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    von Marina Lobanova
    Namen:
    Waleria Barsowa (orig.: Валерия Владимировна Барсова)
    Lebensdaten:
    geb. in Astrachan,
    gest. in Sotschi,

    Tätigkeitsfelder:
    Sopranistin, Opern-, Konzert- und Kammersängerin, Gesangspädagogin, Pianistin
    Charakterisierender Satz:

    «Барсова – одна из крупнейших советских певиц. Обладала легким и подвижным красивым голосом серебристого тембра, блестяще развитой колоратурной техникой, высоким вокальным мастерством».


    („Barsowa gehörte zu den berühmtesten sowjetischen Sängerinnen. Sie besaß eine leichte, bewegliche und schöne Stimme von silbernem Timbre sowie eine brillant entwickelte Koloraturtechnik und hohe Stimmkultur.“)


    W. I. SARUBIN. „Walerija Wladimirowna Barsowa“. Muzykal‘naja ėnciklopedija [Die Musikenzyklopädie], hg. von J. W. Keldysch. Bd. 1. Moskau 1973, Sp. 336.


    Profil

    Waleria Barsowa war eine berühmte russische/sowjetische Sängerin; sie gehörte zu den prominentesten Stars des Bolschoi Theaters in Moskau und einer der Lieblingssängerinnen Josef Stalins.

    Würdigung

    Waleria Barsowa war eine vielseitig begabte Sängerin und Schauspielerin, die im Geiste der Schule Konstantin Stanislawskis und des synthetischen konventionellen Theaters Fjodor Komissarschewskis u. a. wirkte. Barsowa beherrschte zahlreiche Gattungen, angefangen von der Operette und Kabarett-Miniaturen bis hin zu den großen Partien des klassischen Opernrepertoires, was sehr ungewöhnlich für Opernsängerinnen ihrer Zeit war. Sie opferte ihr Privatleben ganz dem Dienst an der Kunst. In vielerlei Hinsicht verkörperte sie die Ideale der Gesellschaftsschicht der vorrevolutionären, nicht-adligen „Intelligenzija“, die ihre Mission im Dienst am Volke sah. Zugleich wurde Barsowa im Geist der vorrevolutionären Kunst Russlands ausgebildet, für die stark experimentelle Formen typisch waren. Dieser Umstand wurde in ihrer offiziellen Biografie stets verschwiegen, nicht zuletzt aus dem Grund, weil die junge Sängerin mit „dekadenten“ Künstlern und Emigranten wie Fjodor Komissarschewski, Nikita Balijew und Fjodor Schaljapin zusammengearbeitet hatte.


    Barsowa trug den Titel „Volkskünstlerin der Sowjetunion“ (1937); sie erhielt den Stalin-Preis ersten Grades (1941), einen Lenin-Orden und einen Orden des Roten Banners der Arbeit.


    Barsowa war Vorsitzende des Sektors Musiktheater der All-Union-Theatergesellschaft, Vorsitzende des Künstlerischen Rates der All-Union-Konzertvereinigung sowie Vorsitzende des Rates des Zentralen Hauses für Kunstschaffende.


    1988 wurde das Museum „Datscha der Volkskünstlerin der Sowjetunion W. Barsowa“ in Sotschi eröffnet; in diesem Haus, das die Sängerin erbaut hatte, lebte sie von 1947 bis 1967 (http://afisha.web-sochi.ru/place/798/).


    Seit 1990 wird ein Internationales Musikfestival zu Ehren von Waleria Barsowa und Maria Maxakowa in Astrachan durchgeführt.


    Eine Straße in Astrachan trägt den Namen der Sängerin.

    Rezeption

    Als junge Sängerin des Theater-Kabaretts „Die Fledermaus“ war Barsowa vom Publikum enthusiastisch gefeiert worden. Große Erfolge konnte sie als Sängerin und Schauspielerin im Simin-Theater, dem Komissarschewski-Theater sowie im Nemirowitsch-Dantschenko-Opernstudio verzeichnen. Die Truppe des Bolschoi Theaters in Moskau nahm sie anfangs eher zögerlich und zurückhaltend auf, da sie sich von Anfang an als überzeugte Vertreterin der Stanislawskis-Schule positionierte.

