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  • Rosalind Ellicott

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Rosalind Ellicott
    Geburtsname: Rosalind Frances Ellicott
    Lebensdaten:
    geb. in Cambridge, England
    gest. in London oder Seasalter, England
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Sängerin
    Charakterisierender Satz:

    „The Reverie is a very expressive piece and is written in the modern style, that is to say, with considerable freedom of rhythm. Miss Ellicott does not disdain a perfect cadence, but she frequently avoids it. The pianoforte part is mainly an accompaniment, but the player will find it interesting. Evidently the composer has endeavoured to avoid being commonplace and she has fairly succeeded.“


    „Die Reverie ist ein sehr ausdrucksstarkes Stücke und in modernem Stil geschrieben, genauer mit einer bemerkenswerten rhythmischen Freiheit. Miss Ellicott verachtet eine perfekte Kadenz nicht, aber sie vermeidet sie häufig. Der Klavierpart ist hauptsächlich Begleitung, aber der Spieler wird ihn dennoch interessant finden. Selbstverständlich hat sich die Komponistin darum bemüht, keine Allgemeinplätze zu schreiben und es ist ihr gut gelungen.“


    („The Musical Times“ vom 1. August 1888, S. 489)


    Profil

    Die Sängerin, Pianistin und Komponistin Rosalind Ellicott wurde an der Royal Academy of Music sowie privat in den Fächern Klavier, Komposition und Gesang ausgebildet. Anschließend konnte sie sich im englischen Musikleben hauptsächlich als Komponistin etablieren. Ihr Gesamtwerk umfasst mehrere größere Orchesterwerke, Kammermusik sowie Kantaten, Lieder und Chorstücke. Ein größerer Teil wurde zwischen ca. 1880 und 1900 in renommierten Londoner Musikverlagen publiziert, u. a. bei Novello, Ewer & Co., Enoch & Sons, Boosey & Co., Weeks und C. Jefferys & Son. Rosalind Ellicotts Orchesterwerke und kammermusikalischen Kompositionen blieben jedoch weitgehend unveröffentlicht, obwohl sie auf größeren Festivals wie z. B. dem Gloucester Musical Festival und von bekannten Musikerinnen und Musikern aufgeführt wurden, darunter z. B. die Pianistin und Komponistin Agnes Zimmermann, der Violoncellist Alfredo Piatti, der Pianist Ernest Kiver, die Pianistin Sybil Palliser und der Geiger Emile Sauret. Anfang des 20. Jahrhunderts zog sich Rosalind Ellicott aus familiären Gründen aus der Öffentlichkeit zurück.

    Orte und Länder

    Rosalind Ellicott wurde in Cambridge geboren und wuchs in Gloucester und Bristol auf. Sie studierte von 1874 bis 1876 an der Londoner Royal Academy of Music und ließ sich anschließend in London nieder. Um das Jahr 1900 kehrte sie in ihr Elternhaus in Gloucester zurück. Die letzten Lebensjahre verbrachte Rosalind Ellicott in Seasalter, einem Küstenort in der Grafschaft Kent.

    Biografie

    Rosalind Ellicott wurde am 14. November 1857 in Cambridge geboren. Ihr Vater war der Right Reverend Charles John Ellicott (1819-1905), Bischoff von Gloucester and Bristol, ihre Mutter, Constantia Anne Ellicott, geb. Becher (gest. 1914), eine bekannte Sängerin, die 1882 die Londoner Handel Society gründete (vgl. Brown/Stratton 1897). Von ihr erhielt Rosalind Ellicott ihre erste musikalische Ausbildung (vgl. Pratt 1897) und komponierte bereits im Alter von sechs Jahren erste eigene Stücke. Von 1874 bis 1876 studierte sie an der Royal Academy of Music in London das Fach Klavier bei Frederick Westlake. Erst ab 1885 setzte sie privat ihr Studium im Fach Komposition bei Thomas Wingham fort und erhielt auch Gesangsunterricht bei Hilda Wilson (vgl. Brown/Stratton 1897; Pratt 1897; Fuller 2001). Zeitlebens blieb sie der Royal Academy of Music verbunden. 1896 wurde ihr der Titel „Associate of the Royal Academy of Music“ (A.R.A.M.) verliehen.


