Lexikalischer ArtikelMultimediale PräsentationMaterialsammlungKommentierte Links

Gitta Alpár

Gitta Alpar, Regina Kalisch (geb.)

* 5. Februar 1900 in Budapest, Ungarn.
† 17. Februar 1991 in Palm Springs, USA.

In einigen Quellen wird der 5.3.1903 als Geburtsdatum angegeben.

“Sie sitzt hier manch Stunden am Tag und träumt von ihrer Vergangenheit.”
(Gardenia Milano, Haushälterin von Gitta Alpár, in: “Mosaik”, ZDF, 21.08.1988.)
Mediennachweis

Quelle unbekannt

Tätigkeitsfelder
Sängerin, Schauspielerin, Vocal Coach, Gesangslehrerin.

Orte und Länder
Gitta Alpár trat hauptsächlich in Deutschland, Österreich und Ungarn auf. Nach 1933 kamen wenige Auftritte in England und in den USA hinzu.

Profil
Gitta Alpár war eine herausragende Operettensängerin in der Spätphase dieses Genres. Nach ihrer Ausbildung und ersten Auftritten in Ungarn schickte sie sich an, in Österreich und Deutschland die Nachfolge von Fritzi Massary anzutreten. Große Erfolge hatte sie zu Beginn der dreißiger Jahre, besonders in den Operetten ihres Landsmannes Paul Abraham. 1933 von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen, erlangte sie zwar in einigen englischen Operetten und Revuen eine gewisse Popularität, konnte aber ihre Karriere weder in England noch in den USA fortsetzen.

