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    von Danuta Gwizdalanka
    Die Musikwissenschaftlerin Zofia Lissa
    Namen:
    Zofia Lissa
    Lebensdaten:
    geb. in Lwów, Polen (heute: Lviv, Ukraine)
    gest. in Warschau, Polen
    Tätigkeitsfelder:
    Musikwissenschaflerin, Pädagogin, Politikerin
    Charakterisierender Satz:

    „Ein grundsätzliches Merkmal, das aus unserem musikalischem Geschichtsbewusstsein folgt, ist der Pluralismus, die Polyversionalität der musikalischen Vorstellung, und zwar sowohl in der Zeit als auch im Raum. Wir müssen uns auch darüber im klaren sein, dass das musikalische Geschichtsbewusstsein an sich eine Erscheinung historischer Natur ist; es ist in den einzelnen Zeitabschnitten der Vergangenheit verschieden, und es gibt Epochen, in welchen es überhaupt nicht zum Ausdruck kommt.“


    (Zofia Lissa, Über das Wesen des Geschichtlichen Bewusstseins in der heutigen Musikkultur, Brno 1972, S. 4)


    Profil

    Zofia Lissa prägte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Musikwissenschaftlerin das polnische Musikleben entscheidend mit und engagierte sich (bis ca. 1955) sehr in der Musikpolitik ihres Landes. Ihre wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, die besonders auf dem Gebiet der Musikästhetik auf internationales Interesse stießen, wurden in viele Sprachen übersetzt, und Zofia Lissa avancierte zur meist übersetzten und zitierten polnischen Musikwissenschaftlerin. Ihre Aktivitäten bahnten der polnischen Musikwissenschaft den Weg zu internationaler Anerkennung.

    Orte und Länder

    Lissa lebte bis 1941 in Lemberg (Galizien), dann in Namangan (Usbekistan) und Moskau. Ab 1947 wohnte sie in Warschau, wo sie bis zu ihrem Tode wirkte. Sie hielt zahlreiche Vorträge über Musikwissenschaft, -theorie und -ästhetik u. a. in Berlin, Leipzig, Halle (Saale), Köln, München, Tübingen, Saarbrücken, Kopenhagen, Moskau, Paris und Peking.

    Biografie

    Zofia Lissa wurde am 19. Oktober 1908 im polnischen Lwów (dt. Lemberg, heute Lviv, Ukraine) geboren. Sie studierte am Lemberger Konservatorium zunächst Klavier, Orgel und Musiktheorie. Von 1925 bis 1929 belegte sie auch die Fächer Musikwissenschaft (bei Adolf Chybiński), Kunstgeschichte, Philosophie (bei Kazimierz Twardowski und Roman Ingarden) und Psychologie. 1929 promovierte sie mit einer Arbeit „Über die Harmonik Alexander Skrjabins“.

    Von 1930 bis 1941 unterrichtete sie Musiktheorie, Musikgeschichte und Musikpsychologie am Lemberger Konservatorium. Politisch stand sie kommunistischen Anschauungen nahe, was eine entscheidene Rolle für ihre wissenschaftliche Arbeit und ihr weiteres Schicksal spielte.

    Im September 1939, nach der Besetzung Lembergs durch die Sowjetunion und die Einverleibung der Stadt in die ukrainische Republik, nahm Zofia Lissa die sowjetische Staatsangehörigkeit an (die Ablehnung hätte automatisch die Deportation nach sich gezogen). Im inzwischen verstaatlichen Lemberger Konservatorium wurde sie nun zur Dekanin des Fachbereichs Musiktheorie und Komposition ernannt. Gleichzeitig arbeitete sie auch für den Rundfunk. Kurz vor der Besetzung der Stadt in Juni 1941 durch deutsche Truppen emigrierte sie auf Grund ihrer jüdischen Herkunft und ging nach Usbeskistan. An der Technischen Musikschule in Namangan übernahm sie eine Stelle als Musiklehrerin.

    1942 zog sie nach Moskau um. Dort schloss sie sich als eines der ersten Mitglieder dem „Bund Polnischer Patrioten“ an, einer im März 1943 von polnischen Kommunisten in der Sowjetunion gegründeten politischen Organisation, in der sie den Posten der Leiterin der Musikabteilung übernahm. 1945 wurde sie zum Kulturattaché der polnischen Botschaft in Moskau ernannt. In dieser Funktion wurde sie 1947 nach Polen entsandt, um das polnische Musikleben zu kontrollieren.

