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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Thelma Reiss
    Ehename: Thelma Reiss-Smith
    Lebensdaten:
    geb. in Plymouth, England
    gest. in Aldeburgh, England

    Die Nachnamen von Thelma Reiss bzw. Thelma Reiss-Smith sind unklar. 1920, also mit 14 Jahren, wird sie in Rezensionen Thelma Reiss-Smith genannt, erst in späteren Jahren Thelma Reiss.
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin, Solistin, Kammermusikerin
    Charakterisierender Satz:

    „Whatever Miss Thelma Reiss’s playing lacked in size and vehemence […] was amply compensated for by the beauty of her tone and by her phrasing, which is of that rare, intuitively musical kind that can transform even a small (quantatively) performance into a distinguished one.”


    („Was immer dem Spiel von Miss Thelma Reiss an Größe und Temperament fehlte […], wurde vollständig durch die Schönheit ihres Tons aufgewogen und durch ihre Phrasierung, die von jener seltenen, intuitiv musikalischen Art ist, die selbst einen (quantitativ) kleinen Auftritt in einen bedeutsamen verwandelt.“)


    („The Times London“ vom 12. November 1951, S. 8)


    Profil

    Thelma Reiss studierte mit einem Stipendium am Royal College of Music in London bei Ivor James und konnte sich anschließend als Cellistin im englischen Musikleben etablieren. Bis 1952 gab sie regelmäßig Soloabende und konzertierte als Solistin mit den großen Orchestern Englands unter Dirigenten wie Sir Adrian Boult, Sir Henry Wood und John Barbirolli. Zu ihrem Repertoire zählten vorrangig die klassisch-romantischen Werke wie z. B. die Violoncellokonzerte von Joseph Haydn, Camille Saint-Saëns, Edward Elgar sowie das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms. Thelma Reiss wandte sich jedoch auch aktuellen Kompositionen zu: Sie spielte die Uraufführung eines Doppelkonzertes von Emmanuel Moor und Violoncellowerke von John Ireland. Ihre Interpretation von Artur Honeggers Violoncellosonate wurde legendär. Während des Zweiten Weltkriegs trat Thelma Reiss in den von Myra Hess organisierten „War Times Concerts“ in der Londoner National Gallery auf und gab von 1928 bis mindestens 1947 regelmäßig Rundfunkkonzerte bei der BBC. Im Jahr 1955 zog sich Thelma Reiss aus unbekannten Gründen vollständig aus dem öffentlichen Musikleben zurück und lebte in Aldeburgh im englischen Suffolk.

    Orte und Länder

    Thelma Reiss wurde in Plymouth, England, geboren. Um 1920 erhielt sie ein Stipendium des Royal College of Music in London und lebte dort bis ca. 1952. Danach zog sie sich nach Aldeburgh zurück, wo sie bis zu ihrem Tod ihren Wohnsitz beibehielt.


    Thelma Reiss konzertierte vermutlich überwiegend in England. Kleinere Konzertreisen führten sie u. a. nach Spanien, Estland und Deutschland.

    Biografie

    Thelma Reiss wurde am 2. Juli 1906 in Plymouth, England, geboren. Ihr Vater diente in der Royal Navy, ihre Mutter arbeitete als Gesangs- und Violinlehrerin. Im Alter von sechs Jahren erhielt Thelma Reiss ihren ersten Unterricht im Violoncellospiel von einem Cellisten der Royal Marines Band in Plymouth und spielte bereits ein Jahr später eines der Violoncellokonzerte von Georg Goltermann in einem öffentlichen Konzert. In den folgenden Jahren trat sie als so genanntes „Wunderkind“ in verschiedenen Städten Westenglands auf (vgl. Campbell 1988, S. 252) und interpretierte z. B. im Mai 1920 bei einem Konzert der „Plymouth Y.M.C.A.“ einige Solostücke (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1920, S. 419).


