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Otie Chew

Geburtsname: Otie Chew, Sonstige Namen: Otie Chew Becker, Otie Becker

* in England.

Die Lebensdaten von Otie Chew sind bislang unbekannt. Geboren wurde sie vermutlich in den 1880er Jahren in England. In einem Adressbuch von Los Angeles aus dem Jahr 1923 ist sie noch verzeichnet.

“From Miss Chew’s performance it is evident that she is still in process of ‘arriving.’ […] when the development is complete that comes only with experience, Miss Chew should do extremely well, for she has ideas of her own and her playing is often very expressive.”

„Bei Miss Chew’s Aufführung wurde offensichtlich, dass sie sich noch im Reifeprozess befindet. […] sobald sie in ihrer Entwicklung weiter ist – und dies kommt nur mit Erfahrung – wird Miss Chew vermutlich ausgesprochen gut spielen, denn sie hat eigene Ideen und ihr Spiel ist häufig sehr ausdrucksstark.“

(„The Times London“ vom 10. März 1904, S. 8)
Tätigkeitsfelder
Violinistin, Violinpädagogin

Orte und Länder
Otie Chew wurde in England geboren und verbrachte möglicherweise einen Teil ihrer Kindheit in Auckland in Neuseeland. Sie studierte ab ca. 1895 Violine am Royal College of Music sowie an der Royal Academy of Music in London und reiste im Frühjahr 1900 nach New York, wo sie mehrfach auftrat. In den Jahren 1902 und 1903 setzte sie ihr Studium an der Hochschule für Musik in Berlin fort und konzertierte von 1903 bis 1905 in Berlin, London und New York. Otie Chew ließ sich schließlich in Los Angeles, Kalifornien, nieder, wo sie nachweislich bis mindestens 1923 lebte.

Profil
Die Violinistin Otie Chew studierte bei Richard Gombertz und Emile Sauret an der Londoner Royal Academy of Music sowie bei Gabriele Wietrowetz (MUGI-Grundseite unter http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=wiet1866) und Joseph Joachim an der Hochschule für Musik in Berlin. Sie galt als vielversprechendes Talent und konzertierte in den ersten Jahren nach ihrem Studium, zwischen 1903 und 1905, mehrfach als Solistin mit dem Berliner Philharmonischen Orchester in Berlin, in den Richter-Konzerten in London sowie mit dem Orchestra of the Philharmonic Society in New York. Die Musikkritik reagierte überwiegend verhalten, auch wenn sie ihr meist Musikalität bescheinigte und auf ihre starke Nervosität Bezug nahm. Nach 1905 lassen sich keine weiteren Konzerte mehr nachweisen, vermutlich gab sie den Gedanken an eine Karriere als Solistin auf. Otie Chew heiratete und ließ sich in Los Angeles als Violinpädagogin nieder. Über ihre weiteren Tätigkeiten, besonders über ihre musikpädagogische Arbeit, ist bislang nichts Näheres bekannt.

Biografie

Die Violinistin Otie Chew wurde vermutlich in den 1880er Jahren in London geboren (Gamba 1904, S. 378) und wuchs wahrscheinlich zeitweise in Auckland, Neuseeland, auf. Ein Zeitungsbericht der „Hawkes Bay, Poverty Bay Newspaper“ vom 10. Dezember 1888 gibt Auskunft über die „certificates won at the recent University College musical examinations”. Darunter befinden sich in der “Senior Devision” Otie Chew und Essie Chew sowie in der „Junior Division“ Nellie Chew (vgl. „Links“). Ob es sich dabei um die spätere Violinistin Otie Chew und ihre Geschwister handelt, lässt sich bislang nicht eindeutig klären.

Otie Chew studierte ab ca. 1894/95 am Royal College of Music in London Violine bei Richard Gombertz, einem Schüler Joseph Joachims, sowie bei Emile Sauret an der Royal Academy of Music. Bereits während ihrer Londoner Studienzeit trat sie mehrfach bei Konzerten auf. So spielte sie z. B. im Oktober 1895 in einem Studenten-Konzert den Primpart in Antonín Dvořáks Streichquartett F-Dur, op. 96 („The Times London“ vom 24. Okober 1895, S. 7), und trat im Juni 1896 an gleicher Stelle mit Camille Saint-Saëns’ „Introduction et Rondo capriccioso“ op. 28 auf („The Times London“ vom 20. Juni 1896, S. 9). Nach Beendigung ihres Studiums unternahm sie eine Reise in die USA und gab dort Konzerte. Sie spielte am 27. März 1900 in New York gemeinsam mit den Pianisten Orton Bradley und Max Liebling sowie dem Cellisten Leo Schulz in einem Hauskonzert bei Mrs. Edward N. Gibbs („The New York Times“ vom 25. März 1900) und konzertierte einen Monat später im Rahmen eines Dinners der „St. George’s Society“, bei dem das gemeinsame Vorgehen Großbritanniens und der USA in der Kolonialisierung von Klerus und Militär gefeiert wurde: „The orchestra rendered patriotic selections of English, Scotch, Welsh, Irish, and American airs, and between the orchestral numbers Miss Otie Chew, a young English girl, played violin solos“ („Das Orchester spielte eine patriotische Auswahl an englischen, schottischen, walisischen, irischen und amerikanischen Liedern und zwischen den Orchesterstücken spielte Miss Otie Chew, eine junge Engländerin, Solostücke für Violine.“; „The New York Times“ vom 24. April 1900).
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Würdigung

