Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (95%)
  • DeutschEnglish
  • Amalie Joachim

    von Beatrix Borchard
    Amalie Joachim, ca. 1870, Porträtfotografie von Ernst Milster, Berlin, Sammlung Joachim Draheim, Karlsruhe.
    Namen:
    Amalie Joachim
    Geburtsname: Amalie Schneeweiss
    Lebensdaten:
    geb. in Marburg an der Drau (heute: Maribor, Slowenien), Österreich
    gest. in Berlin,
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Gesangslehrerin, Herausgeberin
    Charakterisierender Satz:

    „Fr.[au] J.[oachim] ist die idealste Künstlerin, die ich kenne. Sie ist so vollendet, daß alles, was sie singt, das Gepräge der höchsten Vollendung an sich tragen muß, weil ihre Art der Auffassung so eigentümlich ist, daß sie immer das Richtige trifft. Ich frug sie, wie sie das machte: ,Man muß nichts hineingeheimnissen, sondern aus dem Werk herausholen, was drin liegt.’ In diesen Worten hat sie das Geheimnis des künstlerischen Reproduzierens verraten. Ihr Vortrag erscheint immer natürlich im höchsten Grade, fast naturalistisch, u. doch ist dabei ein Aufwand größter Kunst. [...] Und nun als Mensch! Ein goldenes Herz, ein tiefes Gemüt, ein edelster Charakter verbunden mit bedeutendem Geist, heiterer Laune u. liebenswürdigstem Wesen. Ausgelassen, übermütig, aber nie bis zum Taumel; ernst, streng, aber nie trocken, nie unangenehm; was sie spricht ist immer interessant, u. nie merkt man die Absicht, etwas Bedeut.[endes] sagen zu wollen; immer gleichmüthig gut, voll tiefen Mitleides für Anderer Elend, aber auch hilfsbereit u. thatkräftig; ihr Charakter ist sehr liebevoll und erhaben, daß ich glaube: selbst wenn sie schuldig wäre, wäre sie doch unschuldig. Ich fühlte mich in ihrer Nähe immer wie gehoben, wie auf leichten Wolken in hoher, reiner Sphäre getragen. Hier ist ein menschlicher Künstler zugleich ein künstlerischer Mensch wie alle Künstler sein sollten!“


    (Tagebucheintragung des portugiesischen Pianisten und Komponisten José Vianna da Motta vom März 1890, zit. nach Beatrix Borchard, Stimme und Geige, Wien 2007, S. 492)


    Profil

    Amalie Joachim war eine der bedeutendsten Lied- und Oratoriensängerinnen ihrer Zeit, für die zahlreiche Partien und Lieder geschrieben wurden. Besonders als Schubert-, Schumann- und Brahmsinterpretin machte sie sich einen großen Namen. Bis zu ihrem überraschenden Tod 1899 setzte sie sich für alle zeitgenössischen Entwicklungen im Bereich des Liedes ein, darunter für Richard Strauss und Gustav Mahler. Mit ihrer gemeinsam mit dem Musikschriftsteller Heinrich Reimann (1850-1906) konzipierten „Geschichte des deutschen Liedes in vier Abenden“ entwarf sie eine gesungene Gattungsgeschichte. Sie begann im 15. Jahrhundert und umfasste zur Hälfte zeitgenössische Liedliteratur, nicht nur von Brahms sondern auch der sogenannten Neudeutschen Schule, von Liszt, Cornelius und Wagner. Mit diesen und anderen oft auf einzelne Komponisten oder Dichter konzentrierten Programmen trat sie ab 1884 regelmäßig in zahlreichen europäischen Städten und in den USA auf.