    Anfang der 1920er Jahre erhielt Thelma Reiss ein Stipendium des Londoner „Patron’s Fund“, das ihr ein Violoncellostudium am Londoner Royal College of Music bei Ivor James ermöglichte. Kurz nach Abschluss ihres Studiums, am 2. Juni 1927, wurde sie im Rahmen ihres Stipendiums – beim so genannten „Patron’s Fund rehearsal“ – für ein Solospiel mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Malcolm Sargent ausgewählt und trat mit Antonín Dvořáks Violoncellokonzert h-Moll, op. 104, auf. „The Musical Times” berichtete darüber: „Miss Thelma Reiss-Smith […] made an excellent impression in the Dvořák Concerto – one of the most formidable tasks that a cellist can undertake. Blest with a beautiful tone and finely equipped musically and artistically, and skilfully assisted by Dr. Malcolm Sargent, who conducted, and the London Symphony Orchestra, Miss Reiss-Smith proved herself to be endowed with a full share of the qualities that foreshadow the first-class artist.” („Miss Thelma Reiss-Smith […] machte einen hervorragenden Eindruck im Dvořák-Konzert – eine der anspruchsvollsten Aufgaben, denen sich ein Cellist stellen kann. Gesegnet mit einem schönen Ton, musikalisch und künstlerisch feinsinnig ausgerüstet und geschickt von Dr. Malcolm Sargent, der dirigierte, und dem London Symphony Orchestra unterstützt, bewies Miss Reiss-Smith, dass sie all jene Qualitäten besitzt, die die erstklassige Künstlerin bereits erahnen lassen.“ „The Musical Times“ vom 1. Juli 1927, S. 645) Parallel zu weiteren Konzerten gelang Thelma Reiss in dieser Zeit auch der Einstieg bei der BBC. So trat sie z. B. am 17. April 1928 bei einem Rundfunkkonzert mit Orchestermusik aus dem Savoy Hotel als Solistin auf (vgl. „The Times London“ vom 17. April 1928, S. 5).


    Durch eine Typhuserkrankung im gleichen Jahr verzögerte sich jedoch ihr offizielles Debüt im Londoner Musikleben. Erst im Oktober 1930 gab Thelma Reiss ihren ersten eigenen Soloabend in der Londoner Wigmore Hall, gemeinsam mit der Pianistin Joan Black. Auf dem Programm standen u. a. das Violoncellokonzert e-Moll, op. 85, von Edward Elgar und die Violoncellosonate von Frederick Delius. Ein Rezensent der „London Times“ schrieb über das Konzert: „the delicate parts were beautifully played and she [Thelma Reiss] had her own interpretation obviously founded on a strong personal liking of the music. […] the playing was everywhere assured, enthusiastic, and thoroughly musical.” („die empfindsamen Stellen wurden schön gespielt und sie [Thelma Reiss] hatte offenkundig ihre eigene Interpration auf der Basis einer starken persönlichen Nähe zu dieser Musik gefunden. […] das Spiel war jederzeit sicher, leidenschaftlich und uneingeschränkt musikalisch.“ „The Times London“ vom 20. Oktober 1930, S. 12). In den folgenden Jahren waren die Auftritte von Thelma Reiss ein fester Bestandteil des britischen Musiklebens. Sie gab zahlreiche Soloabende, zumeist in der Londonder Wigmore Hall, musizierte in Kammermusikensembles und konzertierte mit den großen Orchestern Englands unter Dirigenten wie Sir Adrian Boult, Sir Henry Wood und John Barbirolli. Dabei spielte sie sowohl das klassisch-romantische Solorepertoire als auch Werke zeitgenössischer Komponisten. So konzertierte sie z. B. im Mai 1931 in Bournemouth gemeinsam mit dem Cellisten Sheridan Russell und dem Bournemouth Municipal Orchestra im Violoncello-Doppelkonzert von Emmanuel Moor und debütierte im September 1931 in den Londoner Promenade Concerts mit dem Violoncellokonzert von Edward Elgar unter der Leitung von Sir Henry Wood. Auch hier wurde ihr von der Presse an erster Stelle eine hohe Musikalität bescheinigt: „A new feeling […] quickly made itself felt at the opening of the violoncello concerto, which was played by Miss Thelma Reiss-Smith, a young violoncellist of great promise. […] The performance was, in fact, ‚young,’ not tentative but incomplete; and it was certainly musical.” („Ein neues Gefühl war rasch zu Beginn des Violoncellokonzertes zu spüren, das von Miss Thelma Reiss-Smith gespielt wurde, einer jungen, vielversprechenden Cellistin. […] Die Interpretation war tatsächlich ‚jung‘, nicht provisorisch, aber unvollendet; und sie war mit Sicherheit musikalisch.“ „The Times London” vom 2. Oktober 1931, S. 10) Im Januar 1932 trat Thelma Reiss im Rahmen eines Konzertes, das den Werken John Irelands gewidmet war, mit dessen Violoncellosonate g-Moll auf (vgl. „The Times London“ vom 16. Januar 1932, S. 8) und spielte bei einem Soloabend im November 1932 in der Londoner Wigmore Hall neben der Solosuite C-Dur, BWV 1009, von Johann Sebastian Bach und einer Sonate von Luigi Boccherini auch die Violoncellosonate von Arthur Honegger: „Honegger’s sonata for violoncello and pianoforte […] contains, amid much that is wilful and far-fetched, some charming music, whose quality the recitalist fully realized for us. […] Miss Reiss-Smith is an accomplished violoncellist, capable of doing justice to Bach’s unaccompanied Suite in C major and to the exacting virtuosity of Boccherini”. („Honeggers Sonate für Violoncello und Klavier, enthält, unter vielem, das halsstarrig und weit her geholt ist, reizvolle Musik, deren Qualität uns die Solistin vollständig nahe bringen konnte. […] Miss Reiss-Smith ist eine versierte Cellistin, die Bachs Solosuite C-Dur ebenso wie der anspruchsvollen Virtuosität Boccherinis gerecht werden konnte“. „The Times London” vom 14. November 1932, S. 10)

