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Josepha Auernhammer

Josepha Barbara Auernhammer (geb.), Josepha von Auernhammer, Josepha Aurnhammer, Josepha Auerhammer, Josepha Auerhahn, Josepha Bessenig (verh.), Josepha Bösenhönig, Josepha Pößkönig

* 25. September 1758 in Wien, Österreich.
† 31. Januar 1820 in Wien, Österreich.



„[…] sie hat mir ihren Plan (als ein geheimnüss) entdeckt, der ist noch 2 oder 3 Jahr rechtschaffen zu studiren, und dann nach Paris zu gehen, und Metier davon zu machen. – denn sie sagt, ich bin nicht schön; o contraire hässlich. einen kanzley Helden mit 3 oder 400 gulden mag ich nicht heurathen, und keinen andern bekomme ich nicht; mithin bleib ich lieber so, und will von meine [sic] talent leben. und da hat sie recht; sie bat mich also ihr beyzustehen, um ihren Plan ausführen zu können“ (Wolfgang A. Mozart über Josepha Auernhammer (1781), in: Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 135).
Tätigkeitsfelder
Pianistin, Komponistin, Pädagogin, Klavierlehrerin, Konzertveranstalterin, Verlagsassistentin

Orte und Länder
Obwohl Josepha Auernhammer Anfang der 1780er Jahre eine Konzertreise nach Paris plante, scheint sie – soweit bis heute bekannt – nie oder nur selten ihre Geburtsstadt Wien verlassen zu haben.

Profil
Als Pianistin war sie eine viel geachtete und gern gehörte Virtuosin auf verschiedenen Wiener Bühnen. Durch ihre Begegnung mit Wolfgang A. Mozart sind vor allem ihre Tätigkeiten der 1780er und 1790er Jahre überliefert. Sie war seine (Meister-)Schülerin und half ihm bei der Drucklegung mehrerer seiner Werke. Als Komponistin musste sie sich mit dem Vorwurf der „Überproduktivität“ auseinandersetzen. Sie war auch als Klavierlehrerin tätig, u.a. unterrichtete sie ihre Tochter, die ihrerseits Lehrerin von der Sängerin Henriette Sonntag war.

Biografie

Am 25. September 1758 wurde Josepha Auernhammer in Wien getauft. Dass sie adeliger Abstammung war, ist inzwischen widerlegt. Sie erhielt ab etwa 1778 Musikunterricht bei Georg Friedrich Richter und Leopold Anton Koželuch, ab spätestens 1782 (wenn nicht 1781) auch bei Wolfgang Amadeus Mozart. Im November 1781 hatte sie bereits die Drucklegung von Mozarts sechs Violin-Sonaten überwacht, eine Edition, die ihr gewidmet ist. Ab 1782 sind mehrere gemeinsame pianistische Auftritte mit Mozart verbürgt. Aus welchen Gründen sie 1782 aus ihrem Elternhaus auszog, ist nicht weiter bekannt, sicher ist, dass Mozart ihr Kost und Logis bei Baronin von Waldstätten vermittelte.
Ab 1785 konzertierte sie regelmäßig mit eigenen Akademien in Wien (Burgtheater, Kärntnertortheater u.a.). Weiterhin war sie Wiener Verlegern bei diversen Drucklegungen von Klavierwerken behilflich, im Jahr 1785 etwa widmete ihr der Wiener Verleger Torricella aus diesem Grund den Druck von Mozarts KV 265.
Am 23. Mai 1786 heiratete sie – entgegen ihren ursprünglichen Plänen – Johann Bessenig; ihr Ehemann scheint ihrer künstlerischen Karriere nicht im Wege gestanden zu haben, sie trat weiterhin auf (unter ihrem Mädchennamen).
Josepha Auernhammer gebar in den folgenden Jahren drei Kinder, zwei davon überlebten das erste Lebensjahr: Marianna Clara, genannt Anna, geboren am 13. Dezember 1786 (später verh. Czegka, Sängerin und Gesangspädagogin) und Carolus Josephus, geboren am 11. Februar 1797 (gestorben 1820 oder 1837).
Etwa ab 1788 war sie als Klavierlehrerin tätig. Außerdem widmete sie sich nun auch der Komposition und veröffentlichte z.B. im Jahr 1792 „6 Variationen auf die Aria ‚Der Vogelfänger bin ich ja’“. Ab 1804 sind gemeinsame Auftritte mit ihrer Tochter Anna verbürgt. Am 31. Januar 1820 starb Josepha Auernhammer in Wien.
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Würdigung

