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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Kathleen Riddick
    Lebensdaten:
    geb. in Epsom, England
    gest. in London, England
    Tätigkeitsfelder:
    Dirigentin, Komponistin, Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Kathleen directed with dedication and the atmosphere prevailing is reported to have been ‘professional’.


    („Kathleen leitete mit Hingabe, und die allgemeine Stimmung soll ‚professionell‘ gewesen sein.“)


    (Das Leatherhead Orchestra über seine Gründerin und langjährige Dirigentin Kathleen Riddick. http://www.leatherheadorchestra.co.uk)


    Profil

    Die Dirigentin, Cellistin und Komponistin Kathleen Riddick konnte sich nach ihrem Studium an der Guildhall School of Music London als Violoncellistin im englischen Musikleben behaupten. Nach und nach wandte sie sich jedoch der Orchesterleitung zu und wirkte über vierzig Jahre lang als Dirigentin im semi-professionellen Bereich. Sie gründete mehrere Orchester, sowohl in ländlichen Gegenden wie in London, und engagierte sich dabei gleichermaßen in der Laienmusik wie im professionellen Bereich. Besonders dem Laienbereich kam dabei zu Gute, dass Kathleen Riddick ihre Arbeit kontinuierlich über viele Jahre fortsetzte: Die von ihr gegründeten Orchester feierten meist noch unter ihrer Leitung Jubiläen von mehreren Jahrzehnten, zwei von ihnen bestehen bis heute.

    Während ihrer Studienzeit erhielt Kathleen Riddick zudem ein Stipendium für Komposition und führte 1933 mit einem ihrer Orchester auch ein eigenes Werk auf. Ob sie danach weiterhin komponierte, ist bislang unbekannt.

    Orte und Länder

    Kathleen Riddick wurde in Epsom/Surrey im Süden Englands geboren und verbrachte dort ihre Kindheit. Im Alter von zehn Jahren kam sie nach London, um an der Guildhall School of Music Violoncello zu studieren. Nach Abschluss ihres Studiums etablierte sie sich im britischen Musikleben zunächst als Violoncellistin, begann dann jedoch ein Dirigierstudium bei dem russisch-amerikanischen Dirigenten Nicolai Malco am Mozarteum in Salzburg. Sie kehrte anschließend nach England zurück und lebte die meiste Zeit in Ashtead/Surrey, im Süden Englands.

    Biografie

    Kathleen Riddick wurde am 17. Juli 1907 in Epsom in der Grafschaft Surrey im Süden Englands geboren; beide Eltern waren professionelle Musiker. Als Kind wurde Kathleen Riddick zunächst in Klavier unterrichtet, wechselte dann jedoch zum Violoncello als Hauptinstrument und kam mit zehn Jahren nach London, um bei Arnold Trowell an der Guildhall School of Music Violoncello zu studieren. Während ihrer Studienzeit erhielt sie mehrfach Stipendien, sowohl für das Violoncello- als auch für ein Kompositionsstudium. Nach Beendigung ihrer Ausbildung konnte sich Kathleen Riddick zunächst als Violoncellistin und Kammermusikerin im britischen Musikleben etablieren und trat u. a. gemeinsam mit Daphne Serre (Klavier) und Queenie Dyer (Violine) als Serre-Trio auf. Zwischen Februar 1933 und Dezember 1935 gab das Klaviertrio alle drei Monate unter dem Titel „Light Classical Concert“ ein Rundfunkkonzert bei der BBC und wurde dabei meistens von einer Sängerin bzw. einem Sänger unterstützt, darunter der Bariton Arnold Matters und die Sopranistinnen Frances Hatfield, Georgie Henschel und Norah Scott-Turner (vgl. „The Times London“ zwischen Februar 1933 und Dezember 1935).


    Neben ihrer Arbeit als Violoncellistin wandte sich Kathleen Riddick nach und nach der Orchesterleitung zu, vermutlich angeregt durch ihren Vater, der in Epsom ein Amateurorchester dirigierte und den sie hin und wieder am Dirigentenpult vertrat. Im Jahr 1932 gründete sie ihr erstes eigenes Orchester, die Surrey String Players (s. u.), und besuchte in den folgenden Jahren regelmäßig Fortbildungskurse für Dirgenten. Auf eine Empfehlung von R. J. Forbes hin, zu dieser Zeit Direktor des Royal Manchester College of Music, nahm sie schließlich ein Dirigierstudium bei dem russisch-amerikanischen Dirigenten Nicolai Malko am Mozarteum in Salzburg auf (verm. 1937/38).