    In den ersten Jahren konzertierte Rosalind Ellicott vorrangig als Sopranistin, häufig gemeinsam mit ihrer Mutter. So sang sie z. B. im September 1878 im Rahmen des Three Choirs Festival in Worcester an der Seite ihrer Mutter mehrere Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Louis Spohr und trat im Juli 1883 im Rahmen eines Wohltätigkeitskonzertes auf, das ihre Mutter an der Royal Academy of Music veranstaltete (vgl. „The Times“ vom 16. September 1878, S. 6; vom 5. Juli 1883, S. 9). Aus Bristol meldete die „Musical Times“ im April 1892: „It is exceedingly gratifiying to be able to state that the first Recital of Sacred Music in Bristol Cathedral, on the 10th ult., was a great success. The building was filled, both choir and nave [...]. The songmen and choristers of the Cathedral were strengthened by members of the Orpheus Glee and Bristol Choral Societies: while Miss Rosalind Ellicott (daughter of the Bishop of the Diocese) and Miss Florence Cromey assisted as soloists.“ („Es ist sehr erfreulich, feststellen zu können, dass das erste Konzert mit Geistlicher Musik in der Kathedrale von Bristol am 10. vergangenen Monats ein großer Erfolg war. Die Kirche war gefüllt, sowohl Chor als auch das Schiff [...]. Die Sänger und Choristen der Kathedrale wurde von Mitgliedern des Orpheus Glee und der Chorvereinigungen von Bristol verstärkt, während Miss Rosalind Ellicott (Tochter des Bischoffs der Diözese) und Miss Florence Cromey als Solistinnen assistierten.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1892, S. 227)


    Ab Mitte der 1880er Jahre trat Rosalind Ellicott zunehmend mit ihren Werken an die Öffentlichkeit und konnte sich rasch als Komponistin im britischen Musikleben etablieren. Sie war Mitglied in der „International Society of Musicians“ und in der „National Society of Professional Musicians“ (vgl. Fuller 2001). Ihr Gesamtwerk umfasst mehrere größere Orchesterwerke, Kammermusik, Kantaten, Lieder und Chorstücke und wurde regelmäßig in England aufgeführt und in der Presse rezensiert. So hieß es z. B. 1888 in der „Musical Times“ über das Duett „Sing to me“ für Sopran und Tenor: „The words of this duet, by R. S. Hichens, are well written, and serve as the vehicle for a truly elegant musical idea. Miss Ellicott has a special gift of melody, and writes for voices so as to give them the best opportunities for effective display. The duet is altogether an excellent piece of writing, and should become very popular with vocalists.“ („Der Text des Duetts von R. S. Hichens ist gut geschrieben und dient als Vehikel für eine wirklich elegante musikalische Idee. Miss Ellicott hat ein besonderes Gespür für Melodien, und schreibt so für Stimmen, dass sie sich möglichst wirkungsvoll zeigen können. Das Duett ist insgesamt eine exzellentes Stück und wird unter Sängern sehr beliebt werden.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1888, S. 47) Mehrfach wurden Rosa Ellicotts Werke im Rahmen des Gloucester Musical Festival uraufgeführt, darunter 1886 ihre „Dramatic Overture“ für Orchester, die Kantaten „Elysium“ (1889) und „The Birth of Song“ (1892) sowie im September 1895 ihre „Fantasia“ a-Moll für Klavier und Orchester mit der Pianistin Sybil Palliser. Über die Uraufführung der „Dramatic Overture“ schrieb die „Times“ 1886: „A dramatic overture by Miss Rosalind Ellicott [...] was decidedly creditable. The themes are striking and well developed, and the handling of the orchestra is remarkably bold and effective. Even such reminiscenes as occur show that the young artist has studied the best models. Miss Ellicott’s overture is well worth a hearing in London [...].“ (vgl. „Eine Dramatic Overture von Miss Rosalind Ellicott [...] war entschieden verdienstvoll. Die Themen sind reizend und gut entwickelt, und die Instrumentierung ist bemerkenswert mutig und wirkungsvoll. Selbst die Reminiszenzen, die auftauchen, zeigen, dass die junge Künstlerin die besten Vorbilder studiert hat. Miss Ellicot’s Overture ist es wert, in London gehört zu werden [...].“; „The Times“ vom 8. September 1886, S. 8). Und über die Aufführung ihrer Chorballade „Henry of Navarre“ hieß es 1898: „The performance of the Golden Legend [...] filled the Shire-hall to overflowing to-night [...]. It was followed by a choral ballad for tenor and basses by Miss Rosalind Ellicott, without whose presence a Gloucester festival seems scarcely complete. It is a setting of Macaulay’s Henry of Navarre, and the straightforward matter-of-fact style which has endeared the poem to generations of schoolboys has been successfully reflected in the music in which a baritone solo, well sung by Mr. Lane Wilson, is a prominent feature.“ („Die Aufführung der Golden Legend [...] sorgte heute Abend für eine überfüllte Shire Hall [...]. Ihr folgte eine Chorballade für Tenöre und Bässe von Miss Rosalind Ellicott, ohne deren Anwesenheit ein Gloucester Festival kaum vollständig wäre. Es ist ein Satz von Macaulays Henry of Navarre, und der vorwärts treibende Stil, mit dem das Gedicht Generationen von Schulkindern überdauert hat, wurde in der Musik erfolgreich aufgegriffen, in der ein Baritonsolo, gut gesungen von Mr. Lane Wilson, eine hervorstechende Rolle einnimmt.“; „The Times“ vom 15. September 1898, S. 4)