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    In den folgenden Jahren konzertierte Thelma Reiss regelmäßig in London. Sie trat u. a. im März 1934 gemeinsam mit der Pianistin Harriet Cohen in einem Soloabend auf – mit Arnold Bax’ Violoncellosonatine d-Moll, Ludwig van Beethovens „Sieben Variationen Es-Dur über das Thema ‚Bei Männern, welche Liebe fühlen‘ aus Mozarts ‚Zauberflöte‘„ (WoO 46) sowie der Violoncellosonate von Gaspar Cassadó –, spielte am 3. September 1935 in einem der Promenade Concerts, das dem „Centenary of Saint-Saëns“ gewidmet war, dessen Violoncellokonzert a-Moll, op. 33, unter der Leitung von Sir Henry Wood und wirkte im Februar 1936 bei einem von Malcolm Sargent veranstalteten Kinderkonzert in der Central Hall im Violoncellokonzert C-Dur, Hob. VIIb:1, von Joseph Haydn mit (vgl. „The Times London“ vom 9. März 1934, S. 12; vom 4. September 1935, S. 10; vom 3. Februar 1936, S. 8). Im August 1937 gab Thelma Reiss das Doppelkonzert a-Moll, op. 102, von Johannes Brahms gemeinsam mit der Geigerin Eda Kersey unter der Leitung von Sir Henry Wood (vgl. „The Times London“ vom 19. August 1937, S. 10) und trat am 23. Februar 1939 in der englischen Erstaufführung der Sinfonietta op. 83 für Violine, Viola, Violoncello und Orchester von Felix Weingartner gemeinsam mit Arthur Catterall, Bernard Shore und dem London Symphony Orchestra unter der Leitung des Komponisten auf; im gleichen Konzert spielte sie nochmals das Brahmssche Doppelkonzert, diesmal gemeinsam mit dem Geiger Arthur Catterall (vgl. „The Times London“ vom 24. Februar 1939, S. 14). Im August 1939 konzertierte Thelma Reiss bei einem der Promenade Concerts mit den „Rokoko-Variationen“ A-Dur, op. 33, von Peter I. Tschaikowsky unter der Leitung von Francis Russell („The Times London” vom 14. August 1939, S. 8).


