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  • Valborg Aulin

    von Katrin Losleben
    Laura Valborg Aulin
    Namen:
    Valborg Aulin
    Lebensdaten:
    geb. in Gävle, Schweden
    gest. in Örebro, Schweden
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Pädagogin für Klavier und Musiktheorie, Konzertveranstalterin

    Profil

    Im Anschluss an ihre fundierte, in verschiedenen Städten Europas erworbene Ausbildung als Pianistin und Komponistin erteilte Valborg Aulin zunächst Unterricht in Klavier und Harmonielehre (Stockholm), widmete sich der Komposition und unternahm mit ihrem jüngeren Bruder, Tor Aulin, Konzertreisen, ehe sie sich um 1900 abrupt aus der Stockholmer Musikszene zurückzog, nach Örebro übersiedelte und dort weiterhin als Lehrerin und Pianistin tätig war. Zeitgleich beendete sie ihre Tätigkeit als Komponistin, kümmerte sich nun aber vermehrt um die Organisation von Konzerten.

    Orte und Länder

    Valborg Aulin studierte in Stockholm, Kopenhagen und Paris Klavier und Komposition. 1903 ließ sie sich als Konzertpianistin und Pädagogin in Örebro nieder.

    Biografie

    Valborg Aulin erhielt von ihrem sechsten Lebensjahr an Klavierunterricht, mit 13 Jahren ersten Kompositionsunterricht bei Albert Rubenson. Dieser Unterricht fand bis 1876 auf privater Basis statt. Von 1877 bis 1882 studierte sie an der Kungliga Musikaliska Akademien in Stockholm bei Hilda Thegerström Klavier, bei Hermann Be(h)rens, Sven August Lagergren, Ludvig Norman und weiterhin bei Albert Rubenson Instrumentation und Komposition. Letzterer setzte sich für Aulins Förderung durch ein Jenny Lind-Reisestipendium ein. Dies ermöglichte ihr 1885 einen Aufenthalt in Kopenhagen, wo sie einige Wochen bei Nils Gade studierte; von dort aus fuhr sie über Berlin nach Paris. Hier erhielt sie während eines zweijährigen Aufenthaltes Unterricht in Klavier bei E. Bourgain, in Komposition bei Jules Massenet und Ernest Guiraud sowie bei Benjamin Godard, der zu dieser Zeit Leiter einer Kammermusikklasse war. Über ihre Studienzeit in Berlin ist bis dato nichts bekannt. In den Jahren zwischen den Studien in Stockholm und Paris, 1882 bis 1885 sowie im Anschluss daran, ab 1887, unterrichtete sie Klavier und Harmonielehre in Stockholm. Als Pianistin ging sie mit dem Streichquartett ihres Bruders Tor, dem Aulinska Kvartett, auf Tournee. Auch hier sind keine Einzelheiten bekannt, lediglich, dass Stationen der Konzertreise(n) sich auch im Ausland befanden. 1896 und 1901 organisierte sie zwei „kompositionsaftnar“ (Kompositionsabende), deren Programme sie ausschließlich mit ihren eigenen Werken gestaltete. In den Jahren um die Jahrhundertwende wandte sie sich jedoch von der Komposition und von Stockholm ab und widmete sich an ihrem neuen Wohnort Örebro der Konzert- und Lehrtätigkeit in den Bereichen Klavier und Harmonielehre sowie der Veranstaltung von Konzerten.

    Würdigung

    Valborg Aulins Kompositionen lassen erkennen, dass ihre Schöpferin aus dem Bereich des Klavierspiels kommt und sich mit Leichtigkeit in der virtuosen Musik des 19. Jahrhunderts bewegt. Gleichzeitig verarbeitet sie in ihren Stücken Elemente der schwedischen Volksmusik und schafft es auf diese Weise, ästhetische Ansprüche des dominierenden Kontinents mit nationaler Farbe anzumischen.