    Orte und Länder

    Amalie Joachim stammte aus der Steiermark und stand bereits im Alter von vierzehn Jahren auf der Bühne. Graz, Troppau, Linz, Hermannstadt (Siebenbürgen), Wien, Hannover hießen die Stationen ihrer Bühnenlaufbahn. Nach der Heirat mit dem Geiger Joseph Joachim lebte und arbeitete sie als Konzertsängerin zunächst in Hannover, dann ab 1868 in Berlin, ab 1876 im Sommer und nach der Trennung von ihrem Mann zwischenzeitlich in Aigen bei Salzburg bzw. in Elberfeld. Konzertreisen führten sie wiederholt durch Deutschland und Österreich-Ungarn, nach Holland und Belgien, ins Baltikum, auch in das damals noch russisch besetzte Finnland, nach Russland, nach Schweden, in die Schweiz und in die USA.

    Biografie

    Die Altistin Amalie Joachim, geb. Schneeweiss, stammte aus der Steiermark. Alles, was wir über ihre Kindheit und Jugend wissen, wissen wir ausschließlich aus ihren nachgelassenen autobiografischen Aufzeichnungen, die sich in der Schublade ihrer jüngsten Enkelin Nina Joachim befanden (vgl. Beatrix Borchard, Stimme und Geige, Wien 2007, Anhang). Der Vater, kaiserlicher Beamter und Amateurgeiger, starb früh und hinterließ Frau und drei Kinder mittellos. Ersten Unterricht bekam sie ihrer eigenen Darstellung nach bereits im Alter von drei Jahren bei einem Kantor, dann in Graz von einer Gesangslehrerin namens Julie von Frank. Mit vierzehn Jahren stand sie das erste Mal auf der Bühne. Ihre Bühnenlaufbahn führte von Troppau über Hermannstadt/Siebenbürgen (heute Rumänien) an das Wiener Kärtnertortheater (1854-1862). Dort wurde sie acht Jahre lang nur in kleinen Rollen eingesetzt. Mutter und Schwester erkrankten, sie machte Schulden, um Behandlungs- und schließlich die Beerdigungskosten tragen zu können.

    Die Chance ihres Lebens bot sich mit einem Engagement als 1. Altistin an die Hannoveraner Hofoper. Dort lernte sie den berühmten Geiger Joseph Joachim kennen. Ihre Hochzeit in der Schlosskirche (10. Juni 1863) glich einem Staatsakt. Die Königin von Hannover, Prinzessinnen und Damen der höheren Gesellschaft waren zugegen. Mit der Heirat war der Abschied von der Bühne verbunden. Der Verzicht wog schwer, da sie gerade erst den lang ersehnten Durchbruch erlebt hatte. Da jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Konzertgesang Frauen neue Berufsmöglichkeiten bot, die nicht wie der Beruf einer Bühnenkünstlerin als anrüchig galten, konnte sie weiter auftreten, soweit die rasch wachsende Familie mit sechs Kindern dies zuließ. Sie erwarb sich auf diesem Weg einen so großen Ruf, daß z.B. Max Bruch die Altpartien in seinen Oratorien „Odysseus“ und „Achilleus“ für sie konzipierte. Die Scheidung des Joachimschen Künstlerpaares 1884 nach einem vierjährigen Kampf kam einem öffentlichen Skandal gleich. Obwohl ihr Mann ihr nicht nachweisen konnte, dass sie ihn betrogen hatte, war sie es, die öffentlich diskreditiert war und folglich kaum noch Engagements fand. Einer der wenigen, die sich für sie einsetzten, war Johannes Brahms. Abgesehen von den Duetten für Alt und Bariton, op. 28, die er ihr widmete, und den beiden Gesängen für Alt, Bratsche und Klavier, op. 91, hat sie zahlreiche andere Werke von ihm ur- und erstaufgeführt. Amalie Joachim engagierte sich u.a. für so umstrittene Komponisten wie Hugo Wolf und Richard Strauss, nahm auch Lieder von Komponistinnen wie z.B. von Louise Reichardt, Clara Faisst und Clara Schumann in ihre Programme auf und brachte die beiden Wunderhornlieder „Einsame Schildwacht“ und „Verlorene Müh“ von Gustav Mahler mit Orchester zur Uraufführung (Berlin, 12. Dezember 1892). Gemeinsam mit dem Organisten und Musikschriftsteller Heinrich Reimann entwickelte sie Programme zur Geschichte des deutschen Liedes und ging ab 1891 mit diesen ‚historischen Liederabenden’ auf Konzertreisen, die sie bis in die USA führten. Spätestens ab 1885 unterrichtete Amalie Joachim und gründete, nachdem sie u.a. am Berliner Klindworth-Scharwenka Konservatorium gearbeitet hatte, dort eine eigene Gesangsschule, in der sie, damals eine Novität, mit den Atemtherapeutinnen Clara Schlaffhorst (1863-1945) und Hedwig Andersen (1866-1957) zusammenarbeitete.

