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  • Sophie von Baudissin

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Sophie von Baudissin
    Geburtsname: Sophie Kaskel
    Varianten: Sophie von Kaskel, Sophie von Wolf-Baudissin, Sophie Sophie Baudissin, Sophie Sophie Kaskel, Sophie Sophie Wolf-Baudissin, Gräfin von Baudissin, Gräfin von Kaskel, Gräfin von Wolf-Baudissin, Gräfin Gräfin Baudissin, Gräfin Gräfin Kaskel, Gräfin Gräfin Wolf-Baudissin, Wolf von Baudissin, Wolf von Kaskel, Wolf von Wolf-Baudissin, Wolf Wolf Baudissin, Wolf Wolf Kaskel, Wolf Wolf Wolf-Baudissin, von von Baudissin, von von Kaskel, von von Wolf-Baudissin
    Lebensdaten:
    geb. in Dresden, Deutschland
    gest. in Dresden, Deutschland

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Schriftstellerin, Kinderbuchautorin
    Charakterisierender Satz:

    „Die Gräfin Baudissin ist eine unserer besten Claviervirtuosinnen und eine vielseitig gebildete Dilettantin. Dass sie ein recht angenehmes Talent zu Composition hat, beweist sie durch die Herausgabe dieser kleinen Compositionen, die zugleich viel Geschmack verrathen. [...] Sämmtliche Compositionen sind brillant, ohne schwierig zu sein.“


    („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom August 1843, Sp. 595)


    Profil

    Sophie von Baudissin wurde von zwei herausragenden Klavierpädagogen und Pianisten ihrer Zeit musikalisch ausgebildet, Johann Peter Pixis und Adolph Henselt; zudem erhielt sie Kompositionsunterricht von Ferdinand Hiller. Öffentliche Auftritte von ihr sind bislang nicht bekannt. Vermutlich war ihr Spiel zunächst auf verschiedene Dresdner Privathäuser beschränkt: auf das Haus ihres Vaters, des Bankiers Michael Kaskel, später auf ihr eigenes Haus, das sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Diplomaten, Übersetzer und Schriftsteller Wolf Graf von Baudissin führte, und auf das Haus ihres Bruders, des Bankiers und Komponisten Carl Kaskel. Eine erste Kompositionssammlung Sophie von Baudissins erschien 1843 unter dem Titel „Feuilles d’Album“ im Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel. Die Sammlung enthielt zahlreiche Klavierstücke, darunter Nocturnes, Mazurken, Lieder ohne Worte und Etüden. Ein Impromptu folgte 1844 im Dresdner Musikverlag Meser. Vierzig Jahre lang wurden keine weiteren Kompositionen Sophie von Baudissins verlegt; in dieser Zeit wirkte sie in der Öffentlichkeit ausschließlich als Schriftstellerin bzw. Kinderbuchautorin. Erst ab 1884 veröffentlichte sie weitere Kompositionen im Berliner Verlag Challier & Co., darunter mehrere Liedsammlungen sowie Klavierstücke. Fast alle ihre Kompostionen wurden in der Öffentlichkeit wahrgenommen und in verschiedenen Musikzeitschriften rezensiert.

    Orte und Länder

    Sophie von Baudissin wurde in Dresden geboren und verbrachte dort ihr Leben. Nach ihrer Heirat hielt sie sich häufig auf dem Sommersitz des Ehepaares in Wachwitz bei Dresden auf. In ihrer Jugend studierte sie bei Adolph Henselt und Johann Peter Pixis Klavier, vermutlich zeitweise auch in Paris bzw. St. Petersburg.