Rezeption - Exil

Gitta Alpárs Lebenslauf ist als exemplarisch anzusehen für drei wesentliche Aspekte des Exils (nicht nur von Frauen): das Vergessen, der Umgang mit Exilanten (einschließlich der posthumen Würdigung) und die Dauer des Exils.
Gitta Alpár war nach 1945 eine Vergessene, eine Unbekannte. Berichte in deutschen Zeitungen und Illustrierten gab es kaum. Ein kurzer zweispaltiger Bericht erschien 1951 in der “Hörzu” unter der Überschrift “Wo sie blieben und was sie trieben”. Da ist von einem geplanten Comeback in Europa und einer neuen Show am Broadway die Rede. Nichts davon hat sich verwirklicht. 1974 wurde fälschlicherweise die Nachricht ihres Todes veröffentlicht (Presseausschnitt vom 26.4.1974. Bundesarchiv/Filmarchiv.)
Ein wesentlicher Grund für das Vergessen hat seine Ursache darin, dass Gitta Alpárs Karriere in Deutschland und Österreich als großer Operettenstar nach sehr kurzer Zeit von den Nationalsozialisten unterbrochen wurde. Den Status Fritzi Massarys als “der” Operetten-Interpretin hat sie nie erlangt. In Deutschland dauerte ihre große Zeit etwa drei Jahre (im Gegensatz zu einer etwa dreißig Jahre währenden Karriere der Massary vor der “Machtergreifung”). Ihre Aufenthalte in Ungarn, Österreich, England und Frankreich glichen kurzen Gastspielen, und in den USA konnte sie nie Fuß fassen. Die Bereitschaft in Deutschland und Österreich, sich mit der NS-Vergangenheit einerseits und den Exilanten andererseits auseinander zu setzen und an diesen geschehenes Unrecht wieder gut zu machen, war gering. Zudem war Gitta Alpár nach eigener Aussage nicht bereit zurückzukehren, was der Rückkehr ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland und Österreich sicherlich im Wege stand. Martha Eggerth, Kollegin von Gitta Alpár und ebensolcher Operettenstar, trat nach 1945 häufig in Österreich auf und erfreut sich noch heute großer Bekanntheit und Beliebtheit.
“Wer ist Gitta Alpár?” fragte der Tagesspiegel anlässlich der Verleihung des Filmbandes. Dieses Vakuum konnte letztlich auch das Filmband in Gold nicht füllen. Die lexikografischen Artikel, so es sie denn überhaupt gibt, strotzen vor Fehlern, und in den kurzen Nachrufen, die auf ihren Tod folgten, liest man die wunderlichsten Dinge, etwa über ihre Zeit in den USA, “wo sie weiterhin als Operettensängerin auftrat und auch im Film Erfolg hatte.” („Süddeutsche Zeitung“, 28.2.1991.)
Das hört sich nach einer respektablen Karriere an, die Gitta Alpár im Exil nicht gemacht hat. Zum Ausdruck kommt damit, wie sich das kollektive Gedächtnis der Deutschen mit solchen Mitteilungen zu entschulden versuchte. Es mag eine böse Unterstellung sein, aber in all solchen Sätzen schwingt immer die Aussage mit, dass die Exilanten es im Exil doch gar nicht so schlecht hatten, vielleicht sogar besser, als die im kriegsgebeutelten Deutschland (und Österreich) Verbliebenen. Bezeichnend ist, dass die kurze Ehe mit Gustav Fröhlich nirgendwo Erwähnung findet. So machte man einen eleganten Bogen um die Tatsache, dass Fröhlich sich von seiner Frau (und seiner Tochter) trennte, weil sie Jüdin war und eine Mischehe seiner Karriere zumindest nicht zuträglich gewesen wäre. Hatte die zeitgenössische Presse berufliche Gründe für diese Trennung auszumachen versucht, liest man in der Rubrik “Stars von Gestern” im “Stern”, dass Fröhlich sich von seiner Frau trennte, weil er in Lida Baroova eine neue Geliebte gefunden hatte: “Seine Ehe mit Gitta Alpár ist nicht aus politischen Gründen kaputt gegangen.” („Stern“, 4.7.1965.) Schlussendlich wird man die Gründe nicht mehr vollständig klären können. Beide Beteiligten sind tot. Gustav Fröhlich verstarb im Dezember 1987 – in den Nachrufen der deutschen Tagespresse kein Wort über die Ehe mit Gitta Alpár, so als hätte es diese Ehe und sein menschliches Versagen nie gegeben. Eine schreckliche postnazistische Dichotomie: gute, unbefleckte Deutsche und glückliche Exilanten, die Deutschland “verließen” (um einen der gängigsten Euphemismen für Vertreibung zu gebrauchen), im Exil nahtlos an ihre Karriere anknüpfen konnten und dort glücklich und zufrieden bis an ihr seliges Ende lebten.
Gitta Alpár konnte im Exil nicht an ihre Erfolge anknüpfen, wenn sie auch im Gegensatz zu vielen anderen, durch ihre Heirat mit dem Dänen Niels Wessel Bagge (auch Niels Wessel de Bagge) eine finanziell sorglose Existenz führen konnte. Aber Gitta Alpárs Exil – war es 1945 wirklich zu Ende? Denn auch das ist Teil der deutschen Entschuldungsmythologie, dass für die Exilanten nach 1945 alles wieder wie früher war. Das ist unwahr. Gitta Alpárs Karriere war zerstört. Von deutscher und österreichischer Seite gab es offensichtlich wenig Interesse an ihr, man beschäftige viel lieber die Künstler, die in Deutschlands schwerer Zeit an der Seite der “Volksgenossen” ausgeharrt hatten. Als es nach 1968 zu einer gründlichen Aufarbeitung deutscher Vergangenheit kam und man in Deutschland anfing, sich intensiver mit den Exilanten auseinander zu setzen, wurden Gitta Alpár und mit ihr viele andere aus dem Bereich der Populär-Kultur nicht beachtet. Unterhaltungsmusik war, nicht zuletzt durch Adornos Diktum von der “Vulgärmusik” in einer Zeit, die explizit nach der politischen und gesellschaftlichen Bedeutung von Musik fragte, nicht salonfähig. Eine offizielle Würdigung in Deutschland ließ bis 1987 auf sich warten, zweiundvierzig Jahre nach Ende des “Dritten Reiches”. Nicht einmal anlässlich dieser Gelegenheit gab es Veranstaltungsreihen, Berichte und Interviews. In den großen deutschen Zeitungen, die alle über die Verleihung des Deutschen Filmpreises berichteten, findet sich kein Wort über Gitta Alpár: weder in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, noch in der “Welt”, nicht in der “Zeit” und auch nicht in der “Süddeutschen Zeitung”. Von daher ist die Pressemitteilung des ZDF für den bereits erwähnten “Mosaik”-Beitrag zynisch und bitter, aber wahr: “Gitta Alpár floh erneut, diesmal in die eigene Vergangenheit. Mit ihr lebt die heute 85jährige in Palm Springs.”
Gitta Alpár – ein Exil ohne Ende.

