] In fine, the instrumentlists were in perfect unison of mind and technique.“

„Das Konzert war ein voller Erfolg, jedes Stück wurde mit Beifall bedacht und die Interpretinnen aufs Podium zurückgerufen. Das Streichquartett war das in C-Dur von Mozart, Nr. 6, und das andere gemeinsame Stück Dvořáks Klavierquintett in A-Dur op. 81. Die Künstlerinnen waren Miss E. Shinner (Primaria), Miss L. H. Stone, Miss C. Gates, und Miss Florence Hemmings; die letztgenannte Dame produziert einen großen und klangvollen Ton auf ihrem Instrument [...]. Miss Fanny Davies, die Pianistin des Abends, führte das Quintett an und spielte [...] mit Miss Hemmings Schumanns Duett für Klavier und Violoncello, die ‚Stücke im Volkston’ Nr. 2 und 4. [...] Insgesamt waren die Instrumentalistinnen sowohl gedanklich als auch technisch im perfekten Einklang.“

(„The Musical Standard“ vom 8. November 1890, S. 380)
Tätigkeitsfelder
Violoncellistin, Musikpädagogin

Orte und Länder
Der Geburtsort von Florence Hemmings ist unbekannt. Von 1879 bis 1899 wirkte sie als Violoncellistin in London und trat auch in weiteren englischen Städten auf, u. a. in Oxford und Cambridge. Ab 1885/86 unterrichtete Florence Hemmings an dem neugegründeten Ladies’ Department des Londoner King’s College.

Profil
Die Violoncellistin Florence Hemmings wurde – vermutlich privat – von Hugo Daubert in ihrem Instrument ausgebildet. Nach dem Studium konnte sie sich im Londoner Musikleben etablieren. Ab 1885 unterrichtete sie das Fach Violoncello am neugegründeten Ladies’ Department des Londoner King’s College und gehörte überdies 1887 zu den Gründungsmitgliedern des Damenstreichquartetts „Shinner Quartet“, das die Geigerin und Joseph Joachim Schülerin Emily Shinner als Primaria führte. In der Besetzung mit Lucy Stone (Violine 2) und Cecilia Gates (Viola) hatte das Ensemble bis 1897 Bestand und widmete sich überwiegend dem klassisch-romantischen Repertoire. Von 1897 bis 1899 übernahm Gabriele Wietrowetz die Position der Primaria, anschließend löste sich das Ensemble auf.

Biografie

Florence Hemmings wurde vermutlich Anfang der 1850er Jahre in England geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt.

Erst im April 1879 trat Florence Hemmings als Violoncellistin an die Öffentlichkeit. In einem Inserat der „Musical Times“ heißt es: „Miss Florence Hemmings (Violoncellist). Pupil of Herr Daubert. 22, Fawcett Street, Redcliffe Gardens, South Kensington.“ („Miss Florence Hemmings [Violoncellistin], Schülerin von Herrn Daubert, 22, Fawcett Street, Redcliffe Gardens, South Kensington.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1879, S. 186) Zu dieser Zeit hatte sich Florence Hemmings demnach in London niedergelassen und studierte das Fach Violoncello, möglicherweise privat, bei Hugo Daubert, der bereits seit den 1860er Jahren in England lebte. Daubert starb im Juli 1882 in Devonshire, Portland Place, im Alter von nur 48 Jahren.

