Forschungsbedarf
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Brandes, Minna (* 1765 † 1788 )
Die Rolle der Musik im Wirken der Wanderschauspieler wurde noch nicht aufgearbeitet.Storace, Nancy (* 1765 † 1817 )
Systematische Auswertung der Briefe/des Briefwechsels im Sir John Soane’s Museum London.
Forschungen zum sozialen Status der Primadonnen am Wiener Hoftheater unter Joseph II.
Nancy Storace scheint eine besonders gesellige und Gesellschaft pflegende Person gewesen zu sein. Wo sie auftrat, war sie Mittelpunkt eines illustren Kreises, nicht nur bestehend aus Musikern und Sängerkollegen, sondern – über ihren Bruder – auch bestehend aus Komponisten, aber auch Literaten, Architekten, Gelehrten, Politikern und vielen anderen. Insofern wäre die Aufarbeitung des Zirkels um Nancy Storace – sowohl während ihrer Zeit in Italien, als auch aus der Wiener, der Londoner und der späteren Zeit in Herne Hill – wünschenswert.
Lange, Aloisia (* 1759 † 1839 )
Als „berühmte Schwägerin des berühmten Mozart“ sind Leben und Wirken der Aloisia Lange vergleichsweise gut erforscht. Gleichwohl ist vor allem für ihr Repertoire jenseits von Mozart noch großer Forschungsbedarf anzumerken, auch um die Breite ihres Repertoires zu vergegenwärtigen.Interessant wären darüber hinaus Dokumentationen ihrer zahlreichen Konzertreisen.
Institutionsgeschichtlich kann sie als Schlüsselfigur der Wiener Bühnen der 1780er und 1790er Jahre gelten – eine Position, die es ermöglichen könnte, anhand ihrer Person und Funktion die dortige Situation genauer zu fassen.
Auernhammer, Josepha (* 1758 † 1820 )
Josepha Auernhammer kann als besonders interessantes Beispiel einer vielseitig begabten und aktiven Musikerin der Wiener Klassik angesehen werden. Gleichwohl gehören viele Aspekte zu Leben und künstlerischer Arbeit Josepha Auernhammers noch zu den Forschungsdesideraten. Einige Punkte seien hierzu beispielhaft angesprochen:· Möglichkeiten der musikalischen Ausbildung und Entfaltung von Frauen (Wien, 1780er Jahre)
· Mozart als Lehrer (und Förderer) Wiener Pianistinnen. Dieser Punkt ist insofern aufschlussreich, als Mozart in Josepha Auernhammer offenbar eine ähnliche Künstlerin gesehen hat wie in seiner Schwester (vgl. dazu erste Ansätze in Unseld 2006). In der Familienkorrespondenz ist mehrfach von entsprechenden Vergleichen die Rede. Interessant bleibt dies im Blick auf Nannerl Mozart, da Josepha Auernhammer just zu jener Zeit eine professionelle Künstlerinnenlaufbahn einschlug (unterstützt von ihrem Lehrer Mozart), als Nannerl Mozart in Salzburg keine berufliche Perspektive mehr sah.
· Das Repertoire
· Ihr kompositorisches Werk
· Rezeption der Pianistin und Komponistin Josepha Auernhammer
· Kontakte und Tätigkeiten im Zusammenhang mit Wiener Verlegern
· Tätigkeit und Wirken ihrer Tochter, Anna Czegka (Lehrerin von Henriette Sonntag)
Zu den zahlreichen Falschüberlieferungen in Bezug auf Josepha Auernhammer gehört der Hinweis auf ihre adelige Herkunft und eine reiche Erbschaft. Lohnend wäre in diesem Zusammenhang die Aufarbeitung aller Fehlinformationen bzw. auch deren Funktion im Kontext von Musikgeschichtsschreibung über weibliche Künstler.
Ployer, Babette (* 1765 † 1810 )
Da man kann davon ausgehen, dass Babette Ployer als Kompositionsschülerin Mozart tatsächlich auch komponiert hat, und Werke von ihrer Hand – über das Studienbuch hinaus – bis heute nicht bekannt sind, wäre nach ihren Kompositionen zu suchen.Unklar bleiben bislang auch die Angaben über Babette Ployer während der Zeit ihrer Ehe. Auch ihr Todesdatum ist unbekannt.
Zu hoffen ist, dass das seit 1945 verschollene Stammbuch der Babette Ployer wieder aufgefunden wird. Hieraus sind auch genauere Angaben über ihren künstlerischen Zirkel in Wien zu erwarten.
Michael Lorenz bemerkt in seinem Aufsatz über Ployer zu Recht: „Eine umfassende, auf allen Quellen basierende Studie zu Mozarts Schülerinnen bliebe noch zu schreiben.“ (Lorenz 2000, S. 24).