Biografie

Gitta Alpár wurde um 1900 in Budapest geboren. Nach dem Abschluss der Musikakademie begann sie 1923 an der Oper in Budapest ihre Laufbahn als Sängerin. 1927 ging sie nach Berlin, wo sie bis 1930 Ensemblemitglied der dortigen Staatsoper war. 1930 begann ihre Operettenkarriere mit einem sensationellen Einstand als Viktoria in Paul Abrahams Operette “Viktoria und ihr Husar”. In den folgenden Jahren war sie eine gefeierte Operettensängerin. Ihr Filmdebüt gab sie 1932 in “Gitta entdeckt ihr Herz”. Nach Joseph Goebbels’ Rede an die Filmschaffenden verließ sie Deutschland. Bis 1938 war sie hauptsächlich in Österreich und in England auf der Bühne tätig und drehte weiterhin Filme. 1939 wurde sie während einer Tournee vom Beginn des Zweiten Weltkrieges überrascht und blieb in den USA. An ihre europäische Vorkriegskarriere konnte sie nicht mehr anknüpfen. Einen letzten Auftritt hatte sie 1941 an der Seite von Marlene Dietrich in “The Flame of New Orleans”. 1987 erhielt Gitta Alpár in Berlin das Filmband in Gold für langjähriges Schaffen im deutschen Film. 1991 verstarb sie in Palm Springs.
nach oben

Würdigung

Gitta Alpár ist eine der herausragenden Operettensängerinnen aus der Spätphase dieses Genres, vom Stimmfach her ein leichter lyrischer Sopran mit guter Koloraturtechnik. Sie war die legitime Nachfolgerin von Fritzi Massary, die sich Anfang der dreißiger Jahre langsam von der Bühne zurückzog. Hatte die Massary hauptsächlich in den klassischen Werken der “silbernen” Operettenära (u.a. Franz Lehár, Emmerich Kálmán und Oscar Straus) Erfolge gefeiert, so war Gitta Alpár verstärkt im Typus der moderneren Tanzoperette zu sehen. Große Erfolge feierte sie in den Werken ihres Landsmannes Paul Abraham. Ihre Karriere wurde von den Nationalsozialisten beendet, die Entwicklung der Operette abgeschnitten. Wohin ihre Karriere geführt und wie sich das Genre weiterentwickelt hätte, muss Spekulation bleiben.
Ihre Film- und Operettenaufnahmen bestätigen den Eindruck vieler zeitgenössischer Kritiker von Raffinement und charmanter Textbehandlung. Auch klingt die Stimme runder als bei ihren früher entstandenen Opernaufnahmen, was bei den Filmaufnahmen auch mit der verbesserten Aufnahmequalität zu tun haben mag. Gitta Alpárs Qualitäten beeindruckten selbst Karl Kraus:

“Unter den vielen weiblichen Begabungen, die es unstreitig heute wieder gibt, muß der souveränsten Operettengestalt, die das jetzige Berlin aufweist, gedacht werden: Gitta Alpárs, der einzigen Sängerin seit der Stojan (die Geistinger habe ich nur als wiederkehrende Greisin gesehen), bei der – selbst in der Niederung der >Dubarry< – Singen und Sprechen, Ton und Gebärde selbstverständliche und nicht in Mühsal vereinte Funktionen bilden, für Offenbach geboren und an Rotter verloren.” („Die Fackel“, Nr. 864-867, Dez. 1931, S. 25.)