Vermutlich seit der Gründung des Ladies’ Department 1885 unterrichtete Florence Hemmings das Fach Violoncello am King’s College, 13, Kensington Square, das der Ausbildung von Frauen dienen sollte und das ein Jahr später, 1886, bereits 500 Studentinnen hatte. Dort trat Florence Hemmings im Dezember 1886 mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf, u. a. mit der Sängerin Clara Myers, der Pianistin Harriet Sasse und der Klavierbegleiterin und Komponistin Mary Carmichael. So berichtete die „Musical World“ im Dezember 1886 von einem Konzert, bei dem Florence Hemmings u. a. den Violoncellopart in Antonín Dvořáks Bagatellen für zwei Violinen, Violoncello und Klavier op. 47 übernahm: „Miss H. Sasse announces an evening concert for Saturday, December 11, at King’s College, ladies’ department, 13, Kensington Square, W., at 8 o’clock. The vocalists are Miss Florence Monk, Miss Clara Myers, Mr. Henry Phillips, and Mr. Elliott Hubbard; piano, Miss H. Sasse; violin, Herr Poznanski; violoncello, Miss Hemmings; accompanist Miss Mary Carmichael [...]. Mr. Sutton will take part in Dvorak’s Bagatellen for piano, two violins and violoncello.“ („Miss H. Sasse kündigt ein Abendkonzert am Samstag, dem 11. Dezember im King’s College, Ladies’ Department, 13, Kensington Square, W. um 20 Uhr an. Die Sänger sind Miss Florence Monk, Miss Clara Myers, Mr. Henry Phillips und Mr. Elliott Hubbard; Klavier, Miss H. Sasse; Violine, Herr Poznanski; Violoncello, Miss Hemmings; Klavierbegleiterin Miss Mary Carmichael [...]. Mr. Sutton wird sich an Dvořáks Bagatellen für Klavier, zwei Violinen und Violoncello beteiligen.“; „The Musical World“ vom 4. Dezember 1886, S. 781)

Im Jahr 1887 gehörte Florence Hemmings neben Miss Holiday (Violine 2) und Cecilia Gates (Viola) zu den Gründungsmitgliedern des „Shinner Quartet“, das von der Geigerin und Joseph Joachim-Schülerin Emily Shinner geleitet wurde. Die vier Musikerinnen hatten sich möglicherweise am King’s College kennengelernt und dort das Quartett gegründet. Hierauf deutet die Besprechung des ersten Konzertes, das im April 1887 in London stattfand, hin. Auf dem Programm standen Streichquartette von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Joseph Haydn. Der „Monthly Musical Record“ berichtete: „A new phase has been added to our musical life by a novelty, unique of its kind in London, and probably elsewhere, in the form of a string quartet composed exclusively of members of the fair sex [...]. It is [...] gratifying to state that the first performance of the Ladies’ Quartet, including Miss Emily Shinner, Miss Holiday, Miss Cecilia Gates, and Miss Florence Hemmings, possessed besides the attraction of curiosity that of considerable skill. Miss Emily Shinner’s playing being sufficiently known, does not require special notice [...]. Miss Florence Hemmings showed unusual competence on the exacting violoncello. Intelligent reading, good intonation and unanimity characterised the performance throughout, which even improved as confidence increased, in its progress from Beethoven to Schumann and Haydn, so that during the last-named quartet the listener might, without great stretch of imagination, frequently have fancied himself at the Monday Popular Concerts. [...] Some of our readers may feel interested to know that these clever performers teach at the King’s College Ladies’ Department, 13, Kensington Square.“ („Eine neue Zeit wurde in unserem Musikleben mit einer Neuheit eingeläutet, die in ihrer Art einmalig ist in London und möglicherweise auch andernorts, ein Streichquartett, das ausschließlich aus Mitgliedern des schönen Geschlechts besteht. [...] Es ist [...] erfreulich feststellen zu können, dass das erste Auftreten des Damenquartetts, bestehend aus Miss Emily Shinner, Miss Holiday, Miss Cecilia Gates und Miss Florence Hemmings, nicht nur die Attraktion des Kuriosen enthielt, sondern auch ein bemerkenswertes Können offenbarte. Miss Emily Shinners Spiel ist hinreichend bekannt und erfordert keine weitere Beschreibung [...]. Miss Florence Hemmings zeigte ein ungewöhnliches Können auf dem anspruchsvollen Violoncello. Intelligente Interpretationen, gute Intonation und Einhelligkeit waren durchweg die Besonderheiten des Auftritts, der sich sogar mit wachsendem Zutrauen von Beethoven zu Schumann und Haydn qualitativ steigerte, so dass sich der Zuhörer während des letzten Quartetts ohne große imaginative Anstrengung häufig in den Monday Popular Concerts wähnte. Einige unserer Leser wird es interessieren zu erfahren, dass diese klugen Interpretinnen am King’s College Ladies’ Department unterrichten.“; „Monthly Musical Record“ vom 1. Mai 1887, S. 115).