    Neben den Londoner Auftritten konzertierte Thelma Reiss auch in anderen Städten Großbritanniens, u. a. bei zahlreichen Festivals, sowie auf dem europäischen Kontinent. So spielte sie z. B. im Februar 1932 das Violoncellokonzert D-Dur, Hob. VIIb:2, von Joseph Haydn mit dem BBC Orchestra unter der Leitung von Adrian Boult beim Haydn-Festival in Oxford („The Times London“ vom 25. Februar 1932, S. 12) und konzertierte im April 1933 beim Torquay Festival mit einem der Violoncellokonzerte von Luigi Boccherini unter der Leitung von John Barbirolli. Die „London Times“ schrieb über das Konzert: „The solo player in this concert was Miss Thelma Reiss-Smith, whose playing of Boccherini’s Concerto for Violoncello was remarkable for its technical brilliance and for a certain air of elegance preserved even throughout its most elaborate passages. […] She showed herself a highly accomplished and finely tempered musician.” („Die Solistin des Konzertes war Miss Thelma Reiss-Smith, deren Spiel von Boccherinis Violoncellokonzert hinsichtlich der technischen Brillianz und einer bestimmten Eleganz, die sie auch in den schwierigen Passagen beibehielt, bemerkenswert war. […] Sie zeigte sich als eine hochgradig versierte und feinsinnig ausgewogene Musikerin.“ „The Times London” vom 28. April 1933, S. 12). Beim „Three Choirs Festival“, das jeweils im September in Worcester veranstaltet wurde, interpretierte Thelma Reiss 1935 Edward Elgars Violoncellokonzert e-Moll, op. 85 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. September 1935, S. 797), konzertierte 1936 im Klaviertrio mit der Pianistin Myra Hess und dem Violinisten Albert Sammons und spielte – ebenfalls 1936 – die Uraufführung eines Violoncellokonzerts von George Dyson. Auch hier wurde ihre Interpretation zeitgenössischer Musik von der Presse hervorgehoben: „Miss Thelma Reiss found just the right spirit for commending the work to the audience: virile, flexible, not too portentous.“ („Miss Thelma Reiss fand genau das richtige Maß an Lebendigkeit, um das Werk dem Publikum nahe zu bringen: kraftvoll, beweglich und nicht zu bedeutungsschwer.“ „The Musical Times“ vom 1. Oktober 1936, S. 942). Am 11. April 1937 trat Thelma Reiss nochmals mit Edward Elgars Violoncellokonzert e-Moll gemeinsam mit dem Irish Free State Broadcasting Orchestra unter der Leitung von Sir Adrian Boult im Gaiety Theatre in Dublin auf („The Times London“ vom 17. März 1937, S. 14).


    Zudem unternahm Thelma Reiss mehrere Konzertreisen, über die jedoch bislang lediglich vereinzelte Daten bekannt sind. So trat sie z. B. in der Saison 1936/37 im estländischen Talinn mit Werken von Johann Sebastian Bach und einer Sonatine von Arnold Bax auf (vgl. „The Musical Times“ vom 1. August 1937, S. 749), bereiste Spanien mit Konzerten u. a. in Madrid (Campbell, S. 253) und gab während der NS-Zeit mehrfach Konzerte in Deutschland, so z. B. im März 1937 in Hamburg (Campbell, S. 254) sowie 1939 in Ludwigshafen mit Joseph Haydns Violoncellokonzert D-Dur unter der Leitung von Ernst Böhme.


    Während des Zweiten Weltkriegs war Thelma Reiss regelmäßig zu Gast in den von der Pianistin Myra Hess organisierten „War Time Concerts“ in der Londoner National Gallery. In diesem Rahmen spielte sie z. B. im Januar 1940 die Violoncellosonate g-Moll, op. 65, von Frédéric Chopin und die Violoncellosonate A-Dur, op. 69, von Ludwig van Beethoven. Im August 1941 folgte dort ein Konzert gemeinsam mit dem Pianisten Angus Morrison, bei dem u. a. die Violoncellosonate e-Moll, op. 38, von Johannes Brahms sowie nochmals die A-Dur-Sonate von Ludwig van Beethoven erklangen: „Miss Thelma Reiss and Mr. Angus Morrison bring complementary qualities to the playing of duet sonatas. Miss Reiss has always been a lyrical, Mr. Morrison a thoughtful player. Both have a sure sense of style. Their cooperation, such as was shown yesterday in Brahms’s E minor and Beethoven’s A major sonatas, is very satisfying to a fastidious ear.” („Miss Thelma Reiss und Mr. Angus Morrison ergänzen sich beim Spiel von Duosonaten in ihren Fähigkeiten. Miss Reiss war schon immer eine poetische Interpretin, Mr. Morrion ein analytischer Interpret. Beide haben ein sicheres Gefühl für Stilistik. Ihr Zusammenspiel, wie es gestern in Brahms‘ e-Moll- und Beethovens A-Dur-Sonate gezeigt wurde, war für den anspruchsvollen Hörer sehr befriedigend.“ „The Times London“ vom 23. August 1941, S. 8). Auch als Solistin war Thelma Reiss während des Krieges präsent. So spielte sie z. B. im Juni 1941 im Londoner Coliseum Antonín Dvořáks Violoncellokonzert h-Moll, op. 104, gemeinsam mit dem London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Malcolm Sargent (vgl. „The Times London“ vom 13. Juni 1941, S. 6).


