 |  Biografie
 Als Tochter eines Vaters, der militärischen Drill liebt und seine Kinder früh 'abhärtet', indem er sie morgens um fünf Uhr weckt, damit sie noch vor der Schule im Rhein schwimmen oder eine Wanderung machen, verbringt Elly Ney den Großteil ihrer Kindheit in Bonn. Nach erster Förderung durch den dortigen Universitäts-Musikdirektor Leonhardt Wolff (1848-1934) erhält sie binnen neun Jahren eine solide pianistische Ausbildung bei Isidor Seiß (1840-1905) am Kölner Konservatorium. Ihre Begabung fällt auf, sie findet Förderer, gewinnt bereits 1900 in Berlin den Mendelssohn-Preis. Ohne Wissen des Vaters, aber mit Einverständnis der Mutter fährt sie 1903 heimlich nach Wien. Dort studiert sie zunächst kurz bei Theodor Leschetitzky und beendet schließlich ihr Studium als Meisterschülerin Emil von Sauers. Der Weg zur Virtuosin wird von ihr mit viel Energie verfolgt; sie ist so erfolgreich, dass sie schon nach wenigen Jahren ihre 1906 begonnene Unterrichtstätigkeit am Kölner Konservatorium zugunsten einer Weltkarriere als Pianistin aufgibt. Sie wird gleichermaßen bejubelt in Soloabenden, bei der Interpretation von Kammermusik und als Solistin bei Orchesterkonzerten und konzertiert in den zwanziger Jahren regelmäßig in USA. Elly Ney, die frühzeitig Beethoven zu ihrer Identifikationsfigur wählt, führt "ein Leben für die Kunst", ihre private Korrespondenz zeugt hingegen von einer weniger glanzvollen Biografie (zwei gescheiterte Ehen, problematische Haltung angesichts der politischen Verhältnisse). Die Pianistin, die noch als 85jährige praktisch bis zu ihrem Tode auftritt, widmet sich zunehmend allein dem Werk Beethovens. Dabei beschränkt sie sich nicht auf die Musik, sondern interpretiert alles, beantwortet sogar ihre Post mit Zitaten aus Beethovens Briefen. Besonders gerne rezitiert sie zu Konzertbeginn das "Heiligenstädter Testament".   | 
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 |  Quellen
 Autobiografie
Ney, Elly, "Ein Leben für die Musik" (Bearbeitung und Zwischentexte von Josef Magnus Wehner), Darmstadt 1952. Das erfolgreiche Buch erschien bereits fünf Jahre später in einer zweiten und erweiterten Auflage: Ney, Elly, "Erinnerungen und Betrachtungen. Mein Leben aus der Musik", Aschaffenburg 1957.
Literatur (chronologisch)
Pidoll, Carl von, "Elly Ney. Gedanken über ein Künstlertum", Leipzig 1942.
Maurina, Zenta, "Begegnung mit Elly Ney. Eine Danksagung", Memmingen 1956.
Schindler, Heinrich, "Elly Ney" ("Rheinische Portraits", Band 7), München-Köln 1957.
Herzfeld, Friedrich, "Elly Ney" (Reihe: "Die großen Interpreten"), Genf 1962.
Hoogstraten, Eleonore van (Hg.), "Worte des Dankes an Elly Ney", Tutzing 1968.
Hein, Helmut, "Professor Elly Ney spielt. Ein Sonettenzyklus. Erlauscht von Helmut Hein", [1979?].
Vogel, Heinrich, "Aus den Tagebüchern von Elly Ney", Tutzing 1979.
Hoogstraten, Eleonore van (Hg.), "Elly Ney, Briefwechsel mit Willem van Hoogstraten, Erster Band, 1910-1926", Tutzing 1970.
Bei der oben genannten Literatur handelt es sich zumeist um "Huldigungsschriften". Der von Elly Neys Tochter herausgegebene bisher einzige erschienene Band des Briefwechsels beschränkt sich auf Privatkorrespondenz, die ein einseitiges, durchweg positives Bild der jungen Pianistin vermittelt.
Ein Aufsatz von Beate Angelika Kraus, basierend auf einem 2001 in Berlin gehaltenen Vortrag, ist 2004 erschienen:
Beate Angelika Kraus: Elly Ney und Thérèse Wartel: Beethoven-Interpretation durch Pianistinnen - eine Selbstverständlichkeit?, in: Der "männliche" und der "weibliche" Beethoven. Bericht über den Internationalen musikwissenschaftlichen Kongress vom 31. Oktober bis 4. November 2001 an der Universität der Künste Berlin, hg. von Cornelia Bartsch, Beatrix Borchard und Rainer Cadenbach (Schriften zur Beethoven-Forschung, Band 18) , Bonn 2003, S. 429-447.
Diskografie (Auswahl)
Bei Colosseum Schallplatten erschien zum 120. Geburtstag von Elly Ney im Jahr 2002 eine Serie von Aufnahmen mit Elly Ney aus den Jahren 1960 bis 1968 (Vertrieb: Musikwelt):
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 30 E-dur op. 109, Sonate Nr. 31 As-dur op. 110, Sonate Nr. 32 c-moll op. 111
COL 9012.2
Ludwig van Beethoven: Andante favori · Für Elise, Variationen "Nel cor piu non mi sento", Sonate Nr. 32 c-moll op. 111
COL 9013.2
Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-moll op. 37, Klavierkonzert Nr. 4 G-dur op. 58
Nürnberger Symphoniker, Dirigent Willem van Hoogstraten
COL 9015.2
Franz Schubert: Wanderer-Fantasie C-dur op. 15
Robert Schumann: Symphonische Etüden op. 13 + Anhang
COL 9016.2
Ludwig van Beethoven: Klaviersonaten op. 7,
op. 13 "Pathétique" und op. 26
COL 9018.2
Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-dur op. 73, Klaviersonate f-moll op. 57 Appassionata
Nürnberger Symphoniker, Dirigent Willem van Hoogstraten
COL 9019.2
Ludwig van Beethoven : Mondscheinsonate, Der Sturm, Waldstein-Sonate
COL 9021.2
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 18 op. 31,3, Variationen, Ecossaisen, Rondo a capriccio G-dur op. 129, Adagio aus der Hammerklaviersonate
COL 9022.2
Mendelssohn: aus: Lieder ohne Worte
Franz Schubert: Moments musicaux, Impromptus
Frédéric Chopin: Ballade As-dur op. 47, Fantasie f-moll op. 49
COL 9023.2
Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo für Klavier a-moll KV 511, Sonate A-dur KV 331, Sonate für Klavier Nr. 10 C-dur KV 330
COL 9024.2  | 
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