    Biografie

    Sophie von Baudissin wurde als Sophie Kaskel am 27. Juli 1818 (bzw. am 4. März 1813) als jüngstes Kind von insgesamt neun Kindern des Kgl.-Sächsischen Kommerzienrats und Bankiers Michael Kaskel und seiner Frau Sarah, geb. Schlesinger, in Dresden geboren. Das Dresdner Haus der jüdischen Familie Kaskel war im 19. Jahrhundert eng mit dem internationalen Musikleben verbunden. Zu den Freunden gehörten u. a. die Familien Wieck und Mendelssohn sowie die Komponisten Robert Schumann, Giacomo Meyerbeer, Julius Benedict und Carl Gottlieb Reissiger. Clara Wieck trat dort mehrfach auf, und auch Frédéric Chopin spielte bei seinem Besuch 1835 in Dresden im Haus Kaskel (vgl. Hempel 2008, S. 83). Bereits 1824 ließen Sarah und Michael Kaskel ihre Kinder evangelisch taufen (vgl. Kaskel 1983, S. 167).


    Sophie von Baudissin, geb. Kaskel, erhielt von klein auf eine fundierte Ausbildung im Fach Klavier. Als Jugendliche studierte sie privat Klavier bei Johann Peter Pixis, der ab 1825 in Paris lehrte, und bei Adolph Henselt (vgl. Michaelis 1888, S. 5), zudem wurde sie von Ferdinand Hiller in Komposition unterrichtet (vgl. Sietz Bd. 4, 1965, S. 161). Spätestens ab Anfang der 1830er Jahre war Sophie von Baudissin freundschaftlich mit Clara Wieck, später auch mit Robert Schumann verbunden. Am 8. Juni 1834 schrieb Clara Wieck an Robert Schumann: „Hier in Dresden hat man sich, und besonders Sophie Kaskel (ein hübsches Mädchen), ganz in Ihre Impromptüs verliebt und studirt sehr fleißig daran“ (zit. n. Litzmann, Bd. I, S. 72). 1835 widmete Clara Wieck ihre „Quatre Pièces caractéristiques“ (op. 5) der Freundin. Spätestens ab 1837 gehörte Sophie Baudissin unter dem Namen Sara zum „Davidsbündler“-Kreis um Robert Schumann (vgl. Jansen 1883, S. 32) und veröffentlichte am 22. August 1837 in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ einen Artikel über ihren Lehrer Adolph Henselt, in dem es u. a. heißt: „Henselt [...] schreibt nur Musik, er ist ganz Melodie – seine Sachen sind so hinreißend schön, so zum Herzen dringend, so einfach und wahr, daß es Ihnen nie einfallen wird zu bemerken, wie neu sie auch sind; eben so wenig werden sie die Schwierigkeiten beachten, die auch er nur als Mittel, nie als Zweck betrachtet.“ („Sara“ 1837, S. 57f.) Trotz ihrer herausragenden musikalischen Ausbildung sind von Sophie von Baudissin keine öffentlichen Auftritte bekannt.


    Am 26. Oktober 1840 heiratete Sophie von Baudissin den Diplomaten, Schriftsteller und Übersetzer Wolf Heinrich Friedrich Karl Graf von Baudissin (1789-1878); die Ehe blieb kinderlos (vgl. Goldmann 1976, S. 29). Das Ehepaar pflegte sowohl in Dresden als auch im Sommerhaus in Wachwitz bei Dresden einen großen Freundeskreis, zu dem u. a. Hans Christian Andersen, Ludwig Tieck, Fanny Lewald, Emanuel Geibel, Bertold Auerbach, Klaus Groth, Robert und Clara Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Ferdinand Hiller, Gustav Freytag und Paul Heyse gehörten (vgl. Goldmann 1976 und 1981; Kaskel 1983; Gebhardt 1998, S. 26).