Florence Hemmings konzertierte von 1887 bis 1897 regelmäßig mit dem „Shinner Quartet“, das fast ausnahmslos in der Besetzung mit Emily Shinner, Lucy Stone, die neu dazugekommen war, Cecilia Gates und Florence Hemmings auftrat, und konnte sich auf diese Weise im englischen Musikleben als anerkannte Violoncellistin etablieren. Gemeinsam mit dem Shinner Quartet trat sie sowohl in London als auch in weiteren englischen Städten auf und musizierte dabei mit renommierten Musikerinnen und Musikern, darunter die Pianistinnen und Pianisten Fanny Davies, Agnes Zimmermann, Alice Miller, Marie Wurm, Henry Lahee und Leonard Borwick, die Geigerinnen und Geiger Marie Soldat und Johann Kruse sowie die Sängerinnen und Sänger Marie Fillunger, Lilian Jane Henschel und George Henschel. Das Ensemble konzentrierte sich im Wesentlichen auf das klassisch-romantische Kammermusik-Repertoire, darunter Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Peter I. Tschaikowsky, und Antonín Dvořák. Am 20. September 1887 trat Florence Hemmings mit dem Shinner Quartet in den von John Watkinson in Huddersfield (West Yorkshire) veranstalteten Subscription Concerts auf (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Oktober 1887, S. 604) und spielte, ebenfalls im Ensemble, am 29. Oktober 1887 in den Pump Rooms in Tunbridge Wells (Kent) Ludwig van Beethovens Streichquartett c-Moll op. 18 Nr. 4 und, gemeinsam mit dem Pianisten Henry Lahee, Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 („The Musical Times“ vom 1. Dezember 1887, S. 750) Am 15. Mai 1889 veranstaltete das Shinner Quartet ein eigenes Konzert in der Londoner Princes’s Hall. Auf dem Programm standen Franz Schuberts Streichquartett d-Moll D 810 („Der Tod und das Mädchen“) und Johannes Brahms’ Klavierquintett f-Moll op. 34, gemeinsam mit der Pianistin Agnes Zimmermann, und die „Musical Times“ rezensierte: „Since they first appeard in public the Shinner Quartet have much improved, collectively, if not individually, and their ensemble on the present occasion was well nigh irreproachable.“ („Seit dem ersten öffentlichen Auftritt hat sich das Shinner Quartet sehr verbessert, im Zusammenspiel wenn nicht sogar im Einzelnen, und ihr Ensemble war diesmal nahezu tadellos.“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1889, S. 345)

