Forschungsbedarf
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Try, Elisa de
Der Forschungsbedarf zu Elisa de Try umfasst ihre Biographie, ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.Tailleferre, Germaine
Es gibt noch ca. 130 unpublizierte Kompositionen von Germaine Tailleferre, die noch nicht analysiert worden sind.Ein lohnendes Projekt wäre somit die Erstellung einer kritischen Gesamtausgabe der veröffentlichten und der noch nicht publizierten Werke Germaine Tailleferres.
Außerdem steht noch eine detaillierte Studie zu Tailleferres Rolle als Frau innerhalb der „Six“ an.
Takano, Mari
Bisher existiert keine zusammenfassende Arbeit, die sich ausschließlich oder schwerpunktmäßig mit Mari Takanos Werk auseinandersetzt.Weiterhin ergeben sich gewisse Probleme aus dem kosmopolitischen Lebensweg Mari Takanos, beispielsweise hinsichtlich mancher Details der Werkaufführungen als auch der adäquaten Übersetzung von Namen japanischer Institutionen, Konzertsäle, unüblicher Instrumente etc. Nicht alle Lehrer von Mari Takano konnten einwandfrei hinsichtlich ihrer Position identifiziert werden.
Mari Takano hat sich in den letzten Jahren zunehmend für spirituelle Fragen interessiert. Noch vor gar nicht langer Zeit wurde „Spiritualität” meist mit einem relativ kitschnahen Kunstverständnis assoziiert (in der Art eines Kitaro), doch scheint neuerdings hier und da eine Denkrichtung Fuß zu fassen, die Spiritualität und radikale ästhetische Erneuerung nicht als Gegensätze, sondern geradezu einander ergänzende Prinzipien ansieht. Zuweilen wird in diesem Zusammenhang auf Stockhausen verwiesen, doch würde es sicher lohnen, die verschiedenen Positionen zum Thema Kunst und Spiritualität, ihre Entwicklung und ihre wechselseitige Abhängigkeit einer differenzierteren Analyse zu unterziehen, namentlich auch im Hinblick auf den recht erheblichen Einfluss mancher Künstlerinnen.
Schon lange setzt sich Mari Takano mit der Frage auseinander, ob und inwieweit es geschlechtsspezifische Gestaltungsmerkmale in der Kunst gibt (siehe Takano 2000). Diese Merkmale lassen sich freilich aus mehr oder weniger (vielleicht gesellschaftlichem Druck gehorchender) epigonaler Kunst nur sehr mühsam ablesen, wirkungsvoller wäre ein Ansatz, der einerseits besonders radikale Künstlerinnen befragt, andererseits die – freilich immer mit Vorsicht zu genießenden – Erkenntnisse neurologischer und kognitionspsychologischer Forschung berücksichtigt.
Um zunächst auf den ersten Punkt einzugehen: In Japan nehmen Frauen wenigstens in der literarischen Tradition einen hervorragenden Platz ein – angefangen mit Murasaki Shikibu紫式部, der Verfasserin der “Erzählungen vom Prinzen Genji” (源氏物語), deren Rang innerhalb der japanischen Literatur mit dem Goethes in Deutschland vergleichbar ist. So wenig auch in der gesellschaftlichen Realität Japans von Gleichberechtigung die Rede sein kann, gibt es keine Vorurteile gegen künstlerisches Wirken von Frauen. Nie wurde in Japan bestritten, daß Frauen Kunst produzieren können, die der ihrer männlichen Kollegen an Qualität gleichkommt, wo nicht gar überlegen ist. Dies, verbunden mit einer bewussten und ästhetischen Kultivierung von geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen, die in Japan auch heute noch eine große Rolle spielen, mag den Hintergrund abgeben, vor dem die historische Legitimation weiblichen Komponierens weitaus weniger interessiert als die Frage nach dem Ausdruck typisch weiblicher Erfahrungen und Erlebensweisen in der Kunst. Mari Takano sieht hier, von Hildegard von Bingen und Ruth Crawford Seeger abgesehen, besonders im Pop (etwa bei Bjørk oder bei der jungen Tori Amos) und bei Meredith Monk Gestaltungsmerkmale, die sich bei männlichen Komponisten nicht finden, namentlich eine andere Einstellung zu Form, Entwicklungsrhythmus und Polyphonie, die in einem ganz anderen Medium, etwa auch im Tanztheater von Pina Bausch, zu spüren sei. Diese eher intuitiv aufgestellten These verlangt zu ihrer Stützung natürlich nach eingehenderen Analysen.