    In Warschau übernahm sie – als Mitglied der Polnischen Kommunistischen Partei – die Position der stellvertretenden Leiterin der Musikabteilung im Kultusministerium. Gleichzeitig engagierte sie sich im Polnischen Komponistenverband, der im Jahre 1945 gegründet worden war und in dem sie 1948 den Beitritt der Musikwissenschaftler (nach sowjetischem Muster) forderte. Seit 1948 war sie dort als Mitglied des Vorstands tätig, von 1951 bis 1954 als Stellvertreterin des Präsidenten und danach wieder im Vorstand. Von 1964 bis 1969 schließlich leitete sie dort die Musikwissenschaftliche Abteilung.

    Im September 1948 gründete sie im historischen Fachbereich der humanistischen Fakultät an der Warschauer Universität eine unabhängige musikwissenschaftliche Abteilung, die ihre Arbeit bereits am 1. Oktober desselben Jahres aufnahm. Die Leitung der Abteilung hatte von Anfang an Zofia Lissa inne. 1951 wurde sie zur Professorin ernannt, 1957 zur Ordinaria. Im Laufe der Zeit erhielt die musikwissenschaftliche Abteilung den Status eines Lehrstuhls und wurde 1958 zum Institut für Musikwissenschaft umbenannt, dem Zofia Lissa bis 1975 als Direktorin vorstand.

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    Zofia Lissa wurde am 19. Oktober 1908 in Lemberg (heute Lviv, Ukraine) als Tochter von Noe Lissa, dem Besitzer eines berühmten Photoateliers, und einer Klavierlehrerin geboren. Sie studierte zunächst Klavier, Orgel und Musiktheorie am Lemberger Konservatorium. Von 1925 bis 1929 belegte sie auch die Fächer Musikwissenschaft (bei Adolf Chybiński), Kunstgeschichte, Philosophie (bei Kazimierz Twardowski und Roman Ingarden) und Psychologie. 1929 promovierte sie mit einer Arbeit „Über die Harmonik Alexander Skrjabins“.

    Von 1930 bis 1941 unterrichtete sie Musiktheorie, Musikgeschichte und Musikpsychologie am Lemberger Konservatorium. In dieser Zeit begann sie, auf dem Gebiet der Musikalität bei Kindern und Jugendlichen zu forschen sowie die Rolle des Rundfunks für die Verbreitung von Musik genauer zu untersuchen. Das Resultat dieser Forschungsarbeiten war die Veröffentlichung zahlreicher Artikel. Kurz darauf verfasste sie das „Handbuch der Musiktheorie“ (Lwów, 1934), das bis heute zu den Standardwerken auf diesem Gebiet zählt. Politisch stand sie der kommunistischen Partei nahe, was eine entscheidene Rolle auch für ihre wissenschaftlichen Anschauungen und ihr weiteres Schicksal spielte.

    Im September 1939, nach der Besetzung Lembergs durch die Sowjetunion und Einverleibung der Stadt in die ukrainische Republik, nahm sie die sowjetische Staatsangehörigkeit an (eine Ablehnung hätte automatisch die Deportation nach sich gezogen). Im inzwischen verstaatlichen Lemberger Konservatorium wurde sie nun zur Dekanin des Fachbereichs Musiktheorie und Komposition ernannt. Gleichzeitig arbeitete sie auch in Rundfunk. Kurz vor der Besetzung der Stadt in Juni 1941 durch die deutschen Truppen, emigrierte sie auf Grund ihrer jüdischen Herkunft und ging nach Usbeskistan. An der Technischen Musikschule in Namangan übernahm sie eine Stelle als Musiklehrerin.

    1942 zog sie nach Moskau um. Dort schloss sie sich als eines der ersten Mitglieder dem „Bund Polnischer Patrioten“ an, einer im März 1943 von polnischen Kommunisten in der Sowjetunion gegründeten politischen Organisation. Als Leiterin der Musikabteilung des „Bundes“ gab sie Liederbücher für Kinder und Jugendliche heraus, die für die polnischen Flüchtlingsfamilien bestimmt waren. 1945 wurde sie zum Kulturattaché der polnischen Botschaft in Moskau ernannt. In dieser Zeit gründete sie mit dem Komponisten Władimir Ivannikov (1906-1987) eine Familie, wurde jedoch 1947 von der Obrigkeit zur Scheidung von ihrem Mann und sogar zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen (Gespräch der Autorin mit einer ehemaligen Studentin Zofia Lissas). Noch im gleichen Jahr wurde Lissa nach Polen entsandt, um das polnische Musikleben zu kontrollieren.