    Das erste Album mit eigenen Kompositionen Sophie von Baudissins erschien 1843 unter dem Titel „Feuilles d’Album“ im Leipziger Musikverlag Breitkopf & Härtel. Es enthielt mehrere Etüden, Nocturnes, Mazurken und Lieder ohne Worte sowie eine „Valse brillante“ und die Klaviertranskription einer Romanze von Louis Spohr. In seiner Zusammenstellung wirkt es wie ein Resumée ihrer Studienzeit als Pianistin und Komponistin. Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ rezensierte die Sammlung „wohlwollend“: „Die Gräfin Baudissin ist eine unserer besten Claviervirtuosinnen und eine vielseitig gebildete Dilettantin. Dass sie ein recht angenehmes Talent zu Composition hat, beweist sie durch die Herausgabe dieser kleinen Compositionen, die zugleich viel Geschmack verrathen. Spohr’s Romanze ist sehr gut bearbeitet. Die Etuden sind mit Ausnahme einiger kleinen Härten, die durch Unbehilflichkeit im Modulieren hervorgehen, recht brav. In den übrigen Compositionen guckt Henselt und Chopin u. s. w. manchmal freundlich hervor. Referent hofft, dass diese Sammlung sich recht viele Freunde erwerben und bei ihnen, als das Werk einer Dilettantin, eben so nachsichtige Beurtheilung finden werde. Sämmtliche Compositionen sind brillant, ohne schwierig zu sein.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom August 1843, Sp. 595) Ein Jahr später, 1844, veröffentlichte Sophie von Baudissin ein Impromptu für Klavier im Dresdner Musikverlag Meser.


    In den folgenden Jahrzehnten wirkte Sophie von Baudissin überwiegend als Kinder- und Jugendbuchautorin. Unter dem Pseudonym „Tante Aurelie“ schrieb sie u. a. „Kinder- und Novellen-Märchen“ (Berlin 1849) sowie die Erzählungen „Der Pflegesohn“ (Stuttgart 1853) und „Die Stieftochter“ (Stuttgart 1854) und gab u. a. einen „Theater-Almanach für die Jugend“ (Stuttgart 1849ff.) und die „Bunten Blätter, Zur Unterhaltung und Belehrung heranwachsender Mädchen“ (Wien 1861) heraus. Zu ihren bekanntesten Werken als Autorin gehörte vermutlich „Erlebtes und Erzähltes“, das ab 1865 in zahlreichen Auflagen erschien.