Josepha Auernhammer war eine vielseitig begabte Musikerin, die offenbar mit gutem organisatorischen Talent und Geschick weit mehr als nur eine pianistische Karriere verfolgte: Neben ihren mehrfach beschriebenen pianistischen Fähigkeiten (immerhin ist Mozart nach kürzester Zeit zusammen mit ihr aufgetreten, was als seine Wertschätzung ihres Spiels interpretiert werden kann), kümmerte sie sich um die Drucklegung mehrerer Werke – zumindest von Mozart und ihrer eigenen, womöglich aber auch von anderen KomponistInnen. Darüber hinaus unterrichtete sie, und gilt in dieser Linie als Bindeglied zwischen Mozart und Henriette Sonntag. Ihre Kompositionen – Klavierwerke nach dem Zeitgeschmack – wurden gedruckt und mehrfach rezensiert, wobei sie sich an dieser Stelle dem Vorurteil ausgesetzt sah, dass sich eine (zumal verheiratete) Frau nicht derart öffentlich darstellen solle.
Wie Josepha Auernhammer mit dieser Kritik umging, ist nicht bekannt, allerdings spricht aus dem Mozart-Brief (von 1781), in dem sie sich als professionelle Musikerin sieht, ein starkes persönliches wie künstlerisches Selbstbewusstsein.
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Rezeption

Zu Lebzeiten eine geschätzte und bekannte Pianistin in Wien, ihre Kompositionen fanden in Wien und andernorts Verleger. Der Nachwelt blieb sie vor allem als Zeitgenossin und Schülerin Mozarts in Erinnerung.
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Werkverzeichnis

Vorbemerkung: Josepha Auernhammer komponierte (soweit heute bekannt) vorwiegend für ihr eigenes Instrument, das Klavier. Sie schrieb dabei vor allem in dem um 1800 vielgepflegten Genre der Klaviervariation. Die folgende Liste ist unvollständig. Da eine Rezension von 1799 von Auernhammers „63ten Werk“ spricht, muss von erheblichen Lücken in der bislang eruierten Werkliste ausgegangen werden.

Klavier
2 Klavier-Sonaten
Six menuets pour le clavecin
Klaviervariationen:
6 Variationen über „Nel cor più non mi sento“ (G. Paisiello: La Molinara), Speyer 1791
6 Variationen über „Der Vogelfänger bin ich ja (W.A. Mozart: Die Zauberflöte), Offenbach 1792, 1793
8 Variationen über den Kontretanz (S. Viganò: La figlia mal custodita), Wien 1794
6 Variationen über „La stessa, la stessissima“ (A. Salieri), Wien 1799
6 Variationen für Pianoforte, Wien 1801
6 Variationen über einen Marsch (L. Cherubini: Les deux jorunées), Wien 1803
6 Variationen über ein ungarisches Thema, Wien 1810
10 Variationen über ein Thema aus dem Ballet „Les folies amoureuses“ (o.J.)
10 Variationen op. 63, dédiées à Madame de Brown (o.J.)

Kammermusik
„Pace caro mio sposo“, Duo varié
Sonate C-Dur für Klavier und Violine

Lieder
6 deutsche Lieder beim Klavier zu singen, Wien 1790 [Textdichter unbekannt]
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Repertoire

Hierzu stehen Forschungen noch aus. Sicher ist, dass Josepha Auernhammer etliche Werke ihres Lehrers Wolfgang A. Mozart aufgeführt hat (so u.a. die für sie komponierte Sonate für 2 Klaviere KV 448), darüber hinaus ist sie, wie Rezensionen zeigen, häufig auch mit eigenen Werken aufgetreten.
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Quellen

In folgenden Publikationen sind Rezensionen zu Josepha Auernhammer als Komponistin und als Pianistin erschienen (Liste unvollständig!):

· Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 22 Leipzig, 2. Juni 1813
· Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 5 Leipzig, 30. Oktober 1799, S. 90f.
· Berlinische Musikalische Zeitung Nr. 32, 1. Jg. 1805, S. 128
· Hanslick, Geschichte des Conzertwesens in Wien (Wien 1869)
· Wiener Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 13, 27. März 1813, S. 191-192

Weitere Quellen:

Eitner, Robert. Bibliographie der Musiksammelwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Berlin 1877.


Gerber, Ernst Ludwig. Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, Teil 1, 1790 (verwendete Ausg.: Deutsches Biographisches Archiv. Microfiche-Edition. Berhard Fabian (Hg.). München/New York/London/Paris).


Bessenig, Josepha Barbara. Handschriftliche Biographie in der Handschriftlichen Biographiensammlung (Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien).


Mendel, Hermann, Reißmann, August: Musikalisches Conversationslexikon, 11. Bände. Berlin: Oppenheim 1870-1878.


Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, 7 Bde., Kassel: Bärenreiter-Verlag 1962.


Schilling, Gustav. Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Oder Universal-Lexicon der Tonkunst. 6 Bde. Stuttgart 1835-1838.


Schönfeld, Johann Ferdinand von. Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag, Faks.-Nachdr. d. Ausg. Wien 1796 / mit Nachw. u. Reg. von Otto Biba. Wien 1796.



Sekundärliteratur:

Angermüller, Rudolph. „an die Auernhamer bitte kein kompliment“. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum, 30. Jg. Doppelheft 3/4. Sept. 1982. S. 8-14.