    Rosalind Ellicotts Orchesterwerke wurden auch in den größeren Londoner Konzertreihen auf die Programme gesetzt. So spielte die Pianistin Sybil Palliser eine Aufführung des „Concertstücks“ für Klavier und Orchester am 21. März 1896 in den Crystal Palace Concerts unter der Leitung von August Manns. Auf dem Programm standen außerdem Richard Strauss’ „Till Eulenspiegels Lustige Streiche“ und Robert Schumanns Symphonie Nr. 3 („Die Rheinische“). Die „Musical Times“ rezensierte: „On Saturday, the 21st ult., Mr. Manns had provied a sensational surprise for his patrons in the shape of a work by Richard Strauss, entitled ‚Til Eulenspiegel’s Lustige Streiche’ [...]. The programme also included Schumann’s ‚Rhenish’ Symphony, finely played, and Miss Rosalind Ellicott’s amiable Concertstück for pianoforte and orchestra, in which the solo was gracefully played by Miss Sybil Palliser.“ („Am Samstag, dem 21. des vergangenen Monats, hatte Mr. Manns eine sensationelle Überraschung für seine Gäste in Form eines Werkes von Richard Strauss, genannt ‚Till Eulenspiegels Lustige Streiche’ [...]. Das Programm umfasste außerdem Schumanns ‚Rheinische Symphonie’, gut gespielt, und Miss Rosalind Ellicotts reizendes Concertstück für Klavier und Orchester, in dem der Solopart von Sybil Palliser überaus anmutig gespielt wurde.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1896, S. 238. Anm. der Autorin: vermutlich ist das „Concertstück“ für Klavier und Orchester identisch mit der „Fantasia“ a-Moll für Klavier und Orchester.) Am 2. Juni 1897 fand eine weitere Aufführung der „Fantasia“ im Rahmen der Konzerte der „Westminster orchestral society“ in London unter der Leitung von Stewart Macpherson statt: „Miss Rosalind Ellicott’s Fantasia for pianoforte and orchestra in A minor, rather in the Grieg manner, was first produced at the Gloucester Festival in 1895 [...]. The solo executant on the present occasion was the young pianist, Miss Clara Asher, who played with much spirit and general accuracy.“ („Miss Rosalind Ellicotts Fantasia für Klavier und Orchester in a-Moll, eher in der Art von Grieg, wurde erstmals 1895 auf dem Gloucester Festival gespielt [...]. Die Solistin bei der jetzigen Aufführung war die junge Pianistin Miss Clara Asher, die mit viel Temperament und genereller Genauigkeit spielte.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1897, S. 463)