    Von 1928 bis 1947 trat Thelma Reiss regelmäßig in Rundfunkkonzerten der BBC sowohl als Solistin mit diversen Orchestern als auch in kammermusikalischen Besetzungen auf. Sie spielte u. a. gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern wie den Pianistinnen und Pianisten Joan Black, Kathleen Frazier, Ivor Newton, Angus Morrison, Henry Bronkhurst und John Hunt, der Sängerin Eleanor Kaufman und dem Pianisten und Komponisten John Ireland. Mehrfach konzertierte sie im Rundfunk mit Orchestern wie dem Bournemouth Municipal Orchestra (Leitung: Sir Dan Godfrey), dem BBC Orchestra (Leitung: Malcolm Sargent) und dem Norwich Philharmonic Orchestra (Leitung: Heathcote Statham). Eine Besonderheit ihrer Arbeit bei der BBC lag dabei in der zusammenhängenden Darbietung verschiedener Werkgruppen an aufeinanderfolgenden Tagen. So spielte sie z. B. gemeinsam mit der Pianistin Joan Black am 3., 4. und 5. Februar 1931 Violoncellosonaten von Ludwig van Beethoven und gab am 5., 6., 7. und 8. Dezember 1933 einige der Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach (vgl. „The Times London“ vom 3., 4. und 5. Februar 1931; vom 5., 6., 7., 8. Dezember 1933). Trotz ihrer zahlreichen Rundfunkauftritte ist von Thelma Reiss lediglich eine einzige Aufnahme im National Sound Archive der British Library vorhanden. Es handelt sich dabei um ein Minuet und Trio von Willem de Fesch.


    Thelma Reiss trat bis 1952 weiterhin regelmäßig sowohl als Solistin wie als Kammermusikerin auf. Am 13. September 1947 gestaltete sie gemeinsam mit dem Pianisten Rex Stephens einen Soloabend in der Londoner Wigmore Hall, bei dem u. a. die Sonate e-Moll, op. 38, von Johannes Brahms, eine Sonate G-Dur von Giovanni Battista Sammartini sowie die Violoncellosonate von Arthur Honegger erklangen, und spielte ein gutes Jahr später, am 24. November 1948, wiederum in der Wigmore Hall ein Soloprogramm mit Gerald Moore als Klavierbegleiter (vgl. „The Times London“ vom 13. September 1947, S. 8; vom 24. November 1948, S. 8). Am 29. August 1950 trat sie nochmals mit dem Violoncellokonzert von Edward Elgar zusammen mit dem Birmingham Symphony Orchestra auf (vgl. „The Times London“ vom 29. August 1950, S. 6). Über einen Soloabend im November 1951, bei dem Thelma Reiss in der Londoner Wigmore Hall u. a. Sonaten von Johannes Brahms, Claude Debussy und Felix Mendelssohn Bartholdy interpretierte, schrieb die „London Times“: „Whatever Miss Thelma Reiss’s playing lacked in size and vehemence […] was amply compensated for by the beauty of her tone and by her phrasing, which is of that rare, intuitively musical kind that can transform even a small (quantatively) performance into a distinguished one.” („Was immer dem Spiel von Miss Thelma Reiss an Größe und Temperament fehlte […] wurde vollständig durch die Schönheit ihres Tons aufgewogen und durch ihre Phrasierung, die von jener seltenen, intuitiv musikalischen Art ist, die selbst einen (quantitativ) kleinen Auftritt in einen bedeutsamen verwandelt.“ „The Times London“ vom 12. November 1951, S. 8) Der letzte nachweisbare Auftritt von Thelma Reiss fand im Oktober 1952 statt.