    In Warschau übernahm sie – als Mitglied der Polnischen Kommunistischen Partei – die Position der stellvertretenden Leiterin der Musikabteilung im Kultusministerium. Gleichzeitig engagierte sie sich im Polnischen Komponistenverband, der im Jahre 1945 gegründet worden war und in dem sie 1948 den Beitritt der Musikwissenschaftler (nach sowjetischem Muster) forderte. Seit 1948 war sie dort als Mitglied des Vorstands tätig, von 1951 bis 1954 als Stellvertreterin des Präsidenten und danach wieder im Vorstand. Von 1964 bis 1969 schließlich leitete sie dort die Musikwissenschaftliche Abteilung, und auf ihre Initiative hin wurde innerhalb des Verbands der „Kreis der Jungen“ ins Leben gerufen.

    Im September 1948 gründete sie im historischen Fachbereich der humanistischen Fakultät an der Warschauer Universität eine unabhängige musikwissenschaftliche Abteilung (bis dato gab es solche Abteilungen nur in Lemberg, Krakau und Posen), die ihre Arbeit bereits am 1. Oktober desselben Jahres aufnahm. Die Leitung der Abteilung hatte von Anfang an Zofia Lissa inne. 1951 wurde sie zur Professorin ernannt, 1957 zur Ordinaria. Im Laufe der Zeit erhielt die musikwissenschaftliche Abteilung den Status eines Lehrstuhls und wurde 1958 zum Institut für Musikwissenschaft umbenannt, dem Zofia Lissa bis 1975 als Direktorin vorstand.


    Zofia Lissas Hauptinteresse galt zeit ihres Lebens vor allem der wissenschaftlichen und pädagogischen Tätigkeit. 1947 habilitierte sie sich an der Universität in Posen. Ihre Habilitationsarbeit mit dem Titel „Vom Wesen der musikalischen Komik“ wurde bereits 1938 veröffentlicht (in: Kwartalnik filozoficzny I-II, s. Quellen). Ende der 1940er Jahre setzte sie sich in vielen Aufsätzen und Artikeln für die Einbindung des sozialistischen Realismus in die aktuelle polnische Musik ein und regte polnische Komponisten dazu an, Massenlieder zu schreiben.

    Ihre außerordentliche wissenschaftliche Aktivität dokumentiert sich in mehr als einem Dutzend von ihr verfassten Büchern und etwa 600 Abhandlungen, von denen viele in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Zudem arbeitete sie an rund zehn Musikenzyklopädien in ebenso vielen Ländern mit. Sie hielt zahlreiche Gastvorlesungen und Vorträge an verschiedenen Universitäten, u. a. in Berlin (1961-1965), Leipzig (1963/64), Halle/Saale, Köln, München, Tübingen, Saarbrücken, Kopenhagen, Moskau, Paris und Peking. Seit 1964 war sie Mitglied des Rates und von 1965 bis 1977 Mitglied des Präsidiums der Internationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft sowie Mitglied der Akademie der Künste in Berlin-Ost (ab 1955), der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig (ab 1963) und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz (ab 1972).

    Zusammen mit Józef M. Chomiński gründete sie am Institut für Musikwissenschaft der Warschauer Universität das Forschungszentrum für Frédéric Chopin und seine Musik. Da in der wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Komponisten eine gewisse Stagnation zu beobachten war, organisierte sie 1960 den ersten Internationalen Chopin-Kongress, von dem wichtige neue Impulse für die Musikforschung ausgingen.

    1963 gründete Zofia Lissa das Festival „Musica Antiqua Europae Orientalis” in Bydgoszcz (Bromberg), welches bis heute regelmäßig stattfindet. 1966, im Jahr der Milleniumsfeier Polens, organisierte sie einen Musikwissenschaftskongress, der der Musik des Ostens gewidmet war. Diese Tagung, die von da an alle drei Jahre stattfand, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Musik des mittleren Osteuropa, die bislang von den westeuropäischen Musikwissenschaftlern vernachlässigt worden war, und inspirierte auch zu neuen Forschungsansätzen in der Ukraine.

    Zusammen mit Hieronim Feicht gründete Zofia Lissa 1966 außerdem das „Zentrum der Dokumentation alter polnischer Musik“, das für die Herausgabe der Reihe „Antiquitates Musicae in Polonia” sorgte. Von 1970 bis 1980 fungierte Zofia Lissa schließlich als Vorsitzende des Redaktionskomitees der polnischen Musikenzyklopädie, die der Polnische Musikverlag herausgibt.