    Ebenso anerkannt wurden Rosalind Ellicotts kammermusikalische Kompositionen, die sowohl von bekannten Musikerinnen und Musikern aufgeführt als auch regelmäßig in der Presse rezensiert wurden. So schrieb z. B. ein Rezensent der „Musical Times“ über ihre „Rêverie“ für Violoncello und Klavier, die 1888 bei Novello, Ewer and Co. erschienen war, und die Komponistin: „The Reverie is a very expressive piece and is written in the modern style, that is to say, with considerable freedom of rhythm. Miss Ellicott does not disdain a perfect cadence, but she frequently avoids it. The pianoforte part is mainly an accompaniment, but the player will find it interesting. Evidently the composer has endeavoured to avoid being commonplace and she has fairly succeeded.“ („Die Reverie ist ein sehr ausdrucksstarkes Stücke und in modernem Stil geschrieben, genauer mit einer bemerkenswerten rhythmischen Freiheit. Miss Ellicott verachtet eine perfekte Kadenz nicht, aber sie vermeidet sie häufig. Der Klavierpart ist hauptsächlich Begleitung, aber der Spieler wird ihn dennoch interessant finden. Selbstverständlich hat sich die Komponistin darum bemüht, keine Allgemeinplätze zu schreiben und es ist ihr gut gelungen.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1888, S. 489) Das erste Klaviertrio (G-Dur) wurde am 15. Februar 1890 im Rahmen eines Konzertes der „Musical Artists’ Society“ in der Londoner Princes’ Hall von der Komponistin selbst (Klavier), und den Herren Buziau und Albert (Violine und Violoncello) uraufgeführt, und die „Musical Times“ bezeichnete es als „a very clever and brightly written Trio in G“ („The Musical Times“ vom 1. März 1890, S. 169). Eine weitere Aufführung fand im Mai 1891 in einem Londoner Konzert statt, das der Geiger Ernest Kiver veranstaltete (vgl. „The Times“ vom 8. Mai 1891, S. 3).