    Im Jahr 1955 beendete Thelma Reiss aus unbekannten Gründen ihre Laufbahn als Cellistin und zog sich nach Suffolk zurück. Sie starb am 17. September 1991 in Aldeburgh, England.

    Würdigung

    Thelma Reiss war über 25 Jahre lang als Cellistin im britischen Musikleben etabliert. Dabei konzertierte sie sowohl mit den großen Londoner Orchestern als auch regelmäßig mit den kleineren städtischen Orchestern Großbritanniens und spielte zugleich in zahlreichen kammermusikalischen Besetzungen. Von Anbeginn wurde dabei in Rezensionen immer wieder ihre ausgeprägte Musikalität hervorgehoben. Eine angemessene Würdigung ihrer Tätigkeiten wird jedoch erst nach weiteren Forschungen möglich sein.

    Rezeption

    Eine Rezeption der künstlerischen Laufbahn von Thelma Reiss findet derzeit kaum statt (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“). Lediglich Margaret Campbell hat in ihrem Buch „The great cellists“ (London 1988) auch einen Abschnitt über Thelma Reiss veröffentlicht.

    Werkverzeichnis

    Von Thelma Reiss sind keine Werke bekannt.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Thelma Reiss kann zur Zeit (Juli 2008) aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen wurden bislang Aufführungen der folgenden Werke:


    Bach, Johann Sebastian. Suite für Violoncello solo C-Dur, BWV 1009

    Bax, Arnold. Sonatine für Violoncello und Klavier d-Moll

    Beethoven, Ludwig van. Sieben Variationen in Es-Dur über das Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen” aus Mozarts „Zauberflöte“, WoO 46

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Violoncello und Klavier A-Dur, op. 69

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur, op. 102

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll, op. 5 Nr. 2

    Boccherini, Luigi. Konzert für Violoncello und Orchester (keine Präzisierung möglich)

    Boccherini, Luigi. Sonate für Violoncello und Klavier (keine Präzisierung möglich)

    Brahms, Johannes. Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll, op. 102

    Brahms, Johannes. Sonate für Klavier und Violoncello e-Moll, op. 38

    Cassadó, Gaspar. Sonate für Violoncello und Klavier

    Chopin, Frédéric. Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll, op. 65

    Debussy,Claude. Sonate für Violoncello und Klavier

    Delius, Frederick. Sonate für Violoncello und Klavier (1916)

    Dvořák, Antonín. Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll, op. 104

    Dyson, George. Konzert für Violoncello und Orchester (Uraufführung)

    Elgar, Edward. Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll, op. 85

    Fesch, Willem de. Minuet und Trio

    Goltermann, Georg. Konzert für Violoncello und Orchester (keine Präzisierung möglich)

    Haydn, Joseph. Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur, Hob. VIIb:1

    Haydn, Joseph. Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur, Hob. VIIb:2

    Honegger, Arthur. Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll

    Ireland, John. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)

    Ireland, John. Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Sonate für Violoncello und Klavier (keine Präzisierung möglich)

    Moor, Emmanuel. Doppelkonzert für zwei Violoncelli und Orchester

    Saint-Saëns, Camille. Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll, op. 33

    Sammartini, Giovanni Battista. Sonate für Violoncello und Klavier G-Dur

    Tschaikowsky, Peter I. Rokoko-Variationen A-Dur, op. 33

    Weingartner, Felix. Sinfonietta für Violine, Viola, Violoncello und Orchester op. 83

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Reiss, Thelma“. In: British Music. R. Palmer (Hg.). 1948 (verfügbar in wbis – world biographical information system)


    Campbell, Margaret. The Great Cellists. London: Victor Gollancz Ltd., 1988.


    Stevenson, Joseph. Artikel „Thelma Reiss”. In: All Music Guide: http://www.answers.com/topic/thelma-reiss?cat=entertainment (Stand: 15. Mai 2008).


