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Marie Geist

Marie Geist-Erd

* 1859 in Würzburg, Deutschland.

† unbekannt, nach 1914, verm. St. Paul, Minnesota, USA

Die genauen Lebensdaten von Marie Geist sind nicht bekannt.

„Miss Marie Geist had a good deal of work to do and that which was not quite agreeable to an artist – changing from the piano to the cello. Her cello solo, ‚Stradella,’ was given with a strength and firmness of tone, and with such brilliancy of execution that it brought out long continued applause. If Miss Geist excels on the cello what shall be said of her superior piano playing? That culminated in the duet for piano and violin. This selection is long and difficult but Miss Geist succeeded in bringing out with marked effect all the beauties that the great Wagner introduced. Altogether this soiree musicale was a great musical treat and was enjoyed by all that were present.“

„Miss Marie Geist hatte eine Menge zu leisten und zudem etwas, das für einen Künstler nicht gerade angenehm ist – zwischen Klavier und Violoncello zu wechseln. Ihr Cello-Solo ‚Stradella’ gab sie mit Klarheit und Entschlossenheit im Ton und mit einer solchen Brillanz in der Ausführung, dass es einen lang anhaltenden Applaus auslöste. Wenn Miss Geist schon auf dem Cello derart herausragend ist, was kann man dann von ihrem überragenden Klavierspiel sagen? Dieses erreichte seinen Höhepunkt in dem Duo für Klavier und Violine. Die Auswahl ist lang und schwierig, aber Miss Geist brachte erfolgreich und wirkungsvoll all die Schönheiten zur Geltung, die der große Wagner hineingelegt hat. Alles in allem war diese Soirée musicale ein großes musikalisches Vergnügen und wurde von allen genossen, die anwesend waren.“

(„The St. Paul Sunday Globe“ vom 17. Juni 1883, S. 3)
Tätigkeitsfelder
Violoncellistin, Pianistin, Musikpädagogin

Orte und Länder
Marie Geist wurde 1859 in Würzburg geboren. Von 1877 bis 1880 studierte sie an der Königlichen Musikschule in München und emigrierte Ende des Jahres 1880 in die USA. Sie trat zunächst in New York auf, ließ sich jedoch spätestens 1883 in St. Paul im Bundesstaat Minnesota nieder. Dort verbrachte sie ihr Leben.

Profil
Die Violoncellistin, Pianistin und Musikpädagogin Marie Geist studierte von 1877 bis 1880 an der Königlichen Musikschule in München die Fächer Violoncello bei Josef Werner und Klavier bei Carl Baermann jun. Ende des Jahres 1880 wanderte sie in die USA aus und ließ sich in St. Paul im Bundesstaat Minnesota nieder. Sie gründete in der 127 West Third Street in St. Paul ein eigenes Conservatory of Music mit mehreren Lehrenden, in dem neben Klavier, Violine, Violoncello und Zither auch Harmonielehre unterrichtet wurde. Parallel trat sie bis mindestens 1908 in den USA in Konzerten als Violoncellistin auf. Zu ihrem Repertoire gehörten u. a. Fantasien für Violoncello von Alfredo Piatti, Violoncellokonzerte, u. a. von Georg Goltermann, sowie Kammermusik von Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn.

Biografie

Marie Geist wurde 1859 in Würzburg geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Von 1877 bis 1880 studierte sie das Fach Violoncello bei Josef Werner an der Königlichen Musikschule in München und nahm zusätzlich ab dem zweiten Studienjahr 1878/79 ein Klavierstudium bei Carl Baermann jun. auf (vgl. Jahresberichte der Königlichen Musikschule München) – ein Hinweis darauf, dass sie bereits vor ihrem Studium in beiden Fächern gleichwertig ausgebildet worden war.

