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Catarina Cavalieri

Caterina Cavalieri, Catharina Magdalena Josepha Cavalier oder Francisca Helena Apolonia Cavalier (Kommentar s. Punkt 8), Catarina Cavaglieri, Catarina Cavalier, Catarina Cavallieri

* 13. März 1755 in Währing (heute zu Wien), Österreich.
† 30. Juni 1801 in Wien, Österreich.

Das Geburtsdatum von Catarina Cavalieri wird in der Sekundärliteratur unterschiedlich angegeben. Damit einher geht auch die Unsicherheit der Identität: es ist bislang umstritten, welche der beiden Mädchen – Catharina Cavalier oder Francisca Helena Cavalier – sich später in Catarina Cavalieri unbenannt hat, wahrscheinlich ist es die 1755 geborene Catharina Cavalier (vgl. unter Biografie).

„[…] sie wird immer gut sein, und es wird keineswegs leicht sein, eine bessere zu erhalten.“
(Joseph II. an seinen Hofopernintendanten Graf Rosenberg im September 1786 über Catarina Cavalieri, zit. nach Payer von Thurn 1920, S. 70.)
Mediennachweis

Catarina Cavalieri in "Die Bergknappen"
von Ignaz Umlauff, 1778. Strich von
J. Adam nach Carl Schülz (Ausschnitt)

Tätigkeitsfelder
Sängerin (Sopranistin)

Orte und Länder
In Währing, damals einem Vorort von Wien (heute eingemeindet) geboren, ging Catarina Cavalieri im Zuge ihrer Ausbildung nach Wien und verließ die Stadt – soweit bekannt – bis zu ihrem Tod nicht. Ein mögliches Engagement in einer reisenden Operntruppe, das mit Ortswechsel verbunden gewesen wäre, bleibt bislang ungesichert.

Profil
Catarina Cavalieri beeindruckte durch ihre kraftvolle und zugleich ungemein flexible Stimme. Als weniger profiliert galten ihr schauspielerisches Talent und ihr Aussehen, was ihrer stimmlichen Bühnenpräsenz offenbar aber keinen Abbruch tat: sie war die unumstrittene Primadonna der Hofoper in Wien der 1770er bis 1790er Jahre. Zahlreiche Komponisten rechneten es sich als Ehre an, für sie zu komponieren, darunter auch Antonio Salieri (mit dem ihr eine Liaison nachgesagt wurde) und Wolfgang Amadeus Mozart (u.a. die Rolle der Constanze aus der „Entführung aus dem Serail“).

Biografie

Das Geburtsdatum von Catarina Cavalieri ist umstritten und damit auch ihr familiärer Hintergrund (vgl. dazu Kretschmer 1999 versus Weinmann 1982). Um 1773 wurde sie Schülerin von Antonio Salieri und gab zwei Jahre später, 1775, ihr Debüt in Pasquale Anfossis Oper „La finta giardiniera“ am Wiener Burgtheater. Ab 1778 war sie Hofsängerin in Wien, dort engagiert für das deutsche, französische und italienische Fach. Sie trat u.a. als Constanze bei der Uraufführung der „Entführung aus dem Serail“ (Wolfgang A. Mozart) und in zahlreichen Opern Antonio Salieris auf. 1793 zog sie sich von der Bühne zurück und starb am 30. Juni 1801 in Wien.
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Würdigung

Catarina Cavalieri war zwischen 1775 und 1793 eine der großen Primadonnen in Wien. Dass sie derart uneingeschränkt und unangefochten diese Position behaupten konnte, ist sicherlich eher ihrer einhellig gerühmten Stimme zu verdanken, als der nachgesagten Verbindung zu Salieri und dessen Einfluss am Wiener Hof. Dass Primadonnen dem Tratsch und Klatsch am Hof und am Theater ausgesetzt waren, gehörte zum Lebensalltag dazu, so dass daraus heute kaum Schlüsse gezogen werden können.
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Rezeption

Unumstritten war ihre kraftvoll-klare und flexible Stimme, charakteristisch benannt als „Mademoiselle Silberklang“ in Mozarts „Der Schauspieldirektor“.
Nach ihrem Bühnenabschied verschwand ihr Name rasch aus dem kulturellen Gedächtnis, allenfalls dank ihrer Verbindung zu Salieri und vor allem als Sängerin Wolfgang Amadeus Mozarts – als erste Constanze aus der „Entführung aus dem Serail“ – blieb ihr Name präsent.
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Repertoire

Als Primadonna sang Cataria Cavalieri die ersten Partien der Opernproduktionen an der Wiener Hofoper zwischen 1778-1793. Zu den Höhepunkten ihres Reperoires dürfte die Zusammenarbeit mit Mozart gezählt werden: sie wirkte bei der Uraufführung der „Entführung aus dem Serail“ mit (Constanze) sowie bei den Wiener Produktionen von „Le nozze di Figaro“ (Gräfin) und „Don Giovanni“ (Donna Elvira). Das Gesamtrepertoire der Cavalieri ist ein Forschungsdesiderat (s. unter Forschungsbedarf).
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Quellen