    Die 1932 von ihr gegründeten Surrey String Players zogen von Beginn an die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, wobei auch die Arbeitsweise Kathleen Riddicks anerkannt wurde. So berichtete z. B. die Londoner „Times” über eines der ersten Konzerte des Orchesters im Juni 1933: „The Surrey String Players, an amateur string orchestra at Leatherhead, with members drawn from the surrounding district, are finishing a season of 30 weekly practices. They lately gave a concert that included Mozart’s ‘Eine kleine Nachtmusik’ and a group of songs for tenor voice and strings by Kathleen Riddick. The aim of this society, under the conductor, Miss Riddick, is accurate and expressive string playing, without, of course, the support of a pianoforte.” („Die Surrey String Players, ein Amateur-Streichorchester in Leatherhead, dessen Mitglieder aus der Umgebung kommen, haben eine Saison von 30 wöchentlichen Proben abgeschlossen. Sie gaben kürzlich ein Konzert mit Mozarts ‚Eine kleine Nachtmusik‘ und einer Reihe von Liedern für Tenor und Streicher von Kathleen Riddick. Das Ziel dieser Vereinigung unter der Dirigentin Miss Riddick liegt im präzisen und ausdrucksstarken Spiel, selbstverständlich ohne die Unterstützung eines Klaviers.“ „The Times London“ vom 6. Juni 1933, S. 15). Neben der Würdigung Kathleen Riddicks als Dirigentin ist diese Rezension der bislang einzige Hinweis darauf, dass Kathleen Riddick mit ihren Orchestern auch eigene Kompositionen aufführte, über die jedoch ansonsten nichts bekannt ist. Kathleen Riddick gelang es, die Laienmusik in der Grafschaft Surrey weiter auszubauen und damit auch kontinuierlich das Niveau des Orchesters anzuheben. Im Jahr 1945 wurde das Orchester zum semi-professionellen „Surrey Philharmonic Orchestra“ erweitert und immer häufiger von Gastdirigenten wie z. B. Ralph Vaughan Williams und Arthur Bliss geleitet. Zudem wandte sich Kathleen Riddick in ihrer Repertoireauswahl zunehmend der zeitgenössischen Musik zu. Am 8. Mai 1951 konzertierte das Orchester unter ihrer Leitung mit der Uraufführung von Gordon Jacobs Hornkonzert in der Londoner Wigmore Hall im Rahmen des Festival of Britain Concerts und gab am 29. Oktober 1951 ein Konzert in der neueröffneten Royal Festival Hall, bei dem es u. a. die Uraufführung von Stanley Bates „Introduction and Allegro for Orchestra“ spielte – ein Werk, das Kathleen Riddick und dem Surrey Philharmonic Orchestra gewidmet ist. Ebenfalls in der Royal Festival Hall feierte das Orchester im April 1958 sein 25jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert, bei dem Johannes Brahms’ „Tragische Ouvertüre“ d-Moll, op. 81, Jean Sibelius’ erste Symphonie e-Moll, op. 31, und „Le carnaval des animaux“ von Camille Saint-Saëns auf dem Programm standen. Die „Times London” skizzierte aus diesem Anlass auch die enorme Entwicklung des Surrey Philharmonic Orchestra, die sich bereits am Programm ablesen ließ: „This orchestra was originally the Surrey String Players and as such did valuable work in the war which so increased its reputation and consolidated its strenght that it was enlarged for some of its engagements to symphonic strength. It incorporates professionals – the name of its leader, Vera Kantrovitch, is well known, as are some of the other principals – but its strings consist largely of good amateur players.” („Dieses Orchester waren ursprünglich die Surrey String Players, die während des Krieges wertvolle Arbeit leisteten, was derart seinen Ruf steigerte und seine Stärke festigte, dass es für einige seiner Engagements zu symphonischer Stärke erweitert wurde. In ihm spielen professionelle Musiker – der Name der Konzertmeisterin, Vera Kantrovitch, ist gut bekannt, ebenso einige der anderen Stimmführer –, aber seine Streicher bestehen größtenteils aus guten Amateurspielern.“ „The Times London” vom 21. April 1958, S. 3) Kathleen Riddick leitete das Orchester vierzig Jahre lang bis 1972; das Surrey Philharmonic Orchestra besteht bis heute.