Bereits ab ihrem ersten Studienjahr trat Marie Geist regelmäßig in den Musikabenden und Prüfungskonzerten der Königlichen Musikschule auf. So spielte sie am 22. Januar 1878 gemeinsam mit der Pianistin Marie Streicher und der Geigerin Mathilde Brem den ersten Satz aus Ludwig van Beethovens Klaviertrio G-Dur op. 1 Nr. 2 (vgl. 4. Jahresbericht 1877/78, S. 36). Im ersten Prüfungskonzert am 6. Juli 1878 gab Marie Geist das Adagio für Violoncello, Harfe und Orchester von C. Schroeder (vgl. ebd., S. 41) und spielte im Prüfungskonzert ein Jahr später, am 15. Juli 1879, Carl Schuberths Romanze für Violoncello op. 9 (vgl. 5. Jahresbericht 1878/79, S. 53). Bei einem Musikabend am 14. Februar 1880 spielt sie gemeinsam mit zwei Studenten, dem Pianisten Heinrich Bollenbach und dem Geiger Closner, eines der Klaviertrios E-Dur von Joseph Haydn (vgl. 6. Jahresbericht 1879/80, S. 39). Für ihren Abschluss debütierte sie am 15. Juli 1880 als Solistin bei einem Festkonzert zur Feier des siebenhundertjährigen Jubiläums des Hauses Wittelsbach mit Georg Goltermanns Violoncellokonzert d-Moll op. 30 (vgl. ebd., S. 51). Im Sommer 1880 erhielt Marie Geist ein Schlusszeugnis der Königlichen Musikschule München (vgl. ebd., S. 7).

Bereits während ihres Studiums konzertierte Marie Geist auch öffentlich. So trat sie z. B. im März 1879 im Münchner Odeon als Kammermusikerin gemeinsam mit der Geigerin Mathilde Brem und der Pianistin Fräulein Lottmer auf. Das Ensemble spielte Joseph Haydns Klaviertrio G-Dur Hob. XV:25 („Zigeunertrio“), und ein Rezensent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ rezensierte – nicht ohne erhebliche Vorbehalte gegen eine Violoncellistin: „Ein exclusives Damenconcert, veranstaltet von vier vor Kurzem noch der hiesigen Musikschule angehörigen jungen Künstlerinnen, führte mich gestern Abend in den kleinen Saal des Odeons. Fräulein Mathilde Brehm spielte die Violine, Fräulein Geist das gerade nicht sehr weibliche Cello, Fräulein v. Lottmer Clavier und Frau Günthner, ehedem Fräulein Irminger, that sich im Gesange hervor. Von den vorgetragenen elf einzelnen Stücken hebe ich als besonders gelungen das Trio von Jos. Haydn in G mit dem Zigeuner-Rondo heraus, das von den Damen sehr exact und ausdrucksvoll producirt wurde, wenn ich auch nicht verschweigen will, dass das Violoncell den beiden anderen Instrumenten gegenüber zu wenig hörbar wurde.“ („Allgemeine Musikalische Zeitung“ vom 7. Mai 1879, Sp. 298f.)

Wenige Monate nach Beendigung ihres Studiums emigrierte Marie Geist in die USA. Sie konzertierte zunächst mehrfach in New York. Am 8. November 1880 debütierte sie in der New Yorker Steinway Hall im Rahmen der dort veranstalteten „Popular Concerts“, wo sie mit der Pianistin Florence Sopleston mit Alfredo Piattis „Fantasie Souvenirs des Puritani de Bellini“ op. 9 für Violincello und Klavier auftrat. Ein Rezensent der „Musical Critic and Trade Review“ notierte: „A new interest was lent this occasion in the debuts of Mlle. Jeanne Franko, violiniste, and Mlle. Marie Geist, cellist. Both these young ladies displayed correct musical taste and considerable talent. [...] Mlle Geist, in the Fantasie ‚Souvenirs de Puritani,’ bei Piatti, exhibited some excellent phrasing and ample technical skill, though her physical strength seemed to interfer with the entire development of her intentions in brilliant passages, where her tone became extremely feeble. Miss Florence Sopleston was the pianist of the evening [...].“ („The Musical Critic and Trade Review“ vom 20. November 1880, Supplement, S. 2) Ende November 1880 trat Marie Geist in der Brooklyn Academy of Music bei einem von David Taylor veranstalteten Konzert auf, an der Seite von Musikerinnen und Musikern wie der Harfenistin Chatterton-Bohrer und der Pianistin Teresa Carreno (vgl. „The New York Times“ vom 28. November 1880, o. P.)

