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  • Ana Maria Rodriguez

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    Impressum

    Konzept: Kirsten Reese und Ana Maria Rodriguez

    Webdesign und –programmierung: Stefan Wendel / form-L1

    Fotos: Uwe Walther (Ana Maria Rodriguez), Andreas Köpnick (Mikroben)


    Diese Website wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „Musik und Gender im Internet“ – Leitung: Prof. Dr. Beatrix Borchard, wissenschaftliche Mitarbeit: Kirsten Reese – am Musikwissenschaftlichen Seminar Musikhochschule Detmold/Universität Paderborn - realisiert und vom Innovationsprogramm der Universität Paderborn finanziert.


    Kommentar

    1. Genese und Projekthintergrund
    2. Konzept


    Genese und Projekthintergrund


    Die multimediale Präsentation zu Ana Maria Rodriguez entstand im Herbst 2001 als eine von acht "Fallbeispielen" für multimediale Darstellungen auf der Internetplattform des Forschungsprojekts MUGI, für das damals das Gesamtkonzept erarbeitet wurde. Vier multimediale Präsentationen waren zeitgenössischen Komponistinnen gewidmet: Natalia Pschenitschnikova, Kirsten Reese, Ana Maria Rodriguez und Katia Tchemberdji. Die Präsentationen wurden von Kirsten Reese, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei MUGI, in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Komponistin inhaltlich konzipiert und von einer/einem Webdesigner/in programmiert.

    Bei jeder Präsentation standen jeweils andere Aspekte im Mittelpunkt der Darstellung, die sich zum einen aus der Materiallage und dem Profil der Komponistin (Arbeit mit elektronischen Medien, Performance, Unterrichtstätigkeit usw.) ergaben, zum anderen aus der Absicht, in den Fallbeispielen verschiedene Methoden und Darstellungsformen auszuprobieren (also z.B. interaktive Werkdokumentationen, Interview mit Audioausschnitten usw.). Auch Layout und Design wurden bewusst immer verschieden konzipiert, um jeder Seite ein eigenes "Gesicht" zu geben, das auch durch die Art der Darstellung inhaltliche Akzente setzt.


    Kirsten Reese: Sehen/Hören/Lesen/Assoziieren. Überlegungen zu Darstellungsmöglichkeiten in und mit multimedialen und interaktiven Medien


    Konzept


    In dieser multimedialen Präsentation werden drei Werke der argentinischen, in Berlin lebenden Komponistin Ana Maria Rodriguez vorgestellt: "Automatische Musik" für Mikroorganismen, Instrumente & Elektronik (2000), "El jardin de senderos que se bifurcan" für Trompete, Posaune, Inside Piano, Computer & Lautsprechersystem (2001), und "One Way" für zwei verstärkte Flöten mit Powerbook, Inside Piano, 5 Lautsprecher & Computer (2001).

    Ana Maria Rodriguez komponiert Werke für Instrumente und Elektronik. Sie tut dies zu Hause in ihrem eigenen Studio, ihr "Instrument" und ihr kompositorisches Arbeitsmittel ist der Computer. Mit der Musiksoftware Max programmiert sie sogenannte "Patches": algorhythmische Applikationen, die Instrumentalklänge live-elektronisch verändern. Eine Partitur gibt es nicht, statt dessen besteht das Aufführungsmaterial aus Instrumentalstimmen, die ebenfalls am Computer erstellt werden. Die Instrumentalstimmen sind meistens nicht konventionell in Notenschrift mit Tonhöhen und Rhythmen notiert, sondern enthalten verbale Anweisungen zu Instrumentalbehandlung, Geräuscherzeugung, Zeitnotation usw.

    In ihren Arbeiten bezieht sich Ana Maria Rodriguez auch immer auf den Aufführungsraum, für den sie ein Stück komponiert. Daher wurden in die Internetpräsentation viele Fotos und Videos eingebunden, die die Räume oder Orte zeigen, für die die vorgestellten Kompositionen entstanden. Rodriguez benutzt gewissermaßen den Raum als Instrument, und insofern gehören bei ihren Arbeiten die Raumpläne usw. mit zum Aufführungsmaterial, das dementsprechend in eine Dokumentation ihrer Arbeit einbezogen werden muss.


    Da für Ana Maria Rodriguez der Computer ein alltägliches Handwerkszeug ist, musste das Material für die Internetpräsentation nicht erst digitalisiert werden. Klangbeispiele und Videoausschnitte waren in digitaler Form vorhanden und konnten von der Komponistin selbst bearbeitet und komprimiert werden.


    Insgesamt betont die Site die technischen Zusammenhänge der Erarbeitung der Kompositionen. Dass die Komponistin nicht persönlich zu Wort kommt, entspricht dem distanziert-forschenden Ansatz ihrer künstlerischen Auseinandersetzung.