    Nicht weniger erfolgreich war die zweite Orchestergründung von Kathleen Riddick: Im Jahr 1938 rief sie das „London Women’s String Orchestra“ ins Leben, das innerhalb kürzester Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte. Bereits mit seinem Eröffnungskonzert im Mai 1938 begeisterte das Orchester Publikum und Presse und auch sein zweites Konzert wurde ein voller Erfolg. Auf dem Programm standen Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik” KV 525, Benjamin Brittens „Variations on a theme by Frank Bridge” op. 10, einige Stücke von Jean Sibelius und Frederick Delius sowie Edward Elgars „Introduction and Allegro” op. 47: „Last May the London Women’s String Orchestra, conducted by Miss Kathleen Riddick, made a highly successful start to its career. The concert at Aeolian Hall on Wednesday showed that the golden opinions formed in the spring had not been unduly enthusiastic. […] The performance was rhythmic and lively, though unnecessarily intense. The collective feeling for rhythm and true intonation produced the happiest results in Mozart. The final Rondo was delightful. In Elgar the playing was sturdy and unanimous, but hardly imaginative enough. Miss Riddick might reconsider her view of this work. Elsewhere her conducting was musicianly as well as efficient.” („Vergangenen Mai spielte das London Women’s String Orchestra unter der Leitung von Miss Kathleen Riddick ein äußerst erfolgreiches Debüt. Das Konzert am Mittwoch in der Aeolian Hall zeigte, dass das erste Urteil des Frühjahrs nicht übertrieben enthusiastisch war. […] Die Ausführung war rhythmisch und lebendig, allerdings unnötig angespannt. Das gemeinsame Gefühl für Rhythmus und saubere Intonation ergaben bei Mozart das beste Ergebnis. Das abschließende Rondo war wunderbar. Der Elgar war kräftig und stimmig, aber kaum einfallsreich genug. Miss Riddick sollte ihren Blick auf das Werk nochmals überdenken. Ansonsten war ihr Dirigat ebenso musikalisch wie wirksam.“ „The Times London” vom 9. Dezember 1938, S. 14) Kathleen Riddick gelang es, das London Women’s String Orchestra als festen Bestandteil im Musikleben der Stadt zu verankern, u. a. indem sie in die Programme kontinuierlich neue Musik aufnahm, den Kontakt zu zeitgenössischen britischen Komponisten suchte und zahlreiche Uraufführungen wagte. So spielte das Orchester z. B. am 5. Juni 1939 in der Londoner Aeolian Hall die Uraufführung des Konzertes für Klavier und Streichorchester op. 24 von Stanley Bate mit dem Solisten Lloyd Powell („The Times London” vom 9. Juni 1939, S. 14) und gab im Mai 1940 im Rahmen des Contemporary Music Centre ein Konzert mit nicht weniger als vier Uraufführungen bzw. englischen Erstaufführungen: Victor Yates’ „Rochester Suite“, Bohuslav Martinůs „Rumänische Partita“, Arnold Cookes „Passacaglia, Scherzo and Finale“ und Henk Badings „Largo and Allegro“ (vgl. „The Times London“ vom 8. Mai 1940, S. 4). Zugleich widmete sich Kathleen Riddick jedoch auch dem klassisch-romantischen Orchesterrepertoire sowie älterer Musik. So konzertierte das Orchester z. B. im November 1940 unter ihrer Leitung mit Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ – offensichtlich eine Art „Markenzeichen“ von Kathleen Riddick –, Gustav Holsts „Brook Green Suite“, Peter I. Tschaikowskys Serenade C-Dur, op. 48, und Jean Sibelius’ Romanze C-Dur, op. 42 (vgl. „The Times London“ vom 18. November 1940, S. 6), und gab im März 1941 ein Konzert in der Londoner Wigmore Hall gemeinsam mit der Sopranistin Sophie Wyss, bei dem Werke von Johann Pachelbel, Henry Purcell, Jean-Philippe Rameau, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart und Edward Elgar auf dem Programm standen: „It was in fact a triumph for this orchestra of women players, the London Women’s String Orchestra conducted by Miss Kathleen Riddick. Their playing is sonorous and vigorous, but without sense of effort or constraint”. („Es war ein wirklicher Triumph für dieses Musikerinnen-Orchester, das London Women’s String Orchestra, das von Kathleen Riddick dirigiert wurde. Ihr Spiel ist klangvoll und lebhaft, aber ohne dass die Anspannung zu spüren wäre“. „The Times London“ vom 24. März 1941, S. 6) Die stilistische Breite, die Kathleen Riddick insgesamt ihrem Orchester abforderte, stärkte sicherlich dessen Reputation. Mit der Zeit traten namhafte Solistinnen und Solisten mit dem Orchester auf, darunter z. B. die Pianistinnen Ruth Dyson – im November 1941 mit Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur, Hob. 11 –, und Myra Hess – im Dezember 1942 mit einem Klavierkonzert d-Moll von Johann Sebastian Bach (vgl. „The Times London“ vom 18. November 1941, S. 6; 21. Dezember 1942, S. 6).