Verstärkt trat Florence Hemmings in den folgenden Jahren auch mit Solostücken an die Öffentlichkeit und musizierte mit anderen Musikerinnen und Musikern. Am 17. Mai 1890 konzertierte Florence Hemmings in der Masonic Hall in Birmingham im Streichquartett mit Lucy Stone und Cecilia Gates, das diesmal von dem Geiger Johann Kruse angeführt wurde. Das Programm umfasste Ludwig van Beethovens Streichquartett F-Dur op. 18 Nr. 1 und Antonín Dvořáks Klavierquintett A-Dur op. 81; den Klavierpart übernahm die Pianistin Agnes Miller. Als Solostück spielte Florence Hemmings die Violoncellosonate Nr. 1 F-Dur von Benedetto Marcello, wie die „Musical Times“ berichtete: „Miss Florence Hemmings gave a very neat rendering of Marcello’s Violoncello Sonata in F“ („Miss Florence Hemmings gab eine sehr solide Wiedergabe von Marcellos Violoncellosonate in F“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1890, S. 225f.) Auch bei einem Konzert am 30. Oktober 1890 in der Princes’ Hall in London, das von dem Musikverlag „Chappell & Co.“ veranstaltet wurde, trat Florence Hemmings nicht nur als Kammermusikerin, sondern auch als Solistin auf. Die Pianistin des Abends war Fanny Davies, Marie Fillunger trat als Sängerin auf. Florence Hemmings spielte neben dem Violoncellopart im Ensemble auch Robert Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“ op. 102 Nr. 2 und 4, gemeinsam mit Fanny Davies: „The concert proved a grand succès, and every piece was applauded, and the performers recalled. The string quartet was Mozart’s in C, No. 6, and the other concerted work, Dvoráks fine pianoforte quintet in A, Op. 81. The artists were Miss E. Shinner (Leader), Miss L. H. Stone, Miss C. Gates, and Miss Florence Hemmings; the last named lady produced a full and rich tone from her violoncello, and the viola playing of Miss Gates was especially commendable. Miss Fanny Davies, the pianist of the evening, conducted the quintet and played [...] with Miss Hemmings, Schumann’s Duet for pianoforte and violoncello ‚Stücke im Volkston,’ Nos. 2 and 4. [...] In fine, the instrumentlists were in perfect unison of mind and technique.“ („Das Konzert war ein voller Erfolg, jedes Stück wurde mit Beifall bedacht und die Interpretinnen aufs Podium zurückgerufen. Das Streichquartett war das in C-Dur von Mozart, Nr. 6, und das andere gemeinsame Stück Dvořáks Klavierquintett in A-Dur op. 81. Die Künstlerinnen waren Miss E. Shinner (Primaria), Miss L. H. Stone, Miss C. Gates, und Miss Florence Hemmings; die letztgenannte Dame produziert einen großen und klangvollen Ton auf ihrem Instrument, und das Violaspiel von Miss Gates war besonders anerkennenswert. Miss Fanny Davies, die Pianistin des Abends, führte das Quintett an und spielte [...] mit Miss Hemmings Schumanns Duett für Klavier und Violoncello, die ‚Stücke im Volkston’ Nr. 2 und 4. [...] Insgesamt waren die Instrumentalistinnen sowohl gedanklich als auch technisch im perfekten Einklang.“; „The Musical Standard“ vom 8. November 1890, S. 380) In der Saison 1890/91 trat sie in den Konzerten auf, die George Henschel in der Londoner Princes’s Hall veranstaltete. Gemeinsam mit dem Sänger und Emily Shinner spielte sie in diesem Rahmen drei der „Schottischen Lieder“ op. 108 von Beethoven für Gesang, Klavier, Violine und Violoncello (vgl. „The Musical Standard“ vom 29. November 1890, S. 439). 1892 konzertierte Florence Hemmings an der Seite des Geigers Bromley Booth in einem Kammermusikkonzert in Rotterdam, wo sie u. a. mit Solostücken von Max Bruch und David Popper auftrat (vgl. „The Strad“, Bd. 3 [1892], S. 24). Bei einem Konzert des Shinner Quartets am 21. Mai 1894 in den Londoner Craven Hill Gardens Nr. 18 bei einer Mrs. Cobbe standen Werke von Johannes Brahms (Streichquartett B-Dur op. 67) und Franz Schubert (Klaviertrio B-Dur op. 99) auf dem Programm. Florence Hemmings spielte außerdem Alfredo Piattis Bearbeitung von Franz Schuberts „Litanei“ („Am Tage aller Seelen“ D 343) und eine Gavotte eines Barockkomponisten namens Baber. „The Musical News“ kommentierte: „Miss Florence Hemmings contributed two solos on the violoncello, ‚Litanie,’ Schubert-Piatti, and ‚Gavotte,’ Baber (1650-1710), which she played with great purity of tone and brilliance of execution.“ („Miss Florence Hemmings trug zwei Soli für Violoncello bei, die ‚Litanie’ von Schubert/Piatti und die ‚Gavotte von Baber [1650-1710], die sie mit großer Reinheit im Ton und brillianter Ausführung spielte.“; „The Musical News“ vom 26. Mai 1894, S. 486) Am 16. Mai 1895 konzertierte Florence Hemmings in der Musical Society in Cambridge und gab dort gemeinsam mit Emily Shinner und Marie Wurm Klaviertrios von Johannes Brahms und Antonín Dvořák „in an admirable manner“, wie die „Musical Times“ notierte („The Musical Times“ vom 1. Juli 1895, S. 475).