    Rezeption

    Die ersten Schritte Aulins auf ihrem Weg der Professionalisierung als Komponistin schienen zunächst sehr vielversprechend zu sein und ließen auf eine Etablierung im Stockholmer Musikleben hoffen. Dazu kam es jedoch nicht. Sie konnte nach ihrer Rückkehr aus Paris als Komponistin nicht Fuß fassen, beschränkte sich in der Folge weitgehend auf ihre Konzerttätigkeit – häufig gemeinsam mit ihrem Bruder Tor Aulin und dessen Streichquartett – und zog sich schließlich nach Jahren der Auseinandersetzung mit Musikkritikern aus dem Stockholmer Musikleben zurück (vgl. Öhrström 1999, S. 318).

    Werkverzeichnis

    A Vokalmusik

    1. Lieder

    „Borta“ („Verschwunden“), Elkan och Schildknecht 1892 (?).


    „Carina“, T.: K.A. Melin, Stockholm: Elkan och Schildknecht 1891.


    „Der Todtengräber (Ich grabe)“, für Bass und Klavier.


    „Det finns en gosse (auch pojke, s. Wiklund 1999) och han är min“ („Es gibt einen Jungen und er ist mein“, T.:A. Gellerstedt, in: Sånger från skilda länder, Band 1, Stockholm 1884.


    „För länge se’n“ („Vor langer Zeit“), T.: K.A. Melin, in: Svensk sång, 1900.


    „Kom!“ („Komm!“), T.: C.D. Wirsén, in: Ny illustrerad tidning, 1881.


    „Roddaren“ („Der Ruderer“), T.: J.L. Runeberg, in: Svensk familje journalen, 1881.


    „Romanser till text ur Heinrich Heines Buch der Lieder“ („Romanzen zu Texten aus Heinrich Heines Buch der Lieder“), vermutlich die folgenden Lieder: 1.„Es fällt ein Stern herunter“ auch: „En tindrande stjerna faller“, 2. „Ich stand in dunkeln Träumen“, auch: „Jag stod försänkt i drömmar“, 3. „Der Mond ist aufgegangen“, auch: „Fullmånen sin strålflod gjuter“, 4. „Deine weissen Liljenfinger“, auch: „Dina liljehvita fingrar“, 1883. Die Lieder Nr.1 und 2 auch für Bass und Klavier nur mit deutschem Text.


    „Säg ej så“, T.: nach Thomas Moore


    „Saknaden“ („Der Vermisste“), T.: J.L. Runeberg, in: Svenska familje journalen, 1886.


    „Skärgårdsvisa“ („Schären-Weise“), T.: K.A. Melin, Stockholm: Elkan och Schildknecht 1883.


    „Var det en dröm?“ („War dies ein Traum?“), T.: K.A. Melin.


    „Vid Rånö ström“ („Am Ranö-Strom“), T.: K.A. Melin, Stockholm: Elkan och Schildknecht 1890.


    „Ynglingen“ („Der Jüngling“), T.: J.L. Runeberg, in: SM (?) 1881.



    2. Chor

    Chor a capella

    „Två körer a cappella för blandade röster“ (“Zwei Chöre a cappella für gemischte Stimmen“), op. 24, Kopenhagen: Wilhelm Hansen 1898.


    Min lycka varade så kort („Mein Glück währte so kurz“), für SATB, o.J.



    Chor mit Begleitung

    „Tre damkörer med piano“ („Drei Frauenchöre mit Klavier“), 1. „Barcarol“, 2. „Klagar rosen klagar kaprifol?“ („Klagt die Rose, klagt die Caprifoliceae (ein Geißblattgewächs)?, 3. „När rosorna blomma“ („Wenn die Rosen blühen“).


    „Julsång (Dagen uppgår)“ („Weihnachtslied“) für achtstimmigen Chor mit Orgel, T.: K.A: Melin (nach Thomas Moore, op. 23.


