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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Therese Meyer
    Geburtsname: Therese David
    Varianten: Therese Meyer-David
    Lebensdaten:
    geb. um in Hamburg,
    gest. nach

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „In der am 27. November von Mad. Therese Meyer, geb. David (Schwester des Leipziger Violinisten und der Londoner Claviervirtuosin Mad. Dulken) veranstalteten musikalischen Soirée gab diese sich als vorzügliche Pianistin kund.“


    („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 22. Dezember 1847, Sp. 889)


    Profil

    Die Pianistin und Musikpädagogin Therese Meyer, geb. David, war die jüngste Schwester des Geigers Ferdinand David und der Pianistin Louise Dulcken. Therese Meyer wurde im Umfeld der Hamburger Singakademie ausgebildet und konnte sich anschließend im Hamburger Musikleben als Solistin und Musikpädagogin etablieren. Nachdem sie mehrere Jahre in London an der „Academy for Young Pianoforte-Players“ ihrer Schwester Louise Dulcken unterrichtet hatte, kehrte sie ca. 1848 nach Hamburg zurück und gründete dort ein eigenes Musikinstitut, das mehr als zwanzig Jahre lang Bestand hatte.

    Orte und Länder

    Therese David wurde in Hamburg geboren und wuchs dort auf. Spätestens ab Anfang der 1840er Jahre bis ca. 1846 lebte sie in London und kehrte anschließend nach Hamburg zurück, wo sie bis mindestens 1868 ihren Wohnsitz hatte und ein eigenes Musik-Institut leitete.

    Biografie

    Therese Meyer, geb. David, wurde um das Jahr 1815 als Tochter des Hamburger Kaufmanns David Salomon David (gest. 1830) und seiner Frau Henriette David, geb. Hertz, (1785-1844) geboren. Sie war die jüngste Schwester des Geigers Ferdinand David (geb. 1810) und der Pianistin Louise Dulcken (geb. 1811). Therese Meyer erhielt vermutlich von klein auf privat eine fundierte musikalische Ausbildung, u. a. im Fach Klavier, und wurde dabei vermutlich im Umfeld der Hamburger Singakademie unterrichtet, deren Gründer Friedrich Wilhelm Grund auch ihre Schwester Louise Dulcken ausgebildet hatte.


    Therese Davids Lebensweg ist – anders als der ihrer beiden Geschwister Louise Dulcken und Isabella Dulcken – nur rudimentär nachzuvollziehen. Am 13. Februar 1836 trat sie als Solistin in den Hamburger Philharmonischen Konzerten auf und übernahm dort den Klavierpart in Ludwig van Beethovens Chorfantasie c-Moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester. Der Chor der Aufführung bestand aus so genannten „Dilettanten“ der Musikakademie unter der Leitung von Friedrich Wilhelm Grund. Die „Neue Zeitschrift für Musik“ schrieb über die Pianistin: „Diesmal wurde die Ausführung [des Klavierparts] Fräulein Therese David, einer talentvollen jungen Clavierspielerin anvertraut, die auch, zumal da ihr ein Instrument von sehr schönem Tone zu Gebote stand, nach besten Kräften leistete, was von ihren Fähigkeiten zu verlangen war, und mit großer Fertigkeit und Delicatesse verfuhr.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 4. März 1836, S. 82) Im Juni 1839 nahm Therese Meyer – noch unter dem Namen Therese David – als Chorsängerin am Ersten Norddeutschen Musikfest teil, das die Städte Bremen, Hamburg und Lübeck gemeinsam veranstalteten (s. Gathy 1840, S. 103).