    Erst nach dem Tod ihres Mannes 1878 begann Sophie von Baudissin wieder zu komponieren. Über diesen Wiederbeginn schrieb sie am 18. Mai 1881 an Ferdinand Hiller: „Wie ich nun, – da eigentlich Alles für mich aufgehört hat, zu sein, wieder dazu kam, auf meine alten Tage mich an den Contrapunkt zu machen? – Felix [Kaskel, Neffe Sophie von Baudissins], der mitleidig meinen Bemühungen zusah, mich von meiner Seelenstimmung durch abziehende Thätigkeit zu zerstreuen (Latein etc.), rieth mir, bei dem Lehrer seines Sohnes Carl, Herrn Kößler, einmal in Erfahrung zu bringen, was Alles ich nicht wüßte. Erschöpft habe ich natürlich diese Erfahrung noch lange nicht! – Aber es hat mich interessiert und mein Lehrer hat Geduld und Nachsicht geübt.“ (Brief von Sophie von Baudissin an Ferdinand Hiller vom 18. Mai 1881, in: Sietz Bd. 4, 1965, S. 161) Demnach nahm Sophie von Baudissin ab ca. 1879/80 Kompositionsunterricht bei Hans Kößler, der zu dieser Zeit Lehrer für Orgel und Komposition am Dresdner Konservatorium war. Im gleichen Brief würdigte sie zudem ihren Unterricht bei Ferdinand Hiller. Bezogen auf Hans Kößler schrieb sie: „Sein klarer Vortrag beim Unterricht und zumal die Bestimmtheit seiner Rathschläge haben mich an die Kürze und Prägnanz erinnert, mit welcher Sie ehedem zustimmend oder tadelnd über meine Compos[itions]-Versuche richteten. Wie wenig Stunden es auch leider nur waren, dachte ich doch stets bei Allem, was ich seitdem noch zu comp[onieren] nicht lassen konnte, immer an Ihre Lehren.“ (Brief von Sophie von Baudissin an Ferdinand Hiller vom 18. Mai 1881, in: Sietz Bd. 4, 1965, S. 161) Die in den folgenden Jahren publizierten Klavierkompositionen Sophie von Baudissins waren – wie auch ihr literarisches Werk – überwiegend an Kinder gerichtet. Zwischen 1884 und 1892 erschienen im Berliner Verlag Challier & Co. u. a. Drei Lieder ohne Worte op. 2, Zwölf kleine Stücke für Klavier op. 3, Acht kleine Stücke für Klavier op. 8, Zwei Klavierstücke op. 10 sowie die „Träumereien“ - Kleine Charakterstücke für Klavier op. 11. Die musikpädagogische Zeitschrift „Der Klavierlehrer“ rezensierte ihre opp. 2 und 3 eher zurückhaltend: „Ein freundliches Talent zeigt sich in allen diesen Stücken, auch verrathen sie ernstliche Studien sowohl in der Formenlehre als im Kontrapunkt, doch sind sie im Ganzen zu ungleich und vielfach zu unbedeutend und konventionell. Von den 3 Liedern ohne Worte heben wir Nr. 2, Duettino, und von den kleinen Stücken Nr. 7 und 8 besonders hervor. Verschiedene von den anderen Stücken haben zu sehr den Charakter einer leicht hingeworfenen Improvisation am Klavier, andre spielen in das Genre einer kleinen Etüde für irgendeinen technischen Zweck. Es lässt sich aber den späteren Gaben der Komponistin wohl ein gutes Prognostikon stellen.“ („Der Klavierlehrer“ vom 1. Februar 1886, S. 34) Zudem veröffentlichte Sophie von Baudissin mehrere Liedsammlungen, ebenfalls bei Challier & Co. in Berlin, darunter die opp. 4 und 5 mit Vertonungen von Gedichten Emanuel Geibels (1884) und „Sechs Lieder für eine Singstimme mit Klavier und Violoncello“ nach Gedichten von Minna Duboc, Emanuel Geibel und Joseph von Eichendorff, op. 7 (1885). (Die Violoncellostimme wurde zudem von dem Violoncellisten Friedrich Grützmacher revidiert.) Mit Emanuel Geibel war Sophie von Baudissin persönlich bekannt, wie aus einem Brief vom 5. Mai 1884 an Ferdinand Hiller über Geibels Nichte Bertha Geibel hervorgeht: „Freilich kenne ich sie [Bertha Geibel], denn [Emanuel] Geibel hatte uns eingeladen, als wir das vorletzte Mal in Holstein waren, 2 Tage bei ihm in Schwartau zu wohnen, wo ich, ebenso bei einem späteren Besuch in Lübeck, wohl ermessen lernte, was sie ihrem Onkel war.“ (Brief von Sophie von Baudissin an Ferdinand Hiller vom 5. Mai 1884, in: Sietz, Bd. 5, 1966, S. 78). Die in den Zeitschriften „Der Klavierlehrer“ und „Musikalisches Wochenblatt“ erschienenen Rezensionen sind eher „freundliche“ Nachrichten über die erschienenen Kompositionen. Über die Sammlungen opp. 4 und 5 hieß es z. B.: „Wenn gleich sich ein freundliches, der Pflege werthes Talent in diesen kleinen durchweg Geibelschen Liedern verräth, so ist der Komponistin doch noch anzurathen, mehr Sorgfalt auf die Deklamation zu legen, noch wählerischer in der Führung der Melodien zu sein und nach charakteristischerem Ausdrucke zu streben.“ („Der Klavierlehrer“ vom 1. Mai 1886, S. 104) Über op. 7 schrieb das „Musikalische Wochenblatt“: „Die Gedichte von Eichendorff, Geibel und Minna Dubor sind mit freundlichen, leicht eingänglichen Melodien versehen und die beiden accompagnirenden Instrumente musikalisch ganz interessant behandelt. Das Ganze sieht überhaupt völlig respectabel aus und wird sehr nett klingen.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 18. September 1890, S. 475)