    Um das Jahr 1944 wurde das London Women’s String Orchestra umbenannt in Kathleen Riddick String Orchestra und intensivierte zugleich seine Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten. Es spielte am 20. August 1945 die erste Rundfunkaufführung von Gordon Jacobs „Symphony for Strings“ op. 13, trat in der Saison 1946/47 in der Guildford Cathedral in Norfolk mit der Uraufführung von Stewart Hylton Edwards „Five Folk Idylls“ auf und gab im Januar 1947 ein vielbeachtetes Konzert mit neuen Werken, bei dem u. a. Paul Hindemiths „Theme and Four Variations for pianoforte and strings“, Geoffrey Bushs „Divertimento“ und Hubert Cliffords „Serenade“ erklangen (vgl. „The Times London“ vom 8. Januar 1947, S. 6; Mason 1947). Am 29. April 1947 leitete Kathleen Riddick die Uraufführung von Malcolm Arnolds „Symphony for Strings“ op. 13 in der Londoner Kensington Town Hall, im Oktober 1947 stand die Uraufführung von Jack Lanchberys Sinfonietta auf dem Programm eines Konzertes („The Times London“ vom 15. Oktober 1947, S. 10) und Anfang Juli 1949 spielte das Kathleen Riddick String Orchestra neben anderen Werken auch die Uraufführung von Max Saunders „Interludium”: „Miss Kathleen Riddick’s orchestra played a well contrasted programm at Wigmore Hall on Friday evening, with an unknown Interludium by Max Saunders among pieces long established in the string orchestra’s repertory. The music, of elegiac character, expressed quiet and lovely things in an idiom which, if not exactly original, was both unpretentious and thoughtfully adapted to the nature of stringed instruments. It was helped moreover, by a sensitive performance.” („Miss Kathleen Riddicks Orchester spielte am Freitag Abend in der Wigmore Hall ein abwechslungsreiches Programm, mit einem unbekannten Interludium von Max Saunders neben längst im Repertoire für Streichorchester etablierten Stücken. Die Musik, von elegischem Charakter, brachte stille und reizvolle Dinge in einem Idiom zum Ausdruck, das, wenn auch nicht originell, so doch unpretentiös und dem Charakter eines Streichorchesters angemessen war. Unterstützt wurde es zudem von einer feinsinnigen Interpretation.“ „The Times London” vom 4. Juli 1949, S. 7). Auch die „Irish Serenade”, die Cyril Scott 1951 für das Festival of Britain komponiert hatte, wurde am 26. Juni 1951 von Kathleen Riddick und ihrem Orchester in der Londoner Wigmore Hall uraufgeführt.


    Das Kathleen Riddick String Orchestra konzertierte mit Solistinnen und Solisten wie Antonia Butler (Violoncello), Winifred Gaskell und Russel King (Flöte), Dennis Brain (Horn), Veronica Mansfield, Rene Soames, Duncan Thomas und Alfred Deller (Gesang). In den 1950er Jahren wurde es zudem mehrfach von Gastdirigenten wie Léon Goossens und Paul Steinitz geleitet. Einer Notiz in der Londoner „Times“ zufolge, feierte das Orchester im Mai 1959 seinen 21. Geburtstag und hieß zu dieser Zeit „Kathleen Riddick’s chamber orchestra“ („The Times London“ vom 21. Mai 1959, S. 14). Bis wann das Orchester bestand bzw. ob es heute noch unter anderem Namen spielt, ist bislang nicht bekannt.