Was nun zweitens die neurologische und kognitionspsychologische Forschung angeht, so sind in den letzten Jahren reichlich Arbeiten über geschlechtsspezifische Denkweisen erschienen, doch sollte man über der Flut populärwisschenschaftlich ausgebreiteter “Erkenntnisse” nie außer Acht lassen, auf wie unsicheren Füßen Kognitionspsychologie in vielen Bereichen noch steht. Vor gar nicht so langer Zeit gewannen in Japan die pseudowissenschaftlichen Arbeiten Tsunodas (über angeblich für Japaner spezifische Lateralisierung der Musikwahrnehmung) den Beifall selbst so herausragender Musikologen wie Fumio Koizumi (siehe: Tadanobu Tsunoda. “Nihonjin no n_ô” (Das Gehirn der Japaner). Tokyo: Taishukan Shoten 1978 (角田忠信,『日本人の脳』); zur Kritik von Tsunodas Theorien u.a..William Wetherall. Talking to crickets. In: Far Eastern Economic Review, vol. 132(18), 1. Mai 1986, S. 43 f., und Gregory Shepherd. ’Nihonjinron:’ Challenge to Academia. In: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music (Zagreb), vol. 22/2 (1991), S. 187-192). Wenn dieser Skandal nicht schon hinreichend zur Vorsicht mahnt, so möge Robert L. Greenes exzellentes Buch “Human Memory: Paradigms and Pardoxes” (Hillsdale, New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates 1992) den Blick öffnen für die zahlreichen Fallen, die kognitionswissenschaftliche Forschung für Nicht-Fachleute bereithält. Trotz dieser Caveats dürfte an der Existenz von Zusammenhängen zwischen Gender (bzw. “männlicher”, “weiblicher” Persönlichkeit und ihrem hormonellen Äquivalenten) und spezifischen Denkweisen kein Zweifel bestehen, und oft genug wurde schon die Vermutung oder Hoffnung geäußert, daß eine stärkere gesellschaftliche Repräsentation von Künstlerinnen der Kunst Wege zu neuen oder wenigstens bisher ungenügend berücksichtigten Gestaltungsprinzipien öffnet.
Tausig, Seraphine
Der Forschungsbedarf zu Seraphine Tausig umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre künstlerischen und persönlichen Kontakte.Tayau, Marie
Der Forschungsbedarf zu Marie Tayau umfasst ihre Biografie sowie ihre Tätigkeiten als Geigerin, Kammermusikerin, Konzertveranstalterin und Pädagogin.Tchemberdji, Katia
Bislang sind noch keine Forschungsarbeiten zu Katia Tchemberdjis Wirken als Pianistin und Komponistin entstanden. Eine wissenschaftliche Untersuchung ihrer Werke würde sicherlich viele interessante Aspekte und Ergebnisse zu Tage fördern – vor allem auch im Hinblick auf Katia Tchemberdjis eigenen und immer eigenständigen wie eigenwilligen Ansichten über zeitgenössische Musik im Allgemeinen und ihre persönliche künstlerische Arbeitsweise im Besonderen. Wer sich näher mit Katia Tchemberdjis Werken und ihren Ideen beschäftigt, wird immer auch auf philosophische, ethisch-humanistische, naturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Fragen und Probleme stoßen.Wertvolle Hinweise über Katia Tchemberdjis Kompositionsweise, ihre Inspirationsquellen und ihre grundsätzliche Auffassung vom Komponieren – wichtige Ansatz- und Ausgangspunkte für eine wissenschaftliche Untersuchung! – finden sich im Interview mit der Komponistin in der multimedialen Präsentation auf dieser Homepage: http://mugi.hfmt-hamburg.de/multimediale_praes/tche1960.php).
Auch ihre überaus „kreative“ Tätigkeit als Klavier- und Kompositionspädagogin (vor allem in der Arbeit mit Kindern) verdient eine ernsthafte Diskussion und Würdigung.
Teichmüller, Anna
Die biografischen Quellen sind bislang nur einer ersten Sichtung unterzogen worden. Ihre intensive Aufarbeitung steht noch aus und dürfte Informationen über die wechselseitige Beeinflussung von Carl Hauptmann und Anna Teichmüller zutage fördern. Diese gehört zu den vermutlich besonders interessanten Forschungsdesideraten im Zusammenhang mit Anna Teichmüller. Auch die weitergehende Beschäftigung mit Anna Teichmüllers veröffentlichter Musik ist noch als Forschungsdesiderat zu bezeichnen.Neben einer intensiveren Beschäftigung mit den bisher zugänglichen Quellen wäre das Auffinden und die Erschließung weiterer Quellen wünschenswert. Insbesondere fehlen bislang genauere Informationen über Anna Teichmüllers musikalische Ausbildung sowie über das familiäre Musikleben vor der Schreiberhauer Zeit. Um weitere Quellen und eventuell auch Musikautografe sowie die verschollenen Werke zu finden, wäre es nützlich, Nachfahren der Familien Teichmüller und von Cramer zu finden, in deren Besitz sich Anna Teichmüllers eigener Nachlass erhalten haben könnte.
