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  • Vera Timanova

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Vera Timanova. Fotografie von Fritz Luckhardt, o.D.
    Namen:
    Vera Timanova
    Varianten: Vera Timanoff, Vera Timanov, Vera Timanow, Vera Timanowa, Wera Timanova, Wera Timanoff, Wera Timanov, Wera Timanow, Wera Timanowa
    Lebensdaten:
    geb. in Ufa, Russland (heute in der Republik Baschkortostan)
    gest. in Leningrad (heute: St. Petersburg), Russland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Solistin, Klavierbegleiterin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Die Timanoff [...] öffnete Chopin’s Etuden, von denen sie die große A moll Winterwind-Etude [op. 25, Nr. 11] vortrefflich mit größtem Glanze und größter Verve spielte. Ich war völlig verblüfft über solche Fertigkeit bei solchem Kinde, und erwartete, daß Tausig in Bewunderung ausbrechen würde. Nicht so dieser Rhadamantus. Er hörte ohne Bemerkungen und Correcturen zu, und als die Timanoff geendet hatte, sagte er einfach, ruhig: 'So, haben Sie auch die nächste Etude genommen?' Als ob die große A moll nicht genug für eine Mahlzeit wäre!“


    Die Kommilitonin Amy Fay über Vera Timanova in einem Brief vom 8. Februar 1870 (Fay 1882, S. 25)


    Profil

    Die Pianistin und Klavierpädagogin Vera Timanova studierte Klavier bei Anton Rubinstein in St. Petersburg, Carl Tausig in Berlin und Franz Liszt in Weimar. Bereits als Kind trat sie öffentlich auf und konnte sich ab Mitte der 1870er Jahre als Solistin und Kammermusikerin im internationalen Musikleben etablieren. Bereits wenige Jahre später zog sie sich jedoch zurück und wandte ihr Interesse vermutlich vorwiegend der russischen Musik zu. Im Jahr 1907 ließ sie sich endgültig in St. Petersburg als erfolgreiche Klavierpädagogin und Klavierbegleiterin nieder.

    Orte und Länder

    Vera Timanova wurde in Ufa (in der heutigen Republik Baschkortostan) geboren. Sie studierte in St. Petersburg, Berlin und Weimar das Fach Klavier und verbrachte während ihrer Studienzeit vermutlich einige Zeit in Prag und Wien. Nach 1883 zog sie sich aus dem internationalen Konzertleben weitgehend zurück; ihr Aufenthaltsort der folgenden Jahre ist bislang unbekannt. Im Jahr 1907 ließ sie sich endgültig in St. Petersburg als Klavierpädagogin und Pianistin nieder.


    Konzertreisen führten Vera Timanova durch Österreich-Ungarn, Russland, Deutschland, Frankreich, das Baltikum, die Niederlande und England.

    Biografie

    Vera Timanova wurde am 18. Februar 1855 in Ufa (Russland) geboren. Über ihre Herkunft und ihre Eltern ist bislang nichts bekannt. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Vera Timanova bei L. Nowitzky in Ufa und trat bereits im Alter von neun Jahren erstmals öffentlich auf. In ihrer Autobiografie schrieb sie später: „The announcement of the concert made a splash in the city. Tickets were sold briskly and I earned my first thousand of roubles. I performed Mozart’s Concerto and several pieces. The success was complete.” („Die Ankündigung des Konzertes machte in der Stadt Furore. Die Eintrittskarten waren rasch verkauft und ich verdiente meine ersten 1000 Rubel. Ich spielte ein Mozart Klavierkonzert und mehrere Stücke. Es war ein voller Erfolg.“; zit. n. Uzikov 2006).