    „Veni sancte spiritus“, Hymne für gemischten Chor mit Klavier, op. 31, 1898. Auch arrangiert für Doppelchor und Orgel ad. lib.


    "Pie Jesu Domine", Missa solemnis für Chor und Orchester, „In Erinnerung an Ludvig Norman, op. 13.



    Chor, Solo und Orchester

    „Herr Olof“, Ballade für Chor, Tenorsolo und Orchester, 1880.


    „Procul este“, Lyrisches Gedicht für Sopran, Chor, Streichorchester und Harfe, op. 28, T.: C.D. Wirsén, 1886.



    B Instrumentalmusik

    Orchestermusik

    Tableaux Parisiens, Suite pour orchestre, op. 15, 1886.



    Kammermusik

    Streichquartett in F-Dur, entstanden 1884, op.8, Stockholm: Musikaliska Konstföreningen 1888.


    Streichquartett in e-Moll, op. 17.


    Sonate für Klavier und Violine, g-Moll, o.J.



    Orgel

    „Meditation“, in: Organistens Orgelalbum, Heft 2, No. 20, Leipzig: N.E. Anjou o.J.



    Klavier

    „Albumblad“ („Albumblatt“), op. 29, in: Musik för piano af svenska tonsättare 1898 sowie Musik för hemmet, 1. Jg., 1889.


    „Valse elegiatique“, in: Musik för piano af svenska tonsättare 1892.


    „5 tondikter för pianoforte“ („Fünf Tongedichte für Klavier“), 1. „Vågornas väggsång“ („Reiselied der Wellen“), 2. „Mazurka“, 3. Vårhelsning“ („Frühlingsgruß“), 4. „Impromptu“, 5. „Minnen“ („Erinnerung“), „komponiert und dem ersten Hofkapellmeister Herrn Ludvig Norman in tiefer Dankbarkeit zugeeignet von Walborg Aulin“, Julius Bagge 1882.


    „Sju stycken för piano“ („Sieben Stücke für Klavier“),1. „Romanza“, 2. „Valse“, 3. „Elegie“, 4. „Polonaise“, 5. „Scherzo“, 6. „Caprice“, 7. „Fantasie“, op. 8, Stockholm: Elkan och Schildknecht 1884.


    Sonate für Klavier, Grande Sonate sérieuse för pour le piano, f-Moll, op. 14, 1885.


    Phantasiestück, op. 30.


    Miniature, o.J., hg. von Isolde Weiermüller-Backes, Certosa Verlag.


    Suite in d-moll, o.J.

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    „När rosorna blomma“ wurde 1895 bei der „Utställningen för kvinnlig industri“ (Kopenhagen 1895) mit einem Preis ausgezeichnet.


    Ein Verzeichnis sämtlicher im Valborg Aulins Arkiv vorhandenen und in der Statens Musikbibliotek Stockholm einsehbaren Autografen befindet sich unter http://www.muslib.se/hand/fort/aulin.html.

    Repertoire

    Da einschlägige Untersuchungen, wie etwa die Auswertung von Programmen und Pressenotizen noch ausstehen, kann zur Zeit keine zuverlässige Aussage über das Repertoire Valborg Aulins getroffen werden.

    Quellen

    George, Cecilia. „Valborg Aulin: en tonsättarbiografie“. Stockholm: Stockholms Univ., Musikvetenskapliga Institutionen, 1997.


    Helmer, Axel. Svensk solosång 1850-1890. Del 1: En genrehistorisk studie, Stockholm: Svenskt Musikhistoriskt Arkiv, 1972.


    Löndahl. Thomas. „Kvinnans erkännande som kompositör var ju drivkraften – “ („The recognition of a woman as a composer was indeed the driving force – “). CD-Booklet: Kammarmusik, Musica Sveciae MSCD 528, Stockholm 1994.


    Öhrström, Eva. „1800-talets svenska musikhistoria ur kvinnoperspektiv“. In: Kvinnovetenskaplig tidskrift, 4 (1983): 2, Stockholm, S. 32-42.