Erstaunlich ist tatsächlich ihre Fähigkeit, der Musik eine sprechende Qualität zu geben, trotz der manchmal antiquiert wirkenden Texte. Das spricht von einer großen gestischen und musikalischen Phantasie. Sie konnte Gebärden in Musik umsetzen, deshalb wirken ihre Aufnahme auch so gut wie nie kitschig. “Ich sing mein Lied bei Regen und Schnee” aus Emmerich Kálmáns “Das Veilchen vom Montmartre” ist mit sehr großer Sorgfalt gesungen und wird damit zu einer volksliedhaften Miniatur. Eine zeitgenössische Home-Story, “Gespräch im 90-km-Tempo” fasst ihre Wirkung sehr gut zusammen:

“Gitta Alpár ist der weibliche Richard Tauber der Operette. Ihr Gesang, in allen Registern meisterhaft, kultiviert bis in den Silberrand der Koloratur, aber darüber hinaus auf eine sinnliche Art weiblich durchwärmt, daß in jedem Lied Erleben fühlbar wird; sie bezaubert, obwohl keineswegs eine landläufig schöne Frau, bezaubert durch den erotischen Reiz ihrer Stimme; durch die delikaten Finessen ihres Gesangs. [. . .] Während sie singt, wirkt sie elementar.” („Der Wiener Tag“, 22.12.1934.)
nach oben

