Forschungsbedarf
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Isabella d'Este Gonzaga
Obwohl die Bedeutung des Musikmäzenatentums von Isabella d’Este Gonzaga bereits in den 1940er Jahren in der Musikforschung erkannt wurde, fehlen Einzeluntersuchungen im Zusammenhang mit folgenden Aspekten der Kulturgeschichte zwischen 1500 und 1530:- der kompositorischen Entwicklung der weltlichen, italienischsprachigen Vokalmusik in den ersten Jahrzehnten des Druckwesens,
- der sprachpolitischen Entwicklung hin zur Normierung des Italienischen, wie sie etwa in Bembos ”Prose della volgar lingua” (1525) formuliert wird,
- der Rolle von Hofdamen bzw. Regentinnen für die Popularisierung weltlicher, volksprachlicher Musik (mangels Kapelle konzentrierten sich Fürstinnenhöfe auf die Pflege weltlicher, kleinbesetzter Musik),
- der Frage des Austauschs und der Konkurrenz zwischen vergleichbaren Mäzeninnen. Die Erforschung von weniger bekannten zeitgenössischen Musikmäzeninnen steht noch weitgehend aus, z.B. Eleonora d’Aragona Este (Isabellas Mutter), Beatrice d’Este Sforza/Mailand (Isabellas Schwester), Elisabetta Gonzaga/Urbino (Isabellas Schwägerin), Lucrezia Borgia/Ferrara (Isabellas Schwägerin), aber auch des Verhältnisses zwischen Fürstinnen- und Fürstenhof.
Der Vergleich mit anderen norditalienischen Höfen vereinfacht u.U. die Quellenlage: Zwar ist die Korrespondenz Isabella d’Este Gonzagas äußerst umfangreich, weitgehend gut erhalten und lesbar, es fehlt aber an Rechnungsbüchern, so dass die Struktur ihres Hofes nur bedingt zu erschließen ist. Umgekehrt sieht es etwa im Fall des Hofes von Lucrezia Borgia aus, wo Korrespondenzen relativ unergiebig, aber umfangreiche Rechnungsbücher für einige Jahre vorhanden sind. Isabella d’Este Gonzagas Wirken als Kunstsammlerin und –mäzenin ist durch die Kunst- und Literaturwissenschaften bereits weitgehend erschlossen.