    1892 erschienen die „Six pieces for violin and pianoforte“ ebenfalls bei Novello & Co. Die „Musical Times“ rezensierte: „Miss Ellicott has long ago taken high rank among composers of the sex to which she belongs, and indeed it would not be difficult to show that in qualities usually regarded as peculiarly masculine her compositions are vastly superior to those of many male writers who have the public ear. The album of pieces now before us gives fresh proof of her powers, natural and acquired. An easy flow of graceful and expressive melody, refined taste, an excellent knowledge of effect and ample command of the resource which make it possible, are among the merits to be found in these well-contrasted pieces, which consist of a brilliant Prelude, a capital Polonaise, a broadly conceived Aria, a Ballade, a Gavotte, and a very charming Romance. ‚Style’ is needed for their adequate performance – otherwise they are of moderate difficulty.“ („Miss Ellicott hat seit langem einen hohen Rang unter den Komponisten ihres Geschlechts eingenommen, und tatsächlich dürfte es nicht schwierig sein zu zeigen, dass im Hinblick auf jene Qualitäten, die in der Regel als spezifisch männlich angesehen werden, ihre Kompositionen wesentlich besser sind als jene von männlichen Komponisten, die öffentlich gehört werden. Das Album mit Stücken, das nun vor uns liegt, liefert erneut einen Beweis ihres Könnens, sowohl des natürlichen als auch des erlernten. Ein leichter Fluss von anmutigen und ausdrucksstarken Melodien, feinsinniger Geschmack, ein hervorragendes Wissen um Wirkungen und eine breite Beherrschung der Quelle, die es möglich macht, gehören zu jenen Verdiensten, die man in diesen gut kontrastierenden Stücken findet, die aus eine brillianten Prelude, einer gewichtigen Polonaise, einer breit angelegten Aria, eine Ballade, einer Gavotte und einer sehr reizenden Romance bestehen. Stilempfinden ist notwendig, um sie adäquat zu spielen, ansonsten sind sie von einem gemäßigten Schwierigkeitsgrad.“; „The Musical Times“ vom 1. September 1892, S. 551) Zwei Jahre später, am 31. Oktober 1894, spielten der Geiger Emile Sauret und der Pianist Ernest Kiver, der das Konzert veranstaltete, die Uraufführung von Rosalind Ellicotts Sonate für Violine und Klavier D-Dur in der Londoner Queen’s Hall, die in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Die „Times“ notierte: „A new sonata by Miss Rosalind Ellicott, played by the concert-giver and M. Sauret, began the programme: it is admirably clear in design, and if the treatment of its themes seldom arrests the hearer by any striking originality, it is handled with the skill of a cultivated musician. A somewhat Mendelssohnian first movement in D, a graceful, if rather self-evident, andante pastorale in G, and a spirited finale, are the component parts of a work that is worthy of the name the composer has made for herself.“ („Eine neue Sonate von Miss Rosalind Ellicott, gespielt vom Konzertgeber und M. Sauret, eröffnete das Programm. Sie ist wunderbar klar in der Konzeption, und auch wenn die Behandlung der Themen nur selten den Zuhörer mit überraschender Originalität fesselt, ist die Sonate mit dem Können einer kultivierten Musikerin geformt. Ein erster, etwas Mendelssohnscher Satz in D, ein anmutiges, Andante pastorale, das sich von selbst versteht, in G und ein temperamentvolles Finale, sind die Teile eines Werkes, das dem erworbenen Ruf der Komponistin gerecht wird.“; „The Times“ vom 1. November 1894, S. 9; vgl. auch „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1894, S. 818) Am 6. Dezember 1895 wurde Rosalind Ellicotts 2. Klaviertrio d-Moll von Agnes Zimmermann (Klavier), Emile Sauret (Violine) und Charles Ould (Violoncello) im Rahmen der British Chamber Music Concerts in der Londoner Queen’s Hall uraufgeführt (vgl. Concertprogrammes Database). Zwei Kammermusikwerke wurden bei einem Konzert der Geigerin Edie Reynolds am 1. Mai 1900 in der Londoner Steinway Hall aufgeführt, ein Klavierquartett h-Moll und die bereits genannte Violinsonate D-Dur: „Miss Edie Reynolds, at her concert on the 1st ult., at Steinway Hall, presented a commendably unhackneyed programme. A feature of the afternoon was the first performance of an unpublished Pianoforte Quartet in B minor, by Miss Rosalind Ellicott. The themes in this work are bright and pleasing, and although they are treated at too great length the music is always clear and scholarly. Its executants were Miss Sybil Palliser, Miss Edie Reynolds, Mr. Lionel Tertis, and Mr. Charles Ould, who were heartily recalled to the platform. Miss Reynolds and Miss Palliser also played the same composer’s clever and melodious Sonata in D for pianoforte and violin.“ („Miss Edie Reynolds präsentierte bei ihrem Konzert am 1. des vergangenen Monats in der Steinway Hall ein erfreulich erfrischendes Programm. Ein Programmpunkt des Nachmittags war die Uraufführung von einem unveröffentlichen Klavierquartett in h-Moll von Miss Rosalind Ellicott. Die Themen des Werkes sind brilliant und gefällig, und obwohl ihre Verarbeitung zu lang geraten ist, ist die Musik stets klar und gelehrt. Die Ausführenden waren Miss Sybil Palliser, Miss Edie Reynolds, Mr. Lionel Tertis und Mr. Charles Ould, die herzlich zurück auf die Bühne gerufen wurden. Miss Reynolds und Miss Palliser spielten außerdem von der selben Komponistin die kluge und melodiöse Sonate in D für Klavier und Violine.“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1900, S. 399)