    Zofia Lissa war fast bis zum Ende ihres Lebens als Musikwissenschaftlerin tätig. Sie starb am 26. März 1980 in Warschau.

    Würdigung

    Die umfangreichen Forschungsarbeiten Zofia Lissas gruppieren sich um die zentralen Themengebiete Musikästhetik, Methodologie der Musikgeschichte, Musiktheorie sowie die polnische Musik der Gegenwart. Als erste Musikwissenschaftlerin beschäftigte sie sich mit Grundsatzfragen der Musikästhetik. Pionierarbeit leistete sie mit dem Buch „Musik und Film“ (Lwów, 1937), das sie zu einer Zeit schrieb, als sich kaum jemand für dieses Thema interessierte. Von 1958 an hielt sie in der Warschauer Staatlichen Hochschule für Musik regelmäßig Vorträge über „Musik im Film“, und 1964 veröffentlichte sie eine „Ästhetik der Filmmusik“ (Kraków, 1964), ein Buch, für das sie fünf Jahre später bei der Biennale in Venedig mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde.

    Auf dem Gebiet der Musiktheorie befasste sie sich vor allem mit Fragestellungen zur Geschichte der Harmonik. Eine grundlegende Arbeit auf diesem Gebiet schrieb sie mit ihrer Dissertation „Über die Harmonik A. Skrjabins“. In dieser Arbeit stellte sie die These auf, dass es gewisse Analogien zwischen der Harmonik Skrjabins und der Zwölftontechnik gibt. Diesen Zusammenhang behandelte sie auch in ihrem Artikel „Geschichtliche Vorform der Zwölftontechnik“, der 1935 in der Zeitschrift „Acta Musicologica“ veröffentlicht wurde. Zwanzig Jahre später setzte sie wichtige neue Impulse in der Forschung zu Chopin, dessen Stil sie aus der Perspektive der Neuen Musik betrachtete („Die Chopinische Harmonik aus der Perspektive der Klangtechnik des. 20. Jahrhunderts“, veröffentlicht im „Deutschen Jahrbuch der Musikwissenschaft“, 1957 und 1958, sowie in „Annales Chopin“, Warschau 1959). Große Bedeutung erlangten ihre Arbeiten über zeitgenössische Werke, u.a. ihr umfangreicher Artikel über das Konzert für Orchester von Witold Lutosławski, den sie noch vor der Uraufführung des Werkes verfasste.

    In der polnischen Musikwissenschaft, die bis dato schwerpunktmäßig historisch gearbeitet hatte, war sie zusammen mit Stefania Łobaczewska eine der ersten, die sich intensiv mit Fragen zur Musikästhetik befasste. Methodisch basierten ihre Arbeiten auf marxistischen Überzeugungen, die sie in einer Abhandlung über „Einige Fragen der Musikästhetik im Lichte der Arbeit J. W. Stalins ,Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft‘„ (Krakau 1952, dt. als: „Fragen der Musikästhetik“, Berlin 1954) zum Ausdruck brachte. Ab 1955, als in Polen erste Maßnahmen der Entstalinisierung spürbar wurden, distanzierte sie sich sowohl vom dogmatischen Marxismus in der Musikwissenschaft als auch vom Sozialistischen Realismus, den sie früher als fortschrittlichste Richtung in der Entwicklung der Neuen Musik propagiert hatte. Nach wie vor aber erörterte sie Musik in ihrem gesellschaftlichen und historischen Kontext und betonte den engen Zusammenhang mit sozial-ökonomischen Bedingungen. Ein musikalisches Werk betrachtete sie stets als Mittel der Kommunikation zwischen Komponist und Adressat (Zuhörer), das den ständigen Veränderungen des historischen und gesellschaftlichen Kontexts unterliegt (vgl. „Neue Aufsätze zur Musikästhetik“, 1975). Sie unterstrich die historische Veränderlichkeit des Begriffs „Nationalstil“, der damals besonders heiß diskutiert wurde.

    Zofia Lissa erwarb sich auch große Verdienste auf dem Gebiet der Musikverbreitung und -vermittlung, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Die Erfahrungen, die sie bei ihren Forschungen über Musikalität bei Kindern und Jugendlichen gesammelt hatte, stellten dabei eine wichtige Grundlage für ihr Engagement dar. Sie zeichnet unter anderem verantwortlich für die Vorbereitung von etwa 600 Rundfunksendungen, darunter ein sechsjähriger Kurs „Musikgeschichte für Kinder“. Sie war Autorin und Ko-Autorin zahlreicher Lehrbücher, u.a. schrieb sie zusammen mit Stefan Szuman das Buch „Wie hört man Musik“ (Warschau 1948).