Obwohl Otie Chew bei Emile Sauret, Joseph Joachim u. a. eine herausragende Ausbildung erhielt, konnte sie sich im internationalen Musikleben als Solistin nicht etablieren. Ihre ersten großen Auftritte scheiterten, vermutlich auch an ihrer Nervosität. Um so interessanter wäre die Frage, welchen musikpädagogischen Tätigkeiten Otie Chew in Los Angeles nachging und auf welche Art und Weise sie unterrichtete. Eine angemessene Würdigung kann daher erst nach weiteren Forschungen erstellt werden.
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Rezeption

Eine Rezeption der Tätigkeiten von Otie Chew findet bislang nicht statt. Lediglich Inka Prante hat in ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen Joseph Joachims die Berliner Zeit von Otie Chew kurz umrissen (Prante 1999, S. 33-35)
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Werkverzeichnis

Von Otie Chew sind keine Kompositionen, Schriften oder Aufnahmen bekannt.
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Repertoire

Eine Repertoire-Liste lässt sich aufgrund fehlender Forschungen zur Zeit nicht erstellen. Nachgewiesen sind die Aufführungen der folgenden Werke:

Bach, Johann Sebastian. Violinkonzert E-Dur, BWV 1042
Beethoven, Ludwig van. Violinromanze F-Dur, op. 50
Brahms, Johannes. Violinkonzert D-Dur, op. 77
Dvořák, Antonín. Streichquartett F-Dur, op. 96
Goldmark, Karl. Violinkonzert a-Moll, op. 28
Händel, Georg Friedrich. Violinsonate A-Dur
Mendelssohn Bartholdy, Felix. Violinkonzert e-Moll, op. 64
Mozart, Wolfgang Amadeus. Violinkonzert A-Dur, KV 219
Saint-Saëns, Camille. Caprice Andalous op. 122
Saint-Saëns, Camille. Introduction et Rondo capriccioso op. 28
Spohr, Louis. Violinkonzert „in Form einer Gesangsszene“ a-Moll, op. 47
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Quellen

Dokumente:

Archiv der Universität der Künste Berlin. Jahresberichte der Hochschule für Musik Berlin 1902/03


Literatur:

Gamba, [Vorname nicht ermittelt]. Miss Otie Chew. In: The Strad 14 (1904), Heft 4, S. 377f.

Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.

Parsons Smith, Catherine. Making Music in Los Angeles. Transforming the Popular. Berkeley: University of California Press, 2007.

Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.

Saerchinger, Caesar. Artur Schnabel. A Biography. London: Casell, 1957.

Southwest Blue Book 1923–1924. Lenora H. King (Hg. und Verlegerin). Printed Oct. 1923.

Straeten, Edmund van der. The History of the Violin. Its Ancestors and Collateral Instruments From Earliest Times. Vol. II. London: Casell & Co, 1933.


Konzertkritiken in Zeitungen und Zeitschriften:

Allgemeine Musikzeitung vom 6. November 1903, S. 705.
Allgemeine Musikzeitung vom 14. Oktober 1904, S. 680.

The New York Times vom 25. März 1900.
The New York Times vom 24. April 1900.
The New York Times vom 11. November 1905.

The Times London vom 24. Oktober 1895, S. 7.
The Times London vom 20. Juni 1896, S. 9.
The Times London vom 10. März 1904, S. 8.

Vossische Zeitung vom 20. Oktober 1903.


Links:

www.nytimes.com
Die Zeitungsartikel der „New York Times“ stehen online zur Verfügung.

http://archiver.rootsweb.com/th/read/NZ-AUCKLAND/2005-05/1115003115
Die Internetseite der Auckland Archives stellt eine Abschrift eines Zeitungsberichts der „Hawkes Bay, Poverty Bay Newspaper“ vom 10. Dezember 1888 zur Verfügung, in dem Otie Chew erwähnt wird.
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Forschung

Um Näheres über den weiteren Lebensweg von Otie Chew zu erfahren, wären vermutlich Forschungen in Los Angeles notwendig.
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Forschungsbedarf

Der Forschungsbedarf zu der Violinistin Otie Chew umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeiten.
Autor/innen:
Silke Wenzel, 10. April 2008

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Regina Back
Zuerst eingegeben am 16.04.2008