    Vera Timanova studierte zunächst am Konservatorium in St. Petersburg bei Anton Rubinstein Klavier und setzte ab Ende der 1860er Jahre ihr Studium bei Carl Tausig in Berlin fort. Gefördert wurde sie dabei von einem Kaufmann aus Ufa namens Bezilevski, der ihr den Studienaufenthalt in Deutschland finanziell ermöglichte. Ihre US-amerikanische Kommilitonin Amy Fay, die regelmäßig Briefe über ihre Studienzeit in Deutschland nach Hause schickte und diese später veröffentlichte, beschrieb in einem Brief vom 8. Februar 1870 auch die Unterrichtsstunden von Vera Timanova bei Carl Tausig: „Die Timanoff [...] öffnete Chopin’s Etuden, von denen sie die große A moll Winterwind-Etude [op. 25, Nr. 11] vortrefflich mit größtem Glanze und größter Verve spielte. Ich war völlig verblüfft über solche Fertigkeit bei solchem Kinde, und erwartete, daß Tausig in Bewunderung ausbrechen würde. Nicht so dieser Rhadamantus. Er hörte ohne Bemerkungen und Correcturen zu, und als die Timanoff geendet hatte, sagte er einfach, ruhig: 'So, haben Sie auch die nächste Etude genommen?' Als ob die große A moll nicht genug für eine Mahlzeit wäre!“ (Fay 1882, S. 25; vgl. auch Fay [1993], S. 106) Einige Monate später, am 6. August 1870, berichtete Amy Fay: „Ich bin in die Klasse mit Frl. Timanoff gekommen, die so vorgeschritten ist, daß Tausig ihr sagte, er wolle ihr nicht mehr länger Stunde geben, da sie genug wisse, um allein fortzuschreiten.“ (Fay 1882, S. 48) Nach dem Tod Carl Tausigs 1871 hielt sich Vera Timanova vermutlich einige Zeit in Prag und Wien auf und begann im In- und Ausland zu konzertieren.

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    Zwischen 1875 und 1882 setzte Vera Timanova ihr Studium bei Franz Liszt teils in Weimar, teils in Budapest fort. Am 19. Oktober 1875 debütierte sie im ersten Konzert des Leipziger Musikvereins „Euterpe“ mit Anton Rubinsteins Klavierkonzert G-Dur op. 45 unter der Leitung von Hermann Kretzschmar. Die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ schrieb dazu: „Nicht weniger gefiel die Pianistin des Abends, Fräul. Timanoff aus Petersburg. Dieselbe excellirte nicht nur durch ihre Finger- und Handgelenkfertigkeit, sondern wusste ihrem Vortrage auch geistigen Schwung zu verleihen.“ („Allgemeine Musikalische Zeitung“ vom 3. November 1875, S. 702). Vom Herbst 1876 bis zum Frühjahr 1877 unternahm Vera Timanova eine größere Konzertreise durch Österreich-Ungarn mit Konzerten in Wien, Böhmen, Mähren, Galizien und Ungarn. Teilweise wurde sie dabei von der Sängerin Aglaja Orgeny und einer jungen Violinistin namens Haft begleitet. Franz Liszt kommentierte die Reise seiner Schülerin in mehreren Briefen an Olga von Meyendorff. So berichtete er z. B. am 12. Oktober 1876 Budapest: „Vera Timanoff seems to be well on her way to fame: she is to play at one of the Philharmonic concerts in vienna this winter, and has been signed up for a series of concerts in the Austrian monarchy“. (Waters 1979, S. 247; der Brief ist z. Zt. leider nur in englischer Übersetzung zugänglich). Und am 23. Februar 1877 schrieb Franz Liszt über die Fortschritte von Vera Timanova: „Vera Timanoff spent a week here. She is on a concert tour with Mlle d'Orgeny [...], and with Mlle Haft (a seventeen-year-old violinist). These three young ladies are now charming audiences in Hungary, Galicia, Bohemia --- Vera is an artist of rare talent; further-more, I think she enjoys fairly good protection from the direction of St. Petersburg. [...] Vera is perhaps already back in Vienna where, she told me, I'll see her again on March 16 at the concert for the Beethoven monument. In Vienna she played Rubinstein's Third Concerto (in G), as well as other pieces, with success. If she goes on like this, she will shortly become an accepted and established celebrity.“ (Waters 1979, S. 270; der Brief ist z. Zt. leider nur in englischer Übersetzung zugänglich).