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    Es ist schwierig, Zofia Lissas Rolle im polnischen Musikleben einzuordnen und zu bewerten. Einerseits propagierte sie den Marxismus und Musik für die breiten Massen, andererseits hielt sie Vorlesungen über Musik, die in der stalinistischen Zeit verboten war (z.B. von Strawinsky), und ermöglichte dem Priester Hieronim Feicht die wissenschaftliche und pädagogische Tätigkeit auf dem Gebiet der geistlichen Musik. Sie denunzierte zum einen Kollegen bei der polnischen STASI (was die nach ihrem Tod entdeckten Kopien der Anzeigen beweisen; vgl. kopie znaleziono w domowym archiwum po jej śmierci), aber schützte zum andern dank ihrer Kontakte auch mehrere Musiker vor politischen „Unannehmlichkeiten“.

    Rezeption

    Zofia Lissa leistete einen besonders wertvollen und wesentlichen Beitrag zur polnischen Musikwissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und war die am häufigsten übersetzte Musikwissenschaftlerin Osteuropas. Zahlreiche Artikel aus verschiedensten Sachgebieten wurden in 14 Sprachen übersetzt und gedruckt.

    Ihr wurden zudem zahlreiche Preise zuerkannt: der Preis des Polnischen Komponistenverbandes (1950), der Nationalpreis 2. Grades (1953), der Preis des Rundfunk- und Fernsehenkomitees (1966), der Preis des Ministeriums für Hochschulwesen 1. Grades (1965 und 1977) und 2. Grades (1971 und 1976) sowie der Preis des International Music Council (1979).

    Unter ihrer Leitung entstanden 115 Magisterarbeiten und 15 Dissertationen. Als Professorin war sie bei ihren Studenten, die sie oft wie Familienangehörige betrachtete, außerordentlich beliebt.

    Werkverzeichnis

    Schriften


    Bücher:


    Zarys nauki o muzyce [Handbuch der Musiktheorie]. Lwów: Zakład Narodowy im. Ossolińskich, 1934; erw. Kraków: PWM, 1948, 1952, 1966; 7. Aufl. Warszawa-Rzeszów: Ad Oculos, 2007.


    Muzyka i film. Studium z pogranicza ontologii, estetyki i psychologii muzyki filmowej [Musik und Film. Betrachtung der Ontologie, Ästhetik und Psychologie der Filmmusik]. Lwów: Księgarnia Lwowska, 1937.


    Uwagi o metodzie. Z zagadnień metodologicznych współczesnej muzykologii [Bemerkungen zur methodologischen Problematik der Musikwissenschaft]. Warszawa: PIS, 1950.


    Muzykologia polska na przełomie [Polnische Musikwissenschaft am Scheideweg]. Kraków: PWM, 1952.


    Niektóre zagadnienia estetyki muzycznej w świetle artykułów Józefa Stalina o marksizmie w językoznawstwie. Kraków: PWM, 1952. = Fragen der Musikästhetik. Einige Probleme der Musikästhetik im Lichte der Arbeit J. W. Stalins „Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft“. Berlin: Henschel, 1954; auch Tokio: Saniti Senobe, 1956; Peking, 1962.


    O specyfice muzyki. Kraków: PWM, 1953. = Über das Spezifische der Musik. Berlin: Henschel, 1957.


    Muzyka polskiego Odrodzenia. Mit J. M. Chomiński. Warszawa: PIW, 1953. = Music of the Polish Renaissance. Kraków: PWM 1955.


    Podstawy estetyki muzycznej [Grundlagen der Musikästhetik]. Warszawa: PWN, 1953


    Muzyka polskiego Odrodzenia [Die Musik der polnischern Renaissance]. Mit Józef M. Chomiński. Warszawa: PIW, 1953, 1954.


    Historia muzyki rosyjskiej [Geschichte der russischen Musik]. Kraków: PWM, 1955.


    „Bunt żaków” Tadeusza Szeligowskiego [„Der Aufstand der Scholaren” - Oper von T. Szeligowski]. Kraków: PWM, 1955, 1957.


    Estetyka muzyki filmowej. Kraków: PWM, 1964. = Ästhetik der Filmmusik. Berlin: Henschel, 1965; russ. Estetika kino-muziki. Moskau, 1970.


    Szkice z estetyki muzycznej. Kraków: PWM, 1965. = Aufsätze zur Musikästhetik. Berlin: Henschel, 1969; ung. Zene és csend. Zeneesztétikai tanulmányok. Budapest: Gondolat, 1973.