    mehr zu Biografie weniger zu Biografie

    Amalie Joachim stammte aus Marburg an der Drau in der Steiermark (heute Maribor in Slowenien) und wurde musikalisch früh gefördert. Die Mutter, eine geborene Linde, sang, der Vater, ein höherer kaiserlicher Beamter, war Amateurgeiger und hatte ein Quartett, die Schwester spielte Klavier, der Bruder Violoncello. Bereits im Alter von drei Jahren erhielt Amalie Schneeweiss – so berichtet sie es selbst in ihren autobiografischen Aufzeichnungen - bei einem alten Kantor ersten Gesangsunterricht. Die 1848er- Revolution und die Auseinandersetzung zwischen Ungarn und Österreich zerstörten die gutbürgerlichen Verhältnisse, da der Bruder auf ungarischer Seite kämpfte und der Vater daraufhin aus den kaiserlichen Diensten entlassen wurde.

    Der frühe Tod des Vaters nach langen Krankheitsjahren im Jahre 1851 bedeutete endgültig den sozialen Abstieg. Mutter und Töchter (der Sohn war in die USA geflohen, galt jedoch als tot) mussten ihren Lebensunterhalt mit Näharbeiten verdienen. Die Hoffnung, in Graz, wohin sie gezogen waren, von Verwandten Unterstützung zu finden, erfüllte sich nicht. Aber Amalie Schneeweiss bekam ihren eigenen Angaben zufolge am Städtischen Konservatorium von einer Sängerin namens Julie von Franck kostenlos Gesangsunterricht und gab auch selbst ersten Unterricht. Aufgrund der schwierigen familiären Situation lag es nahe, daß Amalie Schneeweiss so früh wie möglich mit ihrem Gesang Geld verdienen musste. Mit vierzehn Jahren wurde sie das erste Mal für eine Saison engagiert. Ihre Bühnenlaufbahn führte von Troppau (1853) nach Hermannstadt/Siebenbürgen (Sibiu/Rumänien) (1854), dann an das Wiener Kärtnertortheater. Sie debütierte als Rezia im „Oberon“ von Carl Maria von Weber. Mit der Schilderung dieses Debüts enden ihre autobiografischen Aufzeichnungen. Von 1854 bis 1862 sang sie unter dem Namen Weiss (oder auch Weis) an der kaiserlichen Hofoper, wurde jedoch nur in kleinen Rollen eingesetzt. Aus den Hofopernakten kann man entnehmen, dass während ihrer Wiener Jahre Mutter und Schwester starben. Sie musste Schulden machen, um zunächst die Krankheits-, dann die Beerdigungskosten zu decken. Die ersten erhaltenen Briefe an sie dokumentieren die Verbindung mit dem Musikkritiker und Sohn eines bekannten jüdischen Predigers Theodor Mannheimer. Sie wurde wieder gelöst.