    Öhrström, Eva. „Borgerliga kvinnors musicerande i 1800-talets Sverige“ (=Skrifter från Musikvetenskapliga institutionen, Bd. 15). Göteborg, 1987.


    Öhrström, Eva. „Elfrida Andrée. Ett levnadsöde“. Stockholm: Prisma 1999.


    Schmidt, Pia. „Kvinnliga tonsättare i Sverige 1800-1935. En verkförteckning“. Högskolan i Borås. Specialarbete, 1982.


    Tegen, Martin. Musiklivet i Stockholm 1890-1910. Stockholm 1955.


    Uppström, Tore: „Pianister i Sverige“. Stockholm: Nordiska Musikförlaget, 1973.


    Nachschlagewerke

    Norlind, Tobias: Allmänt Musiklexikon, Stockholm: Wahlström & Widstrand, 1927.


    Sohlmans musiklexikon: nordisk och allmänt uppslagsverk för tonkonst, musikliv och dans, Bd. 1. Stockholm: Sohlman, 1948.


    Svenskt biografiskt lexikon, Stockholm: Beijer, 1918-2003.


    Svensk Musiktidning 1880-1913. Prepared by Kristi Lindi, with the collaboration Veslemöy Heintz, Anders Lönn. (1881, 1886, 1887, 1888, 1890, 1895, 1896, 1897, 1898, 1901, 1903).


    Wiklund, Anders. Aulin, (Laura) Valborg. In: „Die Geschichte in Musik und Gegenwart. Personenteil Bd. 1. Ludwig Finscher (Hg.). Kassel: 1999. Sp. 1180-1181.


    CD

    „Kammarmusik“ von Elfrida Andrée, Valborg Aulin, Amanda Maier, Laura Netzel und Alice Tegnér, Musica Sveciae MSCD 528, Stockholm 1994.


    Links

    http://www.muslib.se/hand/fort/aulin.html.

    Verzeichnis sämtlicher Autografe von Valborg Aulin, aufbewahrt im Valborg Aulins Arkiv und in der Statens Musikbibliotek Stockholm.


    http://www.musik.uu.se/ssm/arkiv/abstracts.html

    Forschung

    Die einzige der Autorin bekannte deutschsprachige Forschungsarbeit zu Valborg Aulin ist der von Anders Wiklund verfasste Artikel zur Musikerin (vgl. MGG, 1999, Sp. 1180-1181).

    Autographe befinden sich im Valborg Aulin Arkiv der Statens Musikbibliotek, Stockholm, die Titel s.a. http://www.muslib.se/hand/fort/aulin.html.

    Cecilia George veröffentlichte 1997 eine umfassende Forschungsarbeit, die sich auf Rezensionen und Archivmaterial stützt und Aulins Rolle im Stockholmer Musikleben beschreibt (vgl. http://www.musik.uu.se/ssm/arkiv/abstracts.html), bis dato jedoch nicht erhältlich ist.

    Forschungsbedarf

    Skandinavien scheint in der deutschsprachigen Musikgeschichte lediglich ein „Randphänomen“ zu sein. Diese Position trifft die Frauen der skandinavischen Musiklandschaft umso härter. Mit Ausnahme des MGG-Artikels liegen bislang keine deutschsprachigen Arbeiten zu Valborg Aulin vor. Einschlägige Untersuchungen zu den Kompositionen Aulins stehen auch auf internationaler Ebene noch aus. Interessant wären ferner nähere Betrachtungen zu Valborg Aulin als Konzertveranstalterin sowie die zeitgenössische Rezeption der Musikerin als Pianisten und Komponistin in Schweden, Frankreich und Deutschland.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 9703699
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 1018055142
    Library of Congress (LCCN): nr91037429
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Katrin Losleben


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 10.04.2006


    Empfohlene Zitierweise

    Katrin Losleben, Artikel „Valborg Aulin“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 10.4.2006.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Valborg_Aulin