    Sammelband von Artikeln aus den Jahren 1938-1964 (angegeben sind Erstausgaben oder deutsche Erstausgaben):

    # „Über das Komische in der Musik“. In: Kwartalnik Filozoficzny. Jg. XVI (1938). S. 23-73 und S. 95-107.

    # „Die Rolle der Assoziationen bei der Aufnahme von Musikwerken“. In: Über das Spezifische der Musik. Berlin: Henschel, 1957.

    # „Zur historischen Veränderlichkeit der musikalischen Apperzeption”. In: Festschrift für Heinrich Besseler. E. Klemm (Hg.). Leipzig, 1961.

    # „Über die Mehrschichtigkeit der Musikkultur”. In: Muzyka Jg. III.

    # „Vom Wesen der Nationalstile in der Musik”, In: Beiträge zur Musikwissenschaft. Berlin 1964. Nr. 3-4.

    # „Die ästhetischen Funktionen der Stille und der Pause in der Musik“. In: Studien für Musikwissenschaft. Jg. XXV.

    # Teoriopoznawcza analiza struktury czasowej gatunków muzycznych.

    # Romantyzm w muzyce.

    # „Ästhetische Funktionen des musikalischen Zitats”. In: Musikforschung, Jg. 19 (1966).

    # „Die Prozessualität der Musik”. In: Hegel-Jahrbuch 1965.


    Polonica beethovenowskie [Polnische Spuren in Beethovens Schaffen]. Kraków: PWM, 1970.


    Studia nad twórczością Fryderyka Chopina [Studien zu Chopins Schaffen]. Kraków: PWM, 1970.


    Wstęp do muzykologii [Einführung in die Musikwissenschaft]. Warszawa: PWN, 1970, 1974.


    Nowe szkice z estetyki muzycznej. Kraków: PWM, 1975. = Neue Aufsätze zur Musikästhetik. Wilhelmshaven: Heinrichshofen, 1975.

    Sammelband von Artikeln aus den Jahren 1965-1973:

    # „Über das Wesen des Musikwerkes“. In: Musikforschung, Jg. 22, 1969.

    # „Musik und Verstehen“. [als: Ebenen des musikalischen Verstehens] in: Musik und Verstehen. Peter Faltin, Hans-Peter Reinecke (Hg.). Köln: Volk, 1973.

    # „Über den Wert in der Musik“. In: Musica, Jg. XXIII.

    # „Musikalisches Geschichtsbewusstsein – Segen oder Flucht?“. In: Veröffentlichungen des Instituts für neue Musik und Musikerziehung (Darmstadt). XIII. Mainz 1973.

    # „Zur Theorie der musikalischen Rezeption“. In: Archiv für Musikwissenschaft Jg. 31 (1974).

    # „Prolegomena zur Theorie der Tradition in der Musik“. In: Archiv für Musikwissenschaft, Jg. 27 (1971).

    # „Musik und Revolution“. In: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music, Jg. 5.



    Aufsätze:

    (Auswahl, in deutscher, englischer und französischer Sprache)


    „Geschichtliche Vorform der Zwölftontechnik“. In: Acta Musicologica. Jg. VII (1935). S. 15-21.


    „Der Einfluss Chopins auf die russische Musik”. In: Chopin-Almanach. Zur hundertsten Wiederkehr des Todesjahres von Fryderyk Chopin, hg. vom Chopin-Komitee in Deutschland. Potsdam: Akademischer Verlag Athenaion, 1949. S. 88-102.


    „Semantische Elemente der Musik”. In: Bericht über den Internationalen Musikwissenschaftlichen Kongress Hamburg 1956. Walter Gerstenberg (Hg). Kassel: Bärenreiter 1957, und in: Sinn und Bedeutung in der Musik. Texte zur Entwicklung des musiksemiotischen Denkens (= Texte zur Forschung 56). Vladimir Karbusicky (Hg.). Darmstadt 1990.


    „Le style national des œuvres de Chopin“. In: Annales Chopin. Band 2 (1958). S. 100-178.


    „Die Chopinische Harmonik aus der Perspektive der Klangtechnik des. 20. Jahrhunderts“. In: Deutsches Jahrbuch der Musikwissenschaft. Jg. II und III (1957 und 1958).


    „Die Kategorien des Komischen in der Musik“. In: Bericht über den 7. Internationalen Musikwissenschaftlichen Kongress Köln 1958. Kassel: Bärenreiter, 1959.


    „Chopin im Lichte des Briefwechsels von Verlegern seiner Zeit gesehen“. In: Fontes Artis Musicae. Jg. VII (1960). S. 46-57.