    An Vera Timanova selbst schrieb er am 29. November 1876 aufmunternd aus Budapest: „Je vous ai de suite télégraphié à Laibach pour vous dire d’arriver sans façon: votre talent est de force à convertir même les Turcs: et je vous assure que le public des concerts à Pest sera charmé de vous applaudir.“(„Ich habe Ihnen umgehend nach Laibach telegraphiert, um Ihnen zu sagen, dass Sie auf jeden Fall kommen können: Ihr Talent ist von einer Stärke, die selbst die Türken bekehren wird: und ich versichere Ihnen, dass das Konzertpublikum in Pest entzückt sein wird, Ihnen applaudieren zu dürfen.”; vgl. Liszt 1893ff., Bd. 2, S. 248f.)


    Spätestens ab 1877 konzertierte Vera Timanova zudem regelmäßig mit dem Geiger Emile Sauret und trat gemeinsam mit ihm z. B. im Dezember 1877 in Budapest auf (vgl. Waters 1979, S. 298 und S. 303). Die künstlerische Verbindung bestand noch im Sommer 1879, als Franz Liszt in einem Brief an Vera Timanova die beiden nach Weimar einlud: „Soyez la très bien venue, Illustrissime, et veuillez bien dire à Mr Sauret que je serai charmé de faire davantage connaissance avec lui. [ …] Je l’invite à venir (à 11 heures) avec vous, et vous prierai de remplir votre promesse de nous ravir par l’exécution […] du Ballet de ‘Feramors’ de Rubinstein.“ („Seien Sie herzlich willkommen, Illustrissime, und richten Sie bitte Mr. Sauret aus, dass ich entzückt sein werde, seine Bekanntschaft zu machen. [...] Ich lade ihn ein, mit Ihnen zu kommen (um 11 Uhr), und bitte Sie, Ihr Versprechen einzulösen, uns mit dem „Ballet de Feramors“ von Rubinstein zu bezaubern.“; Liszt 1893ff, Bd. 2, S. 287) Weitere Konzerte folgten in Frankreich und den Niederlanden. Vera Timanova spielte im März 1877 im Salle Pleyel in Paris (vgl. „La Revue et Gazette Musicale de Paris“ vom 1. April 1877, S. 102), trat Anfang März 1878 in Rotterdam mit Werken von Franz Liszt und Domenico Scarlatti auf (vgl. „Caecilia“ vom 15. März 1878, S. 67-69) und spielte im Frühjahr 1878 eines der Klavierkonzerte von Anton Rubinstein im Vierten Staatskonzert in Utrecht (vgl. „Caecilia“ vom 1. April 1878, S. 79).