    Im Februar 1886 veranstaltete Rosalind Ellicott ein eigenes Konzert in der Londoner Queen’s Hall, bei dem ausschließlich Werke von ihr selbst aufgeführt wurden. Zu den Mitwirkenden gehörten die Pianistin Sybil Palliser, der Geiger Richard Gompertz, der Cellist Alfredo Piatti und der Sänger David Bispham sowie Rosalind Ellicott selbst als Klavierbegleiterin. Die Rezension der „Times“ lässt die Breite ihres Werkes erahnen: „There are very few of the younger composers of this country, or, indeed, of any other, whose works will stand the servere test of being drawn upon for an entire programme – but it is only just to say that [...] Miss Rosalind Ellicott [...] came through the ordeal with great success. The works brought forward were mainly in the larger forms of concerted music, two trios and a sonata for piano and violin, besides some slighter violin pieces and songs, being included in the programme. The trio given first, that in D minor, gives internal evidence of being the later of the two in date, as it is fare more mature in style and fluent in expression than the other [...] in G. This fluency and ease of handling mark all the composer’s work, and, in the hands of a less earnest musician than Miss Ellicott has proved herself, might well prove a temptation to over-production. [...] Miss Sybil Palliser, Mr. Gompertz, and Signor Piatti played both trios excellently, and the composer acted as a skilful accompanist to Mr. Bispham, who sang three well-conceived settings of Heine’s words, a pretty song ‚To the Immortals,’ and a more conventional manuscript song.“ („Es gibt nur wenige junge Komponisten in diesem Land, oder auch in jedem anderen, deren Werk der harten Prüfung Stand halten würde, ein gesamtes Konzertprogramm zu füllen – aber man kann schlicht sagen, [...] dass Miss Rosalind Ellicott [...] die Feuerprobe mit großem Erfolg bestanden hat. Die gespielten Werke waren größtenteils in den größeren Formen konzertanter Musik gehalten, zwei Trios und eine Sonate für Klavier und Violine, neben einigen leichteren Violinstücken und Liedern, die in das Programm mit aufgenommen wurden. Das als erstes gegebene Trio, jenes in d-Moll, ist deutlich das spätere der beiden, denn es ist sehr viel stilsicherer und fließender im Ausdruck als das andere [...] in G. Jenes Fließende und eine gewisse Leichtigkeit kennzeichnen alle Werke der Komponistin und könnten in den Händen einer weniger ernsthaften Musikerin, als die sich Miss Ellicott erwiesen hat, zur Überinterpretation führen. [...] Miss Sybil Palliser, Mr. Gompertz und Signor Piatti spielten beide Trios hervorragend und die Komponistin fungierte als eine fähige Klavierbegleiterin von Mr. Bispham, der drei gut konzipierte Vertonungen von Heine-Gedichten, ein hübsches Lied ‚To the Immortals’ sowie eine eher gewöhnliche Vertonung im Manuskript, sang.“; „The Times“ vom 15. Februar 1896, S. 4)


    Um die Jahrhundertwende zog sich Rosalind Ellicott aus familiären Gründen weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. In einem Interview, das sie 1900/01 der Zeitschrift „The Young Woman“ gab, sagte sie: „[...] lately, through various family reasons, there have been so many calls on my time that I have not done anything in the way of composition. I am practically secretary to my father, and my mother’s delicate health makes me her constant companion.“ („[...] in letzter Zeit wurde ich aus verschiedenen familiären Gründen so beansprucht, dass ich nichts komponieren konnte. Ich bin praktisch die Sekretärin meines Vaters, und die angegriffene Gesundheit meiner Mutter macht mich zu ihrer ständigen Begleiterin.“; zit. n. Gillett 2000, S. 17).

    Dennoch veranstaltete Rosalind Ellicott gemeinsam mit der Pianistin Isabel Hirschfeld ab Herbst 1903 eine eigene Konzertreihe mit Kammermusikkonzerten in der Guildhall in Gloucester, die jedoch vermutlich nur eine Saison andauerte (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1903, S. 813). Nach 1904 sind weder Drucke noch öffentliche Aufführungen von Kompositionen Rosalind Ellicotts zu belegen. Wie es scheint, hatte sie sich endgültig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.


    Die letzten Lebensjahre verbrachte Rosalind Ellicott in Seasalter, einem Küstenort in der Grafschaft Kent. Sie starb am 5. April 1924.

