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Elisabeth Cruciger

geb. Elisabeth von Meseritz, Kreuziger , Creutziger , Cruziger (auch in der weiblichen Form) , Crützigeryn


* um 1500 auf dem Adelssitz Meseritz (bei Schivelbein, Pommern, heute Polen)
† 1535 in Wittenberg


Als Geburtsdatum wird im Evangelischen Gesangbuch das Jahr 1505 angegeben. (Vgl. Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen und für die Bremische Evangelische Kirche. Hannover: Lutherisches Verlagshaus 1994. S. 956.)
Elisabeth Schneider-Böklen gibt den 2. Mai 1535 als Todestag an. (Vgl. Schneider-Böklen, Elisabeth. Cruciger, Elisabeth, geb. von Meseritz, in: Komponisten und Liederdichter des Evangelischen Gesangbuchs. Wolfgang Herbst (Hg.) (=Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch 2). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 65–66.)

„Hier haben wir einen sehr schönen Geistreichen Betpsalm, den ihr billich eure Kindlein und Gesinde sollet lernen/ und offt singen lassen … Und hat diesen Psalm ein recht fromb Gottfürchtiges Weib gemacht/ Elisabeth Creutzigerin geheissen … und hat dem doctor martino so wohl gefallen/ dass er ihn selbst hat in sein Gesangbüchlein zu setzen befohlen“ (Cyriakus Spangenberg, 1571; zitiert nach: Rößler, Martin, S. 137.)
Tätigkeitsfelder
Nonne im Kloster Marienbusch in Treptow/ Rega (poln.: Trzbiatów), tätig als Seelsorgerin
Anhängerin des pommerschen Reformators Johannes Bugenhagen
Autorin des Kirchenliedes: Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
Eine der ersten Pfarrfrauen der evangelischen Kirche

Orte und Länder
Wittenberg, seit 1502 Sitz einer Universität, wurde mit Martin Luthers Thesenanschlag 1517 zum Zentrum der Reformation.1524 führte Martin Luther in der Schlosskirche in Wittenberg die evangelische Gottesdienstordnung ein. Zu seiner Reform des Gottesdienstes gehörte die Einführung des evangelischen Gesangbuchs, mit dem Ziel, die Gemeinde durch den Gesang am Verkündigungsgeschehen zu beteiligen. Martin Luther forderte Freunde und Kollegen dazu auf, neue Lieder im evangelischen Geist zu schreiben, und veröffentlichte sie zusammen mit eigenen Liedern. Daraus entstanden die ersten evangelischen Gesangbücher, in die auch das Lied von Elisabeth Cruciger aufgenommen wurde: zunächst anonym, ab 1531 dann unter ihrem Namen.

Profil
Elisabeth von Meseritz stammt aus einem märkisch-pommerschen Adelsgeschlecht. Wie viele Adlige ihrer Zeit trat sie einem Konvent der Prämonstratenserinnen bei, der die Seelsorge und Mission unter der einheimischen Bevölkerung unterstützte. Sie erhielt eine für Mädchen der damaligen Zeit ungewöhnliche Bildung (unter anderem in Latein und Bibelauslegung) und war auch als Seelsorgerin tätig.
Durch die Berufung von Johannes Bugenhagen in das neueingerichtete biblische Lektorat im nahegelegenen Männerkloster Belbuck 1517 kam sie mit der Reformation in Kontakt. 1521 folgte sie Johannes Bugenhagen nach Wittenberg und fand zunächst in seinem Haus Unterkunft. Im Kreis der Reformatoren lernte sie den Reformator und Gelehrten Caspar Cruciger kennen. Mit ihrer Heirat 1524 übernahm sie die damals neue Rolle der Pfarrfrau (darin vergleichbar mit Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora). In demselben Jahr verfasste sie das Lied „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“, in dem sie die reformatorischen Grundüberzeugungen zum Ausdruck brachte. Martin Luther nannte sie in seinen Tischreden „eine kluge Frau“. Vermutlich hat sie den Gesprächen der Reformatoren beigewohnt und sich auch daran beteiligt.
(Vgl. Karl Drescher (Hg.): Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe Band 1: Tischreden. Weimar 1912. S. 383.)