Literatur und Quellen:
Angermüller, Rudolph. Antonio Salieri. Dokumente seines Lebens. 3 Bde. Bad Honnef: Bock 2000.
Aus dem Josephinischen Wien. Geblers und Nicolais Briefwechsel während der Jahre 1771-1786. Richard Maria Werner (Hg.). Berlin: Hertz 1888.
Braunbehrens, Volkmar. Salieri. Ein Musiker im Schatten Mozarts. München/Zürich: Piper 1989.
Clive, Peter: Mozart and his Circle. A Biographical Dictionary. London: J. M. Dent 1993.
Csampai, Attila, Holland, Dietmar (Hg.). Wolfgang Amadeus Mozart. Die Entführung aus dem Serail. Texte, Materialien, Kommentare, Reinbek: Rowohlt 1983.
Dittrich, Marie Agnes. „Dichterleid und Damenzank. Zu Salieris ‚Prima la musica e poi le parole’ und Mozarts ‚Schauspieldirektor’. In: Zeit in der Musik – Musik in der Zeit. Diether de LaMotte (Hg.). Frankfurt am Main/Berlin u.a.: Peter Lang 1997, S. 90-104.
Gärtner, Heinz. „Folget der Heißgeliebten“. Frauen um Mozart. München: Langen Müller 1990.
Hadamowsky, Franz. Die Wiener Hoftheater (Staatstheater) 1776-1966. 2 Bde. Wien: Prachner 1966 und 1975.
Grundsätze zur Theaterkritik, über Einsicht Sprache und Spiel in Menschenhaß und Reue. Wien 1790.
Kretschmer, Helmut. Mozarts „geläufige Gurgel“ – die Sängerin Catarina Cavalieri, in: Wiener Figaro. Mitteilungsblatt der Mozartgemeinde Wien, 56./5. Jg., Dez. 1999, Heft 3/4, S. 9-16.
Lewy Gidwitz, Patricia. „’Ich bin die erste Sängerin’. Vocal profiles of two Mozart sopranos“. In: Early music, Nov. 1991, S. 565-576.
Michtner, Otto. Das alte Burgtheater als Opernbühne von der Einführung des deutschen Singspiels (1778) bis zum Tod Kaiser Leopolds II. (1792). Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften 1970.
Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, 7 Bde., Kassel u.a.: Bärenreiter-Verlag 1962.
Mozart. Neue Ausgabe sämtlicher Werke, 20 Bde. Kassel u.a.: Bärenreiter-Verlag 1955 ff.
Ott, Eugen, und Ott, Karin. “Die geläufige Gurgel der Mlle Cavalieri: Verzierte Vokalmusik bei Mozart”. In: Neue Züricher Zeitung Vol. 212, No. 279, 30.11./1.12.1991, S. 71.
Payer von Thurn, Rudolf. Joseph II. als Theaterdirektor. Ungedruckte Briefe und Aktenstücke aus den Kindertagen des Burgtheaters. Wien/Leipzig: Heidrich 1920.
Pisarowitz, Karl Maria. “Mozarts ‘Geläufige Gurgel’ und ihr Anhang. Eine Cavalieristik”. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg, 1/2 (1961), S. 14-19.
Schmitt, M. A. Meine Empfindungen im Theater. Wien 1781.
Unseld, Melanie. Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.

Lexikonartikel:
„Cavalieri, Catarina“. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians. Stanley Sadie (Hg.). 2. Aufl. London: Macmillian Publishers 2001. Bd. 5. S. 297-298. [Patricia Lewy Gidwitz]
„Cavalieri, Caterina“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Ludwig Finscher (Hg.). Personenteil. Bd. 4. Sp. 462-463. [Daniel Brandenburg]

Links:
www.mozarteum.at

Anm. zur Bibliographie: Wie bei allen Musikerinnen, die mit Wolfgang A. Mozart in Kontakt kamen, finden sich auch über Catarina Cavalieri Hinweise und diversen mehr oder weniger aussagekräftige Informationen in der Mozart-Literatur.
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Forschung

Es gibt keine Forschungsstelle, die gebündelt Quellenmaterial zu Catarina Cavalieri archiviert. Ein Nachlass der Musikerin ist nicht überliefert.
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Forschungsbedarf

• Zu den wichtigsten Forschungsdesideraten ist die Erforschung des Repertoires von Catarina Cavalieri zu zählen. Über die von ihr interpretierten Partien, vor allem aber über die für sie komponierten Rollen ließe sich ihr Stimmenprofil gut herausarbeiten (vgl. auch Lewy Gidwitz 1991), so dass das Diktum der „geläufigen Gurgel“ an Prägnanz gewönne.
• Da sie als Schlüsselfigur der Primadonnen-Kultur im Wien der Mozart-Zeit gelten muß, sind auch auf diesem Gebiet lohnenswerte Forschungen möglich.
Autor/innen:
Melanie Unseld

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann
Zuerst eingegeben am 08.03.2006