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige Werkverzeichnis von Rosalind Ellicott wurde von Johann Layer nach Pazdírek 1904ff., The New Grove Dictionary of Women Composers (1996), Grove 2001, Grove 1954, Fuller 1995, dem englischen Bibliotheksverbundskatalog COPAC sowie den Datenbanken WBIS, World Cat, Hofmeister XIX und REC Music erstellt. Es ist nach Gattungen geordnet. Die teils unvollständigen Angaben lassen sich erst im Zuge weiterer Forschungen ergänzen. Zahlreiche ihrer Werke erschienen nicht im Druck und gelten derzeit als verschollen.




    1 Vokalmusik


    A Dream of the Sea. Lied. Text: Robert Smythe Hichens. London: Boosey & Co., 1889.


    Bring the bright Garlands. Mehrstimmiges Lied für Sopran, Alt, Tenor und Bass. Text: Tom Moore. London: Schirmer, The Lute, etc., 1889.


    Die Rose, die Lilie. Lied, o. O., o. J.


    Elysium. Kantate für Sopran, Chor und Orchester. Text: Felicia Hemans. London & New York: Novello, Ewer & Co., 1889.


    From my sad tears are springing (Aus meinen Thränen). Lied. Text: Heinrich Heine, englische Übersetzung von C. Rowe. London, 1881.


    I love thee. Lied. Text: Robert Smythe Hichens. London: Boosey & Co., 1887.


    King Henry of Navarre. Chorballade für Männerstimmen und Orchester. Text: Thomas Babington Macaulay, o. O., o. J. (UA 1894).

    New Year Forthlooking. Mehrstimmiges Lied für Sopran, Alt, Tenor und Bass. London: Weekes, 1896.


    One Alone (Verlust). Lied. Text: Heinrich Heine, englische Übersetzung von (Erzbischof) J. Troutbeck. London: Weekes & Co., 1884.


    Peace be around thee. Vierstimmiges Lied für gemischte Stimmen. Text: Tom Moore. London: Novello & Co., 1888.


    Radiant Sister of the Day. Vierstimmiges Lied für gemischte Stimmen. Text: Shelley. London: Novello & Co., 1887.


    Shine out, stars. Mehrstimmiges Lied für gemischte Stimmen (kein Druck nachweisbar, uraufgeführt Dezember 1889, vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1890, S. 27).


    Sing to me. Duett für Sopran & Tenor. Text: Robert Smythe Hichens. London & New York: Novello, Ewer & Co., 1887.


    The Birth of Song. Kantate für Sopran, Tenor, Chor und Orchester. Text: Lewis Morris. London & New York: Novello, Ewer & Co., 1892.


    The sweet blue eyes of springtime (Die blauen Frühlingsaugen). Lied. Text: Heinrich Heine, englische Übersetzung von C. Rowe. London, 1881.


    To the immortals. Lied. Text: D. F. Blomfield. London: Enoch & Sons, 1883.



    2 Instrumentalmusik

    2.1 Werke für Orchester (keine Drucke nachweisbar)


    Dramatic overture. Für Orchester.


    Fantasia in A minor für Klavier und Orchester (UA Gloucester Festival, September 1895).


    Concertstück für Klavier und Orchester


    Festival overture. Für Orchester


    To Spring. Konzertouvertüre für Orchester.



    2.2 Kammermusikalische Werke


    A Rêverie. Für Violoncello und Pianoforte. London & New York: Novello, Ewer & Co., 1888.


    A Sketch. Für Violine mit Klavierbegleitung. Mainz: Schott, 1883.


    Klaviertrio Nr. 1 G-Dur. London: C. Jefferys & Son, 1891.


    Klaviertrio Nr. 2 d-Moll (Alfredo Piatti gewidmet). London: C. Jefferys & Son, 1891.


    Klavierquartett D-Dur [1895], Druck nicht nachweisbar


    Quartett in F-Dur, Druck nicht nachweisbar


    Streichquartett B-Dur, Druck nicht nachweisbar.


    Six Pieces. Für Violine und Pianoforte. London: Novello & Co., 1891.