Am 19. Juni 1897 meldete die „Musical News“ mit großem Bedauern die Auflösung des Shinner Quartets, verwies jedoch auch darauf, dass es in der jetzigen Besetzung von der Geigerin Gabriele Wietrowetz übernommen werden würde. Die Meldung lässt erahnen, welch hohe Anerkennung dem Damenstreichquartett im Londoner Musikleben am Ende seines Bestehens entgegengebracht wurde: „It has for some time been an open secret that the present season would be the last of the Shinner Quartet. This association of lady string players was formed some few years ago for the purpose of presenting to their patrons performances of the quartets of the great classic, and the more modern masters, as perfect as zeal, long continued study, and endless pains could render them. That the Quartet has succeeded in this aim is well known to the musical world of London, and in those towns where the combination has played and found acceptance. [...] Though ensemble playing is the raison d’être of the body, every member of it is an individual artist, in all respects master of her instrument: they have severally been heard in solos, and always with the approval of the critics. Under the energetic leadership of Miss Emily Shinner, now Mrs. Liddell, these lady players have had a career of which they may be reasonably proud; it has seemed a pity that so gifted and practised a body of quartettists should break up, and the ripe fruits of their long study and playing together be lost. Happily, this is not to be. The place vacated by Mrs. Liddell [...] is to be occupied by Fräulein Gabriele Wietrowitz, and under her direction the Quartet will go on, and no doubt flourish.“ („Es ist seit einiger Zeit ein offenes Geheimnis, dass die jetzige Saison die letzte des Shinner Quartets sein wird. Diese Vereinigung von Streicherinnen wurde vor einigen Jahren mit dem Ziel gegründet, dem Publikum Aufführungen der großen klassischen Quartette und auch von einigen moderneren Meistern zu bieten, so perfekt, wie sie nur durch langes kontinuierliches Studium und endlose Qualen hervorgebracht werden können. Dass das Quartett dieses Ziel erreicht hat, ist der Musikwelt Londons wohl bekannt, und auch in jenen Städten, wo das Ensemble aufgetreten ist und Zustimmung erfahren hat. Auch wenn das Ensemblespiel der eigentliche Daseinsgrund der Vereinigung ist, ist doch jedes Mitglied eine individuelle Künstlerin und in jeglicher Hinsicht eine Meisterin ihres Instruments: mehrfach wurden sie in Solostücken gehört und fanden stets die Zustimmung der Kritiker. Unter der energischen Führung von Miss Emiliy Shinner, jetzt Mrs. Liddell, haben diese Musikerinnen eine Karriere gemacht, auf die sie mit guten Recht stolz sein können; es schien ein Jammer zu sein, dass ein so begabtes und aufeinander eingespieltes Ensemble von Quartettspielerinnen aufgelöst werden und die reifen Früchte ihres langen Studiums und ihres gemeinsamen Spiels verloren gehen sollten. Zum Glück wird es nicht so sein. Der von Mrs. Liddell freigeräumte Platz [...] wird von Fräulein Gabriele Wietrowitz [recte: Wietrowetz] übernommen, unter unter ihrer Führung wird das Quartett weitergehen und ohne Zweifel blühen.“; „Musical News“ vom 19. Juni 1897, S. 586) Tatsächlich konzertierte das „Wietrowetz Quartet“ mit Florence Hemmings als Violoncellistin von 1897 bis 1901 mehrfach in London und trat u. a. im März 1899 mit einem eigenen Konzert in der Londoner Steinway Hall auf, bei dem das Streichquartett Es-Dur (Nr. 10) von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Johannes Brahms’ Klavierquintett f-Moll op. 34 mit Leonard Borwick als Pianist, erklangen (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1899, S. 265). Im November 1901 konzertierte das Ensemble nochmals in der Londoner Bechstein Hall, gemeinsam mit der Pianistin und Clara Schumann-Schülerin Margaret Wild (vgl. „The Times“ vom 6. November 1901, S. 11). Dennoch konnte sich das Quartett nicht in der Weise etablieren, wie es dem Shinner Quartet gelungen war; um das Jahr 1901 kehrte Gabriele Wietrowetz nach Deutschland zurück.

1907 ist noch ein vereinzelter Auftritt von Florence Hemmings zu belegen. Gemeinsam mit der Pianistin Clare Fry, der Geigerin Marie Soldat und der Bratscherin Cecilia Gates spielte sie in der Oxford Ladies’ Musical Society das Klavierquartett A-Dur op. 26 von Johannes Brahms (vgl. The Oxford Magazine, Bd. 25 [1907], S. 67). Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.
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Würdigung