Biografie

Um 1500 auf dem Gut Meseritz in Pommern geboren

Eintritt in den Konvent der Prämonstratenserinnen im Kloster Marienbusch bei Treptow an der Rega; dort Unterricht u.a. in Latein und Bibelstudium

Nach 1517: Kontakt zu dem Reformator Johannes Bugenhagen, der das neueingerichtete biblische Lektorat im Kloster Belbuck übernimmt

1519: Brief an den getauften Juden Joachim in Stettin, der ihre Begabung als Seelsorgerin und die Hinwendung zur Reformation zeigt.

1521: Elisabeth von Meseritz folgt Johannes Bugenhagen nach Wittenberg und findet in seinem Haus Unterkunft.

1524 verfasst sie den Text zu dem Lied: Herr Christ, der einig Gotts Sohn. Das Lied wird, zunächst anonym, in Luthers Gesangbuch aufgenommen.

Sommer 1524: Heirat mit Caspar Cruciger, einem Schüler von Luther und Melanchthon. Trauung durch Martin Luther. Elisabeth Cruciger übernimmt die damals neue Rolle einer Pfarrfrau.

Geburt eines Sohnes (Caspar) und einer Tochter (Elisabeth).

1528: Caspar Cruciger wird Theologieprofessor in Wittenberg und übernimmt das damit verbundene Amt des Predigers an der Schlosskirche in Wittenberg.

1535 Elisabeth Cruciger stirbt in Wittenberg.
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Würdigung

In den 5 Strophen des Liedes bringt Elisabeth Cruciger in verdichteter Sprache die reformatorischen Grundüberzeugungen zum Ausdruck.

Strophe 1: Christus ist dem Herzen Gottes, seines Vaters,
entsprungen und wirkt als Morgenstern in die Zeit. Sein Glänzen strahlt heller als alle anderen Sterne. Dies entspricht dem reformatorischen Leitwort „solus Christus“: Allein durch Christus wird den Menschen die Gnade Gottes zuteil.
Strophe 2: Christi Wirken gilt „uns“: Er hat „für uns“ den Tod zerbrochen und den Himmel aufgeschlossen. Mit der Benennung des Adressaten „für uns“ kommt die Gemeinde in den Blick.
Strophe 3 enthält die Bitte um den Heiligen Geist: Die betende Gemeinde möge in Liebe und Kenntnis zu nehmen, damit sie im Glauben bleibt und Christus dient. Die Ausrichtung auf Gottes Reich, in dem sich die Verheißung erfüllt, wird in dem Gegensatzpaar „schmecken-dürsten“ zum Ausdruck gebracht. Die Erfüllung im Reich Gottes wird schon geschmeckt – aber der Durst ist noch nicht gelöscht. Darin ist eine Anspielung auf das Essen und Trinken beim Abendmahl enthalten.
Strophe 4: Die Wendung der Herzen zu Gott wird nach reformatorischer Auffassung durch die Predigt bewirkt. Durch die Predigt wirkt Gott selbst schöpferisch auf die Menschen ein. Das Amt des Predigers wird in dieser Strophe nicht direkt erwähnt. Sie stellt das schöpferische Handeln Gottes in den Mittelpunkt, das „kräftig aus eigner Macht“ wirkt. Dass Gott durch sein Wort wirkt, wird nicht direkt erwähnt, könnte aber mit dem Ausdruck „väterliche Kraft“ gemeint sein.
Strophe 5: Mit den Gegensatzpaaren Töten – erwecken und alter – neuer Mensch wird das Thema „Buße“ angesprochen.
Auch diese Strophe spricht, wie die vorangehende Strophe, den Schöpfer direkt an und fordert ihn zum Handeln auf. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass die Rechtfertigung des Büßenden allein aus Glauben (sola fide) geschieht.
Waltraud Ingeborg Sauer-Geppert weist daraufhin, dass mit dem Ausdruck „die Süßigkeit im Herzen schmecken“ die mystische Lehre der fruitio Dei aufgenommen wird. Die Süßigkeit lässt sich jedoch nur unter Vorbehalt schmecken: Das Heil ist schon in der Welt, aber noch nicht vollendet. (Vgl. Sauer-Geppert, Waldtraut Ingeborg: Sprache und Frömmigkeit im deutschen Kirchenlied. Kassel: Johannes Stauda-Verlag, 1984; S. 39.)