    Die Chance ihres Lebens bot sich im April 1862 – sie war 23 Jahre alt – mit einem Engagement als 1. Altistin an die Königliche Oper Hannover, wo sie als Orpheus (Gluck), Fidès (Meyerbeer) und Fidelio (Beethoven) Aufsehen erregte. Aber sie lernte in Hannover den schon damals berühmten Geiger und Hannoveraner Konzertmeister Joseph Joachim kennen (Heirat 1863). Joachim verlangte ihren Rücktritt von der Bühne. Dieser Verzicht wog schwer, bedeutete jedoch nicht das Ende ihrer künstlerischen Karriere. Vielmehr nahm sie noch einmal kurz Unterricht bei dem renommierten Lied- und Oratoriensänger Julius Stockhausen (1826-1906) in Hamburg und machte sich in den folgenden Jahren – oft auch an der Seite ihres Mannes - als Konzertsängerin innerhalb kürzester Zeit einen Namen, ging zu Beginn ihrer Ehe auch allein auf Konzertreisen nach Holland (1865). Gemeinsam mit ihrem Mann reiste sie im selben Jahr nach Paris und London, wo sie u.a. mit Clara Schumann und Jenny Lind konzertierte. Mit wachsender Kinderzahl (insgesamt sechs Kinder) trat sie allerdings immer seltener auf. Ab 1867 lebte sie in Berlin, wo ihr Mann mit dem Aufbau der ersten staatlichen Musikhochschule in Deutschland betraut wurde. Vorschläge, sie mit einer Gesangsklasse zu betrauen, lehnte ihr Mann ab. Dennoch gibt es Hinweise in den Hochschulakten darauf, dass sie zumindest zeitweise an der Hochschule unterrichtet hat. 1872 unternahm sie gemeinsam mit Clara Schumann, mit der sie auch sonst des öfteren konzertierte, eine Konzerttournee nach Wien und Pest.

    Die nahezu komplett erhaltene Ehekorrespondenz zeigt, dass häufige Kuraufenthalte u.a. in Meran und auf Norderney mit wachsender Unzufriedenheit über ihre berufliche Laufbahn einhergingen. Anfang der 1880er Jahre kam es wegen des Verdachts des Ehebruchs mit dem Brahms-Verleger Fritz Simrock zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit ihrem Mann. Sie wurden erst 1884 mit der Scheidung und der Aufteilung der sechs Kinder beendet. Die Scheidung des berühmten Künstlerpaares kam einem öffentlichen Skandal gleich. Im Gegensatz zu Joseph Joachim war Amalie Joachim öffentlich diskreditiert und hatte größte Schwierigkeiten, Engagements zu finden, aber sie zog sich nicht zurück, sondern kämpfte als Künstlerin öffentlich um ihre Ehre. Der Versuch, in München in der Rolle des Gluckschen Orpheus an die Bühne zurückzukehren (sie war inzwischen 45), misslang allerdings, und es dauerte Jahre, bis sie sich eine neue Existenz vor allem als Reiseliedersängerin aufbauen konnte. Einer der wenigen, der sie vorbehaltlos unterstützte, war Johannes Brahms, der demonstrativ gemeinsam mit ihr auftrat und, um seine Freunde musikalisch miteinander zu versöhnen, für Amalie und Joseph Joachim seine beiden Gesänge op. 91 für Alt, Bratsche und Klavier komponierte. Vergeblich!

    Zunächst lebte Amalie Joachim überwiegend im Joachimschen Sommerhaus in Augen bei Salzburg, ab 1889 in Elberfeld, wo ihre älteste Tochter Marie zeitweise als Sängerin engagiert war. 1894 zog sie wieder nach Berlin zurück, wo sie in der Philharmonie eine eigene Abonnementreihe mit von ihr gestalteten Liederabenden begründete.

    Gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Heinrich Reimann hatte sie Programme zur Geschichte des deutschen Liedes entwickelt, mit denen sie ab 1891 auf Konzertreisen ging, die sie bis nach Schweden und in die USA führten. Auch in Wien führte sie diesen Liederabendzyklus während der Internationalen Musik- und Theaterausstellung im Oktober 1892 auf. Ihre historischen Liederabende erregten große Aufmerksamkeit, weil sie vom einfachen Volkslied bis zum Kunstlied eines Max Bruch oder Richard Wagner alle denkbaren Erscheinungsformen des deutschen Liedes umfassten. Immer wieder auch führte sie viele Komponisten ihrer Zeit auf, deren Namen heute zum Teil gänzlich aus dem Konzertsaal verschwunden sind, ihr Kernrepertoire jedoch bildete sie aus den Liedern von Schubert, Schumann und Brahms, der damals noch nicht zu den Klassikern der Liedliteratur zählte. Sie reiste - zeitweise sogar mit einem Vokalquartett - bis nach Riga, um die „Liebesliederwalzer“ in der Vokalfassung bekannt zu machen, und war eine der ersten die die Schubertschen und Schumannschen Zyklen komplett, teilweise ergänzt durch Soloklaviervorträge und Gedichtdeklamationen aufführte. Nach Unterrichtstätigkeiten in Elberfeld (1890), in München (1893), am Berliner Klindworth-Scharwenka Konservatorium (1895) und am dortigen Conservatorium des Westens für Musik, Theater-Akademie für Oper und Schauspiel (1898) gründete Amalie Joachim wahrscheinlich 1897 – wie viele alleinstehende Frauen ihrer Zeit – in Berlin auch eine eigene Gesangsschule, in der sie, damals eine Novität, mit den Atemtherapeutinnen Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen zusammenarbeitete.

    Vor ihrem überraschenden Tod am 3. Februar 1899 kam es noch zu einer Versöhnung mit Joseph Joachim. Das Grab von Amalie und Joseph Joachim befindet sich auf dem Friedhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Ruhleben.

    Würdigung

    Leben und Arbeit von Amalie Joachim können exemplarisch für die Bedeutung des Konzertgesangs als eigenständigem Berufsweg gerade auch für Frauen stehen. In ihrem Stellenwert für die Geschichte des deutschen Konzertwesens und der Repertoirebildung im Bereich Gesang sind ihre Liedprogramme durchaus mit den Quartettabenden ihres Mannes vergleichbar.

    Rezeption

    In den zahlreichen Nachrufen nach ihrem Tod 1899 wurde Amalie Joachim als Begründerin des modernen Liedgesangs gefeiert. Erinnerungen von Zeitgenossen (vgl. Literatur) bezeugen die außerordentliche Schönheit ihrer Stimme und die stilprägende Kraft ihres Vortrags. Vor allem die beiden für sie komponierten Gesänge für Alt, Bratsche und Klavier, op. 91, von Johannes Brahms vermögen in ihrer im Brahms’schen Werk einzigartigen Verknüpfung von barocker Arie und romantischem Lied auch heute noch eine Vorstellung von ihrer Gesangs- und Gestaltungskunst zu vermitteln. Nach ihrem Tode würdigte sie Andreas Moser in beiden Fassungen seiner Joseph-Joachim-Biografie von 1898 bzw. 1908/10 ausführlich, ebenso der erste Brahms-Biograf Max Kalbeck. Anders die aktuelle Brahmsliteratur: Trotz ihrer Bedeutung für die Durchsetzung des Brahms’schen Liedschaffens wird der Name Amalie Joachim unter den Brahms-Interpreten etwa von Christian Martin Schmidt (Johannes Brahms und seine Zeit, Laaber 1983) noch nicht einmal genannt. Erst seit 2005 liegt eine erste Biografie im Rahmen der interpretationsgeschichtlichen Studie von Beatrix Borchard über das Joachimsche Ehepaar unter dem Titel „Stimme und Geige“ (Wien 2005) vor.



    Werkverzeichnis

    Notenausgaben


    Amalie Joachim (Hrsg.), Schwedische Volkslieder, Berlin 1884.


    Amalie Joachim (Hrsg.), Ausgewählte Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte gesungen von Amalie Joachim, 2 Bde., Berlin 1887.


    Heinrich Reimann (Hrsg.), Das deutsche Lied: eine Auswahl deutscher Gesänge aus dem 14. bis 19. Jh.; aus den Programmen der historischen Lieder-Abende der Frau Amalie Joachim, Bd. ½, Berlin 1891, Bd. ¾, Berlin 1893; Volksausgaben dieser Bde. und zweisprachige Editionen in englisch und deutsch.