    Supplement to the 1991 Obituary Index. In: Notes 49 (1993), Nr. 4, S. 1399-1401.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    The Musical Times vom 1. Juni 1920, S. 419.

    The Musical Times vom 1. Juli 1927, S. 645.

    The Musical Times vom 1. September 1935, S. 797.

    The Musical Times vom 1. Oktober 1936, S. 942.

    The Musical Times vom 1. August 1937, S. 749


    The Times London vom 17. April 1928, S. 5.

    The Times London vom 20. Oktober 1930, S. 12.

    The Times London vom 17. Juni 1931, S. 12.

    The Times London vom 2. Oktober 1931, S. 10.

    The Times London vom 2. November 1931, S. 7.

    The Times London vom 16. Januar 1932, S. 8.

    The Times London vom 25. Februar 1932, S. 12

    The Times London vom 7. November 1932, S. 12; 17.

    The Times London vom 14. November 1932, S. 10.

    The Times London vom 29. März 1933, S. 12.

    The Times London vom 28. April 1933, S. 12.

    The Times London vom 9. März 1934, S. 12.

    The Times London vom 23. April 1934, S. 10.

    The Times London vom 11. Februar 1935, S. 12.

    The Times London vom 26. Februar 1935, S. 17.

    The Times London vom 29. Juni 1935, S. 27.

    The Times London vom 4. September 1935, S. 10.

    The Times London vom 3. Februar 1936, S. 8.

    The Times London vom 17. März 1937, S. 14.

    The Times London vom 19. August 1937, S. 10.

    The Times London vom 20. Februar 1939, S. 8.

    The Times London vom 24. Februar 1939, S. 14.

    The Times London vom 14. August 1939, S. 8.

    The Times London vom 11. Januar 1940, S. 4.

    The Times London vom 9. Juni 1941, S. 8.

    The Times London vom 13. Juni 1941, S. 6.

    The Times London vom 23. August 1941, S. 8.

    The Times London vom 13. September 1947, S. 8.

    The Times London vom 24. November 1948, S. 8.

    The Times London vom 29. August 1950, S. 6

    The Times London vom 12. November 1951, S. 8.


    Zu Rundfunkprogrammen siehe „The Times London“ unter der Rubrik „Broadcasting“, vom 3., 4. und 5. Februar 1931; 9. Juni 1931; 17. Juni 1931; 2. November 1931; 29. März 1933; 5.,6.,7.,8. Dezember 1933; 7. März 1934; 29. Juni 1935; 18. September 1935; 11. Oktober 1935; 11. August 1936; 30. März 1937; 6. April 1938; 1. Dezember 1938; 24. April 1939; 28. November 1939; 21. April 1943; 15. November 1947.



    Links


    http://www.answers.com/topic/thelma-reiss?cat=entertainment

    Die Website „All Music Guide“ stellt eine kurze Biografie von Thelma Reiss zur Verfügung.


    http://www.bl.uk/collections/sound-archive/cat.html

    Im National Sound Archive der British Library befindet sich eine Aufnahme von Thelma Reiss.


    http://www.concertprogrammes.org.uk/html

    Die britische Concert Programmes Database verzeichnet mehrere Konzertprogramme von Thelma Reiss.

    Forschung

    Zu Thelma Reiss stehen zur Zeit keine weiterführenden Forschungsinformationen zur Verfügung. Ein möglicher Nachlass ist nicht bekannt. Das „National Sound Archive“ der British Library verzeichnet lediglich eine einzige Aufnahme mit Thelma Reiss, obwohl sie über zwei Jahrzehnte regelmäßig in Rundfunkkonzerten der BBC auftrat. Auf eine mögliche Unterrichtstätigkeit von Thelma Reiss gibt es bislang keine Hinweise.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Thelma Reiss umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeiten. Bislang ist lediglich eine Dokumentation ihrer größeren Konzerte in Großbritannien und des dort gespielten Repertoires möglich. Über ihre Konzertreisen ist bislang nichts Näheres bekannt. Ungeklärt ist auch der Hinweis, dass Thelma Reiss privat von der portugiesischen Cellistin Guilhermina Suggia unterrichtet worden sei.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 28. August 2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 10.09.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Thelma Reiss“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 10.9.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Thelma_Reiss