    „Zur Periodisierung der Musikgeschichte“. Beiträge zur Musikwissenschaft II. Berlin 1960.


    „Chopins Briefe an Delfina Potocka“. In: Musikforschung. Jg. XV (1962)


    „Szymanowski und die Romantik”. Studia Musicologica Academiae Scientiarum Hungaricae. Jg. III (1962). S. 223-242.


    „Die Formenkreuzung bei Chopin“, „Über die Verbindungen zwischen der Harmonik von A.N. Skrjabin und der Harmonik von F. Chopin“. In: The book of the first

    international musicological congress devoted to the works of Frederick Chopin. 16th-22nd February 1960. Z. Lissa (Hg.) Warszawa: PWN, 1963.


    „Zur Genesis des Prometheischen Akkords bei Skrjabin“. In: Johann-Gottfried-Herder-Forschungsstelle für Musikgeschichte (Hg.). Musik des Ostens. Sammelbände für historische und vergleichende Musikforschung. Bd. 2. Kassel 1963.


    „Die Relativität ästhetischer Kategorien“. Beiträge zur Musikwissenschaft. Bd. VI. Berlin 1964.


    „Musikalisches Hören in psychologischer Sicht“. In: Bericht über den 9. Internationalen Kongress Salzburg 1964. F. Giegling (Hg.). Kassel: Bärenreiter, 1965.


    „Intonation und Gestalt in der Musik“. In: Bericht über das denkwürdige Internationale Seminar Prag 1963 zu Fragen der Intonationstheorie Boris Assafjews. B. M. Jarustowski (Hg.). Moskau 1965.


    „Zur russischen Publikation von Beethovens Heiligenstädter Skizzenbuch 1802/03“. In: Johann-Gottfried-Herder-Forschungsstelle für Musikgeschichte (Hg.). Musik des Ostens. Sammelbände für historische und vergleichende Musikforschung. Bd. 3. Kassel 1965.


    „Ost-West-Probleme in der modernen Musikgeschichtsschreibung”, „Folk Elements in Polish Music from the Middle Ages up to the 18th Century”. In: Musica antiqua Europae Orientalis Bydgoszcz, 1966, Polska: acta scientifica congressus. Zofia Lissa (Hg.) Warszawa: PWN, 1966. S. 19-41, S. 354–382.


    „Hegel und das Problem der Formintegration in der Musik“. In: Festschrift für Walter Wiora zum 30. Dezember 1966. L. Finscher, Ch. H. Mahling (Hg.). Kassel: Bärenreiter, 1967. S.112-119.


    „Über den Einfluss Chopins auf Liadow“. In: Deutsches Jahrbuch für Musikwissenschaft. Jg. XIII (1968).


    „M. Regers Metamorphosen der ,Berceuse‘ op. 57 von F. Chopin“. In: Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien (Hg.): Festschrift 1817-1967. Wien: Lafite, 1967; und Musikforschung. Jg. 23 (1970).


    „Beethovens Einfluss auf den Klaviersatz Chopins“. In: Beethoven-Symposion Wien 1970. Erich Schenk (Hg.). Wien: VÖAW, 1971. S. 175-198.


    „Einige kritische Bemerkungen zur Ingardenschen Theorie des musikalischen Werkes“. In: International review of the Aesthetics and Sociology of Music. Jg. III (1972). S. 75-95.


    „Die Rolle der Tradition in der Musik Volkspolens (1945–1970)“. In: Studien zur Tradition in der Musik: Kurt von Fischer zum 60. Geburtstag. H. H. Eggebrecht, M. Lütolf (Hg.). München: Katzbichler, 1973. S. 201-215.


    „Klavierpolonaise und -mazurka im 19. Jahrhundert“. In: Gattungen der Musik in Einzeldarstellungen. Gedenkschrift Leo Schrade. Wulf Arlt, Ernst Lichtenhahn, Hans Oesch (Hg.). Bern und München: Francke, 1973. S. 813-839.


    „Witold Lutosławskis Konzert für Orchester”. In: Zur musikalischen Analyse. Gerhard Schuhmacher (Hg.). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Wege der Forschung, Bd. 257, 1974. S. 282-322.


    „Vom Wesen des nationalen Stils in der Musik von Karol Szymanowski“. In: Hamburger Jahrbuch für Musikwissenschaft. Bd. 4: Zur Musik des 20. Jahrhunderts. Constantin Floros, Hans Joachim Marx und Peter Petersen (Hg.). Hamburg: Wagner, 1980.