    Im Jahr 1958 übernahm Kathleen Riddick nochmals eine neue Aufgabe und belebte das ehemalige „Wednesday Night Orchestra“ wieder, ein Amateurorchester in Leatherhead, das unter ihrer Leitung den Namen „Leatherhead Orchestra“ annahm. Möglicherweise diente es als eine Art Vorbereitungsorchester für das Surrey Philharmonic Orchestra, denn auf den Internetseiten des bis heute bestehenden Amateurorchesters heißt es: „Kathleen directed with dedication and the atmosphere prevailing is reported to have been ‘professional’. Some players graduated to the Surrey Philharmonic Orchestra, of which Kathleen was the founder and conductor for many years.” („Kathleen leitete mit Hingabe, und die allgemeine Stimmung soll ‚professionell‘ gewesen sein. Einige Spieler konnten in das Surrey Philharmonic Orchestra aufsteigen, das Kathleen gegründet hatte und viele Jahre lang dirigierte.“ http://www.leatherheadorchestra.co.uk) Kathleen Riddick leitete das Leatherhead Orchestra bis 1972; nach ihrem Tod wurde es für kurze Zeit von ihrem Mann George Bixley übernommen.


    Kathleen Riddick konnte sich als Dirigentin auch im professionellen Bereich behaupten und trat mehrfach als Gastdirigentin größerer Symphonieorchester auf. Im Jahr 1943 dirigierte sie das BBC Orchestra, später konzertierte sie mit dem BBC Northern Orchestra sowie mit verschiedenen schottischen Orchestern. Auch das London Symphony Orchestra spielte unter ihrer Leitung (vgl. den Nachruf in „The Times London“ vom 10. Februar 1973, S. 18). Näheres über diese Gastdirigate ist bislang nicht bekannt.


    Kathleen Riddick lebte die meiste Zeit ihres Lebens in Ashtead in der Grafschaft Surrey im Süden Englands und war seit 1934 mit dem Musiker George Bixley verheiratet. Ihre Tochter Susan Bixley wurde 1944 geboren. Kathleen Riddick starb am 5. Februar 1973 in London.


    Für ihre Verdienste um Musik wurde Kathleen Riddick 1961 mit dem „Order of the British Empire“ (OBE) ausgezeichnet.

    Würdigung

    Kathleen Riddick konnte sich als eine von wenigen Frauen im englischen Musikleben ab 1930 als Dirigentin etablieren. In ihrer mehr als vierzigjährigen Tätigkeit in diesem Beruf waren künstlerische und pädagogische Arbeit stets untrennbar miteinander verbunden. Die kontinuierliche Erweiterung des Repertoires, die sich anhand der Konzerte aller von ihr geleiteten Orchester nachvollziehen lässt, die stilistische Breite der von ihr auf die Programme gesetzten Werke und nicht zuletzt das Interesse an aktueller Musik zeigen, dass Kathleen Riddick eine herausragende „Orchester-Erzieherin“ im besten Sinne war, die professionelle Musiker wie Amateure gleichermaßen begeistern konnte. Mit dieser Fähigkeit gelang es ihr, die künstlerischen wie institutionellen Möglichkeiten für Laienmusiker in der Grafschaft Surrey stetig auszubauen. Auch das von ihr in London gegründete Women’s String Orchestra wurde von Publikum und Presse neben den männlich besetzten Klangkörpern als gleichwertiges Orchester anerkannt.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten von Kathleen Riddick findet heute kaum mehr statt. In der Geschichtsschreibung der von ihr gegründeten Orchester ist sie jedoch ebenso präsent wie in den Werkverzeichnissen von Komponisten, deren Werke sie uraufführte.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Lieder für Tenor und Streichorchester (keine Präzisierung möglich)



    Aufnahmen


    Rubbra, Edmund. Spenser sonnets. Aufnahme mit dem Tenor William Scott Herbert und dem Kathleen Riddick String Orchestra unter ihrer Leitung (o. D.; British Library National Sound Archive)


    Stevens, Halsey. Ricercar op. 6. Aufnahme mit dem Kathleen Riddick String Orchestra unter ihrer Leitung (o. D.; British Library National Sound Archive)