Rezeption

Gitta Alpárs Lebenslauf ist als exemplarisch anzusehen für drei wesentliche Aspekte des Exils (nicht nur von Frauen): das Vergessen, der Umgang mit Exilanten (einschließlich der posthumen Würdigung) und die Dauer des Exils.
Gitta Alpár war nach 1945 eine Vergessene, eine Unbekannte. Berichte in deutschen Zeitungen und Illustrierten gab es kaum. Ein kurzer zweispaltiger Bericht erschien 1951 in der “Hörzu” unter der Überschrift “Wo sie blieben und was sie trieben”. Da ist von einem geplanten Comeback in Europa und einer neuen Show am Broadway die Rede. Nichts davon hat sich verwirklicht. 1974 wurde fälschlicherweise die Nachricht ihres Todes veröffentlicht (Presseausschnitt vom 26.4.1974. Bundesarchiv/Filmarchiv.)
Ein wesentlicher Grund für das Vergessen hat seine Ursache darin, dass Gitta Alpárs Karriere in Deutschland und Österreich als großer Operettenstar nach sehr kurzer Zeit von den Nationalsozialisten unterbrochen wurde. Den Status Fritzi Massarys als “der” Operetten-Interpretin hat sie nie erlangt. In Deutschland dauerte ihre große Zeit etwa drei Jahre (im Gegensatz zu einer etwa dreißig Jahre währenden Karriere der Massary vor der “Machtergreifung”). Ihre Aufenthalte in Ungarn, Österreich, England und Frankreich glichen kurzen Gastspielen, und in den USA konnte sie nie Fuß fassen. Die Bereitschaft in Deutschland und Österreich, sich mit der NS-Vergangenheit einerseits und den Exilanten andererseits auseinander zu setzen und an diesen geschehenes Unrecht wieder gut zu machen, war gering. Zudem war Gitta Alpár nach eigener Aussage nicht bereit zurückzukehren, was der Rückkehr ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland und Österreich sicherlich im Wege stand. Martha Eggerth, Kollegin von Gitta Alpár und ebensolcher Operettenstar, trat nach 1945 häufig in Österreich auf und erfreut sich noch heute großer Bekanntheit und Beliebtheit.
“Wer ist Gitta Alpár?” fragte der Tagesspiegel anlässlich der Verleihung des Filmbandes. Dieses Vakuum konnte letztlich auch das Filmband in Gold nicht füllen. Die lexikografischen Artikel, so es sie denn überhaupt gibt, strotzen vor Fehlern, und in den kurzen Nachrufen, die auf ihren Tod folgten, liest man die wunderlichsten Dinge, etwa über ihre Zeit in den USA, “wo sie weiterhin als Operettensängerin auftrat und auch im Film Erfolg hatte.” („Süddeutsche Zeitung“, 28.2.1991.)
Das hört sich nach einer respektablen Karriere an, die Gitta Alpár im Exil nicht gemacht hat. Zum Ausdruck kommt damit, wie sich das kollektive Gedächtnis der Deutschen mit solchen Mitteilungen zu entschulden versuchte. Es mag eine böse Unterstellung sein, aber in all solchen Sätzen schwingt immer die Aussage mit, dass die Exilanten es im Exil doch gar nicht so schlecht hatten, vielleicht sogar besser, als die im kriegsgebeutelten Deutschland (und Österreich) Verbliebenen. Bezeichnend ist, dass die kurze Ehe mit Gustav Fröhlich nirgendwo Erwähnung findet. So machte man einen eleganten Bogen um die Tatsache, dass Fröhlich sich von seiner Frau (und seiner Tochter) trennte, weil sie Jüdin war und eine Mischehe seiner Karriere zumindest nicht zuträglich gewesen wäre. Hatte die zeitgenössische Presse berufliche Gründe für diese Trennung auszumachen versucht, liest man in der Rubrik “Stars von Gestern” im “Stern”, dass Fröhlich sich von seiner Frau trennte, weil er in Lida Baroova eine neue Geliebte gefunden hatte: “Seine Ehe mit Gitta Alpár ist nicht aus politischen Gründen kaputt gegangen.” („Stern“, 4.7.1965.) Schlussendlich wird man die Gründe nicht mehr vollständig klären können. Beide Beteiligten sind tot. Gustav Fröhlich verstarb im Dezember 1987 – in den Nachrufen der deutschen Tagespresse kein Wort über die Ehe mit Gitta Alpár, so als hätte es diese Ehe und sein menschliches Versagen nie gegeben. Eine schreckliche postnazistische Dichotomie: gute, unbefleckte Deutsche und glückliche Exilanten, die Deutschland “verließen” (um einen der gängigsten Euphemismen für Vertreibung zu gebrauchen), im Exil nahtlos an ihre Karriere anknüpfen konnten und dort glücklich und zufrieden bis an ihr seliges Ende lebten.
Gitta Alpár konnte im Exil nicht an ihre Erfolge anknüpfen, wenn sie auch im Gegensatz zu vielen anderen, durch ihre Heirat mit dem Dänen Niels Wessel Bagge (auch Niels Wessel de Bagge) eine finanziell sorglose Existenz führen konnte. Aber Gitta Alpárs Exil – war es 1945 wirklich zu Ende? Denn auch das ist Teil der deutschen Entschuldungsmythologie, dass für die Exilanten nach 1945 alles wieder wie früher war. Das ist unwahr. Gitta Alpárs Karriere war zerstört. Von deutscher und österreichischer Seite gab es offensichtlich wenig Interesse an ihr, man beschäftige viel lieber die Künstler, die in Deutschlands schwerer Zeit an der Seite der “Volksgenossen” ausgeharrt hatten. Als es nach 1968 zu einer gründlichen Aufarbeitung deutscher Vergangenheit kam und man in Deutschland anfing, sich intensiver mit den Exilanten auseinander zu setzen, wurden Gitta Alpár und mit ihr viele andere aus dem Bereich der Populär-Kultur nicht beachtet. Unterhaltungsmusik war, nicht zuletzt durch Adornos Diktum von der “Vulgärmusik” in einer Zeit, die explizit nach der politischen und gesellschaftlichen Bedeutung von Musik fragte, nicht salonfähig. Eine offizielle Würdigung in Deutschland ließ bis 1987 auf sich warten, zweiundvierzig Jahre nach Ende des “Dritten Reiches”. Nicht einmal anlässlich dieser Gelegenheit gab es Veranstaltungsreihen, Berichte und Interviews. In den großen deutschen Zeitungen, die alle über die Verleihung des Deutschen Filmpreises berichteten, findet sich kein Wort über Gitta Alpár: weder in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, noch in der “Welt”, nicht in der “Zeit” und auch nicht in der “Süddeutschen Zeitung”. Von daher ist die Pressemitteilung des ZDF für den bereits erwähnten “Mosaik”-Beitrag zynisch und bitter, aber wahr: “Gitta Alpár floh erneut, diesmal in die eigene Vergangenheit. Mit ihr lebt die heute 85jährige in Palm Springs.”
Gitta Alpár – ein Exil ohne Ende.
nach oben