Der Text ist von der ersten Veröffentlichung an auf die heute bekannte Melodie gesungen worden. Ob die Dichterin auch die Melodie selbst verfasst hat, ist nicht bekannt. „Ob Elisabeth Cruciger auch an der musikalischen Gestaltung von Herr Christ, der einig Gotts Sohn Anteil hatte, wird in der umfangreichen Sekundärliteratur nicht thematisiert. Ingeborg Sauer-Geppert weist lediglich darauf hin, dass enge melodische Beziehungen zu dem weltlichen Liebeslied ´Mein Freud möchte sich wohl mehren´ bestehen und dass es sich bei Herr Christ, der einig Gotts Sohn demnach um eine Art der Kontrafaktur handeln könnte. Auf die Frage, ob diese Bearbeitung der Lieddichterin zuzuschreiben ist, geht sie jedoch nicht ein (Sauer-Geppert:S. 235).“ (Vgl. Koldau, Linda Maria: Frauen – Musik – Kultur. Ein Handbuch zum deutschen Sprachgebiet der Frühen Neuzeit. Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2005. S. 423.)

Hans Volz führt die Melodie auf den Weihnachtshymnus Corde natus ex parentis zurück und weist darauf hin, dass das Lied zu späterer Zeit andern Gelehrten aus dem Umfeld Luthers zugeschrieben worden ist:
„Den hochdt. und (nach Ausweis der Reime wohl ursprünglichen) niederdt. (…) Text, der sich an den Weihnachtshymnus des Prudentius Corde natus ex parentis
anlehnt (…) stammt nicht von ´Luthers Freund, dem Diakonus Lautenbach´; dieser hieß Anton L. und starb bereits 1569.- Andere Gelehrte schrieben das Lied dem Rigaer Geistlichen Andreas Knoepken (um 1468-1539), dem Verf. Von elf niederdt. KLern (Kirchenliedern, UG) zu; vgl. J.C. Wetzel, Hymnipoeographia, oder Historische Lebens-Beschreibung der beruehmtesten Lieder-Dichter (Bd. 1), Herrnstadt 1719, S. 159f.; A.J. Rambach, Anthologie christlicher Gesänge aus allen Jahrhunderten der Kirche Bd. 3, Altona-Leipzig 1819, S. IX-XI (Nachtrag zu Bd. 2,S. 55f.); J. Geffcken, Kirchendienstordnung und Gesangbuch der Stadt Riga, Hannover 1862, S. XIX-XXIII.“ (Vgl. Volz, Hans: Woher stammt die Kirchenlied-Dichterin Elisabeth Cruciger? In: Jahrbuch für Liturgie und Hymnologie 11. Band. Konrad Ameln/Christhard Mahrenholz/Karl Ferdinand Müller (Hg.).Kassel: Johannes-Stauda-Verlag, 1967. S. 163.)
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Rezeption

Martin Luther nimmt das Lied von Elisabeth Cruciger in das Erfurter Enchiridion von 1524 auf. Dort erscheint es zunächst anonym unter der Überschrift „Ein Lobsanck von Christo“.
Im Erfurter Gesangbuch von 1531 wird die Verfasserin zum ersten Mal genannt: „Ein Lobgesang von Christo. Elisabet. M.“ (M steht für „Meseritz“). Herausgeber späterer Gesangbücher übernehmen diese Zuschreibung.