    Die Briefe Sophie von Baudissins an Ferdinand Hiller belegen, wie intensiv sie in den 1880er Jahren am internationalen Musik- und Literaturleben und den darin agierenden Menschen teilnahm. Die Briefe berichten u. a. von Julius Benedict, Hans von Bülow, Eugène d’Albert, Emil Naumann, Franz Wüllner, Rochus Freiherr von Liliencron und Gustav Freytag. Ebenso belegen sie, dass Sophie Baudissin in ihrem Haus nach wie vor musizierte. Am 20. Juni 1884 schrieb sie: „Baron [Rochus Freiherr von] Liliencron überrumpelte mich mit seinem Cello und spielte ein paar Beethovensche Sonaten mit mir“ (Brief von Sophie von Baudissin an Ferdinand Hiller vom 20. Juni 1884, in: Sietz Bd. 5, 1966, S. 88). Im Mai 1882 schlug sie Ferdinand Hiller, möglicherweise auf dessen Anfrage hin, einen Opernstoff vor: „Über den Opernstoff habe ich viel nachgedacht: wenn es eine Dorfgeschichte sein soll – warum dann nicht ‚la mare au diable’ von der Sand? auch würde es mich nicht abhalten, die ‚petite fadette’ wieder vorzuschlagen, weil sie schon einmal für die Bühne zugeschnitten worden ist. Ich glaube aber, daß trotz succes, den das ‚goldene Kreuz’ erfahren, die Dorfgeschichte nur immer ein kleines Publikum bei uns haben wird, und alle ihre Vorzüglichkeiten könnten auch in einem Märchen zur Geltung kommen, welches zugleich über féerie und dergleichen verfügen kann. Vor ewigen Zeiten, als noch Niemand an das ‚Dornröschen’ dachte, schlug ich es einmal Felix Mendelssohn, der auch um einen Opernstoff verlegen war, vor. Es reizte ihn sehr, und er wollte mit Eduard Devrient darüber sprechen. Bekanntlich ist nichts aus der Sache geworden.“ (Brief von Sophie Baudissin an Ferdinand Hiller vom 23. Mai 1882, in: Sietz Bd. 5, 1966, S. 16) Darüber hinaus blieb Sophie von Baudissin in das Dresdener kulturelle Leben eingebunden, auch durch ihren Bruder, den Bankier und Komponisten Carl Kaskel sowie durch dessen Sohn Felix Kaskel, die beide in Dresden zahlreiche Kontakte zu Musikern, Literaten und Bildenden Künstlern pflegten und jeweils offene Häuser führten.


    Sophie von Baudissin starb am 9. Dezember 1894 in Dresden.

    Würdigung

    Sophie von Baudissin war von klein auf und zeitlebens in den Kreis Dresdener und Leipziger Musikerinnen und Musiker um Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert und Clara Schumann, Julius Rietz, Julius Benedict, Emil Naumann, Franz Wüllner u. v. a. integriert und galt als hervorragende Pianistin. Dabei ist davon auszugehen, dass sie mit den Musikerinnen und Musikern in verschiedenen Hauskonzerten musizierte; konkrete Auftritte sind bislang jedoch nur rudimentär belegt. Ebenso lässt sich vermuten, dass sie ihre Kontakte nutzte, um jüngere Künstler zu protegieren. So vermittelte sie z. B. ihren späten Kompositionslehrer Hans Kößler über Ferdinand Hiller als Kapellmeister an das Kölner Stadttheater (Brief von Sophie von Baudissin an Ferdinand Hiller vom 18. Mai 1881, in: Sietz Bd. 4, 1965, S. 161). Sowohl zu Beginn ihrer Ehe als auch nach dem Tod ihres Mannes veröffentlichte Sophie von Baudissin mehrere Kompositionen, teilweise für Kinder. Im Jahr 1893 nahm Anna Morsch Sophie von Baudissin in ihr Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ auf, dessen „biographische Skizzen“ zur Repräsentation Deutschlands auf der Weltausstellung in Chicago 1893 entstanden waren (Morsch 1893, S. 55).