    Im Jahr 1880 wurde Vera Timanova zur großherzoglichen sächsisch- weimarischen Hofpianistin ernannt. Am 19. Mai desselben Jahres debütierte sie in den Londoner Popular Concerts mit Anton Rubinsteins Klavierkonzert G-Dur op. 45 unter der Leitung von W. G. Cusins. „The Times London“ urteilte zwei Tage später über das Debüt: „The chief characteristics of this class of artists are refinement of touch, piquancy of rhythm and of phrasing, great verre sometimes rising to true passion, and, in most cases, a high degree of technical perfection. We need scarcely add that the favourite composer of the school is Chopin, and a work by that great master would have been a more judicious choice on the part of Mdlle. Timanoff than Rubinstein's concerto in G minor. The latter [...] is at least well adapted for the display of some of the qualities above specified, such as delicacy or touch and technical brilliancy. Both these the new pianist possesses in a very marked degree and her reception on Wednesday night was accordingly most favourable. She is, indeed, a charming player.“ („Die wichtigsten Charakteristika dieser Art von Künstlern ist Feinsinnigkeit im Anschlag, Klarheit in Rhythmus und Phrasierung, große Begeisterung, die sich manchmal zu wahrer Leidenschaft steigert, und, in den meisten Fällen, ein hoher Grad an technischer Vollkommenheit. Wir müssen kaum erwähnen, dass der bevorzugte Komponist dieser Schule Chopin ist, und von Seiten Mdlle. Timanoffs wäre ein Werk dieses großen Meisters eine bessere Wahl gewesen als Rubinsteins Konzert in g-Moll [recte: G-Dur]. Letzteres wird nicht zuletzt gern gewählt, weil an ihm einige der oben genannten Qualitäten gezeigt werden können, wie z. B. Feinheit im Anschlag und technische Brillianz. Beides besitzt die neue Pianistin in hohem Maße und sie wurde am Mittwoch Abend übereinstimmend sehr positiv aufgenommen. Sie ist eine bezaubernde Pianistin.“; „The Times London” vom 21. Mai 1880, S. 4) Auch in den Jahren 1881 und 1882 trat Vera Timanova in den Popular Concerts auf: Im Mai 1881 interpretierte sie dort das Klavierkonzert f-Moll op. 21 von Frédéric Chopin: „More interesting was the appearance of Madame Vera Timanoff, an admirable representative of the Slavonic type of pianoforte playing, and, therefore, eminently adapted to do justice to Chopin's concerto in F minor“. („Interessanter war das Auftreten von Madame Vera Timanoff, eine wunderbare Vertreterin der slawischen Schule und daher prädestiniert dafür, Chopins Klavierkonzert f-Moll gerecht zu werden“.; „The Times London” vom 16. Mai 1881, S. 10). Am 13. Mai 1882 spielte sie eine Fantasie von Franz Liszt über Ludwig van Beethovens „Ruinen von Athen” (vgl. „The Musical Times” vom 1. Juni 1882, S. 325). Das letzte bislang konkret benennbare Konzert von Vera Timanova in dieser Zeit fand am 4. Februar 1883 im Rigaer Gewerbeverein statt.


    In den folgenden Jahren war Vera Timanova nicht mehr im internationalen Konzertleben präsent, obwohl sie vermutlich weiterhin pianistisch tätig war. Ihr Aufenthaltsort und ihre Tätigkeiten zwischen 1883 und 1906 sind bislang nicht zu eruieren – mit einer Ausnahme: im Jahr 1896 gab sie in ihrer Heimatstadt Ufa ein Konzert.


    Es ist zu vermuten, dass sie sich in in den folgenden Jahren verstärkt der russischen Musik zuwandte. Denn am 8. und am 21. März 1906 bespielte Vera Timanova mehrere Welte-Mignon-Klavierrollen mit überwiegend russischer Musik, darunter Werke von César Cui, Michail Glinka, Ignaz Jan Paderewski und Anton Rubinstein (vgl. Hagmann 2002, S. 218). Ein Jahr später, 1907, ließ sie sich als Pianistin und Klavierpädagogin in St. Petersburg nieder (vgl. Runolfur Thordarson 2000, S. 46). Näheres über die darauf folgenden Lebensjahrzehnte ist bislang nicht bekannt. Wie es scheint, trat sie in dieser Zeit u. a. als Klavierbegleiterin von Fjodor Schaljapin auf (vgl. Bugaichuk 2005). Ihr letztes öffentliches Konzert gab Vera Timanova im Jahr 1937 (vgl. Uzikov 2006).


    Vera Timanova starb am 22. Februar 1942 im Alter von 87 Jahren während der 900 Tage andauernden Blockade Leningrads durch deutsche Truppen, vermutlich an Hunger.