    Barsowas Talent und ihre enorme Energie ermöglichten ihr den Durchbruch. Positive Auswirkungen auf ihre Karriere hatte auch Stalins besondere Vorliebe für klassische Musik und seine Verehrung ihrer Kunst. Ihm sollen Barsowas Bescheidenheit, ihre Hingabe und Aufopferung für die Musik und das Theater, ihre Verbindung zur Schule Stanislawskis sowie ihre temperamentvolle und technisch ausgereifte Gesangskunst sehr imponiert haben.


    Viele Jahrzehnte lang wurde Barsowa als Ikone des Bolschoi Theaters und seines großen „imperialen Stils“ betrachtet. Nach der Perestroika zeichnete sich eine Tendenz ab, neben der Suche nach der historischen Wahrheit auch Pikanterien aus dem Leben der sowjetischen Führer zu (er)finden und zu exponieren. Neben seriösen Forschungsarbeiten erschienen auch weniger seriöse Publikationen in Stil der Klatschpresse, die Legenden verbreiteten. In manchen dieser Veröffentlichungen wurde Barsowa als eine von Stalins Mätressen dargestellt (siehe z. B. [Ohne Namen]. „Opernye divy tovarišča Stalina“ [Die Operndiven des Genossen Stalin]. „Tol’ko zvёzdy“ Nr. 41 vom 26.10.2012 (http://sobesednik.ru/print/72531).

    Barsowa, die keine eigene Familie hatte, sehr zurückgezogen lebte und keine vollständige Autobiographie bzw. keine Memoiren hinterließ, war ein leichtes Opfer der sensationshungrigen Presse. Anderen Künstlerinnen der Stalin-Zeit ging es nicht besser, und Verwandte der Opfer protestierten heftig gegen solche Verleumdungen.


    Die kürzlich publizierten Erinnerungen von Mitgliedern des inneren Kreises um Stalins, darunter die seiner Sicherheitsbeauftragten Nikolai Wlassik und Alexei Rybin, widerlegen viele dieser Vermutungen, Lügen und Gerüchte (Iwan Alexandrowitsch BENEDIKTOW, Alexei Trofimowitsch RYBIN: Rjadom so Stalinym [In der Nähe von Stalin]. Moskau 2010; Nikolai Wlassik, Alexei Rybin: Stalin. Ličnaja žizn‘ [Stalin. Das Privatleben]. Moskau 2012).


    Es ist wichtig festzuhalten, dass Barsowa trotz ihrer enormen Energie eine kranke Frau war, die u. a. an schwerem Diabetes litt.


    In den letzten Jahren, insbesondere durch die Verbreitungsmöglichkeiten im Internet, lebte die Erinnerung an diese Sängerin wieder auf. Zahlreiche Aufnahmen wurden aus Archiven geholt und zugänglich gemacht. Auch die Aktivitäten des Barsowa-Museums und des Barsowa-Festivals leisten gute Dienste zur Aufarbeitung ihres Nachlasses. Sowohl vom breiten Publikum wie auch von Spezialisten und Musikkennern wird die Sängerin als mustergültige Personifikation der russischen klassischen Gesangsschule geschätzt.

    Repertoire

    I. Bühnenwerke


    Georges Bizet:

    „Carmen“: Mercédès


    Léo Delibes:

    „Lakmé“: Lakmé


    Michail Iwanowitsch Glinka:

    „Iwan Susanin“: Antonida

    „Ruslan und Ljudmila“: Ljudmila


    Charles Gounod:

    „Faust“: Margarethe

    „Roméo et Juliette“: Juliette


    Engelbert Humperdinck:

    „Hänsel und Gretel“: Gretel


    Charles Lecocq:

    „La fille de Madame Angot“: Clairette


    Jules Massenet:

    «Manon»: Manon


    Giacomo Meyerbeer:

    „Les huguenots“: Marguerite de Valois


    Otto Nicolai:

    „Die lustigen Weiber von Windsor“: Frau Fluth


    Giacomo Puccini:

    «La Bohème»: Mimì

    «Madama Butterfly»: Cho-Cho-San


    Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow:

    „Der goldene Hahn“: Die Königin von Schemacha

    „Sadko“: Wolchowa

    „Das Märchen vom Zaren Saltan“: Zarentochter Schwan

    „Schneeflöckchen“: Schneeflöckchen

    „Die Zarenbraut“: Marfa


    Gioacchino Rossini:

    „Il barbiere di Siviglia“: Rosina


    Pjotr Iljitsch Tschaikowski:

    „Pique Dame“: Prilepa

    Giuseppe Verdi:

    „Rigoletto“: Gilda

    „La traviata“: Violetta Valéry

    „Il trovatore“: Leonora



    II. Konzertrepertoire


    Barsowas Konzert- und Liedrepertoire schloss über 600 Werke ein, darunter Arien von Johann Sebastian Bach, Vincenzo Bellini, Giulio Caccini, Marc-Antoine Charpentier, Félicien-César David, Gaetano Donizetti, Christoph Willibald Gluck, Georg Friedrich Händel, Nicolas Isouard, Jean-Baptiste Lully, Felix Mendelssohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart, Giovanni Battista Pergolesi, Giacomo Puccini, Jean-Philippe Rameau, Gioacchino Rossini, Giuseppe Verdi, Lieder und Romanzen von Anton Arenski, Ernest Chausson, César Cui, Alexander Dargomyschski, Claude Debussy, Alexander Glasunow, Edvard Grieg, Joseph Haydn, Michail Ippolitow-Iwanow, Nikolai Medtner, Sergei Rachmaninow, Max Reger, Franz Schubert, Robert Schumann, Sergei Tanejew, Richard Strauss, Sergei Wassilenko, Carl Maria von Weber sowie zahlreiche armenische, aserbaidschanische, georgische, kirgisische, russische, ukrainische und weißrussische Volkslieder.

    Quellen

    I. DOKUMENTE


    Eine große Sammlung mit Dokumenten befindet sich in der Museum-Datscha der Volkskünstlerin W. Barsowa in Sotschi.

    http://v-barsova.narod.ru/; (http://afisha.web-sochi.ru/place/798/).

    Russland, Sotschi, Tschernomorskaja-Straße 8.

    Tel.: 007 8622 62 19 88.



    II. EIGENE SCHRIFTEN


    Waleria BARSOWA. „Moja žizn‘“ [Mein Leben]. „Ogonёk“ 1936, Nr. 18



    III. LITERATUR


    W. I. SARUBIN. „Walerija Wladimirowna Barsowa“. Muzykal‘naja ėnciklopedija [Die Musikenzyklopädie], hg. von Ju. W. Keldysch. Bd. 1. Moskau 1973, Sp. 335-336


    G. POLJANOWSKIJ. W. W. Barsowa. Moskau 1981


    Gjuljara ISKANDEROVA: Waleria Wladimirowna Barsowa.

    http://zhurnal.lib.ru/g/gjuljara_i/barsova.shtml


    Konstantin Alexandrowitsch SALESSKIJ: Imperija Stalina. Biografičeskij ėnciklopedičeskij slovar‘ [Das Imperium Stalins. Das biographisch-enzyklopädisches Lexikon]. Moskau 2000


    Iwan Alexandrowitsch BENEDIKTOW, Alexei Trofimowitsch RYBIN: Rjadom so Stalinym [In der Nähe von Stalin]. Moskau 2010


    Nikolai Wlassik, Alexei Rybin: Stalin. Ličnaja žizn‘ [Stalin. Das Privatleben]. Moskau 2012



    IV. LINKS


    http://www.russian-records.com/: Der Katalog enthält die Aufnahmen Barsowas.


    http://get-tune.net/?a=music&q=%E1%E0%F0%F1%EE%E2%E0: Über diese Site sind Aufnahmen Barsowas zu hören.


    "Barsowa Valeria", www.operissimo.com

    Forschung

    Es gibt bislang nur offizielle Lebensbeschreibungen Barsowas oder die erwähnten „sensationshungrigen“, aber unseriösen Publikationen, deren Darstellung einseitig und unzutreffend ist.

    Forschungsbedarf

    Notwendig ist die gründliche Erforschung der künstlerischen Biografie Barsowas und der verschiedenen Perioden ihres Wirkens. Von besonderem Interesse sind ihre Verbindungen zur Schule und Methode Konstantin Stanislawskis sowie zum russischen experimentellen Theater der 1910er Jahre, vor allem zur Praxis des Theater-Kabaretts und des konventionellen und synthetischen Theaters.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 54341809
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 135467225
    Library of Congress (LCCN): n88618433
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Marina Lobanova


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Marina Lobanova, Artikel „Waleria Barsowa“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Waleria_Barsowa