„Während das Lied im ChorGB (Chorgesangbuch, UG) Wittenberg und den Erfurter Enchiridien von 1524 (nebst deren Nachdrucken), ferner im GB Zwickau 1525 und im GB Wittenberg 1526 von Hans Lufft sowie auch im niederdt. GB von 1526 stats anonym veröff. wurde, lautet die Verf.-Angabe in Andreas Rauschers GB Geistliche lieder, Erfurt 1531 Elisabeth Creutzigerin. Sowohl in dem von Joachim Slüter hrsg. niederdeutschen GB Rostock 1531 und in Hans Walthers GB Geystlike leder, Magdeburg 1534, wie auch in Michael Lotthers Enchiridion Geistliker leder vnde psalmen, Magdeburg 1534 (…) heißt es ebenfalls Elizabeth Crützigeryn (Elyzabeth bzw. Elisabeth Crützigerin).“ (Vgl. Volz, Hans: Woher stammt die Kirchenlied-Dichterin Elisabeth Cruciger? In: Jahrbuch für Liturgie und Hymnologie 11. Band. Konrad Ameln/Christhard Mahrenholz/Karl Ferdinand Müller (Hg.).Kassel: Johannes-Stauda-Verlag, 1967. S. 163.)

„Herr Christ, der einig Gotts Sohn“ (EG 67) gehört heute zum Kanon der evangelischen Wochenlieder und ist dem letzten Sonntag nach Epiphanias zugeordnet.
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Werkverzeichnis

Herr Christ, der einig Gotts Sohn (Text).
Elisabeth Cruciger, 1524.
Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Niedersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche.
Hannover: Lutherisches Verlagshaus, 1994.
Nr. 67
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Quellen

Etliche christliche Gesenge und psalmen/wilche vor bey dem Enchiridion nicht gewest synd. Faksimile-Druck der Ausgabe Erfurt 1525. Kassel:Bärenreiter, 1983.

Enchiridion geistlicher gesenge un Psalmen / für die leyen / mit viel andern / denn zuvor/ gebessert. Sampt der Vesper / durch die gancze Woche auff einen iezlichen tag Metten Complet und Messe. Fotomechanischer Neudruck der Original-Ausgabe Zwickau 1528. Leipzig: Zentralantiquariat der DDR, 1979.

Enchiridion geistlicher gesenge und Psalmen für die leien / mit viel andern / denn zuvor gebessert. Sampt der Vesper/Mette/Complet und Messe. Faksimile-Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1530. Michael Blume (Hg.), Leipzig: Quelle & Meyer, 1914.

(In der Bibliothek des Michalisklosters in Hildesheim im Präsenzbestand einzusehen.)


Sekundärliteratur

Classen, Albrecht. Mein Seel fang an zu singen. Religiöse Frauenlieder des 15.-16. Jahrhunderts. Kritische Studien- und Textedition. Leuven: Peeters 2002. S. 258–266.

Domröse, Sonja: Elisabeth Cruciger. In: Dies., Frauen der Reformationszeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 2011. S. 59–72.

Gabriel, Paul. Das Frauenlied der Kirche. Leipzig/Hamburg: Gustav Schloeßmanns Verlagsbuchhandlung, o.J.

Haase, Lisbeth. Mutig und glaubensstark. Frauen und die Reformation. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt. 2011.

Koldau, Linda Maria. Frauen-Musik-Kultur. Köln/Weimar/Wien: Böhlau-Verlag, 2005. S. 419–423.

Rößler, Martin. Elisabeth Cruciger und das geistliche Frauenlied. In Ders.: Liedermacher im Gesangbuch. Liedgeschichte in Lebensbildern. Stuttgart: Calwer Verlag, 2001. S. 127–171.

Sauer-Geppert, Waldtraut Ingeborg: Sprache und Frömmigkeit im deutschen Kirchenlied. Kassel: Johannes Stauda-Verlag, 1984. S. 39–-40.

Schneider-Böklen, Elisabeth. Der Herr hat Großes mir getan. Frauen im Gesangbuch. Stuttgart: Quell-Verlag,1995. S. 11–26.