    Schriften


    Riddick, Kathleen: Women and Music. In: Music Parade. An Illustrated Miscellany for the Music Lover. Arthur Unwin, 1945, S. 6-12.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste Kathleen Riddicks kann aufgrund fehlender Forschungen bislang nicht erstellt werden. Über ihr Repertoire als Violoncellistin ist nichts bekannt, von ihr als Dirigentin sind z. Zt. Interpretationen folgender Werke nachweisbar:


    Arnold, Malcolm. Symphony for Strings op. 13 (Uraufführung 1947)

    Bach, Johann Sebastian. Klavierkonzert d-Moll (keine Präzisierung möglich)

    Bading, Henk. Largo and Allegro (Uraufführung der Fassung für Streichorchester 1940)

    Bate, Stanley. Introduction and Allegro for Orchestra (Uraufführung 1951)

    Bate, Stanley. Konzert für Klavier und Streichorchester op. 24 (Uraufführung 1939)

    Brahms, Johannes.Tragische Ouvertüre d-Moll, op. 81

    Britten, Benjamin. Variations on a theme by Frank Bridge op. 10

    Bush, Geoffrey. Divertimento (Uraufführung oder engl. Erstaufführung 1947)

    Clifford, Hubert. Serenade (Uraufführung oder engl. Erstaufführung 1947)

    Cooke, Arnold. Passacaglia, Scherzo and Finale (Uraufführung der Fassung für Streichorchester 1940)

    Edward, Hylton. Five Folk Idylls (Uraufführung der Fassung für Streichorchester 1946/47)

    Elgar, Edward. Introduction and Allegro op. 47

    Haydn, Joseph. Klavierkonzert D-Dur, Hob. 11

    Hindemith, Paul. Theme and Four Variations for pianoforte and strings (Uraufführung oder engl. Erstaufführung 1947)

    Holst, Gustav. Brook Green Suite

    Jacob, Gordon. Horn Concerto (Uraufführung 1951)

    Jacob, Gordon. Symphony for Strings op. 13 (Erste Rundfunkaufführung 1945)

    Lanchbery, Jack. Sinfonietta for strings (Uraufführung 1947)

    Martinů, Bohuslav. Rumänische Partita H 212 (Uraufführung der Fassung für Streichorchester 1940)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Divertimento (keine Präzisierung möglich)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierkonzert Es-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Eine kleine Nachtmusik, KV 525

    Rubbra, Edmund. Spenser sonnets

    Saint-Saëns, Camille. Le carnaval des animaux (o.op.)

    Saunders, Max. Interludium (Uraufführung 1949)

    Scott, Cyril. Irish Serenade (Uraufführung 1951)

    Sibelius, Jean. Romanze C-Dur, op. 42

    Sibelius, Jean. Symphonie Nr. 1 e-Moll, op. 31

    Stevens, Halsey. Ricercar op. 6

    Tschaikowsky. Peter I. Serenade C-Dur, op. 48

    Wolf, Hugo. Serenade [möglicherweise die Italienische Serenade in einer Bearbeitung für Streichorchester]

    Yates, Victor. Rochester Suite (Uraufführung der Fassung für Streichorchester 1940)

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Riddick, Kathleen”. In: British Music. R. Palmer (Hg.). 1948 [verfügbar in wbis – word biographical information system].


    Artikel „Riddick, Kathleen”. In: Grove’s Dictionary of Music and Musicians. 5. Auflage. Eric Blom (Hg.). London: Macmillan & Co LTD, 1954.


    Artikel „Riddick, Kathleen C”. In: A Historical Dictionary of British Women. Cathy Hartley, Susan Leckey (Hg.). London: Europa, 2003.


    Fifield, Christopher: Ibbs and Tillett. The Rise and Fall of a Musical Empire. Aldershot: Ashgate, 2005.


    Mason, Colin. New Music in London. In: Tempo. New Series. Nr. 3, März 1947, S. 17-21.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    The Times London vom 3. Februar 1933, S. 8.

    The Times London vom 6. Juni 1933, S. 15.

    The Times London vom 9. Juni 1933, S. 10.

    The Times London vom 12. September 1933, S. 10.

    The Times London vom 5. Dezember 1933, S. 25.