    Würdigung

    Vera Timanova scheint eine herausragende Pianistin gewesen zu sein, die mit vielen zeitgenössischen Musikerinnen und Musikern in Kontakt stand. Ihre Lehrer Anton Rubinstein und Franz Liszt schätzten ihre Fähigkeiten hoch ein und blieben ihr auch über die Studienzeit hinaus verbunden, mit Aleksandre Borodin war sie befreundet, Peter I. Tschaikowsky widmete ihr 1873 das „Scherzo humoristique“ D-Dur aus seinen „Sechs Stücken für Klavier solo“ op. 19, 2, und Eduard Nápravník schrieb ihr 1881 seine „Fantaisie russe“ h-Moll op. 39 zu, deren Uraufführung Vera Timanova mit großem Erfolg spielte.

    Eine angemessene Würdigung ihrer Tätigkeiten, die z. B. auch den musikpädagogischen Bereich mit umfasst, ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Eine heutige Rezeption der Tätigkeiten von Vera Timanova findet bislang nur an wenigen Stellen statt. Im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum ist Vera Timanova als Liszt-Schülerin bekannt. In ihrer Heimatstadt Ufa war es die Musikerin und Wissenschaftlerin Galina Belskaya (gest. 2005), die sich in Zusammenhang mit Forschungen über Fjodor Schaljapin auch mit Vera Timanova beschäftigte und die Pianistin an zwei Abenden mit Gesprächskonzerten einem größeren Publikum in Ufa wieder bekannt machte (vgl. Bugaichuk 2005). Auch ihre Interpretationen, die auf Welte-Mignon-Rollen eingespielt wurden, werden bislang nicht zur Kenntnis genommen.

    Werkverzeichnis

    Von Vera Timanova sind bislang keine Werke bekannt.


    Aufnahmen


    Alle Bespielungen von Welte-Mignon-Rollen fanden vermutlich am 8. und 21. März 1906 statt (vgl. Hagmann 2002, S. 218).


    Glinka, Michail/Balakirew, Milij : L’Alouette (WM 1369)

    Glasunow, Aleksander. Gavotte D-Dur, op. 49 Nr. 3 (WM 1371)

    Cui, César. Causerie (Conversation) Etude, op. 40 Nr. 6 (WM 1372)

    Ljapunow, Sergej. Berceuse Fis-Dur, op. 11 Nr. 1 (WM 1375)

    Moszkowski, Moritz. Esquisse venetienne, op. 73 Nr. 1 (WM 1376)

    Paderewski, Ignaz Jan. Thème et Variations A-Dur, op. 16 Nr. 3 (WM 1379)

    Rubinstein, Anton. Tarantella, op. 82 Nr. 3 (WM 1380)

    Rubinstein, Anton. Rêverie-Caprice g-Moll, op. 109 Nr. 6 (WM 1381)

    Rubinstein, Anton. Sérénade espagnole g-Moll, op. 16 Nr. 3 (WM 1382)

    Sapellnikow, Wassilij. Berceuse Es-Dur, op. 11 Nr. 3 (WM 1383)

    Schlozer, Paul de. Etude de concert As-Dur, op. 1 Nr. 2 (WM 1384)

    Liszt, Franz. Ungarische Rhapsodie Nr. 1 E-Dur (WM 1386)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Vera Timanova kann zur Zeit aufgrund fehlender Dokumente nicht erstellt werden. Bekannt sind Interpretationen der folgenden Werke:


    Brahms, Johannes. Rhapsodie (keine Präzisierung möglich)

    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll, op. 21.