    Heinrich Reimann (Hrsg.), Das deutsche Lied von seinen Anfängen bis zur heutigen Zeit. Ein Lieder-Cyclus in 4 Abenden, vorgetragen von Amalie Joachim. Text- und Programmbuch zusammengestellt, bearb. und erläutert, o.O. o.J.

    Repertoire

    Amalie Joachim gehörte zu den bedeutendsten Oratorien- und Schubert-, Schumann- und Brahmssängerinnen ihrer Zeit. Sie setzte sich über Brahms hinaus für zahlreiche zeitgenössische Liedkomponisten wie z.B. Hugo Wolf, Richard Strauss und Gustav Mahler ein, dessen Wunderhornlieder „Einsame Schildwacht“ und „Verlorene Müh“ sie in der Orchesterfassung zur Uraufführung brachte (Berlin, 12. Dezember 1892). Ihr überraschender Tod verhinderte, dass sie auch seine „Lieder eines fahrenden Gesellen“ uraufführen konnte. (Siehe auch: Beatrix Borchard, Stimme und Geige, Wien 2007, Anhang auf CD Rom)

    Quellen

    Dokumente


    Unveröffentlichte Briefe und Dokumente befinden sich u.a. in folgenden Bibliotheken und Archiven:


    Gesellschaft der Musikfreunde, Wien, Bibliothek

    Österreichische Nationalbibliothek, Wien, Musikaliensammlung

    Stadtbibliothek Wien, Musiksammlung

    Österreichisches Theatermuseum, Wien

    Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung

    Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin-Brandenburg, Abteilung Musikarchive

    Staatliches Institut für Musikforschung, Berlin, Bibliothek

    Landeskirchenamt Hannover

    Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Musikabteilung

    Theatermuseum Hannover

    Stadtbibliothek Lübeck

    Robert-Schumann-Haus Zwickau, Bibliothek

    The British Library, London



    Briefe


    Johannes Brahms Briefwechsel, Bd. 5-6 (mit Joseph Joachim), hrsg. von A. Moser, Bd. 5: 1908, 3. Aufl. 1921, Bd. 6: 1908, 2. Aufl. 1912

    Briefe von und an Joseph Joachim Bd. I-III, hrsg. von Johannes Joachim und A. Moser, Berlin 1911-1913, engl. Übersetzung in Auswahl: J. A. Fuller Maitland, Letters from and to J. Joachim, selected and translated by Nora Bickley, London 1913


    Johannes Brahms. Briefe an P. J. und Fritz Simrock, hrsg. von M. Kalbeck, Berlin 1917


    Berthold Litzmann (Hrsg.), Clara SchumannJohannes Brahms. Briefe aus den Jahren 1853-1896, 2 Bde., Leipzig 1927


    Arthur Holde, Suppressed Passages in the Brahms-Joachim Correspondence, Published for the First Time, in: Musical Quarterly, Jg. 45, 1959, S. 312-324


    Johannes Brahms und Fritz Simrock. Weg einer Freundschaft. Briefe des Verlegers an den Komponisten, mit einer Einf. hrsg. von Kurt Stephenson, Hamburg 1961


    Johannes Brahms im Briefwechsel mit Julius Stockhausen, hrsg. von R. Hofmann, Tutzing 1993 (= Johannes-Brahms-Briefwechsel, Bd. 18)


    Johannes Brahms - Klaus Groth. Briefe der Freundschaft, neu hrsg. von Dieter Lohmeier, Heide 1997


    Max Kalbeck (Hrsg.), Johannes Brahms im Briefwechsel mit H. u. E. Herzogenberg Bd. 1/2, Berlin 1907


    Renate Federhofer-Königs, Wilhelm Joseph von Wasielewski (1822-1896) im Spiegel seiner Korrespondenz, Tutzing 1975 (= Mainzer Studien zur Musikwissenschaft, Bd. 7)



    Literatur


    La Mara (Marie Lipsius), Die Frauen im Tonleben der Gegenwart, Leipzig 1882 (= Musikalische Studienköpfe, Bd. 5)