Strinasacchi, Regina (* 1761 † 1839 )
Eine systematische Auswertung der zeitgenössischen Publikationen (Cramer u.a.) im Hinblick auf Rezensionen über Regina Strinasacchis Konzerte in Deutschland, Frankreich und Italien steht noch aus. Hieraus wäre evtl. auch ein Einblick in ihr Repertoire möglich.Darüber hinaus ist zu erwarten, dass eine lokalgeschichtliche Forschung in Gotha weiteres Material zu Regina Strinasachi, ihr Wirken am Gothaer Hof und ihrer Familie zu Tage bringen könnte.
Bislang unbekannt sind ihre eigenen Kompositionen (wahrscheinlich vorwiegend für ihr eigenes Instrument) (s. Magazin der Musik. 2. Jg. Erste Hälfte. 1784. S. 346).
Cavalieri, Catarina (* 1755 † 1801 )
• Zu den wichtigsten Forschungsdesideraten ist die Erforschung des Repertoires von Catarina Cavalieri zu zählen. Über die von ihr interpretierten Partien, vor allem aber über die für sie komponierten Rollen ließe sich ihr Stimmenprofil gut herausarbeiten (vgl. auch Lewy Gidwitz 1991), so dass das Diktum der „geläufigen Gurgel“ an Prägnanz gewönne.• Da sie als Schlüsselfigur der Primadonnen-Kultur im Wien der Mozart-Zeit gelten muß, sind auch auf diesem Gebiet lohnenswerte Forschungen möglich.
Kirchgessner, Marianne (* 1769 † 1808 )
· Über die bereits vorliegenden Dokumentationen der Konzertreisen bei Schneider und Ullrich hinaus gehört eine Untersuchung zu den Konzertreisen zu den wichtigsten Forschungsdesideraten.· Weiterer Forschungsbedarf besteht bei der Aufarbeitung ihres Repertoires und der für sie komponierten Werke. Dies könnte u.a. durch die systematische Auswertung der Rezensionen erfolgen.
· Der Einfluss ihres Spiels auf die zeitgenössischen Literaten wird aus literaturwissenschaftlicher Perspektive erwähnt, auch hier müssten allerdings Forschungen ansetzen, um im interdisziplinären Dialog dem Phänomen des Klangs der Glasharmonika in Verbindung mit der Person Kirchgessners nachzugehen.
· Schließlich gehört eine allgemeinere Aufarbeitung der im 18. und frühen 19. Jahrhundert auftretenden Glasharmonika-Virtuso(inn)en zum weitergreifenden Forschungsbedarf (vgl. dazu auch Thomsen-Fürst 2003).
Mozart, Maria Anna (* 1751 † 1829 )
Zahlreiche Aspekte von Leben und musikalischem Handeln Maria Anna Mozarts sind noch nicht hinreichend erforscht, so zum Beispiel:· ihre tatsächlichen musikalischen Fähigkeiten neben ihrem pianistischen Können, z.B. auf dem Gebiet der Komposition, Instrumentation, Improvisation etc.;
· ihr Repertoire;
· ihr soziales und künstlerische Netzwerk in Salzburg;
· ihre Kompositionen/Kompositionsversuche;
· das Verhältnis zwischen Constanze Nissen und Maria Anna Berchtold zu Sonnenberg nach dem Tod Wolfgang Amadeus Mozarts, vor allem während der gemeinsamen Salzburger Zeit;
· ihre Schülerinnen (und Schüler?), ihre pädagogische Herangehensweise
Darüber hinaus bleibt es trotz der verdienstvollen Arbeiten von Rieger, Geffray und Düll/Neumeier weiterhin ein wichtiges Forschungsdesiderat, die vorliegenden Quellen in neue Kontexte zu stellen. So dürfte etwa die weitergehende Erforschung des Bildungsideals Leopold Mozarts weitere Schlüsse auf die Ausbildung Maria Anna Mozarts geben, eine tiefgehende Untersuchung zum Phänomen der (weiblichen) Wunderkinder im 18. Jahrhundert steht ebenfalls noch aus.