    Ab Anfang der 1840er Jahre lebte Therese Meyer in London und unterrichtete an der „Academy for Young Pianoforte Players“, die ihre Schwester Louise Dulcken dort gegründet hatte, wie aus einer Anzeige der „Times“ hervorgeht: „Madame Dulcken, pianiste to Her Majesty, begs to inform the nobility and gentry that her ACADEMY for young pianoforte players has recommenced, and will be held on Tuesdays and Fridays, at 2 o’clock, at Madame Dulcken’s residence. Madame Dulcken will be assisted by her sister, Mdlle. David, the Misses Pooley, Orger, &c. [...] Madame Dulcken’s, 8, Somerset-street, Portman-square.“ („Madame Dulcken, Hofpianistin, erlaubt sich, den Stadt- und Landadel in Kenntnis zu setzen, dass ihre Akademie für junge Klavierspieler wieder begonnen hat und jeweils dienstags und freitags um 2 Uhr in ihrem Haus stattfinden wird. Madame Dulcken wird von ihrer Schwester, Mdlle. David, und den Misses Pooley, Orger, &c unterstützt. [...] Madame Dulcken’s, 8, Somerset-street, Portman-square.“; „The Times“ vom 18. Januar 1843, S. 3)


    Im Frühjahr 1845 heiratete Therese Meyer, geb. David, den Klarinettisten Eduard Meyer, den sie vermutlich im Londoner Umfeld kennen gelernt hatte (vgl. „The Musical World“ vom 24. April 1845, S. 192), und trat in der Folgezeit mehrfach öffentlich auf. So spielte Therese Meyer z. B. am 16. Mai bei einem Konzert der Sängerin Harriet Fiddes in London gemeinsam mit ihrem Mann Carl Maria von Webers „Grand Duo Concertant“ für Klarinette und Klavier Es-Dur op. 48. Die „Musical World“ berichtete: „The Evening Concert of Mrs. John Fiddes [...], on Friday, the 16th ult., attracted a crowded audience. [...] We omitted to mention a duet of Weber, for clarionet and piano, admirably performed by Herr Edouard Meyer and Madame Meyer, [...] niece to the eminent pianist, Madame Dulcken.“ („Das Abendkonzert von Mrs. John Fiddes [...] am Freitag, dem 16. vergangenen Monats, zog ein großes Publikum an. [...] Wir haben versäumt ein Duo von Weber für Klarinette und Klavier zu erwähnen, wunderbar gespielt von Herrn Edouard Meyer und Madame Meyer, [...] der Nichte der herausragenden Pianistin Madame Dulcken.“; „The Musical World“ vom 19. Juni 1845, S. 296)


    In den Jahren 1847/48 ließen sich Therese Meyer und ihr Mann in Hamburg nieder. Dort veranstaltete Therese Meyer am 27. November 1847 eine musikalische Soirée in der Hamburger Tonhalle, die wenige Jahre zuvor mit mehreren Konzertsälen am Neuen Wall eingeweiht worden war. Auf dem Programm standen u. a. Ludwig van Beethovens Klavierquintett für Klavier und Bläser Es-Dur op. 16 sowie ein Duo für Klavier und Harfe des Hamburger Harfenisten Johann Nicolaus Schaller, das Therese Meyer gemeinsam mit dem Komponisten vortrug. Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ rezensierte: „In der am 27. November von Mad. Therese Meyer, geb. David (Schwester des Leipziger Violinisten und der Londoner Claviervirtuosin Mad. Dulken) veranstalteten musikalischen Soirée gab diese sich als vorzügliche Pianistin kund. Das interessante Programm enthielt u. a. Beethoven’s Quintett für Pianoforte und Blasinstrumente, und ein Duo concertant für Pianoforte und Harfe, in welchem letzteren namentlich der als Harfenist so ausgezeichnete hiesige Künstler Herr Schaller Gelegenheit hatte, sein eminentes Talent in vollem Glanze zu zeigen.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 22. Dezember 1847, Sp. 889) An diesem Konzert wirkte auch der damals 15jährige Johannes Brahms mit, der gemeinsam mit Therese Meyer ein Klavierduo von Sigismund Thalberg spielte. Die Hamburger Lokalzeitung „Der Freischütz“ berichtete: „Dieses Duo, von der Konzertgeberin und dem erst neulich mit so entschiedenem Glücke öffentlich aufgetretenen jungen Pianisten Bruns [recte Brahms] ausgeführt, effektuierte erwünscht und wurde mit rühmenswerter Übereinstimmung und Fertigkeit ausgeführt.“ („Der Freischütz“, zit. n. Kross 1997, S. 46)