    Anna Morsch, Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart, Berlin 1893


    Olga Plaschke, Amalie Joachim. Blätter der Erinnerung, dem Freundes- und Schülerkreise der verewigten Meisterin, Berlin [1899]


    S. Ch. von Sell, Erinnerungen an Amalie Joachim, in: Neue Musikzeitung, Jg. 7, 1899, S. 9-11.


    Adolph Kohut, Die Gesangsköniginnen in den letzten drei Jahrhunderten, Berlin 1906


    Heinrich Reimann, Musikalische Rückblicke II: Amalie Joachim. Ein Blatt der Erinnerung auf das Grab einer Unvergeßlichen (1900), Berlin 1910


    Bernhard Scholz, Verklungene Weisen, Mainz 1911


    Julius Stockhausen. Der Sänger des deutschen Liedes, nach Dokumenten seiner Zeit dargestellt von J. Wirth geb. Stockhausen, Frankfurt a.M. 1927


    Eugen Wendler (Hrsg.): „Das ewige Band der Liebe“. Clara Schumanns Briefwechsel mit Emilie und Elise List, Stuttgart 1965


    Beatrix Borchard, Die Sängerin Amalie Joachim und die „Schöne Müllerin“ von Franz Schubert, in: Festschrift E. Rieger, hrsg. von F. Hoffmann u.a., Oldenburg 2000, S. 69-80


    Beatrix Borchard, Amalie Joachim und die gesungene Geschichte des deutschen Liedes, in: Archiv für Musikwissenschaft, Jg. 58 Nr. 4, 2001, S. 265-299


    Beatrix Borchard, Frauenliebe und Konzertleben - Clara Schumann und Amalie Joachim, in: Festschrift G. Nauhaus, hrsg. von B. Appel u.a., Sinzig 2002, S. 127-148


    Beatrix Borchard, Stimme und Geige. Biographie und Interpretationsgeschichte: Amalie und Joseph Joachim, Wien 2005, 2. Aufl. 2007.


    Beatrix Borchard, „Brahms: 3 Lieder" - Amalie Joachim als Brahms-Interpretin, in: Brahms-Studien, hrsg. im Auftrag der Johannes-Brahms-Gesellschaft Internationale Vereinigung e.V. von Alexander Odefey, Bd. 15, Tutzing 2008, S. 89-110




    Links


    http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/amalie-joachim/

    Forschung

    Die interpretationsgeschichtliche Studie von Beatrix Borchard „Stimme und Geige“ (Wien 2005) ist die erste ausführliche Untersuchung der Laufbahn von Amalie Joachim.

    Forschungsbedarf

    Ein großer Teil der Briefe Amalie Joachims, vor allem der nahezu vollständig in der Hamburger Universitäts- und Staatsbibliothek bzw. in Privatbesitz erhaltene Ehebriefwechsel sind unveröffentlicht. Weitere unveröffentlichte bzw. nur teilveröffentlichte Briefe befinden sich im Brahms-Institut an der Lübecker Musikhochschule.

    Forschungsbedarf besteht vor allem noch bezogen auf die pädagogische Tätigkeit Amalie Joachims, zunächst im Rahmen von Gesangskursen in Elberfeld und München, dann am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin und schließlich im Rahmen ihrer eigenen Gesangsschule und am Conservatorium des Westens. Auch eine Einordnung der Bedeutung von Amalie Joachims Wirken für den Lied- und Oratoriengesang in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in eine noch zu schreibende Geschichte des Konzertgesangs in Deutschland und Euorpa steht ebenfalls noch aus.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 47532229
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117139947
    Library of Congress (LCCN): no00035271
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Beatrix Borchard, 28. Dezember 2008

    Übersetzung: David Babcock


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 10.02.2009
    Zuletzt bearbeitet am 11.08.2014


    Empfohlene Zitierweise

    Beatrix Borchard, Artikel „Amalie Joachim“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11.8.2014
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Amalie_Joachim