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Anna Amalia Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Anna Amalia Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, Anna Amalia geb. Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel

* 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel.
† 10. April 1807 in Weimar.



„Das ganze Welt Gebäude ist auf Ordnung und Harmonie gegründet gleich wie die natur.“(Anna Amalia: ‚Gedanken über die Musick’, Staatsarchiv Weimar, Hausarchiv AX VIII [Anna Amalia], Nr. 129, Bl. 2).
Notenbeispiel
Mediennachweis

Bild:
Georg Melchior Kraus. Herzogin Anna Amalia, 1774. Öl auf Leinwand.
Mit freundlicher Genehmigung Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Notenbeispiel:
Anna Amalia. Handschrift: Sonatina in G., undatiert. Stiftung Weimarer Klassik, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Mus. IV f:1.
Mit freundlicher Genehmigung: Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Tätigkeitsfelder
Fürstin, Begründerin des Weimarer Musenhofs, Komponistin, Cembalo-, Flöten-, Gitarren- und Harfenspielerin, Schriftstellerin

Orte und Länder
Aufgewachsen am Braunschweig-Wolfenbüttler Hof, seit ihrer Vermählung mit Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahr 1756 in Weimar ansässig.

Profil
Sie war eine aufgeklärte, kritisch auf Selbsterfahrung setzende Fürstin, deren musikalische Fähigkeiten in allen Bereichen des Divertissements und der Repräsentatio maiestas (Oper, Theater, Kammermusik) zum Tragen kamen. Nach dem Tod ihres Gatten 1758 „Wittib, Obervormünderin und Regentin“; Beginn einer grundlegenden Reform, die sie im Sinne der Aufklärung mit gezielter Personalpolitik durchsetzte.

Biografie

Als fünftes von dreizehn Kindern des Herzogs Carl I. und Philippine Charlotte, geb. Prinzessin von Preußen am 24. 10. 1739 in Wolfenbüttel geboren. Umfassende Ausbildung in allen geistes- und naturwissenschaftlichen Fächern, daneben besonders ambitionierte Unterweisung im Tanzen, Klavier-, Traversflöten-, Harfenspiel und in der Komposition. Nach ihrer Eheschließung mit Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1756) Übersiedelung nach Weimar. Nach dem Tod des Gatten 1758 vormundschaftliche Regentin und bis zur Regentschaftsübernahme ihres Sohnes Carl August (1775) Durchsetzung eines eigengeprägten Hofkonzepts („Weimarer Musenhof“). Sie setzte sich mit einer gezielten Personalpolitik, mit der sie Dichter wie Johann Carl August Musäus (ab 1763), ab 1772 Christoph Martin Wieland zu den Erziehern ihrer Söhne machte, ab 1775 Johann Wolfgang Goethe und wenig später Johann Gottfried Herder an sich band und Musiker wie Ernst Wilhelm Wolf, Carl Friedrich Freiherr von Seckendorff oder die Sängerin Corona Schröter in ein umfassendes Programm integrierte, für Wissenschaft, Literatur, bildende Kunst und Musik ein und hatte an allen Bereichen selbst aktiven Anteil. Ihr kompositorisches Œuvre umfasst Kammermusik und musikdramatische Werke (s.u.). Ihr Tod am 10.4.1807 war das Ende einer Ära.
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Rezeption

Als Herzogin Anna Amalia am 10. April 1807 starb, war sie bereits zu einer Legende geworden. Wieland sah mit ihrem Tod das Ende einer Ära gekommen. In einem Brief an Johann von Müller vom 24. August 1807 fasst er seine Gefühle in den Satz: „Auch das kleine Bethlehem Weimar hat in der Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts seinen Tag gehabt; aber die Sonne, die ihm vor vierzig Jahren aufging, ist im Jahr 1807 untergegangen, und die Nacht bricht herein, ohne einen neuen Tag zu versprechen.“ (Zit. nach Supplement zu Müllers sämmtlichen Werken, hg. von Mauer-Constant, Bd. IV, Schaffhausen 1840, S.195-198). Damit setzte die Verklärung ihres „Musenhofes“ ein, die einen ersten Höhepunkt zu ihrem 10. Todestag erlebte mit Gedenktexten und Almanachdrucken wie etwa dem „Frauenzimmer Almanach zum Nutzen und Vergnügen für das Jahr 1817“ (Leipzig 1816, FDH, Goethe-Museum Frankfurt), in dessen Mittelpunkt die Lebensbeschreibung und Glorifizierung der „selbst geistvollen und kunstliebenden Fürstin“ stand. 1821 wurde sie als einzige Frau im ersten Band der 13bändigen in Gotha erschienenen Ausgabe: „Deutscher Ehren-Tempel“ (Hg. Wilhelm Henning) als „kunstliebende“ Herzogin gewürdigt. Ihre Vertonung von Goethes „Erwin und Elmire“ wurde zur „Säkularfeier der Ankunft Goethes in Weimar“ am 6. November 1875 im Großherzoglichen Hof-Theater Weimar mit dem Vermerk: „zum ersten Male“ öffentlich aufgeführt. Der Theaterzettel weist das Stück, das nach dem Trauerspiel „Clavigo“ erklang, als „Schauspiel mit Gesang“. Eine bemerkenswerte spätere Annäherung war die von Max Friedlaender 1921 in Leipzig vorgelegte, mit einem ausführlichen Kommentar versehene Prachtausgabe des Klavierauszugs dieser Oper, die der Auftakt zu einigen Wiederaufführungen war. Zu ihrem musikalischen Oeuvre gibt es nur wenige Darstellungen, die den oben skizzierten Kontext, in dem sich ihre Kompositionen bewegten, hinreichend ausloten und sich vom Vorurteil der komponierenden Fürstin als aristokratischer Liebhaberin lösten.
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Werkverzeichnis

Kompositionen

Sinfonia in G-Dur für 2 Ob., 2 Fl., 2V., Va. und B.c. (1765), D-WRtl.