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    Weitere Publikationen:


    diverse Artikel über polnische Komponisten in: MGG, Brockhaus-Riemann-Musiklexikon u.a.


    Herausgeberin und Ko-Autorin von Handbüchern:


    Historia muzyki powszechnej [Musikgeschichte]. Mit Józef M. Chomiński. Bd. I. Kraków: PWM, 1957. Bd. II Kraków: PWM 1965.


    Kultura muzyczna Polski Ludowej. 1944-1955 [Musikgeschichte der Volksrepublik Polens. 1944-1955]. Mit Józef M. Chomiński. Kraków: PWM, 1957.


    Karol Szymanowski; Polish Romanticism and Neo-Romanticism. In: Polish Music. Stefan Jarociński (Hg.). Warszawa: PWN, 1965.


    Muzyka polska w latach 1945-1956 [Polnische Musik 1945-1956]. In: Polska współczesna kultura muzyczna. 1944-1964 [Polnische Musikkultur 1944-1964]. Elżbieta Dziębowska (Hg.). Kraków: PWM, 1968.

    Quellen

    Literatur


    Dziębowska, Elżbieta. Profesor Zofii Lissy prace i zasługi [Professor Lissas Werke und Verdienste]. Mrygoniowa, Ewa. Bibliografia prac prof. dr Zofii Lissy [Zofia Lissas Schriftenverzeichnis]. In: Studia musicologica. Aesthetica – theoretica – historica. Księga pamiątkowa Zofii Lissy [Festschrift Zofia Lissa]. E. Dziębowska, Z. Helman, D. Idaszak, A. Neuer (Hg.).Kraków: PWM, 1979.


    Dziębowska, Elżbieta. Zofia Lissa (19.10.1908 – 26.3.1980). In: Muzyka. Jg. 25 (1980), Nr. 4. S. 9-13.


    Helman, Zofia. Zofia Lissa (1908-1980). In: Zeitschrift für Musikpädagogik. Jg. 7 (1982). S. 27–29.


    Helman, Zofia. Zofia Lissa (1908-1980). In: Polish Musicological Studies. Bd. 2. Zofia Chechlińska, Jan Stęszewski (Hg.). Kraków: PWM, 1986.


    Dziębowska, Elżbieta. Lissa Zofia. In: Encyklopedia Muzyczna PWM. Elżbieta Dziębowska (Hg.) Band „klł”. Kraków: PWM, 1997. S. 368-370.


    Helman, Zofia. Lissa Zofia. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Ludwig Finscher (Hg.). Personenteil. Bd. 11. 2. neubearbeitete Auflage. Kassel/Basel: Bärenreiter, 2004, S. 197-200.


    Skowron, Zbigniew. Muzyka - jej struktura, przeżycie i przesłanie. W kręgu dociekań muzyczno-estetycznych Zofii Lissy. In: Zofia Lissa, Wybór pism estetycznych. Z. Skowron (Hg.). Kraków: Universitas, 2008. S. 7-30.



    Links


    http://www.filmmusik.uni-kiel.de/kielerbeitraege2/KB2-Lissa.pdf


    http://en.chopin.nifc.pl/chopin/persons/text/id/468


    http://www.polmic.pl/index.php?option=com_mwosoby&id=647&view=czlowiek&litera=13&Itemid=7&lang=pl

    Forschung

    Viele von Zofia Lissas Publikationen gehören bis heute zu den Standardwerken der Musikästhetik, -theorie und -wissenschaft und sind in allen größeren Bibliotheken weltweit zugänglich. Anlässlich ihres 100. Geburtstages im Jahr 2008 wurde von Zbigniew Skowron eine neue Auswahl ihrer Schriften mit umfangreichen Kommentaren herausgegeben, in der auch ihre Bedeutung als Musikwissenschaftlerin gewürdigt wird.

    Forschungsbedarf

    Interessant wäre es, die Bedingungen zu untersuchen, die dazu führten, dass in Polen im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern Musikwissenschaftlerinnen wie Zofia Lissa und Stefania Lobaczewska (ebenfalls aus Lemberg) bereits in den 1930er Jahren bedeutende Positionen erreichen konnten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 29658590
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 103862552
    Library of Congress (LCCN): n81032906
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Danuta Gwizdalanka, 10. September 2009

    Übersetzung: David Babcock


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 05.12.2009
    Zuletzt bearbeitet am 11.08.2014


    Empfohlene Zitierweise

    Danuta Gwizdalanka, Artikel „Zofia Lissa“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11.8.2014
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Zofia_Lissa