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    von Jörg Rothkamm
    Sybil Westendorp
    Namen:
    Sybil Westendorp
    Geburtsname: Sybil Orthmann
    Lebensdaten:
    geb. in Wuppertal, Deutschland
    gest. in Hamburg, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin, Organistin, Übersetzerin, Verwaltungsangestellte, Stifterin.

    Profil

    Nach einer professionellen Ausbildung als Pianistin und Komponistin sowie sechsjähriger Organistinnentätigkeit übte Sybil Westendorp musikalische Aktivitäten überwiegend im privaten Rahmen neben musikfernen Berufstätigkeiten aus. Erst im Alter widmete sie sich hauptsächlich der Komposition, erreichte aber keine öffentlichen Aufführungen mehr.

    Orte und Länder

    Künstlerische Ausbildung in Hamburg (Deutschland); Kompositionen und Konzerte ebd.

    Biografie

    Als Tochter einer Sängerin vom 8. Lebensjahr an Ausbildung am Vogt’schen Konservatorium in Hamburg bei Herrn Stahmer, Hans Ferdinand Schaub und Robert Müller-Hartmann (Komposition) sowie Prof. Moritz Violin (Klavier); zusätzlich Privatunterricht bei Paul Strecker; erster Auftritt in der Hamburger Musikhalle mit dem Italienischen Konzert von Bach im Alter von 11 Jahren; 1933-1939 Organistin bei den Hamburger Strafanstalten am Holstenglacis; Übersetzerin im Hamburger Ausländergefängnis; eigene Kompositionsabende mit Klavierkompositionen und Liedern in den 50er und 60er Jahren, u.a. im Steinway-Haus Hamburg; nach dem Krieg Sachbearbeiterin für Mutterschutzurlaub im Sozialamt Hamburg-Blankenese, nebenbei Kompositionen; nach der Pensionierung Mitte der 70er Jahre rege Kompositionstätigkeit in einer zu einem Studio umfunktionierten Hinterhofgarage in Blankenese; keine öffentlichen Konzerte mehr, aber regelmäßige Tonbandaufnahmen der eigenen Werke, die Freunden und Bekannten vorgespielt wurden.

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    Siehe in der Materialsammlung: Jörg Rothkamm und Christina Samtleben. „Musik im Verborgenen. Die letzten Jahre der Komponistin Sybil Westendorp“.

    Würdigung

    Obwohl Sybil Westendorp wenig Aufführungsmöglichkeiten zu Lebzeiten hatte, verstand sie sich primär als Komponistin. Dies erkennt man auch daran, dass sie den vorgezeichneten Weg einer pianistischen Karriere trotz ihrer diesbezüglichen Fähigkeiten nicht einschlug. Ihre Etablierung als Komponistin wurde jedoch nicht nur durch den Nationalsozialismus und die chauvinistische Einstellung mancher Kulturschaffender verhindert, sondern auch durch ihre ausgeprägte Traditionsverbundenheit. Dass sich ihr musikalisches Talent schon in so frühen Jahren entwickelte, stellte sich dabei letztlich als hinderlich heraus. Denn ihre Ausbildung in den 1920er Jahren führte zu einer stilistischen Prägung, welche die Einbeziehung der nach dem Zweiten Weltkrieg von Kulturschaffenden favorisierten Stile und Techniken fast unmöglich machte. Bedauerlich ist, dass Sybil Westendorp erst dann wieder ausreichend Zeit zum Komponieren hatte, als kaum mehr Aufführungsmöglichkeiten abzusehen waren. Schon früher hatte sie sich jedoch auf die Komposition kleiner Charakterstücke und Melodramen verlegt. Außer dem Vorteil, diese kurzen Stücke neben einer anderen Tätigkeit komponieren zu können, dürfte auch ein aufführungspraktischer Grund ausschlaggebend für diese Beschränkung gewesen sein. Die Komponistin war auf keine öffentlichen Aufführungen angewiesen, um ihre Werke hören zu können.

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    Nach dem Frühwerk (zwei Klavierkonzerte, ein Violionkonzert und ein Klavierquartett) vor allem Kompositionen für Klavier solo (kurze Charakterstücke mit meist programmatischen Titeln, oft angeregt von Bildern, Lyrik oder Reiseimpressionen) sowie für Klavier mit Sprech- (seltener Sing)stimme in melodramatischer Machart (nach Texten von Morgenstern, Rilke, Trakl, Lasker-Schüler, Achmatowa, Hacks u.a.). Letztere sind meist tonale Stücke mit leicht fasslicher Form in teils neoromantischem, teils impressionistischem, aber auch volksmusikalisch inspiriertem Duktus von mittlerem Schwierigkeitsgrad, aber mit differenziertem Klaviersatz.

    Rezeption

    Außer den von ihr selbst veranstalteten wenigen Konzerten in Hamburg sind zu Lebzeiten Westendorps keine Aufführungen bekannt; ihre Lebensgefährtin Eva Friedemann hatte sich erfolglos für Aufführungen bei etablierten Konzertveranstaltern eingesetzt. Sybil Westendorp gründete per Testament jedoch selbst eine Stiftung innerhalb der Internationalen Komponistinnen Bibliothek Unna als Voraussetzung für die weitere Rezeption ihrer Werke. Ebendort wurde am 17. März 2002 ein Konzert mit einer Auswahl ihrer Melodramen für Klavier und Sprechstimme veranstaltet.

    Werkverzeichnis

    Insgesamt etwa 2800 Kompositionen, darunter zwei Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, sechs Märsche für großes Blasorchester und ein Klavierquartett sowie vor allem Kompositionen für Klavier solo sowie für Klavier mit Sprech- (seltener Sing)stimme. Alle Autographe befinden sich in der Internationalen Komponistinnen Bibliothek Unna.

    Repertoire

    Als Pianistin u.a. das Italienische Konzert von Bach, ein Rondo von Mozart und Lieder von Schubert.

    Quellen

    1. Literatur und Quellen


    "Kompositionsort: Garage". Sybil-Westendorp-Matinee 17. März 2002. Hg. Beatrix Borchard / Jan Boecker. Sybil-Westendorp-Stiftung / Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna 2002.


    Andrea Werbinsky (Bearbeiterin): Werkverzeichnis [Inventar] Sybil Westendorp. Typoskript Internationalen Komponistinnen Bibliothek Unna [2003] (55 S.).


    2. Links


    Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna (wird z. Zt. überarbeitet)

    Forschung

    Sybil-Westendorp-Stiftung / Internationale Komponistinnen Bibliothek Unna; Komponistinnen-Bibliothek@t-online.de; Telefon: 02303/205911

    Forschungsbedarf

    Edition und nähere Analyse der Werke; nähere Recherche der frühen Biographie Westendorps; weitere Rezeptionsforschung.

    Autor/innen

    Jörg Rothkamm, Die Grundseite wurde im Oktober 2003 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Sophie Fetthauer
    Zuerst eingegeben am 26.05.2004


    Empfohlene Zitierweise

    Jörg Rothkamm, Artikel „Sybil Westendorp“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 26.5.2004.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Sybil_Westendorp