Deutsch, Otto Erich. „Das Fräulein von Auernhammer“. In: Mozart-Jahrbuch 1958, Salzburg 1959. S. 12-17.


Hirasawa, Hiroko. Josepha Barbara von Auernhammer. Schülerin Mozarts, Pianistin, Komponistin. Wien, Phil. Dipl. Universität Wien 1993 (masch.).


Leopold, Silke (Hg.). Mozart-Handbuch. Kassel/Stuttgart: Bärenreiter/Metzler 2005.


Link, Dorothea. The National Court Theatre in Mozart’s Vienna: Sources and Documents 1783-1792. Oxford: Clarendon Press 1998.


Mercado, Mario R. „Mozart through his piano students“. In: Eighteenth-Century Music in Theory and Practice. Essays in Honor of Alfred Mann. Mary Ann Parker (Hg.). Stuyvesant, NY: Pendragon Press 1994, S. 205-226.


Unseld, Melanie. „Studiren […] und Metier davon zu machen“. Mozarts Schülerinnen Josepha Auernhammer und Babette Ployer. Vortrag (Symposion „Ein unerschöpflicher Reichthum an Ideen“. Komponistinnen zur Zeit Mozarts und heute, 18.-20. November 2005 Wien, Druck in Vorb.).


Unseld, Melanie. Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.


Weinmann, Alexander. Verlagsverzeichnis Giovanni Cappi bis A.O. Witzendorf. Wien: Universal Edition 1967.



Aktuelle Lexikon-Artikel:

„Auernhammer [Aurnhammer, Aurenhammer], Josepha Barbara“. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians. Hg. von Stanley Sadie, 2. Aufl. London: Macmillian Publishers 2001, Bd. 2, S. 166-167 [Rudolph Angermüller/Michael Lorenz].


„Auernhammer, Josepha Barbara von“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Hg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 1, Sp. 1162-1163 [Theophil Antonicek].



CD-Einspielungen:

Variationen über „Ein Vogelfänger bin ich ja“ (Wolfgang A. Mozart), auf: „Hofkomponistinnen in Europa (2): Cembalo solo. Cembalo: Fine Zimmermann, Cybele Records


Variationen über ein ungarisches Thema, auf: Klaviermusik von Komponistinnen, Judith Pfeiffer (Klavier), Klassik Center Kassel



Anm. zur Bibliographie: Wie bei allen Musikerinnen, die mit Wolfgang A. Mozart in Kontakt kamen, finden sich auch über Josepha Auernhammer Hinweise und diverse mehr oder weniger aussagekräftige Informationen in der Mozart-Literatur. Da diese zu umfangreich ist, hier dokumentiert zu werden, sei lediglich auf diesen Umstand verwiesen, verbunden mit dem Hinweis, ggf. dort nachzuschlagen.
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Forschung

Handschriftliche Biographie (Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien)
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Forschungsbedarf

Josepha Auernhammer kann als besonders interessantes Beispiel einer vielseitig begabten und aktiven Musikerin der Wiener Klassik angesehen werden. Gleichwohl gehören viele Aspekte zu Leben und künstlerischer Arbeit Josepha Auernhammers noch zu den Forschungsdesideraten. Einige Punkte seien hierzu beispielhaft angesprochen:
· Möglichkeiten der musikalischen Ausbildung und Entfaltung von Frauen (Wien, 1780er Jahre)
· Mozart als Lehrer (und Förderer) Wiener Pianistinnen. Dieser Punkt ist insofern aufschlussreich, als Mozart in Josepha Auernhammer offenbar eine ähnliche Künstlerin gesehen hat wie in seiner Schwester (vgl. dazu erste Ansätze in Unseld 2006). In der Familienkorrespondenz ist mehrfach von entsprechenden Vergleichen die Rede. Interessant bleibt dies im Blick auf Nannerl Mozart, da Josepha Auernhammer just zu jener Zeit eine professionelle Künstlerinnenlaufbahn einschlug (unterstützt von ihrem Lehrer Mozart), als Nannerl Mozart in Salzburg keine berufliche Perspektive mehr sah.
· Das Repertoire
· Ihr kompositorisches Werk
· Rezeption der Pianistin und Komponistin Josepha Auernhammer
· Kontakte und Tätigkeiten im Zusammenhang mit Wiener Verlegern
· Tätigkeit und Wirken ihrer Tochter, Anna Czegka (Lehrerin von Henriette Sonntag)
Zu den zahlreichen Falschüberlieferungen in Bezug auf Josepha Auernhammer gehört der Hinweis auf ihre adelige Herkunft und eine reiche Erbschaft. Lohnend wäre in diesem Zusammenhang die Aufarbeitung aller Fehlinformationen bzw. auch deren Funktion im Kontext von Musikgeschichtsschreibung über weibliche Künstler.
Autor/innen:
Melanie Unseld

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann
Zuerst eingegeben am 07.03.2006