    Rezeption

    Eine Rezeption der Werke und Tätigkeiten Sophie von Baudissins findet derzeit nicht statt (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“).

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Baudissin, La Comtesse de. Feuilles d’Album für Klavier. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1843. Erschienen als Sammlung und in Einzelheften:

    No. 1 Romance de Spohr, transcrite [pour piano] – No. 2 Trois Etudes – No. 3 Trois Nocturnes – No. 4 Grande Valse brillante – No. 5 Deux Mazourkas – No. 6 Six Mélodies sans Paroles.


    Baudissin, La Comtesse de. Impromptu. Dresden: Meser, 1844.


    Baudissin, Sophie Wolf. Drei Lieder ohne Worte für Klavier, op. 2. Berlin: Challier & Co., 1884.

    darin u. a.: Nr. 2 Duettino


    Baudissin, Sophie Wolf. Zwölf kleine Stücke für Klavier, op. 3. Berlin: Challier & Co., 1884.


    Baudissin, Sophie Wolf. Drei Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 4. Berlin: Challier & Co., 1884.

    1. „Vöglein, wohin so schnell?“ – 2. „Mein Herz ist wie die dunkle Nacht“ – 3. „Und wenn die Primel schneeweiss blickt“.


    Baudissin, Sophie Wolf. Sechs Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, op. 5. Berlin: Challier & Co., 1884.


    Baudissin, Sophie Gräfin Wolf. Sechs Lieder für eine Singstimme mit Klavier und Violoncello (Vcl.-stimme revidiert und mit Bezeichnung versehen von Friedrich Grützmacher), op. 7. Berlin: Challier & Co. 1885.

    1. Sehnsucht: „Ach, ihr schönen Tage“ (Duboc) – 2. Ständchen: „Kennst du nicht den alten Ton“ (Duboc) – 3. An die Laute: „Du liebe, treue Laute“ (Eichendorff) – 4. „Nun ist der Tag geschieden“ (Geibel) – 5. Abschied: „Lebt wohl, meine Freunde“ (Duboc) – 6. Spielleute: „Wir ziehen singend durch die weite Welt“ (Duboc).


    Baudissin, Sophie Gräfin Wolf. Variationen a-Moll über ein eigenes Thema für zwei Klavier zu vier Händen, op. 8. Berlin: Challier & Co, 1887.


    Baudissin, Sophie Wolf. Acht kleine Stücke für Klavier, op. 9. Berlin: Challier & Co., 1889.

    Marsch – Menuetto – Mazurek – Wiegenlied – Bitte – Mädchenträume – Märchen – Abendstimmung.


    Baudissin, Sophie Gräfin Wolf. Zwei Klavierstücke, op. 10. Berlin: Challier & Co., 1890.

    Auf dem Marsche – Am Bach


    Baudissin, Sophie Gräfin Wolf. Träumereien. Kleine Charakterstücke für Klavier, op. 11. Zwei Hefte. Berlin: Challier & Co., 1891/92.

    Heft 1: Schneegestöber u. Sonnenblicke – Frühlingsfeier – Straussbinden – Gondelfahrt – Sternschnuppen.

    Heft 2: Glückwunsch – Schmetterlingsflug – In der Schaukel – Seiltanz – Einschlummern.