Danzi, Margarethe (* 1768 † 1800 )
Die Gastspielreisen von Margarethe Danzi gemeinsam mit ihrem Mann Franz Danzi sowohl nach Italien als auch innerhalb Deutschlands wären noch genauer zu recherchieren. Besonders ergiebig für Nachforschungen könnte dabei die Zeit ihres Engagements als Primadonna in der Theatertruppe von Guardasoni sein, der sie und ihr Mann von 1790-1793 angehörten.Mozart, Constanze (* 1762 † 1842 )
Das Repertoire Constanzes auf den Konzert-Reisen nach dem Tod ihres Mannes in Linz, Graz, Berlin, Leipzig, Hamburg und Prag ist noch wenig recherchiert.Die Frage nach den Retouchen in Briefen Mozarts (v.a. Ausradieren von Namen von Bekannten und Freunden) können nach dem Erscheinen von Helmut Perls Buch “Der Fall ‚Zauberflöte’. Mozart und die Illuminaten” in einem neuen Licht gesehen werden. Da Mozart in seinen letzten fünf Lebensjahren selbst dem in vieler Hinsicht radikalen Freimaurer-Zirkel der “Illuminati” sehr nahe stand, musste er Repressionen seitens des Staates und der Kirche befürchten, die schon viele seiner Freunde erlitten hatten. Möglicherweise wollte Constanze mit ihren Namens-Retouchen nach Mozarts Tod viele dieser Freunde schützen und nicht der Zensur preisgeben.
Constanze war eingeweiht in die geheimsten Gedankengänge ihres Mannes. Sie wusste, dass Mozart eine neue Loge mit dem Namen “Grotte” gründen wollte. Laut Helmut Perl (S. 153) schrieb sie am 21. Juli 1800 an den Verlag Breitkopf & Härtel dazu: “Ich leihe Ihnen hiemit zum Gebrauch für die biographie (...) einen Aufsatz, größtentheils in der Handschrift meines Mannes, von einem Orden oder Gesellschaft die er errichten wollte: Grotta genannt. Ich kann nicht mehr Erläuterung schaffen, der hiesige hofklarinettist Stadler der ältere, der den Rest geschrieben hat, könnte es, trägt aber Bedenken zu gestehen, daß er darum weiß, weil die Ordens oder geheime Gesellschaften so sehr verhaßt sind.”
Dies lässt die Schwierigkeiten der letzten Ehejahre der Mozarts in neuem Licht erscheinen und bedarf neuer Forschungsarbeit.
Polzelli, Luigia (* 1760 † 1830 )
Während Polzellis Wirken in Eszterháza und ihre Zusammenarbeit mit Haydn relativ gut erforscht ist, liegen die frühen Jahre in Italien und besonders die Zeit ab 1791 weitgehend im Dunkeln.Paradis , Maria Theresia (* 1759 † 1824 )
Wünschenswert wäre das Auffinden der als verschollenen geltenden Werke, um das Gesamtschaffen der Komponistin würdigen zu können.Das Stammbuch der Maria Theresia Paradis, auch kulturgeschichtlich von Interesse, verdiente eine Faksimile-Ausgabe mit wissenschaftlichem Kommentar, worauf übrigens Heino Pfannenschmid, Herausgeber des Fremdenbuches von Gottlieb Konrad Pfeffel, bereits 1892 verwies.
Lebrun, Franziska (* 1756 † 1791 )
Obwohl das kompositorische Œuvre ausgesprochen überschaubar ist, fehlt eine detaillierte Untersuchung und Einordnung der Sonaten in den historischen Kontext.Levy, Sara (* 1761 † 1854 )
Zu den Forschungsdesideraten gehört Sara Levys Kontakt zum Salon Anna Amalias von Preußen und die Frage, inwieweit dieser sowie die Musikpflege der preußischen Prinzessin für sie tatsächlich Vorbildfunktion hatten. Die frühe Zeit ihrer musikalischen Geselligkeit lässt sich bisher nur anhand ihrer Sammeltätigkeit und ihrer Aufträge an Komponisten erschließen, die späte Zeit ist weitgehend aus der Erinnerungsliteratur des späteren 19. Jahrhunderts überliefert – weitere Quellenfunde bzw. eine Auswertung bereits zugänglicher Quellen beispielsweise aus dem Umkreis der Familie Mendelssohn wären hierfür wünschenswert.Interessant wäre eine Analyse der von Sara Levy insbesondere bei Carl Philipp Emanuel Bach in Auftrag gegebenen Werke unter dem Aspekt der Adressiertheit.
Häßler, Sophia Barbara (* 1761 † 1844 )
Der leserliche Teil der Autobiografie endet mit Sophia Häßlers Ankunft in Moskau. Es wäre wünschenswert, die späteren und heute aufgrund des schlechten Zustandes des Papiers nicht mehr lesbaren Seiten zu rekonstruieren.Möglicherweise wären durch Nachforschungen über die Tochter Regina Henriette Nerlich und ihre Tätigkeiten in Weimar noch Einzelheiten über die späteren Lebensjahre Sophia Häßlers in Erfahrung zu bringen.
Ergiebig wären außerdem Recherchen zu den Programmen der von Sophia Häßler dirigierten Konzerte anhand von originalen Programmzetteln, Zeitungsberichten und möglicherweise vorhandenen Notenmaterialien.



