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Forschungsbedarf

Wilhelmine von Bayreuth (* 1709 † 1758 )

Der 1924 und 1926 in zwei Bänden erschienene Briefwechsel zwischen Wilhelmine und ihrem Bruder Friedrich schließt, wie der Herausgeber Gustav Volz im Vorwort erläutert, Informationen über Musik und Theater weitgehend aus, da diese unwesentlich seien. Der im Geheimen Staatsarchiv Berlin, Preußischer Kulturbesitz, befindliche Briefwechsel bedarf einer erneuten Sichtung und auszugsweisen Publikation, auch im französischsprachigen Original.

Ravissa, Genovieffa (* 1745 † 1807 )

Genovieffa Ravissas Bedeutung scheint nach derzeitigem Wissensstand in ihrer Tätigkeit als selbstständige Musiklehrerin zu liegen: Sie verdiente in einer Zeit eigenständig ihren Lebensunterhalt als Musikerin, als dies nicht üblich war. Eine interessante Untersuchung in diesem Zusammenhang könnte die Suche nach weiteren, vielleicht vergessenen Frauen sein, die auf diese unspektakuläre Art wirkten, die aber gleichzeitig den Grundstock zur Öffnung eines heute nicht mehr wegzudenkenden Berufes für das weibliche Geschlecht legten.

Martines, Marianne (* 1744 † 1812 )

Die Verwobenheit der Marianne Martines in die musikkulturellen Kreise Wiens ist bislang nur äußerst unzureichend erforscht. Ihr Name taucht z.B. auch im Stammbuch der Mozart-Schülerin Babette Ployer auf, wobei unklar ist, in welcher Beziehung die beiden Musikerinnen zueinander standen (denkbar wäre z.B. ein Lehrerin-Schülerin-Verhältnis). Auch über ihren offenbar sehr regen Salon, bzw. die von ihr regelmäßig veranstalteten Akademien ist so gut wie nichts bekannt.
Das Repertoire von Marianne Martines muss ebenfalls als Forschungsdesiderat angesehen werden.
Da sich die Komponistin Luise Adolpha Le Beau auf Marianne Martines bezog, ist auch eine Rezeption im 19. Jahrhundert nachweisbar, allerdings bislang noch nicht erforscht (vgl. dazu Unseld 2001).
Die pädagogische Tätigkeit der Marianne Martines und ihr Schülerinnen-Kreis ist ein weiteres Forschungsdesiderat.
Und schließlich bleiben etliche Werke von ihr noch zu edieren, um ein detaillierteres Bild der Komponistin Marianne Martines erstellen zu können.

Eberlin, Maria Caecilia (* 1728 † 1766 )

Mit Ausnahme der Kurzbiografien einiger Hofsängerinnen wurde das, was Frauen im 18. Jahrhundert in Salzburg musikalisch geleistet haben, bislang kaum erforscht. Bezüglich Caecilia Eberlin gehören zu den ersten Desiderata der Forschung die Edition und Analyse ihrer bisher bekannten Werke – auch im Zusammenhang mit ähnlichen, bisher unerforschten Werken ihres Vaters. Außerdem wäre zu untersuchen, ob sie an der Entstehung der Werke ihres Ehemannes Joseph Nikolaus Meissner, von dem mehrere Schuldramen nachgewiesen werden können, beteiligt war. Die Suche nach weiteren Quellen zu ihrer Biografie wäre eine unabdingbare Voraussetzung für weitere Forschungen.

Maria Antonia Walpurgis Kurfürstin von Sachsen (* 1724 † 1780 )

Da in der verdienstvollen Monografie von Carl von Weber (1857) häufig die Quellenangaben fehlen und sich inzwischen einige Ungenauigkeiten herausgestellt haben, wäre eine neue Monografie über Maria Antonia Walpurgis sehr wünschenswert.
Ebenso wäre ihre Tätigkeit als Malerin und ihre Bilder dringend zu erforschen. Der Bestand der Gemälde und ihr Aufbewahrungsort wären erneut zu eruieren, denn die zuletzt erstellte Liste ihrer Gemälde datiert von 1857 (Weber).

Sirmen, Maddalena (* 1745 † 1818 )

Trotz der reichhaltigen Monografie von Arnold/Baldauf-Berdes (wertvolles Archivmaterial ist auch im Vorwort zur Edition der drei Violinkonzerte durch Baldauf-Berdes eingearbeitet) liegen einige Lebensstationen von Maddalena Sirmen noch weitgehend im Dunkeln, wie etwa die Zeit am Dresdner Hof. Analytische Auseinandersetzungen mit den Duetten, Trios und Streichquartetten fehlen noch. Wenig bekannt ist über das Repertoire der Geigerin. Für die Violinkonzerte Nr. 2 und 4 liegen noch keine modernen Ausgaben vor. Abgesehen von den eigenen Werken sind nur wenige Stücke anderer Komponisten bekannt, die sie öffentlich spielte. Ihr Gesangsrepertoire, v.a. in Dresden und St. Petersburg, ist noch gänzlich unerforscht. Auch in Hinblick auf die Rezeption der Kompositionen von Maddalena Sirmen wären weiterführende Forschungen wünschenswert.

Tesi, Vittoria (* 1700 † 1775 )

Es liegt bis heute keine Monografie über Vittoria Tesi vor; Forschungsbedarf gibt es vor allen Dingen in Bezug auf ihre Position und ihre Vernetzung im italienischen Musikleben der 1720er und 1730er Jahre. Auch die Rezeption Vittoria Tesis im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert als idealtypischer Sängerin und Darstellerin ist noch nicht ausreichende untersucht, ebenso wenig ihre Einordnung in den sich wandelnden Kontext des Schauspielverständnisses des 18. Jahrhunderts. Archivrecherchen in den Opernhäusern Italiens könnten weitere Aufschlüsse über ihre zahlreichen Engagements geben.

Bach, Anna Magdalena (* 1701 † 1760 )

Erst in jüngster Zeit tritt Anna Magdalena Bach aus dem Schatten ihres Mannes. Das Bild einer außergewöhnlichen Frau und Mutter zahlreicher Kinder, einer Künstlerin und aktiven Mitarbeiterin ihres Mannes hat durch intensive Quellenarbeit deutliche Konturen erhalten.