Die Violoncellistin Florence Hemmings konnte sich nach ihrem Studium bei Hugo Daubert im englischen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren und blieb dort mehr als fünfundzwanzig Jahre lang, von 1879 bis 1907, in der Öffentlichkeit präsent. Ihre Stelle als Lehrerin für Violoncello am Ladies’ Department des Londoner King’s College ist auch darüber hinaus interessant. Sie zeigt, dass das College bereits 1885 eine Ausbildung in diesem Instrument für Frauen vorsah, und Florence Hemmings damit eine enorme Vorbildfunktion zukam. Sowohl die Konzertrezensionen als auch die Liste der Musikerinnen und Musiker, mit denen sie gemeinsam auftrat, belegen, dass Florence Hemmings als Violoncellistin überaus anerkannt war. Zu ihren kammermusikalischen Partnerinnen und Partnern gehörten neben den Mitgliedern des Shinner Quartets, die Pianistinnen und Pianisten Fanny Davies, Agnes Zimmermann, Alice Miller, Marie Wurm, Margaret Wild, Henry Lahee und Leonard Borwick, die Geigerin Marie Soldat, der Geiger Johann Kruse sowie die Sängerinnen Marie Fillunger und Lilian Jane Henschel und der Sänger und spätere Dirigent George Henschel.
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Repertoire

Eine Repertoireliste von Florence Hemmings kann der derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Neben Solostücken von Max Bruch und David Popper sind Aufführungen der folgenden Werke nachgewiesen:

Baber, [unbekannt]. Gavotte für Violoncello

Beethoven, Ludwig van. Schottischen Lieder op. 108 für Gesang, Klavier, Violine und Violoncello
Beethoven, Ludwig van. Streichquartett F-Dur op. 18 Nr. 1
Beethoven, Ludwig van. Streichquartett c-Moll op. 18 Nr. 4

Brahms, Johannes. Klavierquartett A-Dur op. 26
Brahms, Johannes. Klavierquintett f-Moll op. 34
Brahms, Johannes. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)
Brahms, Johannes. Streichquartett B-Dur op. 67.

Dvořák, Antonín. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)
Dvořák, Antonín. Bagatellen für zwei Violinen, Violoncello und Klavier op. 47
Dvořák, Antonín. Klavierquintett A-Dur op. 81

Marcello, Benedetto. Violoncellosonate Nr. 1 F-Dur

Mozart, Wolfgang Amadeus. Streichquartett Es-Dur (keine Präzisierung möglich)

Piatti, Alfredo. Bearbeitung von Franz Schuberts „Litanei“ („Am Tage aller Seelen“ D 343)

Schubert, Franz. Klaviertrio B-Dur op. 99.
Schubert, Franz. Streichquartett d-Moll D 810 („Der Tod und das Mädchen“)

Schumann, Robert. Fünf Stücke im Volkston op. 102 Nr. 2 und 4
Schumann, Robert. Klavierquintett Es-Dur op. 44
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Quellen

Literatur

Hoffmann, Freia. Artikel „Hemmings, Florence“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Instituts, hg. v. Freia Hoffmann, online verfügbar unter: http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=hemmings-florence (Stand: 5. Dezember 2013).

Potter, Tully. Artikel „Shinner Quartet“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite, neubearb. Ausgabe, hg. v. Ludwig Finscher, Personenteil Bd. 15, Kassel, Stuttgart u. a. 2006, Sp. 707.

Straeten, Edmund Sebastian Joseph van der. History of the violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments: with biographies of all the most eminent players of every country. London: W. Reeves, 1914.


Konzertrezensionen und Zeitungsartikel

Monthly Musical Record vom 1. Mai 1887, S. 115.

Musical News vom 26. Mai 1894, S. 486.
Musical News vom 19. Juni 1897, S. 586.

The Musical Standard vom 8. November 1890, S. 380.
The Musical Standard vom 29. November 1890, S. 439.

The Musical Times vom 1. April 1879, S. 186.
The Musical Times vom 1. Oktober 1887, S. 604.
The Musical Times vom 1. Dezember 1887, S. 750.
The Musical Times vom 1. Juni 1889, S. 345.
The Musical Times vom 1. Mai 1890, S. 225f.
The Musical Times vom 1. Juli 1895, S. 475.
The Musical Times vom 1. April 1899, S. 265.

The Musical World vom 4. Dezember 1886, S. 781.

The Oxford Magazine, Bd. 25 (1907), S. 67.

The Strad, Bd. 3 (1892), S. 24.

The Times vom 6. November 1901, S. 11.
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Forschung

Zu Florence Hemmings liegen keine weiteren Forschungshinweise vor.
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Florence Hemmings umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.
Autor/innen:
Silke Wenzel

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 19.01.2014