    In den folgenden zwanzig Jahren leitete Therese Meyer in Hamburg ein „Institut für Pianoforte-Spieler“, das von 1849 bis 1868 kontinuierlich in den Hamburger Adressbüchern verzeichnet ist. Das Institut befand sich zunächst in den Großen Bleichen Nr. 13, wie z. B. im Adressbuch Hamburg 1850 vermerkt: „Meyer, E., Madame, geb. Therese David, Institut für Pianoforte-Spieler, gr. Bleichen no 13 [...] // Meyer, Eduard, Musiklehrer, gr. Bleichen 13“ (Hamburgisches Adressbuch für 1850. Personen- und Firmenverzeichnis). Ab 1853 war das Institut am Neuen Wall 9 angesiedelt, zog 1855 in die Alster-Arkaden 10 um, befand sich 1867 in den Alsterglacis 10, und 1868 lautete der Eintrag im Adressbuch: „Meyer, Therese. Musik=Institut, Uhlenhorst, schöne Aussicht, gleich rechts“ (Hamburgisches Adressbuch für 1868. Personen- und Firmenverzeichnis).


    Ab 1869 ist Therese Meyer nicht mehr in den Hamburgischen Adressbüchern verzeichnet. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.


    Im Jahr 1892 erschien im Hamburger Musikverlag Benjamin unter dem Namen Therese Meyer ein Walzer für Klavier mit dem Titel „Mein Liebling“. Ob es sich bei der Komponistin um Therese Meyer, geb. David, handelt, ist ungeklärt.

    Rezeption

    Der Musikwissenschaft ist Therese Meyer bis heute vor allem durch eine Soirée bekannt, die sie im November 1847 in der Hamburger Tonhalle veranstaltete, und in der der 14jährige Johannes Brahms gemeinsam mit ihr ein Duo für zwei Klaviere aufführte (vgl. Kross 1997, S. 46).

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Meyer, Therese. Mein Liebling. Walzer für Klavier. Hamburg: Benjamin, 1892.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Therese Meyer kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Chorfantasie c-Moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester

    Beethoven, Ludwig van. Klavierquintett für Klavier und Bläser Es-Dur op. 16


    Schaller, Johann Nicolaus. Duo für Klavier und Harfe (keine Präzisierung möglich)


    Thalberg, Sigismund. Duo für zwei Klaviere (keine Präzisierung möglich)


    Weber, Carl Maria von. Grand Duo Concertant für Klarinette und Klavier Es-Dur op. 48

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Dulcken, Louise“. In: Musikalisches Conversations-Lexikon. Enzyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete. Hg. v. August Gathy, 2. Aufl., Hamburg: Niemeyer, 1840.


    Gathy, August. Erinnerungen an das Erste Norddeutsche Musikfest. Hamburg: Niemeyer, 1840.


    Hamburgische Adressbücher. Digitalisate online: http://agora.sub.uni-hamburg.de/subhh-adress/digbib/start (Stand: 21. Januar 2013).


    Kross, Siegried. Johannes Brahms: Versuch einer kritischen Dokumentarbiographie. Bonn: Bouvier, 1997.


    Herold, Anja: Artikel „Dulcken, Familie“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Instituts, hg. v. Freia Hoffmann, http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 5. Dezember 2012).



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 22. Dezember 1847, Sp. 889


    Neue Zeitschrift für Musik vom 4. März 1836, S. 82.


    The Musical World vom 24. April 1845, S. 192.

    The Musical World vom 19. Juni 1845, S. 296.


    The Times vom 18. Januar 1843, S. 3.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 21. Januar 2013)

    Anja Herold verweist in ihrem Artikel über die Familie Dulcken im Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts auch auf Therese Meyer.

    Forschung

    Zu Therese Meyer, geb. David, liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Therese Meyer umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten, ihre Kontakte innerhalb des europäischen Musiklebens sowie ihren Schülerinnen- und Schülerkreis.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Therese Meyer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Therese_Meyer