Ein weiteres Desiderat betrifft Aufführungen der Musik Anna Teichmüllers in den kulturellen Zentren Berlin und Breslau sowie deren Rezeption. Hierzu müssten systematisch die zeitgenössischen Musikzeitschriften durchgesehen werden.
Tesi, Vittoria
Es liegt bis heute keine Monografie über Vittoria Tesi vor; Forschungsbedarf gibt es vor allen Dingen in Bezug auf ihre Position und ihre Vernetzung im italienischen Musikleben der 1720er und 1730er Jahre. Auch die Rezeption Vittoria Tesis im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert als idealtypischer Sängerin und Darstellerin ist noch nicht ausreichende untersucht, ebenso wenig ihre Einordnung in den sich wandelnden Kontext des Schauspielverständnisses des 18. Jahrhunderts. Archivrecherchen in den Opernhäusern Italiens könnten weitere Aufschlüsse über ihre zahlreichen Engagements geben.Thiedemann, Tony Cäcilie
Weiter zu erforschen wäre das Repertoire von Tony Thiedemann sowie ihr musikalischer und persönlicher Einfluss auf das künstlerische Umfeld (Fanny Hensel, Wilhelm Taubert, Elise Polko, Richard Wüerst, Ferdinand Hiller, Carl Reinecke, Eduard Franck, Richard Franck).Über den Auftritt von Tony Thiedemann vor der späteren Kaiserin Augusta und ihrem Sohn (später Kaiser Friedrich III.) gibt es nach einem Hinweis des Sohnes Richard Franck ein „Albumblatt“ von Elise Polko. Möglicherweise befindet es sich wie weitere Publikationen von Elise Polko in einem der ersten Jahrgänge der Neuen Musik-Zeitung (Tonger), die bisher nicht vollständig ausgewertet werden konnten.
Timanova, Vera
Der Forschungsbedarf zu Vera Timanova umfasst alle ihre Lebensbereiche. Ihre Biografie und ihre künstlerische Entwicklung sind bislang nur im Ansatz bekannt, ihre pädagogische Tätigkeit liegt vollständig im Dunkeln. Die von ihr bespielten Welte-Mignon-Rollen könnten näheren Aufschluss über ihre Interpretationsweise geben. Auch ihre Kontakte zu Musikerinnen und Musikern sind bislang unerforscht.Um ein angemessenes Bild der Pianistin und Musikpädagogin zu erhalten, ist aller Voraussicht nach die Kenntnis der russischen Sprache sowie eine Zusammenarbeit mit der regionalen Forschung in Ufa notwendig.
Timmermann, Leni
Zeitungsbestände insbesondere in den Stadtarchiven Recklinghausen und Marl: Zeitungsberichte u. Kritiken in der Lokalpresse Recklinghausen u. Marl-Hüls, Veranstaltungsprogramme etc. über Auftritte von Leni Pahlenberg ca. 1918-1933, Anmeldungen von Musikveranstaltungen bei der STAGMA (GEMA-Vorgängerin) (Fast alle Unterlagen gingen der Familie im Krieg verloren).Tirs, Catherina
Folgende Fragen ergeben sich aus den bisherigen Forschungen:Lassen sich durch die Ausführung der römisch-katholischen Liturgie in Münster im ausgehenden 16. Jahrhundert weitere Informationen über die liturgisch-musikalischen Gebräuche der Schwestern vom Gemeinsamen Leben erschließen?
Gibt es Verbindungen zwischen der Musikpraxis der Devotio moderna und der Musikpraxis der frühen Täuferbewegung?
Gibt es Zusammenhänge (Einflussnahmen, ähnliche Entwicklungen) zwischen den geistlichen Liedern der Devotio moderna und dem Tugendlied?
Inwieweit wurden die niederdeutschen Konvente der Schwestern vom Gemeinsamen Leben von den niederländischen Konventen beeinflusst hinsichtlich der Meditations- und Gesangspraxis?
(Siehe auch das Stichwort „Spekulationen“ unter http://mugi.hfmt-hamburg.de/Liederbuch_Tirs/index.html).
Trebelli, Zelia
Im Rahmen der Aufarbeitung und Erforschung von Interpretationsgeschichte ist es von Bedeutung, das Leben und die Interpretationskunst von Zelia Trebelli in einer umfassenden Biographie entsprechend zu würdigen.Weiterhin ergibt sich die Forschungsfrage, in wieweit es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet war, dass Frauen nicht nur Hosenrollen sangen, sondern auch ausgesprochene Männerrollen verkörperten und wie sich diese Tatsache im Publikum und in der Gesellschaft wiederspiegelte.