    Musikschriften


    [unter dem Pseudonym „Sara“]: „Adolph Henselt“, in: „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 22. August 1837, S. 57 f.



    Literarische Werke


    Sophie von Baudissin veröffentlichte unter dem Pseudonym „Aurelie“ bzw. „Tante Aurelie“ zahlreiche Kinderbücher. Ein Verzeichnis ihrer literarischen Werke hat Bernd Goldmann zusammengestellt (vgl. Goldmann 1976, S. 32).

    Quellen

    Literatur


    Gebhardt, Armin. Robert Schumann. Leben und Werk in Dresden. Marburg: Tectum Verlag, 1998.


    Goldmann, Bernd. Artikel „Baudissin, Wolf Heinrich Friedrich Karl Graf von“. In: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, hg. von Olaf Klose und Eva Rudolph. Bd. 4. Neumünster: Karl Wachholtz Verlag, 1976, S. 29-32.


    Goldmann, Bernd. Wolf Heinrich Graf Baudissin. Leben und Werk eines großen Übersetzers. Hildesheim: Gerstenberg-Verlag, 1981.


    Hempel, Dirk. Literarische Vereine in Dresden: kulturelle Praxis und politische Orientierung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Tübingen: Niemeyer, 2008.


    Jansen, Gustav F. Die Davidsbündler. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1883.


    Kaskel, Joachim Felix. Vom Hoffaktor zur Dresdner Bank. Die Unternehmerfamilie Kaskel im 18. und 19. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 28 (1983), S. 159-87.


    Litzmann, Berthold. Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen. 3. Bd. 4. Aufl., Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1920.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Schumann, Robert. Gesammelte Schriften über Musik und Musiker. Martin Kreisig (Hg.). 2 Bde. 5. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1914.


    Sietz, Reinhold. Aus Ferdinand Hillers Briefwechsel. Beiträge zu einer Biographie Ferdinand Hillers. 7 Bde. Köln: Arno Volk-Verlag, 1962 ff.



    Zeitungsartikel und Rezensionen


    Allgemeine musikalische Zeitung vom August 1843, Sp. 595.


    Der Klavierlehrer vom 1. Februar 1886, S. 34.

    Der Klavierlehrer vom 1. Mai 1886, S. 104.


    Musikalisches Wochenblatt vom 18. September 1890, S. 475.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk/2008/index.html (Stand: 5. Juni 2010)

    Die Datenbank „Hofmeister XIX“, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, enthält mehrere Einträge von Werken Sophie Baudissins.


    www.kalliope-portal.de (Stand: 5. Juni 2010)

    Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen „Kalliope“ verzeichnet zahlreiche Briefe von und an Sophie von Baudissin in verschiedenen deutschen Archiven, darunter Korrespondenz mit Berthold Auerbach, Franz von Dingelstedt und Julius Rietz.


    http://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/goethe-und-schiller-archiv.html (Stand: 5. Juni 2010)

    Im Goethe- und Schiller-Archiv der Stiftung Weimarer Klassik sind zahlreiche Briefe Sophie von Baudissins erhalten.

    Forschung

    Sowohl von Sophie von Baudissin als auch von ihrem Mann sind umfangreiche Briefwechsel erhalten, mit deren systematischer Recherche und Auswertung sich sicherlich auch die musikalischen Tätigkeiten und Kontakte Sophie von Baudissins präzisieren ließen (vgl. „Links“). Ferner sind von Wolf Heinrich Graf Baudissin von 1832 bis 1878 nahezu lückenlos Tagebücher erhalten, die sich in Privatbesitz der Familie von Rumohr (Bibliothek des Gutes Drült, Stoltebüll, Schleswig-Holstein) befinden (vgl. Goldmann 1981, S. 354).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Sophie von Baudissin umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 72135627
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116083441
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 24. Juli 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 09.08.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Sophie von Baudissin“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 9.8.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Sophie_von_Baudissin