    Chopin, Frédéric. Etude a-Moll, op. 25, 11 (“Winterwind-Etude”)

    Cui, César. Causerie (Conversation) Etude, op. 40, 6

    Glinka, Michail/Balakirev, Milij: L’Alouette

    Glasunow, Aleksander. Gavotte D-Dur, op. 49, 3

    Ljapunow, Sergej. Berceuse Fis-Dur, op. 11, 1

    Liszt, Franz. Ungarische Rhapsodie Nr. 1 E-Dur

    Liszt, Franz. Fantasie über Beethovens „Ruinen von Athen“

    Moszkowski, Moritz. Esquisse venetienne, op. 73, 1

    Nápravník, Eduard. Fantaisie russe h-Moll, op. 39

    Paderewski, Ignaz Jan. Thème et Variations A-Dur, op. 16, 3

    Rubinstein, Anton. Klavierkonzert G-Dur, op. 45

    Rubinstein, Anton. Sérénade espagnole g-Moll, op. 16, 3

    Rubinstein, Anton. Tarantella, op. 82, 3

    Rubinstein, Anton. Rêverie-Caprice, g-Moll op. 109, 6

    Sapellnikow, Wassilij. Berceuse Es-Dur, op. 11, 3

    Schlozer, Paul de. Etude de concert As-Dur, op. 1, 2

    Tschaikowsky, Peter I. Scherzo humoristique D-Dur aus: Sechs Stücke für Klavier solo, op. 19, 2


    Vera Timanova trat auch als Klavierbegleiterin von Sängerinnen und Sängern wie Aglaja Orgeny und Fjodor Schaljapin auf. Das Repertoire ist bislang nicht bekannt.

    Quellen

    Literatur:


    Artikel „Timanova, Frl. Wera“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon. Moritz Rudolph (Hg.). 1890 [vorh. in wbis, world biographical information system].


    Bugaichuk, Alevtina. Indefatigable Belskaya. In: BASHvest – First electronic newspaper of the Republic of Bashkortostan. Beitrag vom 1. November 2005 (http://eng.bashvest.ru/showinf.php?id=879; Stand: 15. Februar 2008).


    Elson, Arthur. Woman's work in music. Being an account of her influence on the arts, in ancient as well as modern times. A summary of her musical compositions, in the different countries of the civilized world. And an estimate of their rank in comparison with those of man. Boston: L. C. Page, 1903.


    Fay, Amy. Musikstudien in Deutschland. Aus Briefen in die Heimath. Berlin: Robert Oppenheim, 1882.


    Fay, Amy. Sie spielen wie ein Nußknacker. In: Monica Stegmann, Eva Rieger (Hg.). Frauen mit Flügel. Lebensberichte berühmter Pianistinnen von Clara Schumann bis Clara Haskil. Frankfurt a. M.: Insel-Verlag, 1996, S. 97-145.


    Gervers, Hilda. Franz Liszt as Pedagogue. In: Journal of Research in Music Education 18 (1970), Nr. 4, S. 385-391.


    Hagmann, Peter. Das Welte-Mignon-Klavier, die Welte-Philharmonie-Orgel und die Anfänge der Reproduktion von Musik. 2. Auflage, digitale Version. Freiburg im Breisgau: Universitätsbibliothek, 2002 (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/608/pdf/hagmann.pdf)


    Legany, Dezö. Liszt and his Country 1874-1886. Budapest: Corvina K., 1992.


    Liszt, Franz. Briefe. Gesammelt und herausgegeben von La Mara. 8 Bde. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1893-1905.


    Liszt, Franz. The Letters of Franz Liszt to Olga von Meyendorff 1871-1886 in the Mildred Bliss Collection at Dumbarton Oaks. Herausgegeben von Edward Waters, übersetzt von William R. Tyler. Washington: Harvard University Press, 1979.


    Uzikov, Yuri. She Dies of Hunger in Besieged Leningrad. In: BASHvest – First electronic newspaper of the Republic of Bashkortostan. Beitrag vom 22. Februar 2006 (http://eng.bashvest.ru/showinf.php?id=1554; Stand: 15. Februar 2008)



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel:


    Allgemeine Musikalische Zeitung X (1875), Nr. 44 vom 3. November 1875, S. 702.