Im Jahr 1883 hatte sich Marie Geist in St. Paul im Bundesstaat Minnesota niedergelassen und dort ein eigenes Musikkonservatorium mit mehreren angestellten Musiklehrerinnen gegründet, an dem Klavier, Orgel, Violine, Violoncello, Zither und Harmonielehre unterrichtet wurde (vgl. die Anzeige im „St. Pauls Sunday Globe“ vom 12. Oktober 1884, S. 1). Mit beteiligt war auch Kate Geist, möglicherweise ihre Schwester. Im Juni 1883 veranstaltete Marie Geist an ihrem Konservatorium einen Konzertabend, bei dem sie sowohl als Violoncellistin als auch als Pianistin auftrat. Auf dem Programm standen u. a. ein Klaviertrio von Joseph Haydn und eine „Cantata ‚Noel’ für Klavier, Violine und Orgel eines Komponisten namens Adams. Marie Geist spielte zudem als Violoncellistin die „Airs ‚Stradella’“ für Violoncello und Klavier von August Roderich Lindner und übernahm den Klavierpart in Richard Wagners Duo „Tannhäuser“ für Violine und Klavier WWV 70. „The St. Paul Sunday Globe“ rezensierte: „The pleasant soiree musicale given bei Miss Marie Geist at her Conservatory of Music number 127 West third street, on Thursday evening last, was an occasion that is deserving of much more than a passing notice. It was an entertainment of a very superior character in all respects and one that marks a step forward in the art and science of music. Miss Geist has the musical cultivation, the taste, the room and all the necessary surroundings to enable her to give a soiree such as is referred to, in a style and manner to satisfy the most exacting critic. It is always a pleasure to attend an entertainment given by such an artist. [...] Miss Marie Geist had a good deal of work to do and that which was not quite agreeable to an artist – changing from the piano to the cello. Her cello solo, ‚Stradella,’ was given with a strength and firmness of tone, and with such brilliancy of execution that it brought out long continued applause. If Miss Geist excels on the cello what shall be said of her superior piano playing? That culminated in the duet for piano and violin. This selection is long and difficult but Miss Geist succeeded in bringing out with marked effect all the beauties that the great Wagner introduced. Altogether this soiree musicale was a great musical treat and was enjoyed by all that were present.“ („Die erfreuliche Soirée musicale, die Miss Marie Geist am vergangenen Dienstag Abend in ihrem Conservatory of Music in 127 West Third Street gab, war eine Veranstaltung, die mehr als eine beiläufige Notiz verdient hat. Es war eine Unterhaltung von sehr hohem Niveau in jeglicher Hinsicht und eine, die einen weiteren Schritt in Kunst und Wissenschaft der Musik markiert. Miss Geist besitzt die musikalische Kultiviertheit, den Geschmack, den Raum und die notwendige Umgebung, die es ihr ermöglichen, einen derartigen Abend zu geben, wie jenen, von dem hier berichtet wird, und zwar in einer Art und Weise, dass selbst noch der genaueste Kritiker zufriedengestellt wird. Es ist immer eine Freude, einer Veranstaltung solch einer Künstlerin beizuwohnen. [...] Miss Marie Geist hatte eine Menge zu leisten und zudem etwas, das für einen Künstler nicht gerade angenehm ist – zwischen Klavier und Violoncello zu wechseln. Ihr Cello-Solo ‚Stradella’ gab sie mit Klarheit und Entschlossenheit im Ton, und mit eine solchen Brillanz in der Ausführung, dass es einen lang anhaltenden Applaus auslöste. Wenn Miss Geist schon auf dem Cello derart herausragend ist, was kann man dann von ihrem überragenden Klavierspiel sagen? Dieses erreichte seinen Höhepunkt in dem Duo für Klavier und Violine. Die Auswahl ist lang und schwierig, aber Miss Geist brachte erfolgreich und wirkungsvoll all die Schönheiten zur Geltung, die der große Wagner hineingelegt hat. Alles in allem war diese Soirée musicale ein großes musikalisches Vergnügen und wurde von allen genossen, die anwesend waren.“; „The St. Paul Sunday Globe“ vom 17. Juni 1883, S. 3)

Spätestens 1902 hatte Marie Geist geheiratet und hieß Marie Geist-Erd. Aus der Ehe ging u. a. eine Tochter, Senta Erd, hervor.