Aufsätze in Sammelbänden

Haemig, Mary Jane. Elisabeth Cruciger (1500?–1535). The Case of the Disappearing Hymn Writer. In: The Sixteenth Century Journal, Vol, 32. No. 1 (Spring 2001). S. 21–44.

Reich, Christa. Liedanalyse „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“. In: Liederkunde zum EG (Heft 2). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2000. S. 48–54.

Volz, Hans: Woher stammt die Kirchenlied-Dichterin Elisabeth Cruciger? In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 11. Band. Konrad Ameln/ Christhard Mahrenholz/ Karl Ferdinand Müller (Hg.) Kassel: Johannes-Stauda-Verlag, 1967. S. 163–165.


Einträge in Nachschlagewerken

Schneider-Böklen, Elisabeth. Cruciger, Elisabeth, geb. von Meseritz, in: Komponisten und Liederdichter des Evangelischen Gesangbuchs. Wolfgang Herbst (Hg.) (=Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch 2). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1999. S. 65-–66.


Link

www.theologinnenkonvent.de/Reformation-Frauen.html
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Forschungsbedarf

Zu Mary Jane Haemig “The case of the Disappearing Hymn Writer”: Mir scheint ein Vergleich mit der umstrittenen Autorschaft von Christiana Cunrad (Autorin von EG 204: Herr Christ, dein bin ich eigen) sinnvoll. Im Vergleich der beiden Rezeptionsgeschichten ließe sich erhärten, inwieweit es sich in diesen „Fällen“ tatsächlich um das bewusste Verschweigen weiblicher Autorschaft handelt und wodurch dieses Verschweigen gegebenenfalls motiviert war.

Das Lied von Christiana Cunrad (1591–1625) wurde zunächst ihrem Mann, dem Arzt und preisgekrönten Dichter Caspar Cunrad, zugeschrieben. Erst ein Jahrhundert später setzte sich, angestoßen durch den pietistisch geprägten Lieddichter Johann Caspar Wetzel, die andere Überlieferung durch, das Lied „Herr Christ, dein bin ich eigen“ sei von seiner jung verstorbenen Frau Christiana geb. Tilesius verfasst worden.
Bei der Zuschreibung des Liedes zum Werk ihres Mannes könnte das Epitaph auf dem Grabstein von Christiana Cunrad eine Rolle gespielt haben. Das Epitaph wurde von Martin Opitz angefertigt – im Auftrag von Caspar Cunrad, der zugleich sein Mentor war. Christiana Cunrad wird darin als fromme Ehefrau gewürdigt, die in den dichterischen Werken ihres Mannes weiterlebt. Ihr eigenes literarisches Schaffen wird nicht erwähnt:
„Der fromm Dahingeschiedenen. Teurer Gast Gottes, wenn das Heiligtum und die Verheißungen unseres Himmels die seligen Seelen nach ihrem Tod aufnehmen, dann blicke du von den Höhen des Himmels auf die frommen Weihegaben des trauernden Gatten, die er deinen Verdiensten widmet. Dass du im Himmel wohnst, hat deine Frömmigkeit gewirkt und jene Liebe zu Gott, die dir immer Begleiterin war, sowie die vortreffliche Rechtschaffenheit deines Lebenswandels, ein von Bosheit nichts wissender Sinn und ein Leben in engster Verbundenheit mit der Größe Gottes. Nun dehnst du sogar die Zeit dieses irdischen Lebens aus in den Schriften und Gedichten des geliebten Mannes. Damit nicht genug: Es beliebt ihm noch andere Dichter einzuladen, damit er so fromme Gaben auf dein Grab häufen kann.“
(In: Marschall, Veronika/ Seidel, Robert (Hg.). Martin Opitz - Lateinische Werke 2. Berlin/ New York: De Gruyter, 2011. S. 66)
Das Lied erscheint heute im Gesangbuch unter der Rubrik „Tauflieder“.
Autor/innen:
Ulrike Grüneklee

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Ellen Freyberg
Zuerst eingegeben am 13.11.2012