    Caecilia. Algemeen-Muzikaal-Tijdschrift-van-Nederland 35 (1878), Nr. 8 vom 15. März 1878, S. 67-69.

    Caecilia. Algemeen-Muzikaal-Tijdschrift-van-Nederland 35 (1878), Nr. 9 vom 1. April 1878, S. 79.


    La Revue et Gazette Musicale de Paris 44 (1877), Nr. 13 vom 1. April 1877, S. 102.


    The Musical Times London 21 (1880), Nr. 448 vom 1. Juni 1880, S. 287.

    The Musical Times London 23 (1882), Nr. 472 vom 1. Juni 1882, S. 325.


    Svensk-Musiktidning 1 (1881), Nr. 18 vom 15. September 1881, S. 144.



    Links:


    http://home.earthlink.net/~marnest/rolltiman.html

    Die Internetseite stellt eine Rollografie der Bespielungen von Welte-Mignon-Rollen von Vera Timanova zur Verfügung.


    http://eng.bashvest.ru/showinf.php?id=1554

    Die Website der Online-Zeitung „BASHvest“ enthält auch eine Kurzbiografie von Vera Timanova.


    www.kalliope-portal.de

    Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen verzeichnet insgesamt acht Briefe von Vera Timanova (dort Timanoff).


    http://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/goethe-und-schiller-archiv/bestaende.html

    Die Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar verzeichnet mehrere Briefe von Vera Timanova (dort Timanoff).

    Forschung

    Die bisherigen Forschungsergebnisse über Vera Timanova können nur eine „halbe Biografie“ bieten. Es ist zu vermuten, dass Vera Timanova nach ihrer Rückkehr nach Russland als Pianistin nicht weniger aktiv war als zuvor. Mit den mitteleuropäischen Forschungsinstrumenten und ohne Kenntnis der russischen Sprache ist dieser Teil ihrer künstlerischen Laufbahn jedoch bislang nicht zu rekonstruieren.


    Zwei Artikel der regionalen Forschung in Ufa (Bugaichuk 2005; Uzinkov 2006) zeigen, dass von Vera Timanova eine Reihe von Dokumenten erhalten sind – darunter ein Teil ihrer Korrespondenz sowie eine Autobiografie –, die für den vorliegenden Artikel nicht eingesehen wurden und in Zusammenarbeit mit den dortigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszuwerten wären.


    In Zusammenhang mit ihrem Studium bei Franz Liszt wird Vera Timanova mehrfach in Memoiren seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler genannt.


    Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen „Kalliope-Portal“ verzeichnet insgesamt acht Briefe von Vera Timanova (dort: Timanoff), u. a. an Gustav Friedrich Kogel, Alban Förster und den Forschungsreisenden Gerhard Rohlfs, einen Freund Franz Liszts. Ebenso verzeichnet die Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar mehrere Briefe von Vera Timanova (dort: Timanoff), darunter Briefe an Marie Lipsius und Franz Liszt. (vgl. „Links“)

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Vera Timanova umfasst alle ihre Lebensbereiche. Ihre Biografie und ihre künstlerische Entwicklung sind bislang nur im Ansatz bekannt, ihre pädagogische Tätigkeit liegt vollständig im Dunkeln. Die von ihr bespielten Welte-Mignon-Rollen könnten näheren Aufschluss über ihre Interpretationsweise geben. Auch ihre Kontakte zu Musikerinnen und Musikern sind bislang unerforscht.

    Um ein angemessenes Bild der Pianistin und Musikpädagogin zu erhalten, ist aller Voraussicht nach die Kenntnis der russischen Sprache sowie eine Zusammenarbeit mit der regionalen Forschung in Ufa notwendig.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 107401243
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117384933
    Library of Congress (LCCN): no2010021052
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 1. April 2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 10.04.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Vera Timanova“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 10.4.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Vera_Timanova