Auch über ihre pädagogischen Tätigkeiten hinaus blieb Marie Geist weiterhin als Solistin und Kammermusikerin im US-amerikanischen Musikleben präsent. So trat sie z. B. im Februar 1908 in Duluth (Minnesota) als Violoncellistin des Arensky-Trios auf, gemeinsam mit der Pianistin Mrs. Fred G. Bradbury und dem Geiger Fred G. Bredbury. In einer Matinée eines Clubs spielte das Ensemble u. a. ein Klaviertrio von Ludwig van Beethoven und gab wenige Tage später in der Pilgrim Congregational Church in Duluth ein Konzert, gemeinsam mit der Sängerin Miss Bradshaw und der Pianistin Ruth Alta Rogers. Zu den Zuhörerinnen gehörte auch die bekannte Geigerin Maud Powell: „The Arensky Trio played and it was one of the very fine numbers presented before the club this year. The trio is composed of Mrs. Fred G. Bradbury, piano; Fred G. Bradbury, violin, and Mrs. Marie Geist Erd, cello. Each musician brings to the work years of experience and earnest thought. Maude Powell who was heard in a violin recital the first of the week, was a guest of the club Monday afternoon and she spoke in terms of the warmest praise of the trio’s performance. Local music lovers will be pleased that the trio will be heard in a concert Friday evening of next week at the Pilgrim Congregational church, assisted by Miss Bradshaw, mezzo-soprano, and Miss Ruth Alta Rogers, pianist.“ („Das Arensky Trio spielte, und es war eine der sehr schönen Veranstaltungen, die dieses Jahr dem Club präsentiert wurden. Das Trio besteht aus Mrs. Fred G. Bradbury, Klavier, Fred G. Bradburg, Violine und Mrs. Marie Geist Erd, Violoncello. Jeder dieser Musiker bringt in seine Arbeit Jahre an Erfahrung und ernsthafte Überlegung mit ein. Maude Powell, die letzte Woche einen Violinabend gab, war am Montag Nachmittag als Gast im Club und lobte die Aufführung des Trios in höchsten und wärmsten Tönen. Hiesige Musikliebhaber werden erfreut sein, dass das Trio am Freitag Abend nächster Woche ein Konzert in der Pilgrim Congregationa Church geben wird, unterstützt von Miss Bradshaw, Mezzosopran, und Miss Ruth Alta Rogers, Pianistin.“; „The Duluth Evening Herald“ vom 15. Februar 1908, S. 14)

Der weitere Lebensweg von Marie Geist ist bislang unbekannt. Ihre Tochter Senta Erd verfasste jedoch eine handschriftliche Biografie ihrer Mutter, die heute – neben einer Presseausschnittssammlung – in der Minnesota Historical Society Library in St. Paul aufbewahrt wird (vgl. Forschungsinformationen).
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Repertoire

Eine Repertoire-Liste von Marie Geist kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:

Adams, [Vorname unbekannt]. Cantata ‚Noel’ für Klavier, Violine und Orgel

Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio G-Dur op. 1 Nr. 2

Goltermann, Georg. Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll op. 30

Haydn, Joseph. Klaviertrio E-Dur (keine Präzisierung möglich)
Haydn, Joseph. Klaviertrio G-Dur Hob. XV:25

Lindner, August Roderich. Airs ‚Stradella’ für Violoncello und Klavier

Piatti, Alfredo. Fantasie Souvenirs des Puritani de Bellini op. 9

Schroeder, Carl. Adagio für Violoncello, Harfe und Orchester

Schuberth, Carl. Romanze für Violoncello op. 9

Wagner, Richard. Duo „Tannhäuser“ für Violine und Klavier WWV 70 (als Pianistin)
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Quellen

Dokumente

Jahresberichte der Königlichen Musikschule München. Bde. 4 (1877/78) bis 6 (1879/80). Online verfügbar in der digitalen Sammlung der Bibliothek der Hochschule für Musik und Theater München: http://bibliothek.musikhochschule-muenchen.de/ (Stand: 18. April 2013).


Literatur

Straeten, Edmund Sebastian Joseph van der. History of the violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments: with biographies of all the most eminent players of every country. London: W. Reeves, 1914

Wasielewski, Wilhelm Joseph von. Das Violoncell und seine Geschichte. 3. verm. Auflage von Waldemar von Wasielewski. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1925 (Reprint: Wiesbaden 1968).


Konzertrezensionen und Zeitungsartikel

Allgemeine Musikalische Zeitung vom 7. Mai 1879, Sp. 298f.

The Duluth Evening Herald vom 15. Februar 1908, S. 14.

The Musical Critic and Trade Review vom 20. November 1880, Supplement, S. 2.

The New York Times vom 28. November 1880, o. P.

The St. Paul Sunday Globe vom 17. Juni 1883, S. 3.
The St. Paul Sunday Globe vom 12. Oktober 1884, S. 1
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Forschung

In der Minnesota Historical Society Library in St. Paul befindet sich ein Konvolut „Press clippings and concert programs of Marie Geist, cellist and pianist, 1875-1905“, in dem auch eine Biografie Marie Geists von ihrer Tochter Senta Erd enthalten ist.
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu Marie Geist umfasst ihre Biografie, alle ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.
Autor/innen:
Silke Wenzel

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 06.05.2013