Repertoire

Siehe unter Biografie.
nach oben

Quellen

Archive

Bundesarchiv/Filmarchiv. Alpár-Konvolut.

Literatur und Quellen (chronologisch)

Der Ewige Jude: 265 Bilddokumente. Gesammelt von Hans Diebow. München: Zentralverlag der NSDAP, 1938.

Kaznelson, Siegmund (Hg.). Juden im deutschen Kulturbetrieb. 2., stark erw. Aufl. Berlin: Jüdischer Verlag, 1959.

Kálmán, Vera. Die Welt ist mein Zuhause. München: Universitas Verlag, 1980. S. 204-205.

Fröhlich, Gustav. Waren das Zeiten. München: Herbig, 1983.

Horak, Jan-Christopher. Fluchtpunkt Hollywood. 2., erw. u. korr. Aufl. Münster: MakS Publikationen, 1986.

Kutsch, K. J. und Riemens, Leo. Großes Sängerlexikon. Berlin: Saur, 1993.

Gänzl, Kurt. The Encyclopedia of The Musical Theatre. New York: Schirmer, 1994.

Pass, Walter; Scheit, Gerhard; Svoboda, Wilhelm. Orpheus im Exil. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1995.

Siodmak, Curt. Unter Wolfsmenschen. Bd. 1. Europa. Bonn: Weidle
Verlag, 1995. S. 201, 204.

Koelbl, Herlinde. Jüdische Porträts. Frankfurt am Main: Fischer, 1998. S. 9-12. (Reprint der Ausgabe von 1989.)

Trapp, Fritjof u.a. (Hg.). Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945. München: Saur, 1999.

Dompke, Christoph. Gitta Alpár. In: Lebenswege von Musikerinnen im “Dritten Reich” und im Exil. Arbeitsgruppe “Exilmusik” am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg (Hg.). Hamburg: von Bockel, 2000.

Rezensionen (chronologisch)

“Berlin Goes for Operetta”, in: New York Times, 20. September 1931.

Karl Kraus. “Notizen, Briefe, Glossen” in: Die Fackel, Nr. 864-867, Dezember 1931, S. 25.

“Die oder Keine”, in: Film-Kurier, 27.9.1932.

“Ein Abend mit Gitta Alpar”, in: Mein Film, Jg. 1933, Nr. 384.

“Gespräch im 90-km-Tempo”, in: Der Wiener Tag, 22.12.1934.

“Wie sie da steht ..:”, in: Neue Freie Presse, 22.12.1934, Nr. 25244, S. 10

“Die verliebte Königin”, in: Kronenzeitung, 22.12.1934

“Audienz bei der verliebten Königin”, in: Mein Film, Jg. 1934, Nr. 461.

“Gitta Alpar schreibt aus Paris”, in: Mein Film, Jg. 1934, Nr. 468.

“Gustav Fröhlich und Gitta Alpar teils offiziell, teils privat”, in: Mein Film, Jg. 1934, Nr. 454.