    Weitere Aspekte zu einzelnen Bereichen:


    Der Bereich über die Konzertinstallation "Automatische Musik" beginnt mit einem einführenden Text über das Konzept des Stücks. Ein Foto,

    das Mikroben in extremer Vergrößerung zeigt, füllt den gesamten Bildschirmhintergrund. Dieses Bild der Mikroben wurde während der Aufführung an die Wand des Konzertsaals projiziert. Das "Hintergrundfoto" auf der Internetseite ist also nicht als grafisches Element gedacht, sondern gehört mit zur Darstellung des Stücks. (Auch die anderen Bereiche der Präsentation nutzen ein bildschirmfüllendes Foto als Hintergrund, bei "El jardin" und "One way" haben sie jedoch tatsächlich eher eine grafische Funktion, obwohl es auch hier inhaltliche Verbindungen gibt: "El jardin" z.B. fand statt in einer Bibliothek aus dem 18. Jahrhundert voller leerer Holzregale - im Bereich zu "El jardin" wird Holz als grafischer Hintergrund benutzt). Von der ersten Seite des Bereichs aus ist eine Unterseite anklickbar, die sich in einem kleinen Format über die Hauptseite legt. Sie ist weniger wichtig, hat quasi die Funktion einer Anmerkung, die Hintergrundfakten liefert, in diesem Fall Aufführungsdatum, - ort und Interpreten.


    Ausgangpunkt im Bereich "El jardin" sind (wie bei der multimedialen Präsentation zu Pschenitschnikova) Programmhefttexte der Komponistin. Bei Ana Maria Rodriguez sind sie aber weniger persönlicher, sondern eher technischer Natur. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass eine Einführung in das technische Setup zum Verständnis der Stücke wichtig ist, und zum anderen damit, dass es eine Verbindung zwischen technischem Setup, programmierten Algorhythmen der live-elektronischen Manipulation und dem konzeptuellen Ansatz der Stücke gibt. Durch die Texte wird deutlich, dass die Technik, der Computer als Arbeitsmittel und das kompositorische Anliegen von Rodriguez' Werken immer sehr eng verknüpft sind. So denkt Rodriguez bezogen auf "El jardin" ihre Musik in Analogie zu Informationsabläufen im Internet:

    "Der Hörer bewegt sich in einem Labyrinth aus klanglichen und visuellen Totalen und Feineinstellungen. Je nach Standort verändert sich für ihn der musikalische Kontext, je nach Wegrichtung die erlebte musikalische Zeit. Dieses Zeitkonzept ist mit einem Hypertext, etwa einem html-Text vergleichbar, der sich unter der gerichteten Oberfläche in verschiedenste Ebenen verzweigen kann."

    Dieser kompositorische Ansatz verweist auf den argentinischen Schriftstellers Jorge L. Borges, von dessen Buch "Der Garten der Pfade, die sich verzweigen" Rodriguez den Titel ihrer Komposition ableitete. Der Titel wiederum verweist auf den Aufführungsort, die verwinkelte Bibliothek, die Ausgangspunkt des Stücks wurde. Da der Aufführungsraum für diese Komposition einen zentralen Bezugspunkt darstellt, wurden auf der Seite zwei Videos (ohne Ton) eingebunden, die die verwinkelte Struktur des Raums vermitteln sollen.


    Ein Link führt zu einer Website über Jorge L. Borges (http://www.literatura.org/Borges/; 17.7.2005). Es handelt sich um eine in Argentinien erstellte Webseite auf Portugiesisch - man muss also davon ausgehen, dass die Texte der Seite den meisten Nutzerinnen und Nutzern nicht verständlich sein werden. Dennoch kann sie einen atmosphärischen Eindruck vermitteln, der nicht nur zu Borges, sondern auch zu der Komponistin, die ebenfalls aus Argentinien stammt, einen Bezug herstellt, insbesondere weil es natürlich auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse möglich ist, durch die Site zu navigieren, etwa Fotos ("las fotos") anzuklicken. Der "Besuch" (wie es ja auch in der Terminologie des Internet heißt) dieser Seite ließe sich einem kurzen Besuch in einem fremden Land vergleichen, wo man zwar die Sprache nicht beherrscht, aber dennoch in der fremden Umgebung das lokale Kolorit aufschnappen kann. [1]


    Auf den Unterseiten von 'El jardin' ist Aufführungsmaterial abrufbar: das technische Setup, das insbesondere die Position der Lautsprecher zeigt; ein Screenshot eines sogenannten "Patches" der Audio-Software Max; und die Instrumentalstimmen mit verbal notierten Aufführungsanweisungen und Audiobeispielen. Die Audiobeispiele enthalten nur den Ausgangsklang und die live-elektronische Verfremdung des jeweiligen Instruments, ohne deren Einbindung in den Gesamtkontext der elektronischen Klänge. Die Instrumentalstimmen isoliert zu hören ist sinnvoll, weil die Originalklänge der Instrumente durch die Elektronik oft extrem verändert und transformiert werden, und es daher gar nicht möglich wäre, wie bei einer "klassischen" Partitur die Stimmen in der Partitur mitzulesen.


    [1] Vergleicht man Internetseiten aus verschiedenen Ländern, kann man leicht erkennen, wie sehr sich von Land zu Land die Gestaltung hinsichtlich Typografie, Designstil, Navigation usw. unterscheidet