    The Times London vom 23. April 1935, S. 17.

    The Times London vom 16. Juli 1935, S. 14.

    The Times London vom 17. Dezember 1935, S. 6.

    The Times London vom 5. Dezember 1938, S. 8.

    The Times London vom 9. Dezember 1938, S. 14.

    The Times London vom 25. April 1939, S. 12.

    The Times London vom 9. Juni 1939, S. 14.

    The Times London vom 8. Mai 1940, S. 4.

    The Times London vom 18. November 1940, S. 6.

    The Times London vom 24. März 1941, S. 6.

    The Times London vom 18. November 1941, S. 6.

    The Times London vom 21. Dezember 1942, S. 6.

    The Times London vom 8. April 1944, S. 8.

    The Times London vom 6. Oktober 1945, S. 8.

    The Times London vom 8. Januar 1947, S. 6.

    The Times London vom 15. Oktober 1947, S. 10.

    The Times London vom 4. Juli 1949, S. 7.

    The Times London vom 21. April 1958, S. 3.

    The Times London vom 21. Mai 1959, S. 14.

    The Times London vom 10. Februar 1973, S. 18 [Nachruf].



    Links


    http://www.surreyphil.org.uk

    Das „Surrey Philharmonic Orchestra“, das von Kathleen Riddick gegründet wurde, besteht bis heute.


    http://www.leatherheadorchestra.co.uk

    Das „Leatherhead Orchestra“, das von Kathleen Riddick 1958 wiederbelebt wurde, besteht bis heute.


    http://parish.ashtead.org/people/kr.htm

    Der Pfarrbezirk in der südenglischen Stadt Ashtead, in der Kathleen Riddick über viele Jahrzehnte lebte, stellt auf seiner Internetseite „Parish of Ashtead“ die Dirigentin kurz vor.


    http://www.concertprogrammes.org.uk/search

    Die britische Internetseite, auf der Konzertprogramme zentral erfasst werden, verzeichnet mehrere Einträge zu Kathleen Riddick.


    http://www.bl.uk/collections/sound-archive/cat.html

    Das National Sound Archive der British Library enthält zwei Aufnahmen des Kathleen Riddick String Orchestra unter ihrer Leitung.

    Forschung

    Die Quellenlage zu Kathleen Riddick ist bislang dürftig; ein Nachlass ist nicht bekannt. Zu vermuten wäre jedoch, dass sich im Bestand der London Society of Women Musicians, der in der Bibliothek des Royal College of Music unter der Signatur „GB 1249 Society of Women Musicians“ aufbewahrt wird, zumindest weitere Quellen über das von ihr gegründete London Women’s String Orchestra befinden. Kathleen Riddick erhielt während ihrer Studienzeit an der Guildhall School of Music auch ein Stipendium für Komposition und führte 1933 mit den Surrey String Players ein eigenes Werk auf. Über den Verbleib ihrer Kompositionen ist bislang nichts bekannt.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Kathleen Riddick umfasst ihre Biografie ebenso wie ihre künstlerischen und pädagogischen Tätigkeiten. Dabei wäre auch der Verbleib ihrer Kompositionen zu eruieren und ihre künstlerischen Kontakte, ihre Verbindungen zur zeitgenössischen Musik sowie zur Society of Women Musicians systematisch zu untersuchen.

    Gleichzeitig lassen die ersten Forschungen zu Kathleen Riddick erkennen, dass ihre Biografie und ihre Tätigkeiten auch in Verbindung mit übergeordneten Fragestellungen interessant wären. Hierzu zählt die Frage nach dem Ausbau der Laienmusik in den ländlichen Gegenden Englands und die Bedeutung von Frauen, speziell von Kathleen Riddick, für diesen Prozess. Zudem stellt sich die Frage, auf welche Weise es Kathleen Riddick gelang, auch im professionellen Bereich mit völliger Selbstverständlichkeit als Dirigentin anerkannt zu werden, zu einer Zeit als dieser Beruf für Frauen unüblich war. Schließlich wäre zu hinterfragen, wie das von ihr gegründete London Women’s String Orchestra organisiert war und welche Bedeutung diesem Orchester für den Lebensweg von Musikerinnen zukam.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 31. August 2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 14.09.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Kathleen Riddick“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 14.9.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Kathleen_Riddick