“So endete eine Liebe ...”, in: Mein Film, 17. Januar 1935.

“Süße kleine Julika”, in: Mein Film, Jg. 1935, Nr. 483.

“Gitta Alpar an der Himmelstür”, in: Mein Film, Jg. 1936, Nr. 569.

“The New Cochran Revue”, in: New York Times, 21.2.1937.

“I give my heart”, in: Variety, 6.4.1938.

“Disque 413”, in: Variety, 19.8.1936.

“Wo sie blieben und was sie trieben – Gitta Alpar”, in: Hörzu, Dezember 1951.

“Stars von Gestern – Gitta Alpar”, in: Stern, 4.7.1965.

Carl H. Hiller. “Schöne Stimmen von damals – Gitta Alpár”, in: Opernwelt, Jg. 22 1981, H. 10, S. 54.

“Zwei lebende Zeitzeuginnen – Gitta Alpar und Betty Amann erstmals seit 1933 in Berlin”, in: Der Tagesspiegel, 12. Juni 1987.

“Gitta Alpar gestorben”, in: Der Tagesspiegel, 27.2.1991.

“Die Operettendiva – Zum Tod von Gitta Alpar”, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.2.1991.

Diskografie

The Dubarry – Madame Pompadour.
Anny Ahlers, Gitta Alpar, Heddle Nash u.a.
Wadhurst : Pearl, p. 1993.
(Original Cast Series)

Gitta Alpar.
Wien: Preiser Records, p. 1996.
(Lebendige Vergangenheit)
CD 89128

Gitta Alpar singt ihre großen Film- und Operettenerfolge.
München : Stereoton GmbH, p. 1969
(Goldene Erinnerungen)
LP H 618

“Was hat eine Frau von der Treue?” – Gitta Alpár singt Abraham, Brodszky & Kálmán. Historische Aufnahmen von 1931 – 1940.
Duophon Records, 2003. – 1 CD.
(Edition Berliner Musenkinder)

Filmografie

Die oder keine (Deutschland 1932, Regie: Carl Froelich), in den USA unter dem Titel: She or Nobody.

Gitta entdeckt ihr Herz (Deutschland 1932, Regie: Carl Froelich).

Ball im Savoy (Ungarn 1935, Regie: Istvan Szekeley), ungarischer Titel: Bál a Savoyban.

I Give My Heart (England 1935, Regie: Marcel Varnay), Film-Version von Mackebens Millöcker-Bearbeitung “Die Dübarry”, in den USA unter dem Titel: The Loves of Madame Dubarry.

Because of Love (England 1935, Regie: J. Elder Wills).

Guilty Melody (England 1936, Regie: Richard Potter), gleichzeitig entstand eine französische Version unter dem Titel: Le Disque 413.

The Flame of New Orleans (USA 1941, Regie: René Clair).

Mosaik – Treffpunkt der Generationen, ZDF 21.8.1987. „Ganz Berlin lag ihr zu Füßen: Gitta Alpar“. Beitrag von Diethard Prengel.
nach oben

Forschung

Ein Nachlass von Gitta Alpár ist nirgendwo verzeichnet, so es überhaupt einen gibt, müsste er sich heute in Privatbesitz befinden.
nach oben

Forschungsbedarf

Über Gitta Alpár liegt keine wissenschaftliche Monografie vor, besonders wenig Informationen und verlässliche Grunddaten liegen über ihre Zeit in den USA vor, aber auch ihre Auftritte und Filme in England harren noch einer Aufarbeitung. Ebenso fehlt es an einer ausführlichen Darstellung der Operetten, die Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre entstanden (u.a. die Operetten Paul Abrahams und anderer Komponisten aus der Spätphase der Weimarer Republik) wie auch der Tonfilmoperette.
Autor/innen:
Christoph Dompke, Die Grundseite wurde im Mai 2004 verfasst.

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Sophie Fetthauer
Zuerst eingegeben am 26.05.2004.
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2004.