    Prelude – Polonaise – Aria – Ballade – Gavotte – Romance.


    Sonate für Klavier and Violine D-Dur [1895], Druck nicht nachweisbar.


    Sonate für Klavier und Violoncello, Druck nicht nachweisbar.

    Repertoire

    Rosalind Ellicott ist nur selten als Interpretin in der Öffentlichkeit aufgetreten, meistens als Klavierbegleiterin ihrer eigenen Werke. In den ersten Jahren übernahm sie häufiger den Solopart in größeren Gesangswerken, so z. B. in Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Louis Spohr.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: National portrait gallery of British musicians, hg. v. J. Warriner, 1896 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: British musical biography, hg. v. J. D. Brown/S. S. Stratton, 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott (Miss Rosalind Frances)“. In: People of the period, hg. v. A. T. C. Pratt, 2 Bde., 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: Who’s who in music, hg. v. H. S. Wyndham, 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott (Rosalind Frances)“. In: Otto Ebel: Women Composers, 3. Aufl. 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott (Rosalind Frances)“. In: Black’s dictionary of music and musicians, hg. v. L. J. de Bekker, 1924 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott, Rosalind“. In: Who was who 1916-1928, 1929 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: Grove’s Dictionary of Music and Musicians, 5. Aufl., hg. v. Eric Bloom, 5 Bde., Bd. 2, London: Macmillan & Co Ltd., 1954.


    Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: G. Leach: British Composer Profiles, 1989 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Fuller, Sophie. The Pandora Guide to Women Composers. Britain and the United States 1629 – Present. London: Pandora, 1994.


    Fuller, Sophie. Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: The New Grove. Dictionary of Music & Musicians. Second Edition. Edited by Stanley Sadie. London: Macmillian Publishers Limited, 2001. Vol. 8, S. 147.


    Gardner, John R.: Artikel „Ellicott, Rosalind Frances“. In: The Norton/Grove Dictionary of Women Composers, hg. v. Julie Anne Sadie und Rhian Samuel. New York, London: Macmillan Press, 1995.


    Gillett, Paula. Musical Women in England 1870-1914. „Encroaching on all Man’s Privileges“. New York: St. Martin’s Press, 2000.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.



    Zeitungsartikel und -rezensionen


    The Musical Times vom 1. Januar 1888, S. 47.

    The Musical Times vom 1. August 1888, S. 489.

    The Musical Times vom 1. März 1890, S. 169.

    The Musical Times vom 1. April 1892, S. 227.

    The Musical Times vom 1. September 1892, S. 551.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1894, S. 818.

    The Musical Times vom 1. April 1896, S. 238.

    The Musical Times vom 1. Juli 1897, S. 463.

    The Musical Times vom 1. Juni 1900, S. 399.


    The Times vom 16. September 1878, S. 6

    The Times vom 5. Juli 1883, S. 9.

    The Times vom 8. September 1886, S. 8.

    The Times vom 8. Mai 1891, S. 3.

    The Times vom 1. November 1894, S. 9.

    The Times vom 15. Februar 1896, S. 4.

    The Times vom 15. September 1898, S. 4.




    http://en.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Ellicott (Stand: 17. August 2013)

    Die Wikipedia England enthält einen kurzen Eintrag zu Rosalind Ellicott.


    http://www.wrightmusic.net/pdfs/rosalind-ellicott.pdf (Stand: 17. August 2013)

    Die Website Wrightmusic stellt einen biographischen Kurzartikel von David C. F. Wright sowie die Noten der beiden Klaviertrios online zur Verfügung.


    http://www.concertprogrammes.org.uk/html/search/verb/GetRecord/4859 (Stand: 17. August 2013)

    Die britische Concert Programmes Database verweist auf mehrere erhaltene Konzertprogramme mit Werken von Rosalind F. Ellicott.

    Forschung

    Zu Rosalind Ellicott liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Rosalind Ellicott umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel und Regina Back
    Zuerst eingegeben am 01.02.2019


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Rosalind Ellicott“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 1.2.2019.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Rosalind_Ellicott