Sinfonia D-Dur, D- WIE.

Erwin und Elmire (J. W. Goethe), Oper in 2 Akten (1776) D- Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Mus II a: 98; Klavierauszug M. Friedlaender, Leipzig 1921; Textbuch: Arien und Gesänge aus der Operette Erwin und Elmire (von Goethe), Weimar 1776, D-Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Goe546.

Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (J. W.Goethe) 1778, D-Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Mus II b: 53; Daraus: Bänkelsängerlied in: Max Herrmann: Jahrmarktsfest zu Plundersweilern. Entstehungs- und Bühnengeschichte, Berlin 1900.

Allegro D-Dur für Kl.; CH-Zz.

Divertimento per il Piano-forte, Clarinetto, Viola e Violoncello, B-Dur, D-WRgs, WRtl, GB-Lbl, Erstdruck Amadeus BP 769, 1992.

Sonatina G-Dur für Cemb. und Orch., D- WIR. Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Mus. IV f:1 (siehe Autograph).

Die Zigeuner (nach K. S. von Einsiedel: Adolar und Hilaria), Walddrama für 4 Singst., Orch. Und Bc., D-WRI.

Schriften

Musikalische Aufzeichnungen; Gedanken über die Musick, 1799,D- WIR: HA-A XVIII, Nr.129.
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Quellen

Literatur

Wilhelm Bode. Amalie, Herzogin von Weimar. 3 Bde. Berlin 1908.

Ders. Der weimarische Musenhof. Berlin 1918.

Heide Hollmer. Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach. Briefe über Italien. Nach den Handschriften mit einem Nachwort herausgegeben, St. Ingbert 1999.

Richard Münnich. „Aus der Musiksammlung der Weimarer Landesbibliothek, besonders dem Nachlass der Anna Amalia“. In: Festschrift zur Feier des 250 jährigen Bestehens der Bibliothek. Jena 1941.

Wulf Otte. Herzogin Anna Amalia – Braunschweig und Weimar, Stationen eines Frauenlebens. Ausstellungskatalog. Braunschweig 1995.

Gabriele Busch-Salmen, Walter Salmen, Christoph Michel. Der Weimarer Musenhof. Stuttgart 1998 (dort ausführliche Bibliografie).

Gabriele Busch-Salmen. ’Das ganze Welt Gebäude ist auf Ordnung und Harmonie gegründet’ – Bemerkungen zum Musikverständnis Herzogin Anna Amalias“. 2 Teile. In: VivaVoce 50 (1999), S. 4-7 und VivaVoce 51 (2000), S. 11-18.

Dies.: ’Höchst Dieselben sind selbsten die größten Kennerinnen der Musik’: Komponierende Fürstinnen. In: Frauen in der Musikgeschichte. Dokumentation der Ringvorlesung Sommersemester 2001. Susanne Rode-Breymann (Hg.). Hochschule für Musik Köln. S. 23-39.

Gabriele Busch-Salmen, Benedikt Jeßing (Hg.). Goethe Handbuch. Bd. 5. Spieltexte, Libretti, Dramen mit Musik. Stuttgart vorauss. Frühjahr 2005.

Einspielungen

Aus Erwin und Elmire: „Auf dem Lande und in der Stadt“, „Sie scheinen zu spielen“. Frühe Goethe-Lieder. Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton, Jörg Demus, Hammerflügel. Archiv Produktion 2533149.

dass. In: Vocalrecitals. Dietrich Fischer-Dieskau singt Goethe Lieder, Karl Engel. Orfeo (über JPC).

Konzert für 12 Instrumente und Cembalo obligato; Divertimento für Klavier und Streicher. Komponistinnen. Rosario Marciano, Klavier, Wiener Kammerorchester, Kurt Rapf. EMI-Electrola Köln (1981) FSM 53042.

Divertimento für Klarinette, Viola, Violoncello und Klavier. Musik im Hause Goethe. Wiedererweckte Lieder, Chöre und Kammermusik zum 250. Geburtstag. Cappella Musikverlag Gera.
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Forschung

Zum Quellenbestand: Ihr musikalischer Nachlass liegt in mehreren Forschungsbibliotheken, vor allem in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar und im Thüringischen Hauptstaatsarchiv, auch im Goethe-Museum Düsseldorf und im Freien Deutschen Hochstift Goethe Museum Frankfurt.
Autor/innen:
Gabriele Busch-Salmen, Die Grundseite wurde im Mai 2004 verfasst.

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Sophie Fetthauer
Zuerst eingegeben am 26.05.2004.
Zuletzt aktualisiert am 23.06.2004.